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Que Du Luu – Im Jahr des Affe
Königskinder Verlag 2016
Ralf Willms   24.11.2016
 
Zu Que Du Luus Jugendroman Im Jahr des Affen

Zu den Hauptleistungen des Buches „Im Jahr des Affen“ gehört, dass – bei allen graduellen und fundamentalen Unterschieden – sehr genau und weitgehend ein Gefühl dafür entwickelt werden kann, mittels Einsicht und Erkenntnis, womit das Leben eines „Flüchtlings“ – ein Un-Wort, wie Ulrich Siebgeber feststellte, wofür schon das Suffix „ling“ sorgt – befasst ist.

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Peter Richter – Dresden revisited
Luchterhand 2016
Dietmar Jacobsen   11.11.2016
 
Aus Liebe zu einer Ungeliebten
Peter Richter nimmt in Dresden revisited seine Leser mit in eine Stadt, die er vor einem Vierteljahrhundert verlassen, aber nie aus Augen und Sinn verloren hat

Dresden, die stolze Residenzstadt an der Elbe. Von Canaletto und Caspar David Friedrich gemalt.Von Erich Kästner, Heinz Czechowski, Durs Grünbein und Volker Braun bedichtet.Von Uwe Tellkamp und Ingo Schulze in jüngster Zeit zum Schauplatz großer Romane gemacht. Aber auch seit gut zwei Jahren die „umstrittenste Stadt im Lande“, wie Peter Richter, der 1973 dort geboren wurde, in seinem aktuellen Buch, Dresden revisited, schreibt.

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David Vann – Aquarium
Roman | Suhrkamp Verlag 2016
Dietmar Jacobsen   21.08.2016
 
Ende einer Kindheit
In seinem neuen Roman Aquarium erzählt David Vann zum ersten Mal eine Geschichte, die gut ausgeht - auch wenn er sich dazu mächtig verrenken muss

Die zwölfjährige Caitlin Thompson geht jeden Tag nach Schulschluss in Seattles Aquarium. Nach Hause – Caitlin wohnt mit ihrer alleinstehenden Mutter Sheri in einem Vorort der Stadt im Nordwesten der USA – ist es weit, und so nutzt das Mädchen die Zeit, bis die im Containerhafen arbeitende Mutter sie endlich abholen kommt, um in die fantastische Welt von Wesen einzudringen, die mit ihrer bunten Vielgestaltigkeit eine Art Gegenpol zu der von Caitlin Tag für Tag erlebten Tristesse darstellen.

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Weitere Rezensionen von Dietmar Jacobsen zu David Vann:
Goat Mountain
Im Schatten des Vaters

Ioana Orleanu –n Limesland
Erzählungen | tredition 2015
Dietmar Jacobsen   26.06.2016
 
Jenseits der Diktatur
In ihrer Erzählung Limesland wirft Ioana Orleanu einen desillusionierten Blick auf das Ru­mänien nach Ceauçescu und dem geschei­terten sozia­listischen Experiment

George Voinea ist ermordet worden. Die rechte Hand des nach der Wende in Rumänien kometen­haft auf­gestie­genen Medien­moguls und Finanz­mag­naten Horatiu Ploaie lebt nicht mehr. Eigent­lich war der Mann schon seit geraumer Zeit von der Bildfläche ver­schwunden. Ein geplatzter Invest­ment­fonds, dem die Er­sparnisse von Hundert­tau­senden zum Opfer fielen, hatte ihn, bevor ein Gericht ihn endgültig ver­urteilen konnte, zur Flucht ins Ausland ge­zwungen.

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Saša Stanišić – Fallensteller
Erzählungen | Luchterhand Literaturverlag 2016
Dietmar Jacobsen   28.05.2016
 
Unwirsche Hirsche, Lesezirkel aus Lübeck und eine syrische Surrealistin
In den zwölf Texten seines ersten Erzählbandes knüpft Saša Stanišić nahtlos an die Erfolge seiner bisherigen zwei Romane an

Für seinen letzten Roman, Vor dem Fest, erhielt Saša Stanišić 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Die Jury beschei­nigte dem 1978 in Bosnien-Herze­gowina geborenen und seit 1992 in Deutsch­land lebenden Autor damals, „ein Dorf aus Sprache“ erfunden zu haben, „ein Kalei­doskop, einen Kosmos aus vielen Stimmen, Klangfarben, Jargons, die Welt in nuce, magisch zusammen­gehalten von einem kollek­tiven Erzähler“. Und in der Tat: Stanišić brachte mit diesem Buch über einen kleinen ucker­märkischen Flecken namens Fürstenfelde einen völlig neuen Ton in die deutsche Gegenwarts­literatur.

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Vendela Vida – Des Tauchers leere Kleider
Roman | Aufbau 2016
Carola Gruber   29.04.2016
 
Fremder Pass, fremdes Ich
Vendela Vidas Roman Des Tauchers leere Kleider erzählt
von einer rasanten Selbstflucht und -suche

Eine US-Amerikanerin kommt in Casablanca an und wird im Hotel bestohlen: Noch bevor sie ihr Zimmer erreicht, ist sie ihren Rucksack mitsamt Pass, Laptop und Reiseführer los. Der Dieb ist auf einer Videoaufzeichnung des Hotels zu sehen, und nach kurzen Ermittlungen erhält die Frau von der Polizei einen Rucksack „zurück“ – allerdings nicht ihren eigenen. Ausgestattet mit fremdem Pass und fremder Kreditkarte nimmt sie eine neue Identität an.

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Ilija Trojanow – Macht und Widerstand
Roman | Fischer Verlag 2015
Dietmar Jacobsen   23.04.2016
 
Das Ergebnis aufrechter Haltung ist nicht messbar
Mit Macht und Widerstand kehrt Ilija Trojanow nach Bulgarien, ins Land seiner Vorfahren, zurück und fragt danach, was sich dort seit 1989 verändert hat

Die beiden Helden, deren Schicksale Ilija Trojanow in seinem aktuellen Roman miteinander verknüpft, heißen Konstantin und Metodi. Als Knaben die Schulbank miteinander teilend, macht das Leben die Männer in späteren Jahren zu unerbittlichen Feinden. Aus Metodi wird ein opportunistischer Geheimdienstmann im Bulgarien Todor Žiwkows.

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Weitere Kritik von Dietmar Jacobsen
zu Ilija Trojanows: Eistau  externer Link

Ewart Reder – Reise zum Anfang der Erde
Roman | Axel Dielmann Verlag 2016
Gerrit Pithan   23.04.2016
 
Überall hin folgt man dieser Sprache

Ewart Reders neues Buch, sein zweiter Roman, hat Züge einer Utopie, wenn es auch nur in einer nahen Zukunft spielt. Es geht um eine Selbsthilfekommune mit dem Namen Zusammen=Arbeit, in der die Menschen gegen eine Welt des zügellosen, globalen Kapitalismus unter chinesischer Vorherrschaft kämpfen. Die Kommune setzt sich für den Erhalt der Wälder Schleswig-Holsteins ein, die von der kompletten Abholzung bedroht sind.

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Jürgen Brôcan – Holzäpfel, Schädelflüchter
Lyrik | Rugerup | Horlemann 2015
Susanne Stephan   16.04.2016
 
Die poetischen Feldforschungen des Jürgen Brôcan

Jürgen Brôcan ist ein renommierter Lyriker, ein gefragter und preisgekrönter Übersetzer und Neu-Übersetzer – so übertrug er für Hanser in den letzten Jahren die Grasblätter von Walt Whitman sowie Der Scharlachrote Buchstabe von Nathaniel Hawthorne –, er ist Herausgeber der Literaturzeitschrift offenes feld und neuerdings auch Verleger der edition offenes feld, aus deren Programm Bent Emil Johnsons Das Fest der Wörter / Aus dem Sumpf (aus dem Schwedischen von Lukas Dettwiler) in die Lyrikempfehlungen 2016 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen wurde.

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Matthias Kehle – Die letzte Nacht
Erzählungen | Lindemanns Verlag 2015
Hans-Dieter Fronz   09.04.2016
 
Der verschluckte Fußball

Das Buch ist die Einlösung eines Versprechens. Als er wieder einmal die Gräber von Angehörigen auf dem Friedhof in Ettlingen bei Karlsruhe besuchte, fragte sich der Lyriker und Erzähler Matthias Kehle, was er über die Verstorbenen eigentlich wisse – was von ihrem Leben geblieben sei. Außer materiellen Hinterlassenschaften wenig bis nichts, wurde ihm dabei deutlich. Ein guter Grund für den heiligen Vorsatz, ihre Geschichte(n) zu erzählen.

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Michael Zeller – Falschspieler
Roman | Brockmeyer Verlag 2016
Michael Buselmeier   04.04.2016
 
Der fortdauernde Krieg
Michael Zellers Roman Falschspieler über einen Literaturskandal der 50er Jahre

Michael Zellers neuer Roman „Falschspieler“ hat einen frühen Skandal zum Gegenstand, der den sich gerade etablierenden Literaturbetrieb der Bundesrepublik erschütterte. Im Jahr 1952 erschien unter dem Namen „George Forestier“ (im Roman „Leon Desmoulins“) der Gedichtband „Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße“, der allseits Begeisterung auslöste.

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Jakob Hein – Kaltes Wasser
Roman | Verlag Verlag Galiani 2016
Dietmar Jacobsen   13.03.2016
 
Auf der Suche nach dem Westler in sich
In seinem neuen Roman Kaltes Wasser erzählt Jakob Hein die Geschichte eines ost­deutschen Felix Krull

Friedrich Bender geht noch zur Schule, als die Wende über Ostdeutschland herein­bricht. Doch im Gegensatz zu seinen Eltern – einem Professor für Marxis­mus-Leninismus und einer Kader­leiterin im VEB Berlin Chemie – paralysieren ihn die Ereig­nisse keines­wegs. Im Gegen­teil: Sie kommen seinem Talent ent­gegen, sich nicht von den Verhält­nissen unterbuttern zu lassen, sondern sich die Dinge so zurecht­zu­legen, wie er sie gerne hätte.

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Weitere Kritiken von Dietmar Jacobsen
zu Jakob Hein: Wurst und Wahn  externer Link

Vladimir Sorokin – Telluria
Roman | Verlag Kiepenheuer & Witsch 2015
Dietmar Jacobsen   02.03.2016
 
We're all living in Telluria
Vladimir Sorokin zeichnet in den 50 Kapiteln seines neuen Romans Telluria das Bild einer Welt, die nur noch im Vollrausch zu ertragen ist

Gleich ein ganzes Übersetzerkollektiv – sechs Damen und zwei Herren, die unter dem anspielungsreichen Teamnamen „Hammer und Nagel“ auftreten – hat es gebraucht, um das neue Buch von Vladimir Sorokin, Telluria, ins Deutsche zu übertragen.

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Weitere Kritiken von Dietmar Jacobsen
zu Vladimir Sorokin: Der Tag des Opritschniks  externer Link

Lydia Haider | Kongregation
müry salzmann 2015
Christian Lorenz Müller   28.02.2016
 
Sprach-Apokalypse im Gebirge. Lydia Haiders wüster Debütroman

Und es begab sich aber zu der Zeit, irgendwo auf einem Dorf in Österreich, umgeben von ödem Gelände, dass Gott sieben jener Jungen strafte, die sich gegen das Althergebrachte erhoben hatten mit lästerlichen Reden, losen Sitten und einer Verachtung des Kreuzes und der Kirche, die es bis dahin nicht gegeben hatte in diesem Landstrich. Jedem Rechtschaffenen war klar, dass Simon nicht im Säge­werk zu Bretter­länge zer­schnitten, Franz nicht durch Bier­flaschen­splitter inwendig verblutet und Thomas nicht im Taufbecken ertrunken war, weil es sich um Unfälle handelte, wie Polizei und Staats­anwalt das wissen wollte ...

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Friederike Mayröcker – fleurs
Suhrkamp 2016
Ralf Willms   21.02.2016
 
Zu Friederike Mayröckers Band fleurs

Auch im Band fleurs, der eine Trilogie abschließt, sucht das Schreiben Friederike Mayröckers dem „unmittelbaren Leben“ so nah wie möglich zu kommen, ohne es sein zu können. Daraus ergibt sich der Sehnsuchtsraum, der „unbehebbar“ ist. Sich schreibend „dem Leben“ zu nähern, hat seine Vorteile: es wird ungleich intensiver, was womöglich flüchtig war; Innehalten und Durchdringung scheinen das Leben momentweise geradezu anzuhalten, es scheint endlich zu bleiben bzw. ist nun, an einem einzigen „Punkt“, vielfach ausdehnbar; der kognitive Prozess des Formulierens resp. Erkennens leistet, wozu „unmittelbares Erleben“ bekanntlich nicht imstande ist.

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Serhij Zhadan – Mesopotamien
Roman | Suhrkamp, 2015
Dietmar Jacobsen   09.01.2016
 
Niemand hat die Absicht, sich zu ergeben
In 9 Erzählungen und einem 30-teiligen Gedicht­zyklus nähert sich Serhij Zhadans neues Buch auf poetische Weise der ost­ukrai­nischen Stadt Charkiw

Schon die Form, die der in Charkiw lebende 41-jährige ukraini­sche Schrift­steller Serhij Zhadan für sein neues Buch, Meso­potamien, gewählt hat, ist ungewöhnlich. In neun Erzählungen – alle tragen den Vornamen ihrer jeweiligen Hauptfigur im Titel –, locker mit­einander verbunden durch das in ihnen auf­tretende Personal und den Handlungs­ort, Zhadans ost­ukrai­nische Heimat­stadt, und 30 unter der Über­schrift „Erläute­rungen und Ver­all­ge­meine­rungen“ sub­sum­mierten Gedichten ver­sucht der Autor ein poeti­sches Porträt der zweit­größten Stadt der Ukraine.

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Weitere Kritiken von Dietmar Jacobsen zu Serhij Zhadan:
Die Erfindung des Jazz im Donbass  externer Link
Hymne der demokratischen Jugend  externer Link

Shūsaku Endō – Schweigen
Roman | Septime Verlag 2015
Christian Lorenz Müller   16.12.2015
 
Geschlossene Grenzen für Christen
Ein Klassiker der japanischen Literatur als Lektüreempfehlung für Donald Trump


Sehr geehrter Herr Trump,

Sie fordern, die Grenzen Ihres Landes für Muslime zu schließen. Amerika sei in einer Not­situa­tion und müsse sich deshalb an Politikern wie dem allseits ver­ehrten Franklin D. Roosevelt orien­tieren, der während des Zweiten Welt­kriegs sämt­liche Japaner, die sich auf dem Terri­torium der USA befunden hätten, vorsorglich in Lager gesteckt habe.

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Frank Schulz – Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen
Roman | Galiani 2015
Dietmar Jacobsen   13.10.2015
 
Tri, tra, trullala ... Onno Viets ist wieder da!

In seinem zweiten Abenteuer lässt Frank Schulz seinen Hamburger Detektiv Onno Viets als Personenschützer auf Mittelmeerkreuzfahrt gehen

Er hat sich eine post­trauma­tische Belastungs­störung weggeholt bei seinem ersten Fall, der ihn 2012 mit einer Hamburger Kiez­größe namens Tibor Tetropov und dessen stets gewalt­bereitem Bodyguard konfron­tierte, wobei der Showdown an Bord des Alster­dampfers „Sasel­bek“ ihm fast die Lichter ausblies. Onno Viets und der Irre vom Kiez fanden Kritik und Publikum damals der­maßen gut, dass sich augen­blick­lich eine „Liga zur Beför­derung der Lektüre Frank Schulz'scher Schriften in Mittel- und Süd­deutsch­land“ gründete.

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Arno Geiger – Selbstporträt mit Flusspferd
Roman | Hanser Verlag 2015
Dietmar Jacobsen   03.08.2015
 
Leben in unsicheren Zeiten

In Arno Geigers neuem Roman Selbstporträt mit Flusspferd sucht ein junger Mann seinen Platz in der Welt

Man schreibt den Sommer 2004. Athen richtet die 28. Olympischen Spiele der Neuzeit aus. In New York wird der Grundstein für das „One World Trade Centre“ auf Ground Zero gelegt und in Deutsch­land beginnen die Menschen, an den Mon­tagen wieder auf die Straße zu gehen – diesmal gegen die Hartz-IV-Gesetze der Regie­rung Schröder.

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Marko Pogačar – Schwarzes Land
Gedichte | Edition Korrespondenzen 2015
Ewart Reder   24.07.2015
 
Angriffe aus der Logosphäre

Gedichte wie Atemzüge sind das, als wäre Sprache für Marko Pogačar, was Luft für uns ist. Er kann nicht wählen, ob er diese Verse macht. Gespielt wird nicht mit der Sprache. Und es ist Veranlagungssache, ob die Bilder, die Dinge einem so nahe kommen, dass der Notaus­gang Poesie heißt.

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Brooke Davis – Noch so eine Tatsache über die Welt
Roman | Verlag Antje Kunstmann 2015
Dietmar Jacobsen   09.07.2015
 
Millie und die Rentnergang

In ihrem Romandebüt lässt die australische Autorin Brooke Davis ein sieben­jähriges Mädchen und zwei Oldies über das Leben,die Liebe und den Tod nachdenken

Millicent Bird, genannt Millie, ist sieben Jahre alt, als sie plötzlich allein im Leben dasteht. Ohne Vater und Mutter mitten in der Damen­wäsche­abteilung eines Waren­hauses in der australi­schen Klein­stadt Warwickvale. Sie solle hier warten, bis sie wieder­kommt, hat ihr die Mutter aufgetragen. Aber die durch den Tod ihres Mannes offen­sicht­lich stark verwirrte Frau kommt nicht wieder. Nicht nach einer Stunde, nicht nach zwei und nicht bis zum Ende des Tages. Millie nennt ihn den „ersten Tag des Wartens“.

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Marcus Roloff – reinzeichnung
Gedichte | Verlag Das Wunderhorn 2015
Dirk Uwe Hansen   28.06.2015
 
»ein unterlaufener landstrich / in komplementärfarben«

Mit „Reinzeichnung“ erscheint nun Marcus Roloffs vierter Gedichtband. Und wieder ist meine erste Reaktion auf die Gedichte dieses Autors eine zunächst weitgehend unreflektierte reine Freude. Denn Roloffs Gedichte sind schön. Das allerdings ist keine hin­reichende Charakte­risierung, denn selbst wenn es gelingt eine zumindest vorläufig funktio­nierende Über­einkunft darüber zu erzielen, was ein Gedicht sei, so werden wir uns auf eine allgemein­gültige Defi­nition von Schön­heit wohl nicht so schnell einigen können. So leicht kann ich es mir also nicht machen.

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Marianne Bunes – Mutterwut
Roman | Ulrike Helmer Verlag 180 2015
Ralf Willms   09.05.2015
 
Ein psychologischer Roman

Wer das Buch „Mutterwut“ von Marianne Bunes umfänglich und in seiner ganzen Tiefe versteht, so dachte ich bald, versteht, bei aller Spezifik des Vorliegenden, auch Grundlegendes zur „Geschichte der Mentalität“ in der Bundes­republik Deutsch­land, und zwar aus der Zeit von vor 1945 bis heute hin. Im Zentrum des Buches steht Maria H., von „Sprachver­lust“ getroffen, der­gestalt, dass sich ihr Sprach­vermögen fortan auf die Wörter be­schränkt: „Ja“, „danke“ und „gut“.

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Thomas Kapielski – Je dickens, destojewski
Roman | Suhrkamp Verlag 2014
Dietmar Jacobsen   04.05.2015
 
Ernst Wuboldt und der Pohle

Thomas Kapielskis erster Roman hat Volumen, birst vor Witz und enthält jede Menge Nachdenkliches

Ernst Wuboldt lebt in Berlin-Spandau. Zunächst allein, dann für eine Weile beweibt, schließ­lich wieder einsam. Was ja das Schicksal vieler Zeit­genos­sen sein soll. Freilich: Wuboldt selbst kann nichts für die Kaprio­len, die sein Leben schlägt. Dahinter nämlich steckt „der Pohle“.

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Mooses Mentula: Nordlicht – Südlicht
Roman | Weidle Verlag
Sophie Sumburane   10.03.2015
 
Zwei Gesellschaften in einem Land

„Hör mal, du Südlicht, beant­worte mir eine Frage! Wenn ein Mann allein im Wald ist, ohne dass Frauen in der Nähe sind, hat er dann trotzdem in allem Unrecht?“, fragt der offen­sicht­lich ange­trunkene Mann im ersten Satz des Romans Nordlicht – Südlicht den frisch in den Norden gezogenen Lehrer Jyri.

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Michel Houellebecq – Unterwerfung
Roman | Dumont 2015
Dietmar Jacobsen   19.02.2015
 
Die Mullahs in Paris
In Michel Houellebecqs neuem Roman Unterwerfung wird Frankreich über Nacht zu einem islamischen Staat

Am Tag des brutalen Anschlags auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ in Paris kam auch der neue Roman von Michel Houel­lebecq, Soumission, in die franzö­sischen Buch­hand­lungen. Die deutsche Über­setzung mit dem Titel Unter­wer­fung folgte dem Original auf dem Fuße.

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David Vann – Goat Mountain
Roman | Suhrkamp Verlag 2014
Dietmar Jacobsen   05.02.2015
 
»Das Tier macht den Menschen«
In Goat Mountain erzählt David Vann von einem Jagdausflug, der drei Männer und einen Jungen an die Grenzen des Menschseins führt

Ein Medea-Roman sei sein nächstes Projekt, hat David Vann kürzlich in einem Inter­view bekannt. Medea, die griechische Sagengestalt, die aus Liebe schuldig wird und deren Rache die eigenen Kinder zum Opfer fallen. Hundert­fach lite­rarisch bear­beitet von Euripides bis Christa Wolf, von Ovid bis Jean Anouilh, von Seneca bis Nino Ha­ratischwili.

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Michael Köhlmeier – Zwei Herren am Strand
Roman | Carl Hanser Verlag 2014
Dietmar Jacobsen   09.01.2015
 
Allianz gegen den schwarzen Hund
In Michael Köhlmeiers Roman Zwei Herren am Strand schließen Winston Churchill und Charlie Chaplin einen Bund gegen das Böse in der Welt

So richtig gepasst haben sie nicht zueinander: der Staats­mann und der Lein­wand­star. Auf der einen Seite Winston Churchill (1874–1965) – schwer, rund, hams­ter­backig, auf Bildern ge­legent­lich verschmitzt, öfter aber bedroh­lich wirkend. Ihm gegen­über Charlie Chaplin (1889–1977), schmal mit auch im Alter noch voll wirken­dem weißen Haar, zap­pelig und stets in Rollen schlüpfend, ein ewiges Kind, dem man Unglück­lich­sein und Melan­cholie nicht zutraut.

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Eugen Drewermann – Dass auch der Allerniedrigste mein Bruder sei.
Dostojewski – Dichter der Menschlichkeit. Patmos 2003 / 2012
Ralf Willms   04.01.2015
 
Dostojewski verstehen

Ein Buch zu besprechen, das bereits rund 16 Jahre vorliegt, macht dann Sinn, wenn 2 Krite­rien gegeben sind: 1. die Erkennt­nis­se in dem Text – unabhängig davon, ob er gelesen wird oder nicht – von blei­bendem Inter­esse sind, 2. Wesent­liches noch nicht dazu gesagt wurde.

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Hedda Rossa – Spiegelblut
Roman | tredition 2011
Ralf Willms   16.12.2014
 
Mehr als eine Fantasy-Geschichte

Zugegeben: Hätte mir jemand gesagt, einen Roman aus dem Bereich „Fantasy“ oder „Thriller“ zu rezen­sieren, dazu von einer 15-jährigen Autorin, ich glaube nicht, dass sich mein Gesicht, was nichts Schlim­mes bedeuten muss, nur einen Milli­meter geregt hätte. Bei strenger Auswahl der Lektüre, kam ich „irgend­wie zu dem Buch“ (durch Titel, Klappentext, Facebook-Bekannt­schaft mit Verfasserin) und sah, dass es zwar als Fantasy-Geschichte gelesen werden kann, aber innerhalb dieser ganz anderes verhandelt wird.

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Abasse Ndione – Die Piroge
Roman | Transit 2014
Dietmar Jacobsen   05.12.2014
 
Zehn Tage bis Santa Cruz
Abasse Ndiones Roman Die Piroge erzählt vom Schicksal jener vielen Afrikaner, die für das kalte Paradies Europa ihr Leben riskieren

Jedes Jahr machen sich Tausende junge Afri­kaner auf den Weg nach Europa. Auf immer gefährlicheren Routen und der Willkür skrupel­loser Schleppe­rbanden ausgesetzt, wagen sie ihr Leben, um der in ihren Heimatländern herrschenden Hoffnungslosigkeit zu entkommen. Hungersnöte, religiöse Konflikte, der Klima­wandel und die wirt­schaftliche Unterentwicklung auf dem schwarzen Kontinent sind allerdings nicht allein schuld daran, dass man lieber auf überladenen Booten in den Tod fährt als hilflos mit anzusehen, wie die eigene Familie verelendet.

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Friederike Mayröcker – Cahier
Suhrkamp 2014
Ralf Willms   04.12.2014
 
Zu Friederike Mayröckers Band Cahier

„weiszt du mein liebster Freund ich verschlafe himmelwärts meine Tage und Nächte und ich habe Angst dasz dies die Ankündigung des nahen Todes sei ich meine dasz er sich in meinen Träumen ankündigt […] im Grunde war es so dasz sie, die Mutter, immer meine Gedanken erriet ja, sie im vorhinein wuszte, noch ehe ich selber sie wuszte […]“

Diese Zeilen spannen, wenigstens biografisch, den zeitlichen Rahmen auf: das Ende, den Anfang. Notate zur verstorbenen Mutter nehmen im Verhält­nis zu études  – dem ersten Band des als Trilogie angelegten Unter­nehmens – zu, wie überhaupt Herkunfts-Erin­nerungen und Erin­nerungen aus frühen Kontexten.

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Chaim Noll – Lesung in Münster
Roman | Verbrecher Verlag 2014
Dominik Irtenkauf   29.11.2014
 
Chaim Noll: Lesung in Münster | Die Synagoge

Der deutsch-israe­lische Autor Chaim Noll macht einen Tag vor seinem Rückflug nach Israel Station in Münster im Franz-Hitze-Haus. Es ist ein ver­regneter Abend, herbstlich, und es finden nur wenige Interes­senten den Weg zum katho­lischen Kultur­haus. Das Franz-Hitze-Haus macht sich immer wieder um den inte­rreligiösen Dialog verdient, so dass Nolls Lesung aus seinem aktuel­len Roman Die Synagoge nicht von unge­fähr an diesem Ort stattfindet.

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Marica Bodrožić – Mein weißer Frieden
Roman | Luchterhand 2014
Ewart Reder   26.11.2014
 
Sterne sind keine Fremden

Dieses Buch tut gut. Es gibt Bücher, die schlägt man gleich nach der ersten Bekannt­schaft mit dem Gefühl auf, einen Freund zu haben. Was ist los in einem solchen Fall? Ist alles nur ein triviales Miss­ver­ständnis? Findet man da lediglich die eigenen Gedanken bestätigt?
  Kann sein, und bei dem allgemeinen Gedanken­mangel ist auch ein solches Glück ver­dient. Aber es gibt noch viel mehr, an dem wir Mangel leiden. Groß­regionen unserer Realität kommen im Alltags­dis­kurs nicht vor, werden ignoriert, was im Ergeb­nis heißt: geleugnet. Glücks­bringer sind Bücher, die von diesen Reali­täten sprechen.

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Gerhard Falkner – Ignatien
Elegien | Verlag für moderne Kunst | starfruit 2014
Jan Wilm   19.11.2014
 
Elegien am Rande des Nervenzusammenbruchs

Ein Glück, sagt die Sprache, ein Glück, dass Versprechen gesprochen, aber auch gebrochen werden. Ein Glück, aus dem Versprechen – ganz einfach – wird ein Versprecher. Denn sonst, sagt die Sprache, denn sonst, wäre ich umsonst auf der Welt, würde ich nicht gespro­chen von der Alchemie dieses Dichters, wäre stumm, es gäbe mich gar nicht. Ger­hard Falkners 1989 geäußer­tes Ver­sprechen, keinen eigenen Gedicht­band mehr zu ver­öffent­li­chen, hat sich als Versprecher gezeigt, der bald einge­löst wurde, das Ver­sprechen ist lange gebro­chen, Falkner legt weiterhin Gedicht­bände vor.

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Max Frisch – Aus dem Berliner Journal
Journal | Suhrkamp 2014
Dietmar Jacobsen   13.10.2014
 
Keine Indiskretion, nirgends
Nachdem es 20 Jahre lang gesperrt war, ist das Berliner Journal von Max Frisch jetzt erstmals auszugsweise zugänglich

Dass das Tagebuchschreiben zu den bevorzugten Ausdrucksformen von Max Frisch (1911–1990) gehörte, weiß man. Und herumgesprochen dürfte sich i­nzwi­schen auch haben, dass man, schlägt man eines seiner Tage­bücher auf, nicht erwar­ten darf, auf eine Sammlung von Notizen zu stoßen, in und mit denen der Schrift­steller die all­tägli­chen Wechse­fälle seines Lebens fest­hielt.

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Peter Handke – Versuch über den Pilznarren
Suhrkamp 2013
Sophie Sumburane   09.10.2014
 
Peter Handkes letzter Versuch


Der österreichische Schriftsteller Peter Handke schreibt seine Werke nicht in der Hoff­nung, möglichst häufig bespro­chen zu werden. Seine Texte finden ihre Leser nach fast 50-jähriger Karriere ohne sie zu suchen, trotzdem taucht jede seiner neuen Ver­öffent­lichun­gen in den Feuil­letons auf, finden sich immer neue Rezi­pienten für seine oft als Selbst­refle­xionen ange­legten Texte.

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Oleg Jurjew – Halbinsel Judatin
Roman | Jung und Jung 2014
Christian Lorenz Müller   16.09.2014
 
Ein zerfallendes System unter dem Poesieoskop


Wie lange Elke Erb wohl gebraucht hat, um dieses phantas­tische Buch aus dem Rus­sischen ins Deutsche zu bringen? Allein schon für die Lektüre waren in meinem Fall meh­rere Wochen nötig. Zunächst näm­lich erwies sich meine gewohnte Lese­geschwin­dig­keit als viel zu schnell für diesen Text; es wollte und wollte kein klares Bild ent­stehen. Erst, als ich mein tägliches Lese­pensum auf wenige Seiten redu­zierte, tat sich die extreme Tiefen­schärfe von Oleg Jurjews Roman vor mir auf: seine Sprache ist nichts ande­res als ein poeti­sches Mikroskop.

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Francisca Ricinski – Als käme noch jemand
Lyrische Prosa und Erzählcollagen | Pop-Verlag 2013
Christoph Leisten   13.08.2014
 
Das Randständige poetisch ins Recht gesetzt


Dass ein Übermaß an Saturiertheit jed­wedem künstle­rischen Gelingen im Wege steht, ist nicht erst seit gestern bekannt. Vor diesem Hinter­grund erscheint es als gerade­zu über­fällig, wenn die Feuilletons unserer Tage ihr Augen­merk vermehrt auf jene Auto­rinnen und Autoren zu richten beginnen, denen solche Saturiert­heit schon auf­grund der eigenen Lebens­geschichte oft­mals verwehrt ist, weil sie aus anderen Sprach- und Kultur­räumen stammen und erst im Laufe ihres – nicht selten auch gesell­schaft­lich sehr be­wegten – Lebens im deutsch­sprachigen Raum heimisch geworden sind.

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Peter Wawerzinek – Schluckspecht
Roman | Galiani 2014
Dietmar Jacobsen   22.07.2014
 
„Alkohol hilft wie ein Freund, ist aber keiner.“
Peter Wawerzineks neuer Roman Schluckspecht ist eine Trinkerbiografie, in die der Autor viel Selbsterlebtes gepackt hat

Peter Wawerzineks Roman-Ich wächst bei seiner Tante Luci und deren Mann, Onkel­onkel ge­nannt, auf. Als nicht geplante Folge einer kurz­lebigen Schau­spieler-Liaison haben seine leib­lichen Eltern das Kind der Schwes­ter des flatter­haften Vaters über­lassen. Hier fühlt es sich zu Hause: „Ich lege den Vater auf Eis.

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Hans-Ulrich Treichel – Frühe Störung
Roman | Suhrkamp Verlag 2014
Dietmar Jacobsen   30.06.2014
 
Mutti ante portas
In Hans-Ulrich Treichels neuem Roman Frühe Störung arbeitet sich der Held an
seiner Mutter ab

Dem Protagonisten seines neuen Romans Frühe Störung hat Hans-Ulrich Treichel keinen Nach-, dafür aber gleich zwei Vornamen verpasst. Franz heißt er nach dem Groß­vater und Walter nach dem ersten Mann der Mutter, einem Mode­schmuck-Ver­treter. Franz Walter – das klingt nach Stehen auf zwei starken Beinen, nach festem Ver­ankert­sein im Heute und Wurzeln, die tief in die Vergangen­heit zurück­reichen. Doch weit gefehlt.

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Sylvia Geist – Gordisches Paradies
Gedichte |Hansa Verlag Berlin 2014
Henning Ziebritzki   2.06.2014
 
Ferngesteuerte Hunde, selbstsprechender Mohn

Sylvia Geist hat für ihren neuen Gedichtband einen Titel gewählt, dessen Meta­phorik sich unver­geß­lich ins Gedächt­nis brennt: Gordisches Paradies. Der Titel kombiniert die religiöse Vorstellung des Garten Eden, in dem der Mensch, wie in einem Kunstwerk, gleichursprünglich in Überein­stimmung mit sich, mit Gott und mit dem anderen lebt, mit dem Bild der ent­schlos­senen Geste des energisch han­delnden Alexander, der die unlösbar ver­knoteten Seile am Wagen des Gordios mit seinem Schwert durchtrennt.

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Alek Popovs – Schneeweißchen und Partisanenrot
Roman | Residenz Verlag 2014
Dietmar Jacobsen   12.06.2014
 
Auch du, Lenin?
Alek Popovs Roman Schneeweißchen und Partisanenrot persi­fliert die sozia­listische Helden­literatur

Medved – „der Bär“ – nennt sich der Anführer eines Parti­sanen­häufchens, das in den bul­gari­schen Wäl­dern den Kampf gegen den Faschis­mus auf­genommen hat. Man schreibt das Jahr 1943 und Bulgarien befindet sich seit knapp zwei Jahren auf der Seite der Achsen­mächte. Allerdings ist der Sofioter Kurs umstritten und die Deutschen haben einige Mühe, ihre neuen Bündnis­partner auf Linie zu bringen.

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Weitere Rezenion von Dietmar Jacobsen: Alek Popov: Für Fortgeschrittene

Sylvain Tesson – In den Wäldern Sibiriens
Tagebuch aus der Einsamkeit | Albrecht Knaus Verlag 2014
Christian Lorenz Müller  28.05.2014
 
Blockhütten-Weisheiten und Wodkarausch

Was würden Sie mitnehmen, wenn Sie sich für sechs Monate in eine ein­same Block­hütte zurück­ziehen könnten? Sylvain Tesson ent­scheidet sich für Grund­nah­rungs­mittel und Werk­zeug sowie für viel Lektüre und viel Tabasco, bevor er sich mitten im Winter in ein Natur­reservat am sibi­rischen Baikal­see bringen lässt. Ganz auf sich gestellt, will der gebürtige Pariser dort heraus­finden, ob er „ein Innen­leben hat“.

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Adrian Kasnitz – Sag Bonjour aus Prinzip
Gedichte | Corvinus Presse 2013
Stefen Heuer  24.05.2014
 
Gegen das Meer getürmter Granit, die Wracks gezählt

Aus dem Urlaub kann man die unterschiedlichsten Dinge mitbringen: Devotionalien wie Muscheln, getrocknete Seesterne und form­schönes Strandgut, verwahrloste Katzen, die eine oder andere Ge­schlechts­krank­heit, leicht modifi­zierte Diesel-Shirts, auf denen der India­ner ein Stirnband trägt, sowie geschmack­lose Souvenirs für die bucklige Verwandt­schaft.

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Friederike Mayröcker – études
Suhrkamp 2013
Ralf Willms  09.04.2014
 
Lektüre von Friederike Mayröckers études

„Es sollte sich das Wahnwitzige zeigen, auf das kommt's mir besonders an. Das war schon in ›Brütt‹ so und in meinen letzten Büchern. Es geht um den Wahnwitz der Sprache, der Leser kann einem jetzt schon leidtun.“ Dies äußerte Friederike Mayröcker 2013 vor Erscheinen ihres Buches études in einem Inter­view, das mit ihrer Äuße­rung „Ich bin ja eigent­lich gegen den Tod“ übertitelt wurde. Was ist dran, an ihrer ersten Aus­sage, ist das Buch tat­säch­lich schwer zu lesen oder, wie ich kürzlich hörte – pikanter­weise von einem Deutsch­lehrer für Ober­stufe –, gar „im Grunde un­ver­ständlich“?

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Terézia Mora | Das Ungeheuer
Roman | Luchterhand 2013
Ewart Reder  04.04.2014
 
Abstände vom Glücklichsein

Man soll ja einen Roman nicht wegen seines Themas lesen. Das beleidigt ihn, falls er was taugt. Aber jede Regel (falls sie was taugt) hat ihre Ausnahme. Terézia Moras Roman „Das Un­geheuer“ habe ich wegen seines Themas gelesen: De­pres­sion. Ich finde es mutig, darüber zu sprechen. Aus­führ­lich. Schlimm ist manche De­pres­sion vor allem, weil kein Mit­mensch sie wahrhaben will oder gar als eine besondere Heraus­for­derung aner­kennt.

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Rüdiger Görner – Klam
Roman | Sonderzahl 2013
Christian Lorenz Müller  01.04.2014
 
Marktforschung, Wurmfarne und In-vitro-Fertilisation

Wer Sybille Lewitscharoffs Dresdner Rede ganz gelesen hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass es ihr nicht wirk­lich darum geht, moderne medi­zinische Repro­duk­tions­methoden in die Nähe jener national­sozia­listi­schen Ein­rich­tungen zu rücken, in denen für rassisch reinen Nach­wuchs gesorgt werden sollte.

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Emrah Serbes – junge verlierer
Erzählungen | Binooki 2014
Gerrit Wustmann  27.03.2014
 
Von Verlierern und anderen Lebenskünstlern

Kultautor – darf man solche inflations­verseuchten La­bels überhaupt noch be­nut­zen? Ja, wenn sie zu­treffen, und das ist bei Emrah Serbes der Fall. Nicht erst seit er – gerade erst von Ankara nach Istanbul gezogen – im Sommer 2013 aktiv bei den Gezi-Protes­ten mit­mischte, sich für Demo­kratie und Meinungs­frei­heit ein­setzte und dann wegen Beamten­belei­digung angeklagt wurde, nachdem er in einer Fern­seh­sendung den Namen von Minister­präsident Erdo­gan verball­hornt hatte.

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Walter Klier – Leutnant Pepi zieht in den Krieg
Roman | Limbus 2014
Gabriele Weingartner  21.03.2014
 
Das Tagebuch des Josef Prochaska

Josef Prochaska, 1914 ausgezogen in den später so genannten Ersten Weltkrieg und 1918 gesund, wenngleich nicht unverwundet, heimgekehrt, war der Großvater des österreichischen Autors Walter Klier. Seine Tage­bücher und Feld­postbriefe stehen im Zentrum von Kliers Roman „Leutnant Pepi zieht in den Krieg“, ein Titel, dessen fröhliche Harmlosigkeit nur über die ersten Monate nach der Einberufung des jungen Offiziers etwas aussagt.

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Enno Stahl – Diskurspogo (Dialog)
Über Literatur und Gesellschaft | Verbrehcer Verlag 2013
Dominik Irtenkauf   11.03.2014
 
Die soziale Frage in der Literatur von Heute
Enno Stahl im Mail-Dialog mit Dominik Irtenkauf

2013 ver­öffent­licht Enno Stahl im Ver­brecher Verlag sein Buch Diskurs­pogo. Über Lite­ratur und Ge­sell­schaft, in dem er in ver­schie­denen Kapiteln der Frage des So­zialen in zeit­ge­nössischer Lite­ratur nach­geht. Tief­greifende Ver­ände­rungen des so­zia­len Rück­halts in der bundes­deut­schen Ge­sell­schaft wie die Zunahme der pre­kären Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nisse, eine tiefe Ab­hän­gig­keit der Politik vom Lobby­ismus und von Parti­kular­inter­essen, Priva­ti­sierung von Sozial­systemen und unge­zügel­ter Konsumis­mus werden laut Stahls Analyse nur marginal in zeit­genös­sischer Literatur the­ma­tisch auf­gegriffen.
  In mehreren E-Mails wird versucht, an die Positionen des Buchs von Enno Stahl an­zu­knüpfen, den Horizont aber auch weiter zu spannen.

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Sven Regener – Magical Mystery
Roman | Galiani 2013
Dietmar Jacobsen   29.02.2014
 
Zwischen Hofbräuhaus und Schrankenhusen-Borstel

In seinem neuen Roman Magical Mystery nimmt uns Sven Regener mit in die Rave-Clubs der Republik – am Steuer des Tourbusses: Karl Schmidt

Man schreibt die Mitte der neunziger Jahre. Der „DDR-Kram“ ist bereits Geschich­te und ohne­hin hat sich Karl Schmidt – die Haupt­figur im neuen Roman von Sven Regener – nie sonder­lich für all das interessiert. Ja, schlim­mer noch: In der Nacht der Mauer­öff­nung musste sein Freund Frank Lehmann Schmidt ins Ber­liner Urban-Kranken­haus ein­liefern. Während die ganze Stadt zur Party­zone wurde und „Wahn­sinn!“ das Wort der Stunde war, schlos­sen sich hinter Karl die Tore der Psychiatrie.

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Corinna T. Sievers – Maria Rosenblatt
Roman | Edition Nautilus 2013
Carola Gruber   19.02.2014
 
Eine Frau am Abgrund

Wenn sich das eigene Leben dem Abgrund nähert, ist es Zeit für etwas Mascara und Puder. Für ein neues Kleid. Für einen Schnaps oder auch zwei, oder drei. Für eine Affäre. Für Sex im Swinger-Club. Und vielleicht ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt, Beweismittel zu unterschlagen – um jemanden zu decken, gegen den man selbst ermittelt.

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John Greening –To the War Poets | Carol Ann Dufy (Ed.) – 1914 Poetry Remembers
Anthologie | Faber & Faber | Carcanet 2013
Susanne Stephan   13.02.2014
 
Das Gedächtnis der Gedichte
Zwei englische Gedichtbände zum 1. Weltkrieg

„In Flanders fields the poppies blow / Between the crosses, row on row ...“, so be­ginnt eines der berühmtesten englisch­sprachigen Gedichte aus dem 1. Welt­krieg, das der kana­dische Arzt John McCrae wohl an einem Tag, dem 3. Mai 1915, unter dem Eindruck der zweiten Flan­dern­schlacht notiert hat. Seine Mohn­blumen, Symbol des Bluts der Gefal­lenen, wurden zum Ursprung des „Poppy Appeals“ in Groß­bri­tannien, des all­jährlich im Herbst stattfindenden Straßen­verkaufs von klei­nen Mohn­blumen-An­steckern zu­gunsten von Kriegs­ver­sehrten und Vete­ranen.

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Andreas Maier – Die Straße
Roman | Suhrkamp 2013
Dietmar Jacobsen   18.01.2014
 
Leben, ohne ein Leben zu haben ...

Andreas Maier legt mit Die Straße den dritten Band seines literarischen Lebensprojektes vor

Seit 2010 dürfen die Leser von Andreas Maier an dessen Lebensprojekt mit dem Arbeitstitel „Ortsumgehung“ teilnehmen. Es begann mit dem Prolog über einen kauzigen Ver­wandten des Autors – Onkel J. (Suhrkamp 2010) –, wurde fortgeführt mit den Romanen Das Zimmer (Suhrkamp 2010) und Das Haus (Suhrkamp 2011), beide Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts spielend, und hat nun mit Die Straße die späten Sieb­ziger erreicht und damit eine Zeit im Leben der intro­ver­tierten Hauptfigur, in der sich die Sexualität als eine zweite, dunkel-unbe­griffene und von den Erwach­senen ver­drängte Parallelwelt in ihr Denken mischt.

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Gerrit Wustmann – Istanbul Bootleg
Gedichte | binooki 2013
Stefan Heuer   04.01.2014
 
Und mit'm Werner Gerrit will ich nächste Woche nach Florenz Istanbul ...

Man kann nicht überall sein! Gleichzeitig ohnehin nicht, das ist klar, aber auch nicht hintereinander weg. Immer wird es Orte geben, an denen man gerne mal wäre, wohin einen der Weg aber irgendwie nicht führt. So war ich schon etliche Male in der Türkei, nie aber in den dortigen Metro­polen; nicht in Ankara, und auch nicht in Istanbul. Einmal war ich schon so gut wie da, ein Freund hatte Karten für den Auftritt von Kraftwerk beim „Rock Istanbul“ im Juni 2005 besorgt, aber da zog ich es dann doch vor, krank zu werden und meine Karte abzutreten,

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TEXT + KRITIK, Ausgabe 198 | Gerhard Falkner
et+k 2013
Joshua Groß   02.01.2014
 
TEXT + KRITIK, Ausgabe 198 | Gerhard Falkner

Wenn einem lebenden Schriftsteller eine Ausgabe von »TEXT + KRITIK« gewidmet wird, ist das so etwas wie ein wohlüberlegtes Kreditieren. Es besteht dann nämlich Konsens über die Bedeutung des Schriftstellers oder der Schriftstellerin, die eine »wissen­schaft­liche Analyse und kritische Aus­einander­setzung« nötig machen. In letzter Zeit befanden sich unter den Auserwählten z.B. Daniel Kehlmann, Reinhard Jirgl, Rainald Goetz oder Uwe Timm.

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Barbara Zeizinger – Weitwinkel nah
Gedichte | POP-Verlag 2013
Gabriele Frings   28.12.2013
 
Nur Eitelkeit auf Erden

Die ganze Welt im Blick, zumindest ihre Oberfläche – im Zeitalter von google maps und google earth kein Problem mehr. Doch was befindet sich hinter der Oberfläche? Wo ist der Mensch? Welche Informa­tionen bekommen wir über seine Verortung, sein Behaust­sein?

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Reinhard Jirgl – Nichts von euch auf Erden
Roman | Hanser 2013
Peggy Neidel   21.12.2013
 
Roman Enterprise

Jirgls Dystopie über Gier, Krieg, Unterdrückung, Leben und Tod ist stilis­tisch als auch inhalt­lich ausufernd. Der Autor changiert blitzschnell zwischen Geschichte, Reali­tät, einer mög­lichen Zukunft (Terraforming auf dem Mars erforscht bereits die NASA) und düsterer End­zeitvision, durch­zogen von zahlreichen Bibel­zitaten und philo­sophischen Überlegungen.

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A. J. Weigoni – Dichterloh
Gedichte | Lyrikedition 2005
Ulrich Bergmann   13.12.2013
 
Postkompost in einem Aufzug
Liebevolle Bemerkungen zu den „Dichterloh“-Gedichten von A. J. Weigoni

Lieber Magister Tvitteraturae Hagedorn, berichten Sie Weigoni, Ihrem quasi Alter Ego, ich habe das Kompositum in vier Akten gelesen, mich durchgeflœzt durch die schwierigen Wœrter seines Gedichtbands DICHTERLOH, wie es meinem Namen geziemt, und gleich beim hors d'œvre Filetstuecke zu Tage gefœrdert: Schon das Motto von Orson Welles gefællt mir – wehtuende und befrei­ende Wahrheit. Das „Start-Up“ (p. 7) verspricht viel, und mehr als das wird eingehalten.

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Daniel Kehlmann – F
Roman | Rowohlt Verlag 2013
Dietmar Jacobsen   09.12.2013
 
„Leben, ohne ein Leben zu haben ...“
Geschickt vermischt Daniel Kehlmann in seinem neuen Roman F die Lebens­geschichten dreier Brüder zu einem Panorama unserer Zeit

Es weht ein Hauch von Mario und der Zauberer durch das erste Kapitel von Daniel Kehlmanns neuem Roman F. Der „große Lindemann“ ist in der Stadt. Man schreibt das Jahr 1984 und Arthur Friedland, ein Schriftsteller ohne Ehrgeiz und Verlag, nimmt seine drei Söhne – Martin, den Ältesten aus erster Ehe, und die Zwillinge Iwan und Eric – mit in die Nachmittagsvorstellung des Hypnotiseurs, der auf Pla­katen ver­spricht, seinen Zuschauern ihre Träume fürchten zu lehren.

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Natan Zach – Verlorener Kontinent
Gedichte | Suhrkamp Verlag 2013
Antonín Dick   22.11.2013
 
Halt suchend oder Repulsion

»Turgenjew schläft.« Ließe man diesen banalen Satz beim Nachmittagstee des Dichters Natan Zach in ein zufälliges Schweigen fallen, könnte es geschehen, daß schon am Abend ein sehr bitterer Turgenjew-Song im Radio ertönt. Der Israeli ist Gele­genheits­dichter und präsentiert Alltags­erlebnisse, gewichtige wie unschein­bare, die zumeist einer Logik folgen: Desillusionierung.

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Jayne-Ann Igel – Umtriebe
Gutleut Verlag 2013
Ró¾a Doma¹cyna   22.11.2013
 
Aus der Zeit in die Zeit

Dieser Band ist mit geschärften Sinnen geschrieben. Es ist Prosa, lyrische Prosa, auch schon mal mit Binnen­reimen im dichten, verdichteten Text. Tage­buch­ein­tra­gungen, wie es Jayne-Ann Igel im Nach­spruch sagt. In der Tat scheint einiges an Material dem Tage­buch entnommen, und das findet sich nicht nur in den politischen Gedich­ten. Die Dichte­rin er­zählt Geschichten, die vom Glück handeln, und vom Schmerz.

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Theo Breuer – Das gewonnene Alphabet
Gedichte | Pop Verlag 2012
Christoph Leisten   14.11.2013
 
Was Lyrik heute kann

Die virulente Lyriklandschaft im deutschsprachigen Raum krankt mitunter daran, dass sie Dichter hervorbringt, die sich für Universalgenies halten. Statt sich mit der Gewissheit zufriedenzugeben, eine Stimme lyrischen Sprechens zu reprä­sen­tieren, diese zu kultivieren, weiter­zu­entwickeln, sie zu pflegen und daran zu arbeiten, scheinen solche Dichter mit dem Irrglauben zu liebäugeln, ihrer persönlichen Poesie könne es gelingen, die Sprache neu zu erfinden.

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Michael Buselmeier – Der Untergang von Heidelberg
Roman | Verlag Das Wunderhorn 2013
Michael Braun   25.10.2013
 
Archäologie des Heimatgefühls

Die Wiederbegegnung mit einem einst geliebten Buch kann ernüchternd sein, des­illu­sionie­rend, ein pein­liches Erlebnis ästhe­tischer Ent­zauberung, das man lieber ver­mieden hätte. Das ganze Setting des Buches wirkt dann plötz­lich ver­staubt, lä­cher­lich klein­geistig und obsolet und nichts mehr er­innert an die ästhe­tische Er­schüt­terung, die einst die Lektüre aus­gelöst hatte.

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Lyrilk von Seyed Ali Salehi, Shams Langrudi, Vahe Armen
Gedichte | Sujet Verlag 2013
Gerrit Wustmann   22.10.2013
 
Meine gedichtgetränkte Hand
Neue Übersetzungen iranischer Lyrik

Noch immer gibt es in der iranischen Lyrik viel zu entdecken, zumal nur wenig ins Deutsche übersetzt wird. Der Bremer Sujet Verlag, der eigent­lich auf Literatur von Schrift­stellern im Exil spezia­lisiert ist, hat pünktlich zur Frank­furter Buch­messe die ersten drei Bände der Edition Moderne Irani­sche Lyrik ver­öffent­licht, um der irani­schen Gegen­warts­lyrik in deut­scher Sprache ein Forum zu bieten.

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Hendrik Rost – Licht für andere Augen
Gedichte | Wallstein Verlag 2013
Sylvia Geist   20.10.2013
 
Auf Fang aus

In Zusammenhang mit Hendrik Rosts Dichtung ist oft von Kontemplation gesprochen worden – ein Prä­dikat, das gut ange­wendet war auf Texte, die sich durch die Haltung des ruhigen, distan­zierten An­schauens und durch einen ge­nauen Blick auszeich­neten. In den neuen Gedichten findet man Rosts un­ver­kennbar klaren Ton wieder, immer noch kommt er ohne den Reim aus, die Verse atmen ein freies, die philo­sophi­schen, lite­ratur- oder natur­wis­sen­schaft­lich ange­reicher­ten Denkanordnungen abfederndes Parlando.

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Tina Stroheker– Luftpost für eine Stelzengängerin
Notate | Verlag Klöpfer & Meyer 2013
Christian Lorenz Müller   10.10.2013
 
Eine allererste Liebe von den möglichen zwei oder drei

Was Stroheker Notate nennt, wirkt wie ein Film, der aus mal chrono­logisch geordneten, mal aus rück­blenden­haft wir­kenden Stand­bildern besteht. Mit einer Tiefen­schär­fe, zu der wohl nur Lyriker fähig sind, zoomt die Dich­terin sprach­lich an ein­zelne Szenen und Bege­ben­heiten heran: Ein Wieder­sehen am Bahn­hof; Ge­schenke, die als „Vorspiel zum Vor­spiel“ ge­tauscht werden; ein Ausflug ins Grüne.

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Sascha Reh – Gibraltar
Roman | Schöffling & Co. 2013
Dietmar Jacobsen   28.09.2013
 
Die ratlosen Berater
In seinem zweiten Roman Gibraltar zieht Sascha Reh alle Register, um unserer kriselnden Gegenwart den Spiegel vorzuhalten

So viele ernsthafte Auseinandersetzungen mit der die Welt seit einem Jahrfünft beutelnden Banken- und Finanz­krise gibt es gar nicht in der deutschen Gegen­warts­lite­ratur. Wenn ich es richtig sehe, war Bodo Kirch­hoff der Erste, der sich des Desas­ters annahm. Von dessen Roman Erin­ne­rungen an meinen Porsche (Hoff­mann und Campe 2009) spricht aller­dings inzwi­schen nie­mand mehr – und das zu­recht.

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Hans Blumenberg – Sprachsituation und immanente Poetik
Aufsätze | Reclam 1986/2012
Franz Hofner   25.09.2013
 
Über Hans Blumenbergs Anschauung zur poetischen Sprache

Lyrischer Sprachgebrauch, so Blumenberg, entspringt dem Wunsch nach Aufsprengen der Funk­tions­rich­tung moderner Sprache, einem Verweigern gegen die auf Ein­deutig­keit gerichtete Tendenz des all­täg­lichen Sprach­gebrauchs. Poe­sie ist nicht ein Rest­be­stand aus „im säkularen Verfall“ abge­legten Sprach­elemen­ten, wie es zuletzt Schattner in seiner ›Geister­sprache‹ (Hanser, 2012) glauben machen wollte.

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Florian Voß – In Flip-Flops nach Armageddon
Gedichte | Verlagshaus J. Frank 2013
Jan Kuhlbrodt   21.09.2013
 
Hölle. Ankunftshalle

Mit In Flip Flops nach Armageddon legt Florian Voß also seinen neuen Gedicht­band vor, den zweiten im Verlagshaus J. Frank. Und dieser Band ist bevölkert mit allem, was die zeit­genössische, medial gefil­terte Hölle bevölkern könnte. Mir sind einige Verse aus Voss' in der Lyrik­edition erschienen Bänden noch im Kopf, Verse wie diese ...

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Ljudmila Ulitzkaja – Das grüne Zelt
Roman | Hanser 2012
Dietmar Jacobsen   08.08.2013
 
Vom Leben in der Diktatur
Mit Das grüne Zelt legt Ljudmila Ulitzkaja einen opulenten Gesellschaftsroman vor, der ein halbes Jahrhundert Revue passieren lässt

Drei Männer – Ilja, Sanja und Micha – und drei Frauen – Olga, Galja und Tamara – spielen die Hauptrollen in Ljudmila Ulitzkajas großem Gesell­schafts­roman Das grüne Zelt. Der Zeit­raum, über den sich die Handlung erstreckt, nimmt fast ein halbes Jahr­hundert ein. Stalins Tod im März 1953 bildet den Auftakt des Buches.

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Carl-Christian Elze – ich lebe in einem wasserturm am meer was albern ist
Gedichte | Luxbooks 2013
Armin Steigenberger   01.08.2013
 
Das Herz in frischer Form recycelt

Als ich Carl-Christian Elzes neuen Gedichtband, bei luxbooks erschienen, zum ersten Mal las, war ich schon vom furiosen Einstieg sehr angetan. Das Buch formuliert implizit eine gewisse Angst­freiheit vor Pathos, traut sich, Ich zu sagen, hat keine Scheu davor, sich persönlich zu offen­baren, macht sich dabei aber eben nicht unfreiwillig zum Kasper wie so manches Buch, dem man einen deutlichen selbst­therapeu­ti­schen Impetus anmerkt. Nicht so bei Elzes Wasserturm.

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Carl Einstein – Bebuquin (1912)
Roman | Reclam
Ulrich Bergmann   27.07.2013
 
Kritische Pirouetten

Dieser ›Roman‹ auf 48 Reclam-Seiten liest sich teils wie ein Supplement von Niet­zsches „Zarathustra“, gewendet ins Absurde, Ex­pres­sive, Expres­sionis­tische. Teils phi­lo­sophie­rende Kritik an den gesell­schaft­lichen Zuständen, Seins­grübelei mit metaphysischen Versuchs­bal­lons, teils Axiome und Ge­danken­spiele in Münch­hau­sen­scher Manier – und das alles ohne sinn­volle Hand­lung.

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Olga Martynova – Mörikes Schlüsselbein
Roman | Literaturverlag Droschl 2013
Peggy Neidel   14.07.2013
 
Die Geburt eines Schriftstellers
Ernsthaft und verspielt: Olga Martynovas Roman „Mörikes Schlüsselbein“

In seinem Essay „Über das Marionetten­theater“ schreibt Kleist, wolle der Tänzer über­zeugend sein, müsse er einen gewissen Punkt im Körper finden und jenem von dort aus­gehenden Impuls folgen. Dann würde alles ganz leicht, der Künstler schwebe an­mutig über die Bühne. Die russisch-deutsche Schrift­stellerin Olga Martynova greift diese Idee auf, macht sie regel­recht zum poeto­logi­schen Konzept.

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Serhij Zhadan – Die Erfindung des Jazz im Donbass
Roman | Suhrkamp, 2013
Dietmar Jacobsen   29.06.2013
 
„Wir wollten Piloten werden“
In Serhij Zhadans Roman Die Erfindung des Jazz im Donbass geht es um mehr als eine Tankstelle in der ostukrainischen Steppe

Hermann heißt der Held in Serhij Zhadans neuem Roman Die Erfindung des Jazz im Donbass. Und Hermann – oder Harry, wie ihn seine Freunde, ein bunter Trupp von merk­würdigen Zeit­genossen, nennen – hat ein Problem mit seinem Bruder Juri. Der ist nämlich klamm­heimlich Richtung West­europa ver­schwunden und hat sein „Business“, eine Tankstelle in den Weiten der Ostukraine, zusammen mit zwei Ange­stellten sowie der Buch­halterin Olga einfach zurück­gelassen.

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Weitere Kritik zu Serhij Zhadan: Hymne der demokratischen Jugend  externer Link

Saskia Hennig von Lange – Alles, was draußen ist
Novelle | Jung und Jung, 2013
Carolin Callies   31.05.2013
 
Im Gruselkabinett des Körpers

Ein überfülltes Anatomiemuseum und seine unheim­lichen Präparate sind die Haupt­figuren der Novelle „Alles, was draußen ist“ von Saskia Hennig von Lange. Dieser Ort als Sammlung von toten Menschen­teilen taugt für das absolute memento mori und der Leser legt nach der Lektüre schon mal die Sanduhr zurecht.

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Kurt Drawert – Schreiben. Vom Leben der Texte
C. H. Beck, München 2012
Andreas Heidtmann   20.05.2013
 
Einübung ins Abwesende – vom Abenteuer des Schreibens

Es gilt inzwischen als Fauxpas, sich zur Literatur in einer Weise zu äußern, die über das Niveau einer Talk-Show hinausreicht. Nachdenklichkeit im Facebookzeitalter pro­voziert Befremden. Vielleicht war die Literatur immer schon befremdend, doch im heutigen Medienvarietee wird sie, sofern nicht gänzlich igno­riert, zur Zumutung. Kurt Drawert und sein neues Buch „Schreiben. Vom Leben der Texte“ sind in diesem Sin­ne Zumutung, zumal der Autor sich auch auf Podien diffe­renziert äußert und die Präzi­sion der Plauderei vorzieht.

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Alexander Kluge – Das fünfte Buch
Roman | Suhrkamp, Berlin 2012
Michael Buselmeier   14.05.2013
 
Abstürze aus der Wirklichkeit

Der präzise Beobachter, Sammler und Denker Alexander Kluge schreibt keine Ro­mane. Er trägt kleine Geschich­ten zusammen, die er auf der Rück­seite der gro­ßen Geschichte vorfindet, Bruchstücke, die er ausgräbt und zum Sprechen bringt. Oft sind es nur Moment­auf­nahmen, Zeitungs­meldungen oder ironische Kommentare, lako­nisch, aber nicht kühl, eher heiter und mit einer fun­kelnden Pointe aufs Papier gesetzt.

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Hannes Stein – Der Komet
Roman | Galiani, Berlin 2013
Christian Lorenz Müller   05.05.2013
 
Ein alternativer Geschichtsentwurf von Hannes Stein

Wie Europa aussehen würde, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, wissen wir spätestens seit Robert Harris' Bestseller Vaterland: In diesem Buch hat Hitler den Kontinent auf eine Art und Weise umge­staltetet, die uns wohlige Schauder des Schreckens über den Rücken jagt: Bequem im Lese­sessel aus­gestreckt, glauben wir glücklich davon­gekommen zu sein, weil die Geschichte in der Realität einen anderen, besseren Verlauf genommen hat.

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Dominik Dombrowski – Finissage
Gedichte | parasitenpresse 2013
Mario Osterland   24.04.2013
 
Das war's dann, bald

Das Wort „Finissage“ ist im Französischen nicht gebräuchlich. Stattdessen sagt man lieber „Dé­vernissage“, was nach einem miss­glückten, bis­weilen lächer­lichen Euphe­mismus klingt; wie etwa „Minder­ein­nahmen“ statt „Ver­luste“. Dominik Dombrowski sind solche Ausweich­manöver fremd. Er nennt die Dinge beim Namen, um die es in seinem Gedicht­band geht. Es sind die letzten Dinge, die einem im Leben erwarten: Alter, Krankheit und Tod – aber auch das Erin­nern, das Versöhnen, das Vergessen.

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Robert Wohlleben (Hrg.) – Antreten zum Dichten!
Gedichte | Reinecke und Voß, Leipzig 2013
Dirk Uwe Hansen   01.05.2013
 
Lyriker um Arno Holz

Eine Dachkammer in Berlin, Pariser Straße, Hinterhaus an einem späten Abend im späten 19. Jahrhundert. 6 Männer im Alter von 20-40 sitzen auf Klappstühlen, einer von ihnen hat einen Bleistift in der Hand, die anderen Hefte, Blätter, Geschriebenes. Die Zigarren qualmen.
  Das „Regiment Sassenbach“, so benannt nach dem Verleger, der die Werke der hier Ver­sammel­ten drucken ließ, ist in der Wohnung des Dichters Arno Holz ange­tre­ten. Ange­treten zum Dichten.

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Viktor Pelewin – Tolstois Albtraum
Roman | Luchterhand Verlag 2013
Jens Kassner   19.04.2013
 
Graf T. schießt um sich

Leichenfledderei sei das gegenwärtig am höchsten geachtete Genre, weil es als direktes Pendant zur Erd­öl­förde­rung angesehen werden könne. So erklärt Ariel Edmun­do­witsch Brahman seine Arbeits­weise und ergänzt: „Früher dachte man, bloß die Tschekisten hätten die Dinosaurier beerbt. Aber dann hat die kulturelle Öffent­lichkeit auch was gefunden, wo sie bohren kann. Also werden jetzt sämtliche lieben Ver­storbenen ein­gespannt.“

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Annika Scheffel – Bevor alles verschwindet
Roman | Suhrkamp Verlag 2013
Dietmar Jacobsen   18.04.2013
 
Im Tal der blauen Füchse
In Annika Scheffels zweitem Roman Bevor alles verschwindet wehrt sich ein kleiner Ort gegen den Untergang

Ein Dorf soll verschwinden. Der Ort, in dem Jula und Jules, Mona und Marie, die alte Greta und Martin Wacholder, der Bürger­meis­ter, ihr ganzes Leben verbracht haben, ist einer Freizeit­oase im Weg. Einem Er­holungs­gebiet rund um einen Stausee, der mit seinen Wasser­massen bald alles bedecken wird: die örtliche Kneipe, „Tore“ genannt, das Haus des Bürger­meisters mit seiner weißen Auf­gangs­treppe samt den Löwen­skulp­turen, den Friedhof und die kleine Kapelle darin.

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Jürgen Buchmann – Lüneburger Trilogie
Trilogie | Freiraum Verlag Greifswald 2013
Jan Kuhlbrodt   13.04.2013
 
Buchmanns Babel

Nun legte also im Januar 2013 der Greifswalder Verlag Freiraum mit der Lüne­burger Trilogie ein weiteres Buch mit Texten Buchmanns vor. Wie schon die anderen Bücher des Autors keine dicke Schwarte sondern eine kleine Publikation von knapp ein­hundert Seiten. Sie enthält die Teile Ein­schif­fung nach Cythera, Phantastische Topografie der Hanse­stadt Lüneburg und Logbuch vom Meer der Finsternis.

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Michael Köhlmeier – Die Abenteuer des Joel Spazierer
Roman | Hanser Verlag 2013
Dietmar Jacobsen   26.03.2013
 
Ein Amoklauf durchs 20. Jahrhundert
In seinem neuen großen Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer erzählt Michael Köhlmeier die letzten 60 Jahre als Schelmenroman

„Ein Mann kommt in eine Bank, hält der Frau am Schalter die Pistole an die Stirn und sagt: Keine Angst, das ist kein Überfall, das ist nur ein Amoklauf.“ Seine Bier­kumpane hätten ihm zu diesem Einstieg in seine Lebens­geschich­te geraten, behaup­tet der Ich-Erzähler von Michael Köhlmeiers neuem großen Roman Die Aben­teuer des Joel Spazierer gleich zu Beginn des Buches.

Weitere Rezensionen zu Michael Köhlmeier:
Michael Köhlmeier: Madalyn (Dietmar Jacobsen)  externer Link
Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund (Dietmar Jacobsen)  externer Link

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Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren
Novelle | C.H. Beck 2013
Christian Lorenz Müller   12.03.2013
 
Börsenabsturz zwischen Dattelpalmen
Jonas Lüschers beeindruckende Debütnovelle

Mögen auch anderswo die Börsenkurse abstürzen und ganze Volks­wirt­schaften kolla­bieren, einen Ort gibt es auf diesem Planeten, der selbst dann noch eine Oase genannt werden kann, wenn die Welt längst wüst und leer geworden ist. Die Rede ist von der Schweiz, die der 1976 geborene Autor dieses bemerkens­werten Debüts zur Heimat hat. Böse Zungen behaup­ten aller­dings, dass die Einwohner der Eid­genossen­schaft sich in politischen Zweifelsfällen stets auf ihre immer­währende Neutralität berufen.

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Franz Hessel – Pariser Romanze
Papiere eines Verschollenen | Lilienfeld Verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   23.02.2013
 
Vergangenheitsformen

Dieser Tage jährt sich die Macht­ergreifung durch die NSDAP in Deutsch­land zum 80. Mal, Hitlers Ernennung zum Reichs­kanzler durch Hinden­burg und die Ver­abschie­dung des Er­mäch­tigungs­gesetzes durch den Deut­schen Reichs­tag. Ein Pro­zess strebte seiner Vol­len­dung zu, der in der Perver­tierung des National­staats­gedan­kens im deut­schen Kaiser­reich schon angelegt war.

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Techno der Jaguare – Manana Tandaschwili, Jost Gippert (Hg.)
Neue Erzählerinnen aus Georgien | Frankfurter Verlagsanstalt 2013
Dietmar Jacobsen   22.02.2013
 
»... was man lassen kann und was nicht«
Sieben georgische Gegenwartsautorinnen brechen auf in eine neue Welt

Als die junge Tino in Maka Mikeladzes Erzählung Eine mit Buch und ihre erlesene Leser­schaft eines Morgens aufwacht, ist ihr ein Buch aus dem Kopf gewachsen: „Sie zog daran. Es saß fest ... Sie kämmte die Blätter nach links. Mehr Blätter auf der einen Seite, auf der anderen weniger. Das stand ihr gut.“ Als „Neuausgabe ihrer selbst“ macht sie sich auf den Weg zu ihren täglichen Geschäf­ten – und ist natür­lich gespannt darauf, was drinsteht in „ihrem“ Buch.

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Sylvia Plath – Die Glasglocke
Roman | Suhrkamp Verlag 2013
Michael Braun   11.02.2013
 
Lady Lazarus in New York

Als „Lady Lazarus“ hat sich diese Dichterin por­trätiert, als eine im Unglück „lächeln­de Frau“, die in die Hölle des Schmer­zes geht, ohne jedoch – wie der bibli­sche Lazarus – wieder­erweckt zu werden zu einem neuen, befrei­ten Leben. Sylvia Plath, die Dich­terin aus Neu­england, ist seit ihrem Frei­tod am 11. Februar 1963 zur Ikone des Fe­minis­mus gewor­den, von der Nach­welt zurecht­ge­schminkt zur visio­nären Schmer­zens­frau, ver­ehrung­swürdig vor allem als ein Opfer ihres berühmten Manns, des engli­schen Dich­ter­königs Ted Hughes.

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Ein Bild von einem Gedicht – Alle Poetryletter. Julietta Fix (Hg.)
Gedichte / Grafik | Fixpoetry Verlag
Mario Osterland   24.01.2013
 
Gemalte Gedichte

Der Poetryletter des Literaturportals fixpoetry.com ist im Laufe der letzten fünf Jahre zu einer kleinen Institution geworden. Alle zwei Wochen wird hier ein Gedicht grafisch auf­bereitet bzw. mit einer Illu­stration versehen präsentiert. Nun erscheinen die hochwertig gearbeiteten Briefe erstmals in Buchform.

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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012
Armin Steigenberger   21.01.2013
 
Erdig schiere Kraft aus dem Eigenen: zwerchfellbebend

Markus Hallingers Gedichte: Erdig, unverstellt, grob­schläch­tig, unbehauen. Natur­gewalten funkeln zwi­schen den Versen. Dane­ben auch andere Töne. Lakonisch und ohne Aufheben kommen die Gedichte zum Punkt. Diese Dichtung ist anders. Sie ist beson­ders. Sie ist eigen.

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Siehe auch: Markus Hallinger – Das Eigene (Kritik von Jan Kuhlbrodt: From outer space

Lütfiye Güzel – Let's Go Güzel
Gedichte | Dialog Edition 2012
Gerrit Wustmann   19.01.2012
 
Blues & Rock n Roll & Bukowski


Glaubt man den Massenmedien, dann ist Duisburg-Marxloh ein Fanal für all das, wovor Sarrazin und artverwandte Über­fremdungs­apokalyp­tiker sich fürchten, in aller Regel ohne je persönlich dort gewesen zu sein. Und da die braune Suppe Auflage bringt, wird sie in großen Kellen immer wieder ausgekippt. Ein paar Meter Luftlinie von Marxloh ent­fernt liegt Hamborn, Geburtsort von Lütfiye Güzel, um ihre offizielle Vita zu zitieren: „1972 als Poetin auf die Welt gekommen & so weiter“.

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Poesiealbum 304 – Udo Tiffert
Gedichte | Märkischer Verlag 2013
Jens Kassner   12.01.2012
 
Aussaugende und überflutende Worte


Das Nest heißt tatsächlich Neusorge. Es liegt direkt an der Neiße, Polen ist in Sicht­weite. Laut Wiki­pedia gibt es 154 Einwohner. Dass einer davon Udo Tiffert heißt, steht (noch) nicht in der Web-Enzyklo­pädie. Ist aber so. Bisher wird als bedeutende Persön­lich­keit nur der 1799 geborene Historien­maler Adolf Zimmer­mann ange­geben

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Burkhard Spinnen – Nevena
Roman | Schöfling & Co., 2012
Dietmar Jacobsen   05.01.2012
 
Der Barbar und die Zauberelfe

In seinem neuen Roman Nevena erzählt Burkhard Spinnen von der Liebe in den Zeiten von Cyberspace und sozialen Netzen

Eigentlich ist Patrick Ehling ein ziemlich normaler Junge. Und zu normalen jungen Männern um die 16/17 Jahre gehört heut­zutage offe­nbar, dass sie einen Teil ihrer Zeit in Welten ver­bringen, die ihnen Aben­teuer bieten, welche ihre durch­rationali­sierte Lebens­umgebung schon lange nicht mehr im Angebot hat.

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Werner Dürrson – Denkmal fürs Wasser
Gedichte | Klöpfer & Mayer, Tübingen 2012
Christian Lorenz Müller   04.01.2012
 
Ein Buch voll flüssiger Verse

Das Tiefseeblau auf dem Schutz­umschlag dieses Buches ist in Bewegung, feine Strudel­linien ziehen den Blick des Betrach­ters auf ein Zentrum hin, und doch gibt es für das Wasser nichts Zentrales, es ist ein Stoff, der trotz seiner Füg­samkeit keine Grenzen und schon gar keine Hierar­chien kennt. Sein Wesen ist der Wandel, der stän­dige Wechsel von einem Aggregats­zustand in den anderen.

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Axel Kutsch (Hrsg.) – Versnetze_fünf
Gedichte, Anthologie | Landpresse 2012
Theo Breuer   31.12.2012
 
Werden Sie ruhig ein bißchen wahnsinnig …
Vom Lesen in Versnetze_fünf


Unbeugsam scheint der Überlesenswille des urigen Lyrikvölkchens im bild­wild zer­klüfteten deutschen Sprach­raum ange­sichts der weiterhin ansteigenden Buchflut zu sein, in der sich Millionen Versfüße tummeln. Ach Gott, schon wieder Gedichte, hör ich Peer Quer, den feinen kleinen Freund, Mrs Columbo ins Öhrchen flüstern, als er Versnetze_fünf auf dem Tisch liegen sieht.

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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012
Jan Kuhlbrodt   17.12.2012
 
From outer space

Natürlich spielt der Titel des Gedichtbandes von Markus Hallinger »Das Eigene« da­rauf an, dass das, was jemand sein Eigenes nennt, den anderen das Fremde ist. Und aus dieser Vorstellung speist sich auch mein Inter­esse an diesem Band, denn er führt mich in Gegenden, die ich nur vom Hören­sagen kenne.

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Tom Schulz – Innere Musik
Gedichte | Berlin Verlag 2012
Peggy Neidel   13.12.2012
 
Entdeckungsreise zwischen Lebensgier und Formalismus

Der Lyriker Tom Schulz lauscht seiner inneren Musik, umkreist transzendente Begriffsklopper und trifft zwischendurch abgeranzte Freundinnen auf dem Raucherbalkon

Wie man überlebt. In einer kalten, prosaischen Zeit, in der man „den Schauer in den Unterführungen“ spürt und wie sich „die Welt um das Herzzentrum schließt“. In seinem neuen Gedicht­band Innere Musik ölt Tom Schulz den „metallisch klappernden Brief­kasten“ mit der „Süße des Nabels“, be­schäf­tigt sich thema­tisch vor­wiegend mit Gedichten des Barock, auch der Romantik.

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Stephan Thome – Fliehkräfte
Roman | Suhrkamp Verlag 2012
Dietmar Jacobsen   11.12.2012
 
»Unsere Art zu leben«

Stephan Thomes neuer Roman Fliehkräfte ist Roadmovie und Gesellschaftsanalyse zugleich

Hartmut Hainbach heißt der Protagonist in Stephan Thomes neuem, nach Grenz­gang (Suhrkamp 2009) zweitem Roman Fliehkräfte. Der Mann ist Phi­lo­sophie­pro­fessor, Spezia­list in Sachen Sprech­akt­theorie, kennt sich im Werk von John Searle frei­lich deut­lich besser aus als im eigenen Leben.

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Theo Breuer – Das gewonnene Alphabet
Gedichte | Pop Verlag 2012
Christine Kappe   29.11.2012
 
22mal WIR / 26mal SCHLACHT

Wortkräuter zur Gesundung in Theo Breuers Gedichtbuch Das gewonnene Alphabet

Das gewonnene Alphabet von Theo Breuer unter­hält nicht nur, und damit meine ich: breitet sein Wortnetz tragfähig unter mir aus, sondern verwirbelt mir zugleich die Sinne: Auf dem Bett liegend, habe ich diesen Rhythmus im Ohr, von welchem Gedicht mag er herkommen – di richi dir sprichi ist dis gidicht?

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Ewart Reder – Die Liebeslektion
Roman | Horlemann Verlag 2012
Gerrit Pithan   27.11.2012
 
Verführung zum Wesentlichen

Es handelt sich um einen Roman, der in einer hessischen Gesamt­schule spielt. Bei dieser ersten Erkenntnis möchte man erschrocken inne­halten, denn man erwartet und befürchtet entweder eine trübselige Sozialreportage im Gewand einer Erzählung oder sentimental ver­klärte Erin­nerungen an die Schulzeit.

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Arthur Missa – Formenverfu(e)ger
Stücke aus Prosa | Verlegenheits-Verlag / ed.cetera 2008 / 2012
Mario Osterland   23.11.2012
 
Zumutungen

„Es handelt sich um das Skizzenbuch eines werdenden Autors“, heißt es auf den Seiten des jungen Leipziger Verlags ed.cetera zu Formenverfu(e)ger. Angesichts dessen möchte man dem werdenden Autor Arthur Missa drei Dinge wünschen: 1. Das Erreichen seiner Ziele. 2. Die Überwindung dieses skizzenhaften Debuts. 3. Gelassenheit hinsichtlich des Literaturbetriebs. Aber der Reihe nach, von hinten nach vorn.

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Michael G. Fritz – Adriana läßt grüßen
Roman | Mitteldeutscher Verlag 2012
Dietmar Jacobsen   19.11.2012
 
Ein Koffer voller Leben

In Michael G. Fritz' neuem Roman Adriana läßt grüßen sucht einer das große Glück und findet sich selbst

Es beginnt mit einer Verwechs­lung. Boris Helmer, per Bahn unter­wegs von Köln nach Berlin, hält plötz­lich einen Koffer in der Hand, der ihm gar nicht gehört. Aber weil er fast nichts dazutun musste, damit das Gepäckstück in seinen Besitz über­wechselte, nimmt er das unver­hoffte Aben­teuer als einen Wink des Schick­sals und macht sich mit der fremden Habe auf den Heimweg. Um alsbald fest­zu­stellen, dass der Koffer nur Foto­grafien enthält, die einen säuber­lich in Alben ein­sor­tiert, die anderen lose durch­einander. Und alle Fotos zeigen ein und dieselbe Frau: Adriana.

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Alfred Gelbmann – Trümmerbruch
Roman | Innsbruck, Wien: Kyrene 2012
Christian Teissl   16.11.2012
 
Lebenslauf einer schreibenden Hand

„Seht, wie die Hände in Freiheit leben, ohne an ihre Funk­tion zu denken, ohne sie mit einem Geheimnis zu belasten – seht, wie sie ruhen mit leicht gebo­genen Fingern, als ob sie sich irgendeinem Traum über­ließen, oder betrachtet sie in der eleganten Lebhaftigkeit der reinen Gebärden ...“, heißt es im „Lob der Hand“ des fran­zösischen Kunst­histo­rikers Henri Focillon.

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Robert Schleif – Völkerschlacht bei Leipzig 1813
Skatspiel | Verlag E.A. Seemann 2012
Mario Osterland   14.11.2012
 
Napoleon gestochen

In Zeiten, in denen sich der klas­sische Buchmarkt im wirt­schaft­lichen Sinkflug befindet, versuchen Verlage immer häufiger ihr Programm durch so genannte Nonbooks für ein breites Publikum attraktiv zu halten. Von den teilweise grotesken Aus­wüchsen dieser Ent­wicklung kann man sich jährlich auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt über­zeugen.

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Adrian Kasnitz – Wodka und Oliven
Roman | Ch. Schroer 2012
Mario Osterland   11.11.2012
 
Neudeutsche Lebenswege

Nicht umsonst Was bleibt von den Orten der Erinnerungen, wenn sie nicht mehr existieren? Es bleibt die Sprache und das Erzählen, das die Erin­nerungen aufrecht erhält. Zugegeben, diese Erkenntnis ist nicht gerade eine neue, an Aktualität verliert sie aber kaum. In Zeiten, in denen der Familien­roman Kon­junktur hat, erst recht nicht. Zwar ist das Prosa­debut von Adrian Kasnitz sicher keine klas­sische Familien­saga, doch im Zentrum von Wodka und Oliven stehen die Lebensläufe zweier Familien und das Erzäh­len ihrer Schicksale durch den Prota­gonisten Moritz.

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40 % Paradies – Gedichte des Lyrikkollektivs G13
Anthologie | Luxbooks 2012
Jan Kuhlbrodt   09.11.2012
 
Lockere Gruppe

Nicht umsonst Sicher habe ich Vorlieben, aber die stelle ich erst einmal hinten an, und wenn im Ver­laufe dieser Besprechung ein Text zitiert wird oder ein Name fällt, so steht er im Grunde für die Einzigartigkeit aller im Buch vor­kom­mender Texte und Autoren. Außerdem empfehle ich allen, sich den Spaß zu gön­nen und dieses Buch zu lesen, auch jenen die dafür ihre Folian­ten mit Inhalten gediegener Klas­sizität für einen Moment aus der Hand legen müssen. Machen sie das, wohnen sie einer Eruption bei, die nicht so häufig vorkommt, und zum Glück hier doku­mentiert wurde, und sie er­haschen einen Fetzen Utopie!

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Hartmut Abendschein – Dranmor
Erzählung | Athena-Verlag 2012
Peggy Neidel   02.11.2012
 
Wo hat man bloß diesen Text abgelegt?

Kunstvoll erzählt Hartmut Abendscheins „Dranmor“ vom Schriftstellerwahnsinn

Nicht umsonst beginnt die Erzählung mit einem Zitat aus Alice im Wunderland. Es geht um Fieberträume, gespal­tene Persön­lich­keiten, Pilze in Wänden und spre­chende Schnaps­fläsch­chen. Ver­rückt. Oder doch nur der ganz normale Wahn­sinn im Leben eines Schrift­stellers. Der Ich-Erzähler ohne Namen wohnt in der Schweiz. Sein Haus­meister­job erfüllt ihn wenig, aber man schlägt sich so durch. Nachdem er wiederholt auf einen lästigen Pilz­schwamm im Gebäude hinwies, wird ihm die Stelle gekündigt, ein Jugendfreund taucht auf und der Name eines vergessenen Berner Dichters fällt.

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Anke Feuchtenberger – Die Spaziergängerin
Graphic Novel | Reprodukt, September 2012
Mario OSterland   30.10.2012
 
Graphic Essays

Der Flaneur galt und gilt immer noch als eine der Symbolfiguren der klassischen Moderne. Aufreizend langsam bewegte er sich durch die Passagen der modernen Großstädte, las in ihnen wie in einem offenen Buch und ließ alle anderen um sich herum wissen, dass er sich dafür alle Zeit der Welt lassen kann.

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Kathrin Passig, Sascha Lobo – Internet. Segen oder Fluch
Sachbuch | Rowohlt Berlin 2012
Andreas Heidtmann   26.10.2012
 
Viel Wissen, wenig Brillanz
Kathrin Passig und Sascha Lobo schreiben über das Netz

Möchte man sich fundiert über das Internet und dessen Entwicklung informieren, muss man – so überraschend es klingt – zum Buch greifen. Was im Netz selbst über das Medium zu lesen ist, hat in der Regel den Charakter einer News à la Macht-das-Internet-Dumm?, dazu viel Bruch­stück­haftes aus Blogs oder schlecht Recher­chiertes aus der Tastatur von Hobby­redak­teuren. Halbwegs Intel­ligen­tes findet man allen­falls als Zitat aus Print­medien, als trauten die Internet­theoretiker ihrem eigenen Medium nicht so recht.

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Karen Duve – Grrrimm (Grimm)
Galiani Berlin 2012
Peggy Neidel   23.10.2012
 
Keine Rosen, nur Gestrüpp
Nicht immer märchenhaft: Karen Duve schreibt die Grimms neu

Irgendwie sind alle verdorben. Der Vater der „Froschbraut“ ist ein Gangs­ter, der mit seiner Tochter im Luxus­haus lebt und einen auto­ritären Erzie­hungs­stil pflegt. Der Zwerg ist ein raffgieriger und hinter­hältiger Klein­wüchsiger, der in „Zwer­genidyll“ seine Körper­größe mit ausgeprägtem Domi­nanz­verhalten kompen­siert. Rot­käpp­chens Familie in „Grrrimm“ ist gewalt­bereit und asozial.

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Das halbvolle Glas – Erich Loest Lesebuch
Lesebuch | Plöttner 2012
Richard Albrecht   14.10.2012
 
Halbvoll
Subjektkritische Annäherungen an das Erich-Loest-Lesebuch

Aufs Leipziger Erich-Loest-Lesebuch war ich wochenlang gespannt. Nun liegt's nach Wochen endlich (auch mir hier im deutsch-belgischen Grenz­gebiet) vor. Ein (ge)wichti­ges Buch auch im ding­lichen Sinn. Es liegt gut in der Hand mit seinen 616 Gramm. Und augenfreund­lich ist es auch: die Texte ent­sprechen dem, was etwa dtv als Großdruck bewirbt.

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Dato Barbakadse – Wesentliche Züge
Gedichte | Mischwesen Autorenverlag 2011
Matthias Fallenstein   12.10.2012
 
Gedichtete Metaphysik

Seit mehreren Jahren versucht der georgische Dichter Dato Barbakadse auch im deutsch­sprachigen Raum Gehör zu finden. Seine Beziehung zur deutschen Sprache und Lite­ratur ist mehr­fach geknüpft: er hat an der West­fäli­schen Uni­versität in Münster studiert, und er hat das Verdienst, eine groß­ange.­legte Reihe mit Über­setzungen deutsch­sprachiger Lyrik ins Georgi­sche geplant und zum Teil schon ver­wirklicht zu haben ...

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Poesie Agenda 2013
Anthologie/Kalender | orte-Verlag 2013
Andreas Noga   10.10.2012
 
Es geht heiter weiter

Als ich dreizehn war, arbeitete der Schweizer Schriftsteller und Verleger Werner Bucher zu­sammen mit Jürgen Stelling an der ersten Ausgabe des Lyrik-Taschen­kalen­ders „Poesie Agenda“. Vor wenigen Tagen ist für das Jahr 2013 die inzwi­schen 30. Ausgabe er­schienen. Heute kümmern sich Werner Bucher, Jolanda Fäh und Virgilio Masciadri als haupt­verant­wortliche Redak­teure um die Zusammen­stellung des Kalenders, für den sie 180 Gedichte sowie zahlreiche Cartoons, Fotos und Zeitungs­schnipsel zusammen­getragen haben.

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Constantin Göttfert – Satus Katze
Roman | CH Beck 2012
Lorenz Müller   04.10.2012
 
Unheimliche Katzen in der Kälte
Constantin Göttferts Debütroman

Waren Sie schon einmal in Finnland? Wenn nicht, haben Sie viel­leicht ähnlich kli­schee­behaftete Vor­stellungen vom euro­päischen Norden wie der Rezensent: Ob der vielen Wälder und Seen leben die Menschen dort oben sehr gesund und natur­ver­bunden; sie sammeln Pilze und Beeren, gehen Wandern oder Lang­laufen und ent­span­nen sich in der Sauna.

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Sibylle Berg– Vielen Dank für das Leben
Roman | Hanser 2012
Dietmar Jacobsen   02.10.2012
 
Gegen den Menschen ist kein Kraut gewachsen
Mit Vielen Dank für das Leben hat Sibylle Berg wieder einen rich­tig zor­nigen Roman ge­schrie­ben

Na endlich! Nach dem etwas berguntypischen „Liebesroman“ Der Mann schläft (Hanser 2009) – Dem nur noch ein Happy End gefehlt hätte! – hat sich die 1962 in Weimar geborene Autorin wieder auf ihre Stärken besonnen. Und die liegen weiß Gott nicht darin, eine romantische Zweier­bezie­hung zu besingen, selbst wenn der männ­liche Part von einem Schnarch­sack gespielt wird, der sich meistens in der Hori­zonta­len aufhält und mas­ku­lines Impo­nier­gehabe nicht zu kennen scheint.

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Ragufeng – Schadt, Kathrin / Ingenlath, Christian (Hg.)
Blütenlese aus zwei Jahren pussy-Salon | Anthologie | tauland-Verlag 2012
Peter Bernholt   21.09.2012
 
Katzengarn und Leibspeisen

Seit einiger Zeit schleicht ein Kätzchen durch Berlin Schöneberg und lockt Künstler aus allen Bereichen an. Im pussy-Salon überlassen die Veranstalter Kathrin Schadt und Christian Ingenlath diesen Künstlern die Bühne. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto. Immer mit dabei: Die Katze. Jetzt erscheint im tauland-verlag ihre erste Salon-Anthologie.

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J.M. Coetzee – Die Kindheit Jesu
Roman | S. Fischer 2013
Gisela Trahms   15.09.2012
 
Der Nobelpreisträger liest in Frankfurt


Manche Bücher sind Lebensbegleiter, ihren Autoren möchte man gern begegnen. Das ist nicht bloße Neugier. Für leidenschaftliche Leser bilden jene wenigen Autoren ein Mysterium, an dem sie once in a lifetime teilhaben möchten. Und wenn ein solcher Autor J.M. Coetzee heißt, in Australien lebt, nicht mehr jung ist, die Öffent­lich­keit scheut, jedoch tat­säch­lich nach Frank­furt kommt, kann das für die Lese­rin nur bedeuten: Karte ergattern, hinfahren.

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Poesiealbum 301 – Elke Erb
Lyrik | Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2012
Redaktion   15.08.2012
 
Vorgestellt


Einen schönen konzisen Überblick über Elke Erbs dichterisches Schaffen bietet das Poesie­album 301, heraus­gegeben von Richard Pietraß. Die Spanne reicht von frühen Gedichten wie Ein Lamm weidete und Das Flach­land vor Leipzig bis hin zu Ist-Sätze aus dem Jahr 2009.

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Georg Heym – Ich bin von dem grauen Elend zerfressen
Gedichte | Lyrikedition 2012
Jan Kuhlbrodt   27.07.2012
 
Über Georg Heym – Gedichte und Erwiderungen


Wäre man böse, könnte man sagen, dass Georg Heym, wäre er nicht 1912 beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, vielleicht ein paar Jahre später vor Verdun gefallen oder am deutschen Kampf­gas er­stickt wäre, das der Wind vom Westen zurück­getrieben hatte, den verur­sachern direkt in die Lunge, aber das ist Speku­lation.

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Tobias Falberg – Plastiniertes Gelände
Gedichte | Edition Art Science 2012
Armin Steigenberger   24.07.2012
 
Kassandrarufe aus der Matrix


Mit Tobias Falberg ist ein Autor am Start, der längst mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Umso mehr erstaunt es, dass erst jetzt sein erster Gedichtband erschienen ist, der das Beste seiner Dichtungen aus den letzten eineinhalb Jahrzehnten versammelt – in einer gelungenen Mischung mit Frottagen von Hans-Peter Stark. Ein fulminantes Debüt, erschienen in der kleinen Wiener Edition Art Science.

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Alfonz – Der Comicreporter
Comic | Edition Alfons 2012
Mario Osterland   15.07.2012
 
Report aus der Comicwelt


Bekanntlich ist ja die Graphic Novel daran schuld, dass sich immer mehr Literatur­leser für die Form des Comics interessieren. Als Vermittlerin zwischen Literatur und Bild­geschichte macht sie auch in Deutschland seit einigen Jahren einen guten Job. Hat man sich jedoch einmal auf den Trip ins Parallel­universum Comic eingelassen, könnte man dies auch schnell wieder bereuen.

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Tamta Melaschwili – Abzählen
Roman | Unionsverlag 2012
Dietmar Jacobsen   12.07.2012
 
Drei Tage im Krieg
Mit Abzählen ist der geor­gischen Erzählerin Tamta Melaschwili ein eindrucks­volles Roman­debüt gelun­gen

Drei Tage dehnen sich zur Unend­lichkeit – Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Drei Tage im Krieg, die scheinbar immer wieder von Neuem beginnen. Erst ganz am Ende von Tamta Melaschwilis Romandebüt Abzählen bricht der Samstag an. Aber er bringt nicht den ersehnten Frieden, sondern die Trauer um ein Mädchen, das den Leser auf den vergangenen 90 Seiten so mutig wie naiv, gewitzt und tollkühn in ihre Welt hineingezogen hat.

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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß
Mario Osterland   07.07.2012
 
Ritter und Unholde – Alyosius Bertrands Gaspard de la Nuit


Natürlich ist Jan Kuhlbrodt absolut im Recht, wenn er Aloysius Bertrands Gaspard de la Nuit als uner­messliche Ent­deckung feiert (poetenladen.de 21.4.2012). Denn der Wert dieser Sammlung von Prosa­ge­dichten wurde über 150 Jahre massiv unter­schätzt. 1842 und somit ein Jahr nach dem Tod des Autors erstmals erschienen, gilt Bertrands Werk heute als ein Schlüsseltext der Moderne in Frank­reich.

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Siehe auch:
Jan Kuhlbrodt: Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand

Dagmara Kraus | kummerang
Gedichte | kookbooks 2012
Gisela Trahms   04.07.2012
 
nach vielen zunden, vielen abern

Eine Begegnung mit der Lyrikerin Dagmara Kraus und ihrem Debüt kummerang


Wer Kraus' Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Voka­bulars wegen für unüber­setzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet er­war­tungs­gemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“, „schlenge“ – keine Neo­logis­men, sondern maritimes Fach­vokabular, wie die Landratte googelnd ent­schlüsselt.

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Miron Białoszewski – Wir Seesterne
Gedichte | Reinecke & Voß
Armin Steigenberger   30.06.2012
 
Ich kann nicht schreiben

Der engagierte Leipziger Kleinverlag Reinecke & Voß legte jüngst einen zwei­spra­chi­gen Sammel­band mit Gedichten des in Deutsch­land weit­gehend unbe­kann­ten Miron Białoszewski vor, in der Über­set­zung von Dagmara Kraus.

Als ich las, dass Miron Białoszewski kein polnischer Gegen­warts­dichter ist, dessen „jungen“ Tonfall ich zuletzt in der EDIT 57 kennen­lernte, war ich nicht wenig über­rascht.

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Oleg Jurjew – In zwei Spiegeln
Gedichte | Jung und Jung, 2012
Jan Kuhlbrodt   27.06.2012
 
Gedanken zu Oleg Jurjews In zwei Spiegeln

Er schreibe Gedichte, um zu erfahren, wovon sie handeln, steht auf dem Schutzumschlag. Jurjew ist ein russischer Jude, der seit zwanzig Jahren mit seiner Familie in Frankfurt am Main lebt. Woraus, bitte schön, schöpft der Kerl. Vor der russischen Sprache jedenfalls ist er nicht geflohen. Auch nicht vor der Kultur, und nicht vor ihren plebejischen Ausläufern. Zu gern scheint er mir die russischen Trink- und Ganovenlieder zu singen.

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Max Sessner – Warum gerade heute
Gedichte | Literaturverlag Droschl 2012
Frank Schmitter   24.06.2012
 
Der Sammler der Momente

Der Augsburger Max Sessner ist im Lyrikbetrieb von zurückh­altender Präsenz. Er schwebt nicht auf den Luft­kissen von Stipendien, Preisen und Aus­zeichnungen. Er hat keine wichtigen Fürs­precher und tingelt nicht von Lyrik­festi­val zu Lyrik­festival. Max Sessner verdient seit vielen Jahren sein Brot als Buch­händler und schreibt Gedichte. Punkt. Nun ist bei Droschl der Band Warum gerade heute erschienen, nach Küchen und Züge (2005) der zweite in dem renom­mierten österreichischen Literaturverlag.

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Valeri Scherstjanoi – Mein Futurismus
Essays | Matthes & Seitz Berlin 2011
Jan Kuhlbrodt   19.06.2012
 
Ein weiterer Bericht in Sachen Zukunft

Vorab: Ich hatte mir vorgenommen, das Buch innerhalb von zwei, drei Tagen zu lesen, zumal ja die Fuß­ball­europa­meister­schaft lief, konnte mich aber, da ich am späten Vor­mittag angefangen hatte, bis zum Abend nicht von den Texten los­reißen und ver­passte zwei Spiele. Einzig das umfang­reiche und auch äußerst .erhel­lende Nachwort von Michael Lentz sparte ich mir für den nächsten Tag auf; denn ich war inzwi­schen einfach zu müde und be­dauerte das sehr. Hin und wieder hadere ich damit, ein physisches Wesen zu sein, aber da kann man wohl nichts machen.

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Norbert Lange – Das Schiefe, das Harte und das Gemalene
Gedichte | luxbooks 2012
Jan Kuhlbrodt   15.06.2012
 
Keinen Augenblick zu früh – Der neue Gedichtband von Norbert Lange

Nicht dass die Zeit mir lang geworden wäre, nach dem Debutband Rauhfasern, der seinerzeit in der Lyrikedition 2000 erschienen ist, es gab ja hin und wieder etwas über den Autor zu vermelden. Den sehr schönen Essay­band beispiels­weise, der bei Reinecke und Voss erschien, und der „Das Geschriebene mit der Schreib­hand“ hieß, und die bei Luxbooks er­schie­nenen Über­set­zungen von Prufer und vor allem Oppen.

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Dietmar Ebert (Hrsg.) – Studien zu Imre Kertész
Studien | Edition Azur 2010
André Schinkel   05.06.2012
 
Begegnung mit Kertész

Das Grauen fordert zur Dokumentation heraus, es beein­flusst in sarkas­tischer Weise seit jeher die Werke bedeutender Künstler. Was den Schrecken der Konzentra­tions­lager betrifft – er hat den Anstoß für eine ganze Reihe auf­rütteln­der Bücher geliefert.

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George Oppen – Die Rohstoffe
Gedichte | luxbooks
Jan Kuhlbrodt   02.06.2012
 
Über George Oppen und den Band die rohstoffe

Wir kommen langsam ans Ende mit der Durchsicht der Schätze des Früh­jahrs. Und weiß Gott waren da Schätze darunter. Sie lagen wie Braunkohle kurz unter der Oberfläche und ihre Gruben sind weithin sichtbar für jeden. Im Grunde brauchte man nur zugreifen und hielt ein Buch in der Hand, dessen Lek­türe sich lohnte. Es wäre müßig; Namen zu nennen, denn die Liste ist lang. Über viele der Bücher ist bereits geschrieben worden, über viele aber auch nicht. Doch wir werden uns beflei­ßigen, nicht allzu viele und große Lücken zu lassen.

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Jürgen Buchmann – Wird in Afrika Irisch gesprochen?
Reinecke & Voß 2012
Dirk Uwe Hansen   25.05.2012
 
Eine viktorianische Wüsten- und Urwaldposse mit Kanonen und Nilpferd

„Was haben Ketten mit Kelten und Kanonen mit Konjugationen zu tun“, fragt der Erzähler auf Seite 26 von Buchmanns schmalen Büchlein. Um die Frage zu beant­worten, muss man seine Wüsten- und Urwald­posse lesen, was schnell erledigt ist; 31 Seiten liest man, selbst wenn man sie – was dringend empfohlen sei – laut liest, recht schnell durch.

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Jason – Ich habe Hitler getötet
Comic | Reprodukt 2012
Mario Osterland   18.05.2012
 
Jason – der Profi

Der Protagonist in Jasons neuem Comic hat einen ziem­lich einfachen Job. Er tötet andere – für Geld. Und er tötet alle, die ihm aufgetragen werden. Ausnahms­los. Liebhaber, Liebhaberinnen, Kollegen, Chefs, Väter, Töchter, Adolf Hitler. Er macht kein Geheimnis aus seinem Job, ebenso wenig aus der Tatsache, dass der den Job nicht gern macht. Aber er bringt gutes Geld. 5000 pro Auftrag.

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Alexej Krutschonych – Phonetik des Theaters
Reinecke & Voß 2011
Jan Kuhlbrodt   15.05.2012
 
Endlich

Ein persönlicher Bericht angesichts der Phonetik des Theaters von Alexej Krutschonych herausgegeben von Valeri Scherstjanoi


Es ging ein Gespenst herum in Europa, zumindest hab ich das lange Jahre so empfunden. Es war das Gespenst des Futurismus. Und in meiner Jugend, also die Achtzigerjahre des ver­gangenen Jahr­hunderts hindurch, wollte ich Futurist sein wie in meiner Kindheit Indianer.

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Christine Hoba, Christian Kreis – Dummer August und Kolumbine
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012
Jürgen Brôcan   12.05.2012
 
Spiel der Paare – Christine Hoba und Christian Kreis werfen sich die Bälle zu.


Dummer August und Kolumbine, das sind zwei Gestalten, die ihren Ursprung in der Commedia dell'arte haben. Die Kolumbine war die kokette Partnerin des Harlekin, und auch der Dumme August, heute vor allem als Clowns­figur mit roter Knollen­nase im Zirkus bekannt, geht auf Figuren jener Commedia ebenso zurück wie auf die bunt­geklei­deten Spaßmacher der römischen Antike und mittel­alterliche Hof­narren.

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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012
Peggy Neidel   10.04.2012
 
Philosophischer Fusselsammler


In seinen Theaterstücken befasst sich Wolfram Lotz, letztes Jahr mit dem be­gehrten Kleist-Förder­preis aus­gezeichnet, über­wigend mit dem Sinn unseres Da­seins und was von diesem übrig bleibt. In seinem kürzlich bei der parasiten­presse erschie­nenen Bänd­chen Fusseln geht es ebenf­alls um ein großes Thema. Es ist ein Text, der weder Prosa noch Lyrik zu­zuordnen ist.

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Weitere Kritik von Mario Osterland   externer Link

Jürgen Buchmann – Memoiren eines Münsterländer Mastschweins
freiraum-verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   07.05.2012
 
Schweinesk

Durch die Augen eines sprachmächtigen Schweines kommt die Welt in ihrer sprach­lichen Ver­fasst­heit ins Schillern.
  Jürgen Buchmann lässt uns an den Lehr- und Wander­jahren eines solchen Tieres, das letztlich das Tierische hin zum Humanen verlassen hat, teil­haben und lässt uns mit jenem jugend­lichen Eber eine der letzten Grenzen, die zwischen Tier und Mensch, überwinden. Im Grunde löst er so ein Ver­sprechen der Humanitas und der Auf­klärung ein, nach dem letztlich jedes vernunftbegabte Wesen dem Kate­gori­schen Imperativ unter­liegt.

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Irena Brežná – Die undankbare Fremde
Roman | Galiani 2012
Dietmar Jacobsen   05.05.2012
 
„Die Wohnung, die Sprache, die Arbeit ...“

Irena Brežná erzählt in ihrem poetischen kleinen Roman Die undankbare Fremde von Weg­gehen und Ankommen, Heimat und Fremde, Kälte und Geborgenheit

1968 kommt eine vierköpfige slowakische Flücht­lings­familie in der Schweiz an. Das gewalt­same Ende des Prager Frühlings hat sie zu Emigranten werden lassen. Nun stehen sie vor einem kompletten Neubeginn, den die Tochter, die Irena Brežná in ihrem kleinen Roman Die undankbare Fremde sprechen lässt, zunächst als einen Akt der Verstümmelung erlebt. Die vertrauten „Flügel und Dächlein“, also jene diakri­ti­schen Zeichen, die die Aus­sprache bzw. Betonung von Buchstaben regeln, werden ihrem Fami­lien­namen weg­genommen.

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Synke Köhler – waldoffen
Gedichte | Lyrikedition 2000, München 2011
Lars-Arvid Brischke   01.05.2012
 
Wenn der Wald weg ist, bleibt die Offenheit

Zum Lyrikdebüt waldoffen von Synke Köhler

Waldoffen. Seit wann ist Wald offen? Steht Wald nicht zu Recht für Geschlossenheit? Ziemlich dicht geschlossen sind die Reihen der Bäume in gesunden Wäldern. Wald ist meistens zu dicht, um offen zu sein. Wald ist oft sogar ein ziemliches Dickicht: Der sprich­wört­liche Wald, den man vor lauter Bäumen nicht zu sehen bekommt

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Heri Coltello – Einige Abenteuer ...
Roman | Salis Verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   29.04.2012
 
Zu Heri Coltello, seiner Prosa und seiner Musik


Es gibt Menschen, denen man erst ein zwei mal begegnet ist, man bezeichnet sie dennoch als Freunde, nicht nur einfach so, man empfindet gewisser­maßen schon bei der ersten Begegnung so etwas wie eine tiefe Verbundenheit. Nicht dass man fortan wüsste, wie der andere konkret in bestimmten Situa­tionen handeln würde, aber man weiß, er handelt so, dass man es gut heißen kann, er ergreift eine der Möglichkeiten im Ensemble der Möglich­keiten, die man selber auch ergriffen hätte.

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Susanne Eules – ůbern růckn des atlantiks
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012
Jürgen Brôcan   26.04.2012
 
Jenseits des GehEules die LaserS.KA(H)LPelle


Die Befürworter der sprach­experimentellen Dichtung und deren Verächter stehen einander nicht selten unver­söhnlich gegenüber. Daß dies nicht notwendig so sein muß, zeigen nun in schönster Weise die Gedichte von Susanne Eules, denn sie sollten diesseits und jenseits des trennenden Grabens gefallen. Eules’ Gedichte sind nämlich allemal ansprechend, weil konkret, bildhaft und inhalts­schwer ...

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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012
Mario Osterland   21.04.2012
 
Zweimal gedachte Gedanken


Besondere Texte benötigen nun mal besondere Verlage und so ist es nur folge­richtig, dass die parasiten­presse als Herausgeber der „Fusseln“ von Wolfram Lotz fungiert. Seit dem Jahr 2000 gibt es den Kölner Kleinst­verlag, der Kleinst­bücher produziert, die fast immer als 16-seitige Hefte aus recycelten Brief­umschlägen daher kommen.

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Ralph Grüneberger – Bunte Pleite
Gedichte | Edition Ornament, quartus-Verlag
M. Biskupek / P. Gosse   21.04.2012
  Matthias Biskupek: Zwischen Nimbschen und Kaditzsch

Gedichte und jener Moment, in dem der Leser auf sie trifft, ver­quicken sich oft eigenartig. Ich hatte eine Tour durchs Muldetal hinter mir, war von Zwickau gen Wurzen geradelt, hatte Burgen auf Felsen thronen und Dörfer in Täler gepresst gesehen,

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Peter Gosse: Dreizeh

Drei Begriffe sind es, die von altersher die bemerkenswürdige Kunstleistung verstehen helfen: ars – ingenium – doctrina. Diese Dreigestalt, oder Dreifaltigkeit müsse sich im Werk als beherzigt auffinden lassen.

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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß
Jan Kuhlbrodt   21.04.2012
 
Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand


Die Behauptung, der Verlag Reinecke und Voß habe eine Perle der Französischen Literatur für den deutschen Leser geborgen, träfe zu kurz. Hier wird ein zentraler Text zugänglich gemacht, und einer der schönsten, die mir begegnet sind, zumindest wirkt er in der Gestalt, die Buchmann ihm gegeben hat, schier unermess­lich (man ver­zeihe mir die Superlative, aber an dieser Stelle kann ich nicht anders, als staunen, wie ein Schuljunge).

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Hanna Lemke – Geschwisterkinder
Erzählung | Verlag Antje Kunstmann 2012
Dietmar Jacobsen   04.04.2012
 
Milla und Ritschie
In Hanna Lemkes neuer Erzählung Geschwisterkinder geht es um Nähe und Distanz, Einsamkeit und das Gefühl, im falschen Leben gelandet zu sein

Milena, genannt Milla, und Richard, genannt Ritschie, sind Geschwister. Sie jobbt in einem kleinen Spiel­zeug­laden. Er arbeitet in der Bildredaktion einer Zeitung. Beide hatten einst hochfliegende Pläne, aber das Leben hat sie schnell dahingehend belehrt, dass Träume zwar nicht verboten sind, doch gefährlich werden können, wenn man sie mit der Reali­tät verwechselt. Also hat man sich eingerichtet, jeder in seinem Provi­sorium. Man funktioniert, liebt ohne Herz, sehnt sich, ohne genau zu wissen wonach.

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Kritik 1
Kritiken zu Gedichten, Romanen und Erzählungen
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Ich habe ja damals wirklich unmit­tel­bar nach dem Tod Ernst Jandls an diesem Requiem zu schreiben begon­nen, ich muss­te es tun, ich hatte ja sonst nichts mehr, überhaupt nichts mehr, alles war ja verloren­gegangen, also fing ich wie ver­rückt zu schreiben an, das Schreiben als einziges Über­lebens­mittel
Friederike Mayröcker im poet-Gespräch


Ich sehe mich nicht in erster Linie als Autor oder Schriftsteller. Diese Bezeichnung ist mir fremd. Ich habe etwas ge­schrie­ben, und das ist publiziert worden, aber dieses umfassende Gefühl, dass ich Schriftsteller sei, fehlt mir. Wenn man schreibt, dann wird man eben so bezeichnet, doch es bedeutet wenig.
Christoph Wilhelm Aigner im poet-Gespräch