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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | 86. Nachwort

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coinci­dentia opposi­torum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

  86. Nachwort

Auf der Suche nach einer moralischen Existenz



       

Bei Marx und Nietzsche setzen die einander feindlichen Frondeure von rechts und links an




Ist es Mensch möglich, eine moralische Existenz zu führen? Nietzsches Antwort ist der Verweis auf die ständige Wiederkunft des Gleichen, was der Mann als Herr in aller Herrenhaftigkeit tapfer zu ertragen habe. Bloch setzt dagegen optimistisch seinen aufrechten Gang, der Mensch ist nicht fertig und statisch, sondern werdend. Blochs Auskunft über die von Nietzsche gestellten richtigen Fragen, die der jedoch falsch beantworte, zielt auf den doppelten Friedrich. Als Dekon­strukteur der Kultur und Geschichte landete er im Nihilismus, was ihn so erschreckt, dass er mit Zarathustra die alte herrliche Herr­schafts-Gläubig­keit predigt, geteilt vom Haar­ansatz bis ins Schmerzens­herz. In hochge­stochener Sprache wird der kriege­rische Held einer mythischen statt klassischen Antike vorgeführt: Zurück zu den heroischen Ahnen und blonden Bestien. Die Abfolge in zwei Phasen ist kultur- wie struk­tur­bedingt: a) Dekon­struktion der herr­schenden Allgemein­heiten – junger Nietzsche – b) Erfindung eines neuen und doch retar­dierenden Glaubens gegen den (die) Alt­gläubigen – alter Nietzsche. Der Anfang so auch bei Jesus, der als Christus seine neue Religion gegen die ihn verfolgende alte setzt. Die Ent­zweiungen reichen über die Jahr­tausende bis heute. Im Bereich der Aufklärung Nietzsche als Aufklärer und Retour­kutscher, Marx als Dekon­struk­teur des Kapitals und – vergeb­licher – Revo­lutions­theo­retiker. Bei Marx wie Nietzsche setzen die einander feindlichen Frondeure des 20. Jahr­hunderts an. Die Nietzsche-Linie reicht über Heidegger und Sartre zu den neuen franzö­sischen Philo­sophen, die Sartre und Marx, soweit überhaupt einbezogen, bald eli­minieren und per Dekon­struktion zu Antitota­litaristen werden, d.h. Kriege führen lassen. Die Marx-Linie führt über Lenin/Trotzki zu Bloch/Lukács, die als öst­liche Dekon­struk­teure 1956/57 von der partei­lichen Sklaven­sprache zum Klartext über­gingen und dafür gemaß­regelt wurden. Die zum Schwei­gen gebrach­ten Links­intel­lek­tuel­len des Ostens ent­sprechen dem deut­schen Grund­muster des Umgangs von Partei und Staatsmacht mit Linksdenkern. Für den Marsch in die Abgründe wären sie hinderlich. Also fort mit ihnen. Wie kann der Mensch dabei noch eine moralische Existenz führen?


Gert Gablenz in Griechenland?
Unser Pseudonym Gert Gablenz, längere Zeit untätig, machte in Griechenland Urlaub, um der Wirtschaft aufzuhelfen. Einmal im Ursprungs­land der Demo­kratie einge­troffen und ange­sichts der Akro­polis entwarf er das Exposé der Komödie Krampf der Kul­turen. Das geht ganz und gar aristopha­nisch unge­fähr so:
 1923 wird aus dem revo­lutio­nären ein post­revo­lutio­näres Deutsch­land, das sich schubweise in die prä­faschis­tische Weimarer Republik und 1933 offen ins Dritte Reich verwandelt, bis es endlich unverblümt mit Deutschland über alles und Horst-Wessel-Lied die imperialen Kriegs­ziele des Kaiser­reichs verfolgen kann. Die Auf­teilung nach 1945 vivi­seziert Deutsch­land in drei West­zonen und eine Ostzone, bis sich BRD und DDR als Feinde konfrontieren. Im Osten die Kommunisten, die 1933 reichs­deutsch besiegt wurden, im Westen die früheren und künftigen Sieger, die l989/90 erneut sie­gend endlich ihr er­sehntes einiges Deutschland darstellen können. Womit die Geschichte von Wei­mar II beginnt, und alles ganz ohne Goethe, der sich halsüberkopf als Exilant nach Leipzig in Auerbachs Keller rettet …
  Soweit unser Schalk – ohne Golodkowski. Beige­fügt eine Liste, in der die anti­ken Namen des Aristophanes durch garantiert deutsche ersetzt werden, beginnend mit den Reichs­präsi­denten Ebert – Hinden­burg – Hitler als Trio der Über­gänge bis ins Heute, in dem es zugeht wie bei ARD bzw. ZDF, deren Come­dians den Regie­rungen vorschreiben, wie sie ihre Idiotien mit flachen Witze­leien post­demo­krati­sieren können, bis Europa endlich seine Rolle als DDR II akzeptiert und sich als Groß­deutschland II versteht.

Als ich Anfang 1933 erfuhr, unsere Boden­kammer-Bücher seien bedroht und müss­ten verheim­licht werden, sah ich mich mit der Verteidigung unseres Hausschatzes betraut und lebte wie ein engagierter Lite­ratur-Agent. Unan­genehm nur der späte­re Gedanke, was gewesen wäre, hätte Otto statt der revolutionären Bände die Werke natio­naler Schriftsteller gekauft, gelesen und ge­sammelt. Sie erhielten Anfang der dreißiger Jahre immer mehr Zulauf. Dagegen hatte ich das Glück, mich in eine kultu­relle Welt hinein­zu­lesen, in der dem Krieg der Kampf angesagt wurde – mit Wort und Tat, ich nenne es mit Kopf und Bauch. Das ist meine Formel. Man kann es auch als onto­logische und osto­logische Poeto­logie bezeichnen. Sie entsteht im lebens­langen Lern­prozess. Vom Tagebuch, diesem Notizheft, das die jeweils letzten vier­und­zwanzig Stunden bescheinigt als wären sie die letzten deiner Zeit, bis zur Auto­biographie als Summe der Tagesnotate, ergo deines Lebens zwischen Wunsch- und Angsttraum.
  Im Blick feindseliger Verallgemeinerer sind Christen und Kommunisten ero­bernde Glau­bens­krieger, Folterer, Diktatoren, Mörder. Der negativen Ver­all­gemei­nerung steht die positive gegenüber: Die Christen haben ihren leidenden Jesus, die Kommunis­ten ihren analysierenden Marx. Wer sich den Mühen der Diffe­renzie­rung zu unter­ziehen wagt, gelangt mit Derrida ebenso wie mit Bloch zu umstür­zend konkreten Erkenntnissen, setzt sich damit freilich Anfeindungen aus. Das be­ginnt schon bei Alltäg­lichkeiten wie der Gleich­setzung von links und rechts, Anti-Extre­mis­mus und Anti-Totali­taris­mus, meist unter Berufung auf Hannah Arendt, die dabei verfälscht wird. Siehe 11. Folge – poetenladen: »Hannah Arendt und die Ober­sturm­bannführer« sowie weitere Texte in der Serie.

Van der Lubbe
Marinus v. d. Lubbe als Allein­täter? Offe­ner Brief von Otto Köh­ler an den Bundes­tags­prä­si­den­ten Norbert Lammert
Die junge Welt vom 28.2.2012 brachte einen Offe­nen Brief von Otto Köhler an den Bundes­tags­prä­siden­ten Norbert Lammert zum Reichs­tags­brand­pro­zess im Jahr 1933. War Marius van der Lubbe Allein­täter? Gab es andere, waren die Nazis beteiligt? Köhlers Brief be­zich­tigt Lammert einer frag­würdigen Partei­nahme für Fritz Tobias, der Lubbe als Allein­täter sah und die Letzt­fassung seines Buches »vom mehr­fach vorbe­straften Nazi­verleger Wigbert Gra­bert« heraus­bringen ließ. Wird Köhlers Alarm-Brief Folgen haben? Nein. Er kommt doch von links. Da zählen Fakten nicht.
  Am 25./26.2.2012 fragte Knut Mellen­thin im nd nach einer Alter­native zum drohenden Krieg gegen den Iran und bot eine an. In derselben nd-Ausgabe interviewt Adelbert Reif den Russland-Experten Alexander Rahr und erhält hochaktuelle Antworten. Was bewirkt es? Kommt doch von links. Weg damit. Am 21.2.2012 steht in der jW: »Aus der Sack­gasse – Vor 40 Jahren: US-Präsi­dent Nixon besucht die Volks­republik China«, Autor ist wiederum Knut Mellenthin, der kennt­nis­reich dar­legt, wie zwischen Mao und Nixon tagelang über Vietnam geredet wurde, doch Nixon ließ weiter bomben und bomben, bis die USA den Schwanz doch noch einziehen mussten. »Mord ist das Hand­werks­zeug der Regie­rung« – Zitat aus einer tv-Do­kumen­tation über die CIA. Was ist da also noch links und rechts. In den Ver­einigten Staaten wie in Deutsch­land bedeutet links immer links­draußen. Unter Adolf wurde die Linke aus­gemerzt, unter Adenauer verboten. In der ur­sprüng­lichen Links­grün­dung DDR galt, als es ernst wurde, die intel­lek­tuel­le Linke als konter­re­volu­tionär. In der Berliner Republik darf sie bisher außer­halb vegetieren. Der Medien­markt frisst zwar auch seine eigenen Kinder, die Linke jedoch war schon vorher der outcast, obwohl in Bonner Zeiten aus Image­gründen hin und wieder kurz­fristig benötigt.
  Weil J. Gauck von Freiheit ewig und drei Tage schreibt und predigt, ließ die FAS am 26.2.2012 ihren Rainer Hank ein zwei Seiten umfassendes »Hoch auf die Freiheit« in feinster Seminar­fleiß­arbeit vorlegen. Die Rückseite enthält einen Artikel über »Das Geschäft mit dem G-Punkt«: »Seriöse Shops und bunte Vibratoren sollen Frauen locken …« Soviel am heiligen Sonntag in der Zeitung über Freiheit und Emanzipation per Vibrator. Der lockere FAS-Kopf­sprung von der Gauckschen Frei­heit zur weiblichen Lust-Erzeu­gung animiert zur Mediation, die, obwohl zwei­ein­halb­tau­send Jahre alt, gegen­wärtig großen Zulauf findet und gemein­hin als »Ver­mittlung eines Staates in einem Streit« erläutert wird. Es können auch mehrere Staaten sein. Bei­spiel­haft der West­fälische Friede von 1648, der den Drei­ßig­jährigen Krieg beendete. Inzwi­schen gibt es vielfache Schulen der Media­tion für den indi­viduellen oder geschäft­lichen Bereich. Das Rechts­wesen sucht damit die Gerichte zu entlasten. Die Aufgabe des Mediators als Ver­mittler zwischen den Strei­tern wird unter­schiedlich gehandhabt und kann als bloßer passi­ver Part, aber auch als aktiver Eingriff geschehen. Der Ur­quell des Verfahrens findet sich in der aristo­teli­schen Sprach- und Be­griffs­philo­sophie. Wo die Er­kennt­nis von bloßer Emotion über das Wort zum – logischen – Begriff reift, beginnt der Kultur­konflikt. Es gilt den diffe­ren­zie­renden Angel­punkt zu finden, an dem ent­schieden wird. Das gilt vom Ehestreit bis zum kriege­rischen Ernstfall.


In der Schule gibt es Sprechstunden über Mobbing und Mediation


In Leipzig schreckte ich in den fünf­ziger Jahren vor den Konse­quenzen zurück. Der Buchtitel Aristo­telische und Brecht­sche Dramatik verweist mit der Koppelung von Philosoph und Dichter in die Ästhetik. Andere Texte, in denen ich schärfer zupackte, blieben unver­öffent­licht, denn da ging es schnell ans Einge­machte. Da aber lauert die Sprach­frage als Machtfrage.
  Die Sprache von Bloch und Lukács weist bei allen Unterschieden den Duktus einer Erörterung ins Unbekannte auf. Was gesagt werden soll, wird nicht direkt ausgesprochen. Aus berechtigter Scheu vor unberechen­baren Folgen ergab sich sklaven­sprach­licher Widerspruch per List. Dies etwa mein aristotelischer Erkenntnisgewinn in den Jahren 1955/56. Womit sich der angestrebte 3. Weg als mediatives Erproben logischer Möglichkeiten inmitten der Konflikte herausstellte. Der Politik, die Gefühle nutzt, sind logische Begriffe allerdings unerwünscht und den Führern vorbehalten. Wenn sie jedoch auch nur ihren begriffslosen Emotionen nachgeben, sind die Folgen für die Geführten verheerend. Nennen wir den Kalten Krieg von 1945/50 bis 1990 einen Vierzigjährigen Krieg, so können wir alle dazwischen liegenden Ausgleichversuche als misslungene Mediationen einordnen. Verstehen wir dagegen Chinas kommunistischen Kapitalismus als gelungene Mediation zwischen Maoisten und Postmaoisten, so erkennen wir weitreichende Diffe­renzie­rungen. Im Kontrast zum heutigen China, aber auch zum Westfälischen Frieden nach dem Dreißigj­ährigen Krieg schlossen West und Ost weder 1945 noch 1990 noch danach einen vergleichsweisen Frieden. Ihre Unfähigkeit zur essentiellen Mediation garantiert analog zu Nietzsches ewiger Wiederkehr des Gleichen die ewige Abfolge von Weltkrisen und Weltkriegen. Wobei ewig ein Euphemismus fürs Endspiel mit Welt-Ende ist. Wer aber kann unter solchen Umständen noch eine mora­lische Existenz führen? Wer wagt sie überhaupt noch zu denken?

Das Tier hat Gefühl, doch weder Wort noch Begriff. Tier tötet Tier um es zu fressen oder aus dem eigenen Lebensbereich zu tilgen. Die Frage nach der mora­lischen Existenz stellt sich erst mit der Ent­fer­nung vom Tierreich und selbst dann oft nicht, wie die Geschichte bezeugt. Eine Politik, die auf Emo­tionen und sonst nichts baut, scheut den auf­klärenden Begriff und ersetzt ihn durch Ideologie samt Propa­ganda. Zum Beispiel das Wort Kom­munismus – per Gefühl signa­lisiert es für sehr viele Men­schen Feind­schaft, das Wort aber verweist aufs Kom­munis­tische Manifest als Dokument der politischen Philosophie von Marx und Engels, was An­alpha­beten nicht ver­mit­telbar ist. Ein anderes Beispiel ist die Beschnei­dung von männ­lichen Säug­lingen. Per Mediation spricht alles dafür, den lediglich im Glauben begrün­deten Vorgang vom frühen Zeitpunkt auf einen späteren zu verlegen, wenn der Ein­griff vom Betroffenen selbst gewünscht wird. Das scheitert an religiösen Bedin­gungen, wie Wirt­schaft und Ökonomie am eklatanten Fehl­bestand von Kennt­nissen scheitern. Es ist wie bei der Differenz zwischen Astronomie und Astrologie. Vertrauen macht selig. So wird es zum Tatbestand.

Es tut sich trotz alledem etwas. In der jungen Welt vom 17.7.2012 zieht der linke Leipziger Pro­fessor Ekkehard Lieberam weit­reichende kritische »Schluss­folge­rungen aus den Erfah­rungen des sozia­listischen Aufbaus in der DDR». Ich fürchte nur, außer einigen einge­schworenen jW-Lesern will das kaum noch jemand wissen. Dem Aufbau der DDR folgte pünktlich der Abbau – der zweite Teil als Kata­strophe. Warum kommt die Einsicht so arg verspätet? Wer kennt noch Siegfried Prokops zahlreiche Bücher über die DDR-Oppo­sition? Lieberam, gestützt auf Uwe-Jens Heuer und Harry Nick bedauert, dass Ulbrichts NÖS als neues DDR-Wirt­schafts­system nicht realisiert wurde. Wo findet sich ein Hinweis auf Fritz Behrens, der mit der­artigen Vor­schlägen und Plänen viel früher auftrat und damals so abge­straft wurde wie er heute unerin­nert bleibt. Die Chance wurde aus stali­nistischer Partei­dis­ziplin vertan. Frohe Zukunfts­kunde erreicht uns aus Dresden. Früher hörten wir von dort gern etwas über Prof. Peter Porsch. Der Professor durfte nicht andauern, der PDS-Vorsitz fand ein jähes Ende. Ein guter scharfer Sprach­meister, aus Öster­reich nach Sachsen einge­wandert, ist verloren gegangen. Immerhin will die starke sächsische Links­fraktion der schwarzen Regie­rung jetzt eine »emanzi­pierte Schwarm­intel­ligenz« entgegen­setzen. Nach Katja Kipping, die an die Spitze der Links­partei aufbrach, nun auch Aufbruch an der Elbe selbst? Sachsen wohin?



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Wer nennt und kennt heute noch die wich­tigen Bücher von Sieg­fried Prokop?



Aus Chemnitz kommen kulturelle Hoffnungs­schimmer. Der stern, schon auf dem Posten, signali­siert mit geradezu frivoler Lust: »Im Osten was Neues … Sie singen Hymnen auf die Provinz und lästern über Berlin. Die Chemnitzer Band KRAFTKLUB – Pop­helden einer neuen Generation …« Chemnitz, die Stadt mit dem Marx-Nischel zwi­schen Popcorn und Prophe­ten­tum auf der Suche nach top­musi­kali­scher Existenz? Was soll da noch Moral in Aus­verkaufs­zeiten am Abend vor der großen Pleite. Erst gibt's Pop, die Moral folgt kirchenamtlich im Wort zum Sonntag. In der FAZ fordert Constanze Kurz in ihrer Kolumne: »Schluss mit der Müdig­keit«, denn »die einen sind erwacht, die anderen reiben sich die Augen …« Die Augen reiben oder Sand reinstreuen. Dürfen die Ostler, seit 1990 an- und kurz­ge­schlos­sen, etwa hoffen? Vorsicht am Abgrund. Stark­strom­titel am 26. Juli 2012 im FAZ-Wirt­schafts­teil: »Ökonomen warnen vor Euro-Katas­trophe«. Die merken wirklich alles. Nur zu spät. Karl Marx lässt, mindes­tens als Chemnitzer Nischel, grüßen. Für Mediation ist es effektiv zu spät. Ganz wie 1989/90 in der DDR. Unser aller Sicherheit wird vor wie nach der Kata­strophe in Afgha­nistan und sonstwo ver­teidigt. Alles ist alter­nativ­los. Auch das dicke Ende in seinen Wiederholungen. »Durch Deutschland zieht ein apo­kalyp­tischer Reiter, der für viere aus­gibt.« (Karl Kraus)
  Unsere Eliten aber haben zu tun. Sitzen in Talkshows und diskutieren eifrig das Problem der Beschneidung. Links ist dagegen und rechts dafür oder umgekehrt. Die neue Münze nach dem Euro soll, wird kolportiert, Goldene Vorhaut heißen.
Gerhard Zwerenz    30.07.2012    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz