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Kurt Drawert – Schreiben. Vom Leben der Texte
C. H. Beck, München 2012
Andreas Heidtmann   20.05.2013
 
Einübung ins Abwesende – vom Abenteuer des Schreibens

Es gilt inzwischen als Fauxpas, sich zur Literatur in einer Weise zu äußern, die über das Niveau einer Talk-Show hinausreicht. Nachdenklichkeit im Facebookzeitalter pro­voziert Befremden. Vielleicht war die Literatur immer schon befremdend, doch im heutigen Medienvarietee wird sie, sofern nicht gänzlich igno­riert, zur Zumutung. Kurt Drawert und sein neues Buch „Schreiben. Vom Leben der Texte“ sind in diesem Sin­ne Zumutung, zumal der Autor sich auch auf Podien diffe­renziert äußert und die Präzi­sion der Plauderei vorzieht.

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Alexander Kluge – Das fünfte Buch
Roman | Suhrkamp, Berlin 2012
Michael Buselmeier   14.05.2013
 
Abstürze aus der Wirklichkeit

Der präzise Beobachter, Sammler und Denker Alexander Kluge schreibt keine Ro­mane. Er trägt kleine Geschich­ten zusammen, die er auf der Rück­seite der gro­ßen Geschichte vorfindet, Bruchstücke, die er ausgräbt und zum Sprechen bringt. Oft sind es nur Moment­auf­nahmen, Zeitungs­meldungen oder ironische Kommentare, lako­nisch, aber nicht kühl, eher heiter und mit einer fun­kelnden Pointe aufs Papier gesetzt.

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Hannes Stein – Der Komet
Roman | Galiani, Berlin 2013
Christian Lorenz Müller   05.05.2013
 
Ein alternativer Geschichtsentwurf von Hannes Stein

Wie Europa aussehen würde, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, wissen wir spätestens seit Robert Harris' Bestseller Vaterland: In diesem Buch hat Hitler den Kontinent auf eine Art und Weise umge­staltetet, die uns wohlige Schauder des Schreckens über den Rücken jagt: Bequem im Lese­sessel aus­gestreckt, glauben wir glücklich davon­gekommen zu sein, weil die Geschichte in der Realität einen anderen, besseren Verlauf genommen hat.

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Dominik Dombrowski – Finissage
Gedichte | parasitenpresse 2013
Mario Osterland   24.04.2013
 
Das war's dann, bald

Das Wort „Finissage“ ist im Französischen nicht gebräuchlich. Stattdessen sagt man lieber „Dé­vernissage“, was nach einem miss­glückten, bis­weilen lächer­lichen Euphe­mismus klingt; wie etwa „Minder­ein­nahmen“ statt „Ver­luste“. Dominik Dombrowski sind solche Ausweich­manöver fremd. Er nennt die Dinge beim Namen, um die es in seinem Gedicht­band geht. Es sind die letzten Dinge, die einem im Leben erwarten: Alter, Krankheit und Tod – aber auch das Erin­nern, das Versöhnen, das Vergessen.

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Robert Wohlleben (Hrg.) – Antreten zum Dichten!
Gedichte | Reinecke und Voß, Leipzig 2013
Dirk Uwe Hansen   01.05.2013
 
Lyriker um Arno Holz

Eine Dachkammer in Berlin, Pariser Straße, Hinterhaus an einem späten Abend im späten 19. Jahrhundert. 6 Männer im Alter von 20-40 sitzen auf Klappstühlen, einer von ihnen hat einen Bleistift in der Hand, die anderen Hefte, Blätter, Geschriebenes. Die Zigarren qualmen.
  Das „Regiment Sassenbach“, so benannt nach dem Verleger, der die Werke der hier Ver­sammel­ten drucken ließ, ist in der Wohnung des Dichters Arno Holz ange­tre­ten. Ange­treten zum Dichten.

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Viktor Pelewin – Tolstois Albtraum
Roman | Luchterhand Verlag 2013
Jens Kassner   19.04.2013
 
Graf T. schießt um sich

Leichenfledderei sei das gegenwärtig am höchsten geachtete Genre, weil es als direktes Pendant zur Erd­öl­förde­rung angesehen werden könne. So erklärt Ariel Edmun­do­witsch Brahman seine Arbeits­weise und ergänzt: „Früher dachte man, bloß die Tschekisten hätten die Dinosaurier beerbt. Aber dann hat die kulturelle Öffent­lichkeit auch was gefunden, wo sie bohren kann. Also werden jetzt sämtliche lieben Ver­storbenen ein­gespannt.“

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Annika Scheffel – Bevor alles verschwindet
Roman | Suhrkamp Verlag 2013
Dietmar Jacobsen   18.04.2013
 
Im Tal der blauen Füchse
In Annika Scheffels zweitem Roman Bevor alles verschwindet wehrt sich ein kleiner Ort gegen den Untergang

Ein Dorf soll verschwinden. Der Ort, in dem Jula und Jules, Mona und Marie, die alte Greta und Martin Wacholder, der Bürger­meis­ter, ihr ganzes Leben verbracht haben, ist einer Freizeit­oase im Weg. Einem Er­holungs­gebiet rund um einen Stausee, der mit seinen Wasser­massen bald alles bedecken wird: die örtliche Kneipe, „Tore“ genannt, das Haus des Bürger­meisters mit seiner weißen Auf­gangs­treppe samt den Löwen­skulp­turen, den Friedhof und die kleine Kapelle darin.

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Jürgen Buchmann – Lüneburger Trilogie
Trilogie | Freiraum Verlag Greifswald 2013
Jan Kuhlbrodt   13.04.2013
 
Buchmanns Babel

Nun legte also im Januar 2013 der Greifswalder Verlag Freiraum mit der Lüne­burger Trilogie ein weiteres Buch mit Texten Buchmanns vor. Wie schon die anderen Bücher des Autors keine dicke Schwarte sondern eine kleine Publikation von knapp ein­hundert Seiten. Sie enthält die Teile Ein­schif­fung nach Cythera, Phantastische Topografie der Hanse­stadt Lüneburg und Logbuch vom Meer der Finsternis.

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Michael Köhlmeier – Die Abenteuer des Joel Spazierer
Roman | Hanser Verlag 2013
Dietmar Jacobsen   26.03.2013
 
Ein Amoklauf durchs 20. Jahrhundert
In seinem neuen großen Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer erzählt Michael Köhlmeier die letzten 60 Jahre als Schelmenroman

„Ein Mann kommt in eine Bank, hält der Frau am Schalter die Pistole an die Stirn und sagt: Keine Angst, das ist kein Überfall, das ist nur ein Amoklauf.“ Seine Bier­kumpane hätten ihm zu diesem Einstieg in seine Lebens­geschich­te geraten, behaup­tet der Ich-Erzähler von Michael Köhlmeiers neuem großen Roman Die Aben­teuer des Joel Spazierer gleich zu Beginn des Buches.

Weitere Rezensionen zu Michael Köhlmeier:
Michael Köhlmeier: Madalyn (Dietmar Jacobsen)  externer Link
Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund (Dietmar Jacobsen)  externer Link

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Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren
Novelle | C.H. Beck 2013
Christian Lorenz Müller   12.03.2013
 
Börsenabsturz zwischen Dattelpalmen
Jonas Lüschers beeindruckende Debütnovelle

Mögen auch anderswo die Börsenkurse abstürzen und ganze Volks­wirt­schaften kolla­bieren, einen Ort gibt es auf diesem Planeten, der selbst dann noch eine Oase genannt werden kann, wenn die Welt längst wüst und leer geworden ist. Die Rede ist von der Schweiz, die der 1976 geborene Autor dieses bemerkens­werten Debüts zur Heimat hat. Böse Zungen behaup­ten aller­dings, dass die Einwohner der Eid­genossen­schaft sich in politischen Zweifelsfällen stets auf ihre immer­währende Neutralität berufen.

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Franz Hessel – Pariser Romanze
Papiere eines Verschollenen | Lilienfeld Verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   23.02.2013
 
Vergangenheitsformen

Dieser Tage jährt sich die Macht­ergreifung durch die NSDAP in Deutsch­land zum 80. Mal, Hitlers Ernennung zum Reichs­kanzler durch Hinden­burg und die Ver­abschie­dung des Er­mäch­tigungs­gesetzes durch den Deut­schen Reichs­tag. Ein Pro­zess strebte seiner Vol­len­dung zu, der in der Perver­tierung des National­staats­gedan­kens im deut­schen Kaiser­reich schon angelegt war.

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Techno der Jaguare – Manana Tandaschwili, Jost Gippert (Hg.)
Neue Erzählerinnen aus Georgien | Frankfurter Verlagsanstalt 2013
Dietmar Jacobsen   22.02.2013
 
»... was man lassen kann und was nicht«
Sieben georgische Gegenwartsautorinnen brechen auf in eine neue Welt

Als die junge Tino in Maka Mikeladzes Erzählung Eine mit Buch und ihre erlesene Leser­schaft eines Morgens aufwacht, ist ihr ein Buch aus dem Kopf gewachsen: „Sie zog daran. Es saß fest ... Sie kämmte die Blätter nach links. Mehr Blätter auf der einen Seite, auf der anderen weniger. Das stand ihr gut.“ Als „Neuausgabe ihrer selbst“ macht sie sich auf den Weg zu ihren täglichen Geschäf­ten – und ist natür­lich gespannt darauf, was drinsteht in „ihrem“ Buch.

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Sylvia Plath – Die Glasglocke
Roman | Suhrkamp Verlag 2013
Michael Braun   11.02.2013
 
Lady Lazarus in New York

Als „Lady Lazarus“ hat sich diese Dichterin por­trätiert, als eine im Unglück „lächeln­de Frau“, die in die Hölle des Schmer­zes geht, ohne jedoch – wie der bibli­sche Lazarus – wieder­erweckt zu werden zu einem neuen, befrei­ten Leben. Sylvia Plath, die Dich­terin aus Neu­england, ist seit ihrem Frei­tod am 11. Februar 1963 zur Ikone des Fe­minis­mus gewor­den, von der Nach­welt zurecht­ge­schminkt zur visio­nären Schmer­zens­frau, ver­ehrung­swürdig vor allem als ein Opfer ihres berühmten Manns, des engli­schen Dich­ter­königs Ted Hughes.

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Ein Bild von einem Gedicht – Alle Poetryletter. Julietta Fix (Hg.)
Gedichte / Grafik | Fixpoetry Verlag
Mario Osterland   24.01.2013
 
Gemalte Gedichte

Der Poetryletter des Literaturportals fixpoetry.com ist im Laufe der letzten fünf Jahre zu einer kleinen Institution geworden. Alle zwei Wochen wird hier ein Gedicht grafisch auf­bereitet bzw. mit einer Illu­stration versehen präsentiert. Nun erscheinen die hochwertig gearbeiteten Briefe erstmals in Buchform.

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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012
Armin Steigenberger   21.01.2013
 
Erdig schiere Kraft aus dem Eigenen: zwerchfellbebend

Markus Hallingers Gedichte: Erdig, unverstellt, grob­schläch­tig, unbehauen. Natur­gewalten funkeln zwi­schen den Versen. Dane­ben auch andere Töne. Lakonisch und ohne Aufheben kommen die Gedichte zum Punkt. Diese Dichtung ist anders. Sie ist beson­ders. Sie ist eigen.

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Siehe auch: Markus Hallinger – Das Eigene (Kritik von Jan Kuhlbrodt: From outer space

Lütfiye Güzel – Let's Go Güzel
Gedichte | Dialog Edition 2012
Gerrit Wustmann   19.01.2012
 
Blues & Rock n Roll & Bukowski


Glaubt man den Massenmedien, dann ist Duisburg-Marxloh ein Fanal für all das, wovor Sarrazin und artverwandte Über­fremdungs­apokalyp­tiker sich fürchten, in aller Regel ohne je persönlich dort gewesen zu sein. Und da die braune Suppe Auflage bringt, wird sie in großen Kellen immer wieder ausgekippt. Ein paar Meter Luftlinie von Marxloh ent­fernt liegt Hamborn, Geburtsort von Lütfiye Güzel, um ihre offizielle Vita zu zitieren: „1972 als Poetin auf die Welt gekommen & so weiter“.

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Poesiealbum 304 – Udo Tiffert
Gedichte | Märkischer Verlag 2013
Jens Kassner   12.01.2012
 
Aussaugende und überflutende Worte


Das Nest heißt tatsächlich Neusorge. Es liegt direkt an der Neiße, Polen ist in Sicht­weite. Laut Wiki­pedia gibt es 154 Einwohner. Dass einer davon Udo Tiffert heißt, steht (noch) nicht in der Web-Enzyklo­pädie. Ist aber so. Bisher wird als bedeutende Persön­lich­keit nur der 1799 geborene Historien­maler Adolf Zimmer­mann ange­geben

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Burkhard Spinnen – Nevena
Roman | Schöfling & Co., 2012
Dietmar Jacobsen   05.01.2012
 
Der Barbar und die Zauberelfe

In seinem neuen Roman Nevena erzählt Burkhard Spinnen von der Liebe in den Zeiten von Cyberspace und sozialen Netzen

Eigentlich ist Patrick Ehling ein ziemlich normaler Junge. Und zu normalen jungen Männern um die 16/17 Jahre gehört heut­zutage offe­nbar, dass sie einen Teil ihrer Zeit in Welten ver­bringen, die ihnen Aben­teuer bieten, welche ihre durch­rationali­sierte Lebens­umgebung schon lange nicht mehr im Angebot hat.

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Werner Dürrson – Denkmal fürs Wasser
Gedichte | Klöpfer & Mayer, Tübingen 2012
Christian Lorenz Müller   04.01.2012
 
Ein Buch voll flüssiger Verse

Das Tiefseeblau auf dem Schutz­umschlag dieses Buches ist in Bewegung, feine Strudel­linien ziehen den Blick des Betrach­ters auf ein Zentrum hin, und doch gibt es für das Wasser nichts Zentrales, es ist ein Stoff, der trotz seiner Füg­samkeit keine Grenzen und schon gar keine Hierar­chien kennt. Sein Wesen ist der Wandel, der stän­dige Wechsel von einem Aggregats­zustand in den anderen.

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Axel Kutsch (Hrsg.) – Versnetze_fünf
Gedichte, Anthologie | Landpresse 2012
Theo Breuer   31.12.2012
 
Werden Sie ruhig ein bißchen wahnsinnig …
Vom Lesen in Versnetze_fünf


Unbeugsam scheint der Überlesenswille des urigen Lyrikvölkchens im bild­wild zer­klüfteten deutschen Sprach­raum ange­sichts der weiterhin ansteigenden Buchflut zu sein, in der sich Millionen Versfüße tummeln. Ach Gott, schon wieder Gedichte, hör ich Peer Quer, den feinen kleinen Freund, Mrs Columbo ins Öhrchen flüstern, als er Versnetze_fünf auf dem Tisch liegen sieht.

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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012
Jan Kuhlbrodt   17.12.2012
 
From outer space

Natürlich spielt der Titel des Gedichtbandes von Markus Hallinger »Das Eigene« da­rauf an, dass das, was jemand sein Eigenes nennt, den anderen das Fremde ist. Und aus dieser Vorstellung speist sich auch mein Inter­esse an diesem Band, denn er führt mich in Gegenden, die ich nur vom Hören­sagen kenne.

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Tom Schulz – Innere Musik
Gedichte | Berlin Verlag 2012
Peggy Neidel   13.12.2012
 
Entdeckungsreise zwischen Lebensgier und Formalismus

Der Lyriker Tom Schulz lauscht seiner inneren Musik, umkreist transzendente Begriffsklopper und trifft zwischendurch abgeranzte Freundinnen auf dem Raucherbalkon

Wie man überlebt. In einer kalten, prosaischen Zeit, in der man „den Schauer in den Unterführungen“ spürt und wie sich „die Welt um das Herzzentrum schließt“. In seinem neuen Gedicht­band Innere Musik ölt Tom Schulz den „metallisch klappernden Brief­kasten“ mit der „Süße des Nabels“, be­schäf­tigt sich thema­tisch vor­wiegend mit Gedichten des Barock, auch der Romantik.

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Stephan Thome – Fliehkräfte
Roman | Suhrkamp Verlag 2012
Dietmar Jacobsen   11.12.2012
 
»Unsere Art zu leben«

Stephan Thomes neuer Roman Fliehkräfte ist Roadmovie und Gesellschaftsanalyse zugleich

Hartmut Hainbach heißt der Protagonist in Stephan Thomes neuem, nach Grenz­gang (Suhrkamp 2009) zweitem Roman Fliehkräfte. Der Mann ist Phi­lo­sophie­pro­fessor, Spezia­list in Sachen Sprech­akt­theorie, kennt sich im Werk von John Searle frei­lich deut­lich besser aus als im eigenen Leben.

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Theo Breuer – Das gewonnene Alphabet
Gedichte | Pop Verlag 2012
Christine Kappe   29.11.2012
 
22mal WIR / 26mal SCHLACHT

Wortkräuter zur Gesundung in Theo Breuers Gedichtbuch Das gewonnene Alphabet

Das gewonnene Alphabet von Theo Breuer unter­hält nicht nur, und damit meine ich: breitet sein Wortnetz tragfähig unter mir aus, sondern verwirbelt mir zugleich die Sinne: Auf dem Bett liegend, habe ich diesen Rhythmus im Ohr, von welchem Gedicht mag er herkommen – di richi dir sprichi ist dis gidicht?

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Ewart Reder – Die Liebeslektion
Roman | Horlemann Verlag 2012
Gerrit Pithan   27.11.2012
 
Verführung zum Wesentlichen

Es handelt sich um einen Roman, der in einer hessischen Gesamt­schule spielt. Bei dieser ersten Erkenntnis möchte man erschrocken inne­halten, denn man erwartet und befürchtet entweder eine trübselige Sozialreportage im Gewand einer Erzählung oder sentimental ver­klärte Erin­nerungen an die Schulzeit.

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Arthur Missa – Formenverfu(e)ger
Stücke aus Prosa | Verlegenheits-Verlag / ed.cetera 2008 / 2012
Mario Osterland   23.11.2012
 
Zumutungen

„Es handelt sich um das Skizzenbuch eines werdenden Autors“, heißt es auf den Seiten des jungen Leipziger Verlags ed.cetera zu Formenverfu(e)ger. Angesichts dessen möchte man dem werdenden Autor Arthur Missa drei Dinge wünschen: 1. Das Erreichen seiner Ziele. 2. Die Überwindung dieses skizzenhaften Debuts. 3. Gelassenheit hinsichtlich des Literaturbetriebs. Aber der Reihe nach, von hinten nach vorn.

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Michael G. Fritz – Adriana läßt grüßen
Roman | Mitteldeutscher Verlag 2012
Dietmar Jacobsen   19.11.2012
 
Ein Koffer voller Leben

In Michael G. Fritz' neuem Roman Adriana läßt grüßen sucht einer das große Glück und findet sich selbst

Es beginnt mit einer Verwechs­lung. Boris Helmer, per Bahn unter­wegs von Köln nach Berlin, hält plötz­lich einen Koffer in der Hand, der ihm gar nicht gehört. Aber weil er fast nichts dazutun musste, damit das Gepäckstück in seinen Besitz über­wechselte, nimmt er das unver­hoffte Aben­teuer als einen Wink des Schick­sals und macht sich mit der fremden Habe auf den Heimweg. Um alsbald fest­zu­stellen, dass der Koffer nur Foto­grafien enthält, die einen säuber­lich in Alben ein­sor­tiert, die anderen lose durch­einander. Und alle Fotos zeigen ein und dieselbe Frau: Adriana.

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Alfred Gelbmann – Trümmerbruch
Roman | Innsbruck, Wien: Kyrene 2012
Christian Teissl   16.11.2012
 
Lebenslauf einer schreibenden Hand

„Seht, wie die Hände in Freiheit leben, ohne an ihre Funk­tion zu denken, ohne sie mit einem Geheimnis zu belasten – seht, wie sie ruhen mit leicht gebo­genen Fingern, als ob sie sich irgendeinem Traum über­ließen, oder betrachtet sie in der eleganten Lebhaftigkeit der reinen Gebärden ...“, heißt es im „Lob der Hand“ des fran­zösischen Kunst­histo­rikers Henri Focillon.

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Robert Schleif – Völkerschlacht bei Leipzig 1813
Skatspiel | Verlag E.A. Seemann 2012
Mario Osterland   14.11.2012
 
Napoleon gestochen

In Zeiten, in denen sich der klas­sische Buchmarkt im wirt­schaft­lichen Sinkflug befindet, versuchen Verlage immer häufiger ihr Programm durch so genannte Nonbooks für ein breites Publikum attraktiv zu halten. Von den teilweise grotesken Aus­wüchsen dieser Ent­wicklung kann man sich jährlich auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt über­zeugen.

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Adrian Kasnitz – Wodka und Oliven
Roman | Ch. Schroer 2012
Mario Osterland   11.11.2012
 
Neudeutsche Lebenswege

Nicht umsonst Was bleibt von den Orten der Erinnerungen, wenn sie nicht mehr existieren? Es bleibt die Sprache und das Erzählen, das die Erin­nerungen aufrecht erhält. Zugegeben, diese Erkenntnis ist nicht gerade eine neue, an Aktualität verliert sie aber kaum. In Zeiten, in denen der Familien­roman Kon­junktur hat, erst recht nicht. Zwar ist das Prosa­debut von Adrian Kasnitz sicher keine klas­sische Familien­saga, doch im Zentrum von Wodka und Oliven stehen die Lebensläufe zweier Familien und das Erzäh­len ihrer Schicksale durch den Prota­gonisten Moritz.

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40 % Paradies – Gedichte des Lyrikkollektivs G13
Anthologie | Luxbooks 2012
Jan Kuhlbrodt   09.11.2012
 
Lockere Gruppe

Nicht umsonst Sicher habe ich Vorlieben, aber die stelle ich erst einmal hinten an, und wenn im Ver­laufe dieser Besprechung ein Text zitiert wird oder ein Name fällt, so steht er im Grunde für die Einzigartigkeit aller im Buch vor­kom­mender Texte und Autoren. Außerdem empfehle ich allen, sich den Spaß zu gön­nen und dieses Buch zu lesen, auch jenen die dafür ihre Folian­ten mit Inhalten gediegener Klas­sizität für einen Moment aus der Hand legen müssen. Machen sie das, wohnen sie einer Eruption bei, die nicht so häufig vorkommt, und zum Glück hier doku­mentiert wurde, und sie er­haschen einen Fetzen Utopie!

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Hartmut Abendschein – Dranmor
Erzählung | Athena-Verlag 2012
Peggy Neidel   02.11.2012
 
Wo hat man bloß diesen Text abgelegt?

Kunstvoll erzählt Hartmut Abendscheins „Dranmor“ vom Schriftstellerwahnsinn

Nicht umsonst beginnt die Erzählung mit einem Zitat aus Alice im Wunderland. Es geht um Fieberträume, gespal­tene Persön­lich­keiten, Pilze in Wänden und spre­chende Schnaps­fläsch­chen. Ver­rückt. Oder doch nur der ganz normale Wahn­sinn im Leben eines Schrift­stellers. Der Ich-Erzähler ohne Namen wohnt in der Schweiz. Sein Haus­meister­job erfüllt ihn wenig, aber man schlägt sich so durch. Nachdem er wiederholt auf einen lästigen Pilz­schwamm im Gebäude hinwies, wird ihm die Stelle gekündigt, ein Jugendfreund taucht auf und der Name eines vergessenen Berner Dichters fällt.

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Anke Feuchtenberger – Die Spaziergängerin
Graphic Novel | Reprodukt, September 2012
Mario OSterland   30.10.2012
 
Graphic Essays

Der Flaneur galt und gilt immer noch als eine der Symbolfiguren der klassischen Moderne. Aufreizend langsam bewegte er sich durch die Passagen der modernen Großstädte, las in ihnen wie in einem offenen Buch und ließ alle anderen um sich herum wissen, dass er sich dafür alle Zeit der Welt lassen kann.

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Kathrin Passig, Sascha Lobo – Internet. Segen oder Fluch
Sachbuch | Rowohlt Berlin 2012
Andreas Heidtmann   26.10.2012
 
Viel Wissen, wenig Brillanz
Kathrin Passig und Sascha Lobo schreiben über das Netz

Möchte man sich fundiert über das Internet und dessen Entwicklung informieren, muss man – so überraschend es klingt – zum Buch greifen. Was im Netz selbst über das Medium zu lesen ist, hat in der Regel den Charakter einer News à la Macht-das-Internet-Dumm?, dazu viel Bruch­stück­haftes aus Blogs oder schlecht Recher­chiertes aus der Tastatur von Hobby­redak­teuren. Halbwegs Intel­ligen­tes findet man allen­falls als Zitat aus Print­medien, als trauten die Internet­theoretiker ihrem eigenen Medium nicht so recht.

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Karen Duve – Grrrimm (Grimm)
Galiani Berlin 2012
Peggy Neidel   23.10.2012
 
Keine Rosen, nur Gestrüpp
Nicht immer märchenhaft: Karen Duve schreibt die Grimms neu

Irgendwie sind alle verdorben. Der Vater der „Froschbraut“ ist ein Gangs­ter, der mit seiner Tochter im Luxus­haus lebt und einen auto­ritären Erzie­hungs­stil pflegt. Der Zwerg ist ein raffgieriger und hinter­hältiger Klein­wüchsiger, der in „Zwer­genidyll“ seine Körper­größe mit ausgeprägtem Domi­nanz­verhalten kompen­siert. Rot­käpp­chens Familie in „Grrrimm“ ist gewalt­bereit und asozial.

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Das halbvolle Glas – Erich Loest Lesebuch
Lesebuch | Plöttner 2012
Richard Albrecht   14.10.2012
 
Halbvoll
Subjektkritische Annäherungen an das Erich-Loest-Lesebuch

Aufs Leipziger Erich-Loest-Lesebuch war ich wochenlang gespannt. Nun liegt's nach Wochen endlich (auch mir hier im deutsch-belgischen Grenz­gebiet) vor. Ein (ge)wichti­ges Buch auch im ding­lichen Sinn. Es liegt gut in der Hand mit seinen 616 Gramm. Und augenfreund­lich ist es auch: die Texte ent­sprechen dem, was etwa dtv als Großdruck bewirbt.

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Dato Barbakadse – Wesentliche Züge
Gedichte | Mischwesen Autorenverlag 2011
Matthias Fallenstein   12.10.2012
 
Gedichtete Metaphysik

Seit mehreren Jahren versucht der georgische Dichter Dato Barbakadse auch im deutsch­sprachigen Raum Gehör zu finden. Seine Beziehung zur deutschen Sprache und Lite­ratur ist mehr­fach geknüpft: er hat an der West­fäli­schen Uni­versität in Münster studiert, und er hat das Verdienst, eine groß­ange.­legte Reihe mit Über­setzungen deutsch­sprachiger Lyrik ins Georgi­sche geplant und zum Teil schon ver­wirklicht zu haben ...

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Poesie Agenda 2013
Anthologie/Kalender | orte-Verlag 2013
Andreas Noga   10.10.2012
 
Es geht heiter weiter

Als ich dreizehn war, arbeitete der Schweizer Schriftsteller und Verleger Werner Bucher zu­sammen mit Jürgen Stelling an der ersten Ausgabe des Lyrik-Taschen­kalen­ders „Poesie Agenda“. Vor wenigen Tagen ist für das Jahr 2013 die inzwi­schen 30. Ausgabe er­schienen. Heute kümmern sich Werner Bucher, Jolanda Fäh und Virgilio Masciadri als haupt­verant­wortliche Redak­teure um die Zusammen­stellung des Kalenders, für den sie 180 Gedichte sowie zahlreiche Cartoons, Fotos und Zeitungs­schnipsel zusammen­getragen haben.

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Constantin Göttfert – Satus Katze
Roman | CH Beck 2012
Lorenz Müller   04.10.2012
 
Unheimliche Katzen in der Kälte
Constantin Göttferts Debütroman

Waren Sie schon einmal in Finnland? Wenn nicht, haben Sie viel­leicht ähnlich kli­schee­behaftete Vor­stellungen vom euro­päischen Norden wie der Rezensent: Ob der vielen Wälder und Seen leben die Menschen dort oben sehr gesund und natur­ver­bunden; sie sammeln Pilze und Beeren, gehen Wandern oder Lang­laufen und ent­span­nen sich in der Sauna.

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Sibylle Berg– Vielen Dank für das Leben
Roman | Hanser 2012
Dietmar Jacobsen   02.10.2012
 
Gegen den Menschen ist kein Kraut gewachsen
Mit Vielen Dank für das Leben hat Sibylle Berg wieder einen rich­tig zor­nigen Roman ge­schrie­ben

Na endlich! Nach dem etwas berguntypischen „Liebesroman“ Der Mann schläft (Hanser 2009) – Dem nur noch ein Happy End gefehlt hätte! – hat sich die 1962 in Weimar geborene Autorin wieder auf ihre Stärken besonnen. Und die liegen weiß Gott nicht darin, eine romantische Zweier­bezie­hung zu besingen, selbst wenn der männ­liche Part von einem Schnarch­sack gespielt wird, der sich meistens in der Hori­zonta­len aufhält und mas­ku­lines Impo­nier­gehabe nicht zu kennen scheint.

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Ragufeng – Schadt, Kathrin / Ingenlath, Christian (Hg.)
Blütenlese aus zwei Jahren pussy-Salon | Anthologie | tauland-Verlag 2012
Peter Bernholt   21.09.2012
 
Katzengarn und Leibspeisen

Seit einiger Zeit schleicht ein Kätzchen durch Berlin Schöneberg und lockt Künstler aus allen Bereichen an. Im pussy-Salon überlassen die Veranstalter Kathrin Schadt und Christian Ingenlath diesen Künstlern die Bühne. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto. Immer mit dabei: Die Katze. Jetzt erscheint im tauland-verlag ihre erste Salon-Anthologie.

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J.M. Coetzee – Die Kindheit Jesu
Roman | S. Fischer 2013
Gisela Trahms   15.09.2012
 
Der Nobelpreisträger liest in Frankfurt


Manche Bücher sind Lebensbegleiter, ihren Autoren möchte man gern begegnen. Das ist nicht bloße Neugier. Für leidenschaftliche Leser bilden jene wenigen Autoren ein Mysterium, an dem sie once in a lifetime teilhaben möchten. Und wenn ein solcher Autor J.M. Coetzee heißt, in Australien lebt, nicht mehr jung ist, die Öffent­lich­keit scheut, jedoch tat­säch­lich nach Frank­furt kommt, kann das für die Lese­rin nur bedeuten: Karte ergattern, hinfahren.

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Poesiealbum 301 – Elke Erb
Lyrik | Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2012
Redaktion   15.08.2012
 
Vorgestellt


Einen schönen konzisen Überblick über Elke Erbs dichterisches Schaffen bietet das Poesie­album 301, heraus­gegeben von Richard Pietraß. Die Spanne reicht von frühen Gedichten wie Ein Lamm weidete und Das Flach­land vor Leipzig bis hin zu Ist-Sätze aus dem Jahr 2009.

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Georg Heym – Ich bin von dem grauen Elend zerfressen
Gedichte | Lyrikedition 2012
Jan Kuhlbrodt   27.07.2012
 
Über Georg Heym – Gedichte und Erwiderungen


Wäre man böse, könnte man sagen, dass Georg Heym, wäre er nicht 1912 beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, vielleicht ein paar Jahre später vor Verdun gefallen oder am deutschen Kampf­gas er­stickt wäre, das der Wind vom Westen zurück­getrieben hatte, den verur­sachern direkt in die Lunge, aber das ist Speku­lation.

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Tobias Falberg – Plastiniertes Gelände
Gedichte | Edition Art Science 2012
Armin Steigenberger   24.07.2012
 
Kassandrarufe aus der Matrix


Mit Tobias Falberg ist ein Autor am Start, der längst mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Umso mehr erstaunt es, dass erst jetzt sein erster Gedichtband erschienen ist, der das Beste seiner Dichtungen aus den letzten eineinhalb Jahrzehnten versammelt – in einer gelungenen Mischung mit Frottagen von Hans-Peter Stark. Ein fulminantes Debüt, erschienen in der kleinen Wiener Edition Art Science.

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Alfonz – Der Comicreporter
Comic | Edition Alfons 2012
Mario Osterland   15.07.2012
 
Report aus der Comicwelt


Bekanntlich ist ja die Graphic Novel daran schuld, dass sich immer mehr Literatur­leser für die Form des Comics interessieren. Als Vermittlerin zwischen Literatur und Bild­geschichte macht sie auch in Deutschland seit einigen Jahren einen guten Job. Hat man sich jedoch einmal auf den Trip ins Parallel­universum Comic eingelassen, könnte man dies auch schnell wieder bereuen.

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Tamta Melaschwili – Abzählen
Roman | Unionsverlag 2012
Dietmar Jacobsen   12.07.2012
 
Drei Tage im Krieg
Mit Abzählen ist der geor­gischen Erzählerin Tamta Melaschwili ein eindrucks­volles Roman­debüt gelun­gen

Drei Tage dehnen sich zur Unend­lichkeit – Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Drei Tage im Krieg, die scheinbar immer wieder von Neuem beginnen. Erst ganz am Ende von Tamta Melaschwilis Romandebüt Abzählen bricht der Samstag an. Aber er bringt nicht den ersehnten Frieden, sondern die Trauer um ein Mädchen, das den Leser auf den vergangenen 90 Seiten so mutig wie naiv, gewitzt und tollkühn in ihre Welt hineingezogen hat.

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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß
Mario Osterland   07.07.2012
 
Ritter und Unholde – Alyosius Bertrands Gaspard de la Nuit


Natürlich ist Jan Kuhlbrodt absolut im Recht, wenn er Aloysius Bertrands Gaspard de la Nuit als uner­messliche Ent­deckung feiert (poetenladen.de 21.4.2012). Denn der Wert dieser Sammlung von Prosa­ge­dichten wurde über 150 Jahre massiv unter­schätzt. 1842 und somit ein Jahr nach dem Tod des Autors erstmals erschienen, gilt Bertrands Werk heute als ein Schlüsseltext der Moderne in Frank­reich.

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Siehe auch:
Jan Kuhlbrodt: Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand

Dagmara Kraus | kummerang
Gedichte | kookbooks 2012
Gisela Trahms   04.07.2012
 
nach vielen zunden, vielen abern

Eine Begegnung mit der Lyrikerin Dagmara Kraus und ihrem Debüt kummerang


Wer Kraus' Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Voka­bulars wegen für unüber­setzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet er­war­tungs­gemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“, „schlenge“ – keine Neo­logis­men, sondern maritimes Fach­vokabular, wie die Landratte googelnd ent­schlüsselt.

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Miron Białoszewski – Wir Seesterne
Gedichte | Reinecke & Voß
Armin Steigenberger   30.06.2012
 
Ich kann nicht schreiben

Der engagierte Leipziger Kleinverlag Reinecke & Voß legte jüngst einen zwei­spra­chi­gen Sammel­band mit Gedichten des in Deutsch­land weit­gehend unbe­kann­ten Miron Białoszewski vor, in der Über­set­zung von Dagmara Kraus.

Als ich las, dass Miron Białoszewski kein polnischer Gegen­warts­dichter ist, dessen „jungen“ Tonfall ich zuletzt in der EDIT 57 kennen­lernte, war ich nicht wenig über­rascht.

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Oleg Jurjew – In zwei Spiegeln
Gedichte | Jung und Jung, 2012
Jan Kuhlbrodt   27.06.2012
 
Gedanken zu Oleg Jurjews In zwei Spiegeln

Er schreibe Gedichte, um zu erfahren, wovon sie handeln, steht auf dem Schutzumschlag. Jurjew ist ein russischer Jude, der seit zwanzig Jahren mit seiner Familie in Frankfurt am Main lebt. Woraus, bitte schön, schöpft der Kerl. Vor der russischen Sprache jedenfalls ist er nicht geflohen. Auch nicht vor der Kultur, und nicht vor ihren plebejischen Ausläufern. Zu gern scheint er mir die russischen Trink- und Ganovenlieder zu singen.

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Max Sessner – Warum gerade heute
Gedichte | Literaturverlag Droschl 2012
Frank Schmitter   24.06.2012
 
Der Sammler der Momente

Der Augsburger Max Sessner ist im Lyrikbetrieb von zurückh­altender Präsenz. Er schwebt nicht auf den Luft­kissen von Stipendien, Preisen und Aus­zeichnungen. Er hat keine wichtigen Fürs­precher und tingelt nicht von Lyrik­festi­val zu Lyrik­festival. Max Sessner verdient seit vielen Jahren sein Brot als Buch­händler und schreibt Gedichte. Punkt. Nun ist bei Droschl der Band Warum gerade heute erschienen, nach Küchen und Züge (2005) der zweite in dem renom­mierten österreichischen Literaturverlag.

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Valeri Scherstjanoi – Mein Futurismus
Essays | Matthes & Seitz Berlin 2011
Jan Kuhlbrodt   19.06.2012
 
Ein weiterer Bericht in Sachen Zukunft

Vorab: Ich hatte mir vorgenommen, das Buch innerhalb von zwei, drei Tagen zu lesen, zumal ja die Fuß­ball­europa­meister­schaft lief, konnte mich aber, da ich am späten Vor­mittag angefangen hatte, bis zum Abend nicht von den Texten los­reißen und ver­passte zwei Spiele. Einzig das umfang­reiche und auch äußerst .erhel­lende Nachwort von Michael Lentz sparte ich mir für den nächsten Tag auf; denn ich war inzwi­schen einfach zu müde und be­dauerte das sehr. Hin und wieder hadere ich damit, ein physisches Wesen zu sein, aber da kann man wohl nichts machen.

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Norbert Lange – Das Schiefe, das Harte und das Gemalene
Gedichte | luxbooks 2012
Jan Kuhlbrodt   15.06.2012
 
Keinen Augenblick zu früh – Der neue Gedichtband von Norbert Lange

Nicht dass die Zeit mir lang geworden wäre, nach dem Debutband Rauhfasern, der seinerzeit in der Lyrikedition 2000 erschienen ist, es gab ja hin und wieder etwas über den Autor zu vermelden. Den sehr schönen Essay­band beispiels­weise, der bei Reinecke und Voss erschien, und der „Das Geschriebene mit der Schreib­hand“ hieß, und die bei Luxbooks er­schie­nenen Über­set­zungen von Prufer und vor allem Oppen.

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Dietmar Ebert (Hrsg.) – Studien zu Imre Kertész
Studien | Edition Azur 2010
André Schinkel   05.06.2012
 
Begegnung mit Kertész

Das Grauen fordert zur Dokumentation heraus, es beein­flusst in sarkas­tischer Weise seit jeher die Werke bedeutender Künstler. Was den Schrecken der Konzentra­tions­lager betrifft – er hat den Anstoß für eine ganze Reihe auf­rütteln­der Bücher geliefert.

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George Oppen – Die Rohstoffe
Gedichte | luxbooks
Jan Kuhlbrodt   02.06.2012
 
Über George Oppen und den Band die rohstoffe

Wir kommen langsam ans Ende mit der Durchsicht der Schätze des Früh­jahrs. Und weiß Gott waren da Schätze darunter. Sie lagen wie Braunkohle kurz unter der Oberfläche und ihre Gruben sind weithin sichtbar für jeden. Im Grunde brauchte man nur zugreifen und hielt ein Buch in der Hand, dessen Lek­türe sich lohnte. Es wäre müßig; Namen zu nennen, denn die Liste ist lang. Über viele der Bücher ist bereits geschrieben worden, über viele aber auch nicht. Doch wir werden uns beflei­ßigen, nicht allzu viele und große Lücken zu lassen.

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Jürgen Buchmann – Wird in Afrika Irisch gesprochen?
Reinecke & Voß 2012
Dirk Uwe Hansen   25.05.2012
 
Eine viktorianische Wüsten- und Urwaldposse mit Kanonen und Nilpferd

„Was haben Ketten mit Kelten und Kanonen mit Konjugationen zu tun“, fragt der Erzähler auf Seite 26 von Buchmanns schmalen Büchlein. Um die Frage zu beant­worten, muss man seine Wüsten- und Urwald­posse lesen, was schnell erledigt ist; 31 Seiten liest man, selbst wenn man sie – was dringend empfohlen sei – laut liest, recht schnell durch.

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Jason – Ich habe Hitler getötet
Comic | Reprodukt 2012
Mario Osterland   18.05.2012
 
Jason – der Profi

Der Protagonist in Jasons neuem Comic hat einen ziem­lich einfachen Job. Er tötet andere – für Geld. Und er tötet alle, die ihm aufgetragen werden. Ausnahms­los. Liebhaber, Liebhaberinnen, Kollegen, Chefs, Väter, Töchter, Adolf Hitler. Er macht kein Geheimnis aus seinem Job, ebenso wenig aus der Tatsache, dass der den Job nicht gern macht. Aber er bringt gutes Geld. 5000 pro Auftrag.

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Alexej Krutschonych – Phonetik des Theaters
Reinecke & Voß 2011
Jan Kuhlbrodt   15.05.2012
 
Endlich

Ein persönlicher Bericht angesichts der Phonetik des Theaters von Alexej Krutschonych herausgegeben von Valeri Scherstjanoi


Es ging ein Gespenst herum in Europa, zumindest hab ich das lange Jahre so empfunden. Es war das Gespenst des Futurismus. Und in meiner Jugend, also die Achtzigerjahre des ver­gangenen Jahr­hunderts hindurch, wollte ich Futurist sein wie in meiner Kindheit Indianer.

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Christine Hoba, Christian Kreis – Dummer August und Kolumbine
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012
Jürgen Brôcan   12.05.2012
 
Spiel der Paare – Christine Hoba und Christian Kreis werfen sich die Bälle zu.


Dummer August und Kolumbine, das sind zwei Gestalten, die ihren Ursprung in der Commedia dell'arte haben. Die Kolumbine war die kokette Partnerin des Harlekin, und auch der Dumme August, heute vor allem als Clowns­figur mit roter Knollen­nase im Zirkus bekannt, geht auf Figuren jener Commedia ebenso zurück wie auf die bunt­geklei­deten Spaßmacher der römischen Antike und mittel­alterliche Hof­narren.

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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012
Peggy Neidel   10.04.2012
 
Philosophischer Fusselsammler


In seinen Theaterstücken befasst sich Wolfram Lotz, letztes Jahr mit dem be­gehrten Kleist-Förder­preis aus­gezeichnet, über­wigend mit dem Sinn unseres Da­seins und was von diesem übrig bleibt. In seinem kürzlich bei der parasiten­presse erschie­nenen Bänd­chen Fusseln geht es ebenf­alls um ein großes Thema. Es ist ein Text, der weder Prosa noch Lyrik zu­zuordnen ist.

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Weitere Kritik von Mario Osterland   externer Link

Jürgen Buchmann – Memoiren eines Münsterländer Mastschweins
freiraum-verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   07.05.2012
 
Schweinesk

Durch die Augen eines sprachmächtigen Schweines kommt die Welt in ihrer sprach­lichen Ver­fasst­heit ins Schillern.
  Jürgen Buchmann lässt uns an den Lehr- und Wander­jahren eines solchen Tieres, das letztlich das Tierische hin zum Humanen verlassen hat, teil­haben und lässt uns mit jenem jugend­lichen Eber eine der letzten Grenzen, die zwischen Tier und Mensch, überwinden. Im Grunde löst er so ein Ver­sprechen der Humanitas und der Auf­klärung ein, nach dem letztlich jedes vernunftbegabte Wesen dem Kate­gori­schen Imperativ unter­liegt.

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Irena Brežná – Die undankbare Fremde
Roman | Galiani 2012
Dietmar Jacobsen   05.05.2012
 
„Die Wohnung, die Sprache, die Arbeit ...“

Irena Brežná erzählt in ihrem poetischen kleinen Roman Die undankbare Fremde von Weg­gehen und Ankommen, Heimat und Fremde, Kälte und Geborgenheit

1968 kommt eine vierköpfige slowakische Flücht­lings­familie in der Schweiz an. Das gewalt­same Ende des Prager Frühlings hat sie zu Emigranten werden lassen. Nun stehen sie vor einem kompletten Neubeginn, den die Tochter, die Irena Brežná in ihrem kleinen Roman Die undankbare Fremde sprechen lässt, zunächst als einen Akt der Verstümmelung erlebt. Die vertrauten „Flügel und Dächlein“, also jene diakri­ti­schen Zeichen, die die Aus­sprache bzw. Betonung von Buchstaben regeln, werden ihrem Fami­lien­namen weg­genommen.

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Synke Köhler – waldoffen
Gedichte | Lyrikedition 2000, München 2011
Lars-Arvid Brischke   01.05.2012
 
Wenn der Wald weg ist, bleibt die Offenheit

Zum Lyrikdebüt waldoffen von Synke Köhler

Waldoffen. Seit wann ist Wald offen? Steht Wald nicht zu Recht für Geschlossenheit? Ziemlich dicht geschlossen sind die Reihen der Bäume in gesunden Wäldern. Wald ist meistens zu dicht, um offen zu sein. Wald ist oft sogar ein ziemliches Dickicht: Der sprich­wört­liche Wald, den man vor lauter Bäumen nicht zu sehen bekommt

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Heri Coltello – Einige Abenteuer ...
Roman | Salis Verlag 2012
Jan Kuhlbrodt   29.04.2012
 
Zu Heri Coltello, seiner Prosa und seiner Musik


Es gibt Menschen, denen man erst ein zwei mal begegnet ist, man bezeichnet sie dennoch als Freunde, nicht nur einfach so, man empfindet gewisser­maßen schon bei der ersten Begegnung so etwas wie eine tiefe Verbundenheit. Nicht dass man fortan wüsste, wie der andere konkret in bestimmten Situa­tionen handeln würde, aber man weiß, er handelt so, dass man es gut heißen kann, er ergreift eine der Möglichkeiten im Ensemble der Möglich­keiten, die man selber auch ergriffen hätte.

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Susanne Eules – ůbern růckn des atlantiks
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012
Jürgen Brôcan   26.04.2012
 
Jenseits des GehEules die LaserS.KA(H)LPelle


Die Befürworter der sprach­experimentellen Dichtung und deren Verächter stehen einander nicht selten unver­söhnlich gegenüber. Daß dies nicht notwendig so sein muß, zeigen nun in schönster Weise die Gedichte von Susanne Eules, denn sie sollten diesseits und jenseits des trennenden Grabens gefallen. Eules’ Gedichte sind nämlich allemal ansprechend, weil konkret, bildhaft und inhalts­schwer ...

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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012
Mario Osterland   21.04.2012
 
Zweimal gedachte Gedanken


Besondere Texte benötigen nun mal besondere Verlage und so ist es nur folge­richtig, dass die parasiten­presse als Herausgeber der „Fusseln“ von Wolfram Lotz fungiert. Seit dem Jahr 2000 gibt es den Kölner Kleinst­verlag, der Kleinst­bücher produziert, die fast immer als 16-seitige Hefte aus recycelten Brief­umschlägen daher kommen.

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Ralph Grüneberger – Bunte Pleite
Gedichte | Edition Ornament, quartus-Verlag
M. Biskupek / P. Gosse   21.04.2012
  Matthias Biskupek: Zwischen Nimbschen und Kaditzsch

Gedichte und jener Moment, in dem der Leser auf sie trifft, ver­quicken sich oft eigenartig. Ich hatte eine Tour durchs Muldetal hinter mir, war von Zwickau gen Wurzen geradelt, hatte Burgen auf Felsen thronen und Dörfer in Täler gepresst gesehen,

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Peter Gosse: Dreizeh

Drei Begriffe sind es, die von altersher die bemerkenswürdige Kunstleistung verstehen helfen: ars – ingenium – doctrina. Diese Dreigestalt, oder Dreifaltigkeit müsse sich im Werk als beherzigt auffinden lassen.

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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß
Jan Kuhlbrodt   21.04.2012
 
Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand


Die Behauptung, der Verlag Reinecke und Voß habe eine Perle der Französischen Literatur für den deutschen Leser geborgen, träfe zu kurz. Hier wird ein zentraler Text zugänglich gemacht, und einer der schönsten, die mir begegnet sind, zumindest wirkt er in der Gestalt, die Buchmann ihm gegeben hat, schier unermess­lich (man ver­zeihe mir die Superlative, aber an dieser Stelle kann ich nicht anders, als staunen, wie ein Schuljunge).

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Hanna Lemke – Geschwisterkinder
Erzählung | Verlag Antje Kunstmann 2012
Dietmar Jacobsen   04.04.2012
 
Milla und Ritschie
In Hanna Lemkes neuer Erzählung Geschwisterkinder geht es um Nähe und Distanz, Einsamkeit und das Gefühl, im falschen Leben gelandet zu sein

Milena, genannt Milla, und Richard, genannt Ritschie, sind Geschwister. Sie jobbt in einem kleinen Spiel­zeug­laden. Er arbeitet in der Bildredaktion einer Zeitung. Beide hatten einst hochfliegende Pläne, aber das Leben hat sie schnell dahingehend belehrt, dass Träume zwar nicht verboten sind, doch gefährlich werden können, wenn man sie mit der Reali­tät verwechselt. Also hat man sich eingerichtet, jeder in seinem Provi­sorium. Man funktioniert, liebt ohne Herz, sehnt sich, ohne genau zu wissen wonach.

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Kritik 1
Kritiken zu Gedichten, Romanen und Erzählungen
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Ich habe ja damals wirklich unmit­tel­bar nach dem Tod Ernst Jandls an diesem Requiem zu schreiben begon­nen, ich muss­te es tun, ich hatte ja sonst nichts mehr, überhaupt nichts mehr, alles war ja verloren­gegangen, also fing ich wie ver­rückt zu schreiben an, das Schreiben als einziges Über­lebens­mittel
Friederike Mayröcker im poet-Gespräch


Ich sehe mich nicht in erster Linie als Autor oder Schriftsteller. Diese Bezeichnung ist mir fremd. Ich habe etwas ge­schrie­ben, und das ist publiziert worden, aber dieses umfassende Gefühl, dass ich Schriftsteller sei, fehlt mir. Wenn man schreibt, dann wird man eben so bezeichnet, doch es bedeutet wenig.
Christoph Wilhelm Aigner im poet-Gespräch