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Kurt Drawert – Schreiben. Vom Leben der Texte
C. H. Beck, München 2012 |
Andreas Heidtmann 20.05.2013 |
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Einübung ins Abwesende – vom Abenteuer des Schreibens
Es gilt inzwischen als Fauxpas, sich zur Literatur in einer Weise zu äußern, die über das Niveau einer Talk-Show hinausreicht. Nachdenklichkeit im Facebookzeitalter provoziert Befremden. Vielleicht war die Literatur immer schon befremdend, doch im heutigen Medienvarietee wird sie, sofern nicht gänzlich ignoriert, zur Zumutung. Kurt Drawert und sein neues Buch „Schreiben. Vom Leben der Texte“ sind in diesem Sinne Zumutung, zumal der Autor sich auch auf Podien differenziert äußert und die Präzision der Plauderei vorzieht.
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Alexander Kluge – Das fünfte Buch
Roman | Suhrkamp, Berlin 2012 |
Michael Buselmeier 14.05.2013 |
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Abstürze aus der Wirklichkeit
Der präzise Beobachter, Sammler und Denker Alexander Kluge schreibt keine Romane. Er trägt kleine Geschichten zusammen, die er auf der Rückseite der großen Geschichte vorfindet, Bruchstücke, die er ausgräbt und zum Sprechen bringt. Oft sind es nur Momentaufnahmen, Zeitungsmeldungen oder ironische Kommentare, lakonisch, aber nicht kühl, eher heiter und mit einer funkelnden Pointe aufs Papier gesetzt.
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Hannes Stein – Der Komet
Roman | Galiani, Berlin 2013 |
Christian Lorenz Müller 05.05.2013 |
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Ein alternativer Geschichtsentwurf von Hannes Stein
Wie Europa aussehen würde, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten, wissen wir spätestens seit Robert Harris' Bestseller Vaterland: In diesem Buch hat Hitler den Kontinent auf eine Art und Weise umgestaltetet, die uns wohlige Schauder des Schreckens über den Rücken jagt: Bequem im Lesesessel ausgestreckt, glauben wir glücklich davongekommen zu sein, weil die Geschichte in der Realität einen anderen, besseren Verlauf genommen hat.
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Dominik Dombrowski – Finissage
Gedichte | parasitenpresse 2013 |
Mario Osterland 24.04.2013 |
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Das war's dann, bald
Das Wort „Finissage“ ist im Französischen nicht gebräuchlich. Stattdessen sagt man lieber „Dévernissage“, was nach einem missglückten, bisweilen lächerlichen Euphemismus klingt; wie etwa „Mindereinnahmen“ statt „Verluste“. Dominik Dombrowski sind solche Ausweichmanöver fremd. Er nennt die Dinge beim Namen, um die es in seinem Gedichtband geht. Es sind die letzten Dinge, die einem im Leben erwarten: Alter, Krankheit und Tod – aber auch das Erinnern, das Versöhnen, das Vergessen.
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Robert Wohlleben (Hrg.) – Antreten zum Dichten!
Gedichte | Reinecke und Voß, Leipzig 2013 |
Dirk Uwe Hansen 01.05.2013 |
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Lyriker um Arno Holz
Eine Dachkammer in Berlin, Pariser Straße, Hinterhaus an einem späten Abend im späten 19. Jahrhundert. 6 Männer im Alter von 20-40 sitzen auf Klappstühlen, einer von ihnen hat einen Bleistift in der Hand, die anderen Hefte, Blätter, Geschriebenes. Die Zigarren qualmen.
Das „Regiment Sassenbach“, so benannt nach dem Verleger, der die Werke der hier Versammelten drucken ließ, ist in der Wohnung des Dichters Arno Holz angetreten. Angetreten zum Dichten.
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Viktor Pelewin – Tolstois Albtraum
Roman | Luchterhand Verlag 2013 |
Jens Kassner 19.04.2013 |
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Graf T. schießt um sich
Leichenfledderei sei das gegenwärtig am höchsten geachtete Genre, weil es als direktes Pendant zur Erdölförderung angesehen werden könne. So erklärt Ariel Edmundowitsch Brahman seine Arbeitsweise und ergänzt: „Früher dachte man, bloß die Tschekisten hätten die Dinosaurier beerbt. Aber dann hat die kulturelle Öffentlichkeit auch was gefunden, wo sie bohren kann. Also werden jetzt sämtliche lieben Verstorbenen eingespannt.“
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Annika Scheffel – Bevor alles verschwindet
Roman | Suhrkamp Verlag 2013 |
Dietmar Jacobsen 18.04.2013 |
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Im Tal der blauen Füchse
In Annika Scheffels zweitem Roman Bevor alles verschwindet wehrt sich ein kleiner Ort gegen den Untergang
Ein Dorf soll verschwinden. Der Ort, in dem Jula und Jules, Mona und Marie, die alte Greta und Martin Wacholder, der Bürgermeister, ihr ganzes Leben verbracht haben, ist einer Freizeitoase im Weg. Einem Erholungsgebiet rund um einen Stausee, der mit seinen Wassermassen bald alles bedecken wird: die örtliche Kneipe, „Tore“ genannt, das Haus des Bürgermeisters mit seiner weißen Aufgangstreppe samt den Löwenskulpturen, den Friedhof und die kleine Kapelle darin.
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Jürgen Buchmann – Lüneburger Trilogie
Trilogie | Freiraum Verlag Greifswald 2013 |
Jan Kuhlbrodt 13.04.2013 |
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Buchmanns Babel
Nun legte also im Januar 2013 der Greifswalder Verlag Freiraum mit der Lüneburger Trilogie ein weiteres Buch mit Texten Buchmanns vor. Wie schon die anderen Bücher des Autors keine dicke Schwarte sondern eine kleine Publikation von knapp einhundert Seiten. Sie enthält die Teile Einschiffung nach Cythera, Phantastische Topografie der Hansestadt Lüneburg und Logbuch vom Meer der Finsternis.
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Michael Köhlmeier – Die Abenteuer des Joel Spazierer
Roman | Hanser Verlag 2013 |
Dietmar Jacobsen 26.03.2013 |
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Ein Amoklauf durchs 20. Jahrhundert
In seinem neuen großen Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer erzählt Michael Köhlmeier die letzten 60 Jahre als Schelmenroman
„Ein Mann kommt in eine Bank, hält der Frau am Schalter die Pistole an die Stirn und sagt: Keine Angst, das ist kein Überfall, das ist nur ein Amoklauf.“ Seine Bierkumpane hätten ihm zu diesem Einstieg in seine Lebensgeschichte geraten, behauptet der Ich-Erzähler von Michael Köhlmeiers neuem großen Roman Die Abenteuer des Joel Spazierer gleich zu Beginn des Buches.
Weitere Rezensionen zu Michael Köhlmeier:
Michael Köhlmeier: Madalyn (Dietmar Jacobsen)
Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund (Dietmar Jacobsen)
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Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren
Novelle | C.H. Beck 2013 |
Christian Lorenz Müller 12.03.2013 |
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Börsenabsturz zwischen Dattelpalmen
Jonas Lüschers beeindruckende Debütnovelle
Mögen auch anderswo die Börsenkurse abstürzen und ganze Volkswirtschaften kollabieren, einen Ort gibt es auf diesem Planeten, der selbst dann noch eine Oase genannt werden kann, wenn die Welt längst wüst und leer geworden ist. Die Rede ist von der Schweiz, die der 1976 geborene Autor dieses bemerkenswerten Debüts zur Heimat hat. Böse Zungen behaupten allerdings, dass die Einwohner der Eidgenossenschaft sich in politischen Zweifelsfällen stets auf ihre immerwährende Neutralität berufen.
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Franz Hessel – Pariser Romanze
Papiere eines Verschollenen | Lilienfeld Verlag 2012 |
Jan Kuhlbrodt 23.02.2013 |
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Vergangenheitsformen
Dieser Tage jährt sich die Machtergreifung durch die NSDAP in Deutschland zum 80. Mal, Hitlers Ernennung zum Reichskanzler durch Hindenburg und die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes durch den Deutschen Reichstag. Ein Prozess strebte seiner Vollendung zu, der in der Pervertierung des Nationalstaatsgedankens im deutschen Kaiserreich schon angelegt war.
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Techno der Jaguare – Manana Tandaschwili, Jost Gippert (Hg.)
Neue Erzählerinnen aus Georgien | Frankfurter Verlagsanstalt 2013 |
Dietmar Jacobsen 22.02.2013 |
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»... was man lassen kann und was nicht«
Sieben georgische Gegenwartsautorinnen brechen auf in eine neue Welt
Als die junge Tino in Maka Mikeladzes Erzählung Eine mit Buch und ihre erlesene Leserschaft eines Morgens aufwacht, ist ihr ein Buch aus dem Kopf gewachsen: „Sie zog daran. Es saß fest ... Sie kämmte die Blätter nach links. Mehr Blätter auf der einen Seite, auf der anderen weniger. Das stand ihr gut.“ Als „Neuausgabe ihrer selbst“ macht sie sich auf den Weg zu ihren täglichen Geschäften – und ist natürlich gespannt darauf, was drinsteht in „ihrem“ Buch.
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Sylvia Plath – Die Glasglocke
Roman | Suhrkamp Verlag 2013 |
Michael Braun 11.02.2013 |
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Lady Lazarus in New York
Als „Lady Lazarus“ hat sich diese Dichterin porträtiert, als eine im Unglück „lächelnde Frau“, die in die Hölle des Schmerzes geht, ohne jedoch – wie der biblische Lazarus – wiedererweckt zu werden zu einem neuen, befreiten Leben. Sylvia Plath, die Dichterin aus Neuengland, ist seit ihrem Freitod am 11. Februar 1963 zur Ikone des Feminismus geworden, von der Nachwelt zurechtgeschminkt zur visionären Schmerzensfrau, verehrungswürdig vor allem als ein Opfer ihres berühmten Manns, des englischen Dichterkönigs Ted Hughes.
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Ein Bild von einem Gedicht – Alle Poetryletter. Julietta Fix (Hg.)
Gedichte / Grafik | Fixpoetry Verlag |
Mario Osterland 24.01.2013 |
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Gemalte Gedichte
Der Poetryletter des Literaturportals fixpoetry.com ist im Laufe der letzten fünf Jahre zu einer kleinen Institution geworden. Alle zwei Wochen wird hier ein Gedicht grafisch aufbereitet bzw. mit einer Illustration versehen präsentiert. Nun erscheinen die hochwertig gearbeiteten Briefe erstmals in Buchform.
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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012 |
Armin Steigenberger 21.01.2013 |
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Lütfiye Güzel – Let's Go Güzel
Gedichte | Dialog Edition 2012 |
Gerrit Wustmann 19.01.2012 |
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Blues & Rock n Roll & Bukowski
Glaubt man den Massenmedien, dann ist Duisburg-Marxloh ein Fanal für all das, wovor Sarrazin und artverwandte Überfremdungsapokalyptiker sich fürchten, in aller Regel ohne je persönlich dort gewesen zu sein. Und da die braune Suppe Auflage bringt, wird sie in großen Kellen immer wieder ausgekippt. Ein paar Meter Luftlinie von Marxloh entfernt liegt Hamborn, Geburtsort von Lütfiye Güzel, um ihre offizielle Vita zu zitieren: „1972 als Poetin auf die Welt gekommen & so weiter“.
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Poesiealbum 304 – Udo Tiffert
Gedichte | Märkischer Verlag 2013 |
Jens Kassner 12.01.2012 |
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Aussaugende und überflutende Worte
Das Nest heißt tatsächlich Neusorge. Es liegt direkt an der Neiße, Polen ist in Sichtweite. Laut Wikipedia gibt es 154 Einwohner. Dass einer davon Udo Tiffert heißt, steht (noch) nicht in der Web-Enzyklopädie. Ist aber so. Bisher wird als bedeutende Persönlichkeit nur der 1799 geborene Historienmaler Adolf Zimmermann angegeben
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Burkhard Spinnen – Nevena
Roman | Schöfling & Co., 2012 |
Dietmar Jacobsen 05.01.2012 |
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Der Barbar und die Zauberelfe
In seinem neuen Roman Nevena erzählt Burkhard Spinnen von der Liebe in den Zeiten von Cyberspace und sozialen Netzen
Eigentlich ist Patrick Ehling ein ziemlich normaler Junge. Und zu normalen jungen Männern um die 16/17 Jahre gehört heutzutage offenbar, dass sie einen Teil ihrer Zeit in Welten verbringen, die ihnen Abenteuer bieten, welche ihre durchrationalisierte Lebensumgebung schon lange nicht mehr im Angebot hat.
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Werner Dürrson – Denkmal fürs Wasser
Gedichte | Klöpfer & Mayer, Tübingen 2012 |
Christian Lorenz Müller 04.01.2012 |
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Ein Buch voll flüssiger Verse
Das Tiefseeblau auf dem Schutzumschlag dieses Buches ist in Bewegung, feine Strudellinien ziehen den Blick des Betrachters auf ein Zentrum hin, und doch gibt es für das Wasser nichts Zentrales, es ist ein Stoff, der trotz seiner Fügsamkeit keine Grenzen und schon gar keine Hierarchien kennt. Sein Wesen ist der Wandel, der ständige Wechsel von einem Aggregatszustand in den anderen.
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Axel Kutsch (Hrsg.) – Versnetze_fünf
Gedichte, Anthologie | Landpresse 2012 |
Theo Breuer 31.12.2012 |
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Werden Sie ruhig ein bißchen wahnsinnig …
Vom Lesen in Versnetze_fünf
Unbeugsam scheint der Überlesenswille des urigen Lyrikvölkchens im bildwild zerklüfteten deutschen Sprachraum angesichts der weiterhin ansteigenden Buchflut zu sein, in der sich Millionen Versfüße tummeln. Ach Gott, schon wieder Gedichte, hör ich Peer Quer, den feinen kleinen Freund, Mrs Columbo ins Öhrchen flüstern, als er Versnetze_fünf auf dem Tisch liegen sieht.
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Markus Hallinger – Das Eigene
Gedichte | Lyrikedition 2012 |
Jan Kuhlbrodt 17.12.2012 |
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From outer space
Natürlich spielt der Titel des Gedichtbandes von Markus Hallinger »Das Eigene« darauf an, dass das, was jemand sein Eigenes nennt, den anderen das Fremde ist. Und aus dieser Vorstellung speist sich auch mein Interesse an diesem Band, denn er führt mich in Gegenden, die ich nur vom Hörensagen kenne.
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Tom Schulz – Innere Musik
Gedichte | Berlin Verlag 2012 |
Peggy Neidel 13.12.2012 |
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Entdeckungsreise zwischen Lebensgier und Formalismus
Der Lyriker Tom Schulz lauscht seiner inneren Musik, umkreist transzendente Begriffsklopper und trifft zwischendurch abgeranzte Freundinnen auf dem Raucherbalkon
Wie man überlebt. In einer kalten, prosaischen Zeit, in der man „den Schauer in den Unterführungen“ spürt und wie sich „die Welt um das Herzzentrum schließt“. In seinem neuen Gedichtband Innere Musik ölt Tom Schulz den „metallisch klappernden Briefkasten“ mit der „Süße des Nabels“, beschäftigt sich thematisch vorwiegend mit Gedichten des Barock, auch der Romantik.
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Stephan Thome – Fliehkräfte
Roman | Suhrkamp Verlag 2012 |
Dietmar Jacobsen 11.12.2012 |
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»Unsere Art zu leben«
Stephan Thomes neuer Roman Fliehkräfte ist Roadmovie und Gesellschaftsanalyse zugleich
Hartmut Hainbach heißt der Protagonist in Stephan Thomes neuem, nach Grenzgang (Suhrkamp 2009) zweitem Roman Fliehkräfte. Der Mann ist Philosophieprofessor, Spezialist in Sachen Sprechakttheorie, kennt sich im Werk von John Searle freilich deutlich besser aus als im eigenen Leben.
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Theo Breuer – Das gewonnene Alphabet
Gedichte | Pop Verlag 2012 |
Christine Kappe 29.11.2012 |
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22mal WIR / 26mal SCHLACHT
Wortkräuter zur Gesundung in Theo Breuers Gedichtbuch Das gewonnene Alphabet
Das gewonnene Alphabet von Theo Breuer unterhält nicht nur, und damit meine ich: breitet sein Wortnetz tragfähig unter mir aus, sondern verwirbelt mir zugleich die Sinne: Auf dem Bett liegend, habe ich diesen Rhythmus im Ohr, von welchem Gedicht mag er herkommen – di richi dir sprichi ist dis gidicht?
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Ewart Reder – Die Liebeslektion
Roman | Horlemann Verlag 2012 |
Gerrit Pithan 27.11.2012 |
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Verführung zum Wesentlichen
Es handelt sich um einen Roman, der in einer hessischen Gesamtschule spielt. Bei dieser ersten Erkenntnis möchte man erschrocken innehalten, denn man erwartet und befürchtet entweder eine trübselige Sozialreportage im Gewand einer Erzählung oder sentimental verklärte Erinnerungen an die Schulzeit.
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Arthur Missa – Formenverfu(e)ger
Stücke aus Prosa | Verlegenheits-Verlag / ed.cetera 2008 / 2012 |
Mario Osterland 23.11.2012 |
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Zumutungen
„Es handelt sich um das Skizzenbuch eines werdenden Autors“, heißt es auf den Seiten des jungen Leipziger Verlags ed.cetera zu Formenverfu(e)ger. Angesichts dessen möchte man dem werdenden Autor Arthur Missa drei Dinge wünschen: 1. Das Erreichen seiner Ziele. 2. Die Überwindung dieses skizzenhaften Debuts. 3. Gelassenheit hinsichtlich des Literaturbetriebs. Aber der Reihe nach, von hinten nach vorn.
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Michael G. Fritz – Adriana läßt grüßen
Roman | Mitteldeutscher Verlag 2012 |
Dietmar Jacobsen 19.11.2012 |
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Ein Koffer voller Leben
In Michael G. Fritz' neuem Roman Adriana läßt grüßen sucht einer das große Glück und findet sich selbst
Es beginnt mit einer Verwechslung. Boris Helmer, per Bahn unterwegs von Köln nach Berlin, hält plötzlich einen Koffer in der Hand, der ihm gar nicht gehört. Aber weil er fast nichts dazutun musste, damit das Gepäckstück in seinen Besitz überwechselte, nimmt er das unverhoffte Abenteuer als einen Wink des Schicksals und macht sich mit der fremden Habe auf den Heimweg. Um alsbald festzustellen, dass der Koffer nur Fotografien enthält, die einen säuberlich in Alben einsortiert, die anderen lose durcheinander. Und alle Fotos zeigen ein und dieselbe Frau: Adriana.
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Alfred Gelbmann – Trümmerbruch
Roman | Innsbruck, Wien: Kyrene 2012 |
Christian Teissl 16.11.2012 |
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Lebenslauf einer schreibenden Hand
„Seht, wie die Hände in Freiheit leben, ohne an ihre Funktion zu denken, ohne sie mit einem Geheimnis zu belasten – seht, wie sie ruhen mit leicht gebogenen Fingern, als ob sie sich irgendeinem Traum überließen, oder betrachtet sie in der eleganten Lebhaftigkeit der reinen Gebärden ...“, heißt es im „Lob der Hand“ des französischen Kunsthistorikers Henri Focillon.
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Robert Schleif – Völkerschlacht bei Leipzig 1813
Skatspiel | Verlag E.A. Seemann 2012 |
Mario Osterland 14.11.2012 |
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Napoleon gestochen
In Zeiten, in denen sich der klassische Buchmarkt im wirtschaftlichen Sinkflug befindet, versuchen Verlage immer häufiger ihr Programm durch so genannte Nonbooks für ein breites Publikum attraktiv zu halten. Von den teilweise grotesken Auswüchsen dieser Entwicklung kann man sich jährlich auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt überzeugen.
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Adrian Kasnitz – Wodka und Oliven
Roman | Ch. Schroer 2012 |
Mario Osterland 11.11.2012 |
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Neudeutsche Lebenswege
Nicht umsonst Was bleibt von den Orten der Erinnerungen, wenn sie nicht mehr existieren? Es bleibt die Sprache und das Erzählen, das die Erinnerungen aufrecht erhält. Zugegeben, diese Erkenntnis ist nicht gerade eine neue, an Aktualität verliert sie aber kaum. In Zeiten, in denen der Familienroman Konjunktur hat, erst recht nicht. Zwar ist das Prosadebut von Adrian Kasnitz sicher keine klassische Familiensaga, doch im Zentrum von Wodka und Oliven stehen die Lebensläufe zweier Familien und das Erzählen ihrer Schicksale durch den Protagonisten Moritz.
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40 % Paradies – Gedichte des Lyrikkollektivs G13
Anthologie | Luxbooks 2012 |
Jan Kuhlbrodt 09.11.2012 |
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Lockere Gruppe
Nicht umsonst Sicher habe ich Vorlieben, aber die stelle ich erst einmal hinten an, und wenn im Verlaufe dieser Besprechung ein Text zitiert wird oder ein Name fällt, so steht er im Grunde für die Einzigartigkeit aller im Buch vorkommender Texte und Autoren. Außerdem empfehle ich allen, sich den Spaß zu gönnen und dieses Buch zu lesen, auch jenen die dafür ihre Folianten mit Inhalten gediegener Klassizität für einen Moment aus der Hand legen müssen. Machen sie das, wohnen sie einer Eruption bei, die nicht so häufig vorkommt, und zum Glück hier dokumentiert wurde, und sie erhaschen einen Fetzen Utopie!
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Hartmut Abendschein – Dranmor
Erzählung | Athena-Verlag 2012 |
Peggy Neidel 02.11.2012 |
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Wo hat man bloß diesen Text abgelegt?
Kunstvoll erzählt Hartmut Abendscheins „Dranmor“ vom Schriftstellerwahnsinn
Nicht umsonst beginnt die Erzählung mit einem Zitat aus Alice im Wunderland. Es geht um Fieberträume, gespaltene Persönlichkeiten, Pilze in Wänden und sprechende Schnapsfläschchen. Verrückt. Oder doch nur der ganz normale Wahnsinn im Leben eines Schriftstellers. Der Ich-Erzähler ohne Namen wohnt in der Schweiz. Sein Hausmeisterjob erfüllt ihn wenig, aber man schlägt sich so durch. Nachdem er wiederholt auf einen lästigen Pilzschwamm im Gebäude hinwies, wird ihm die Stelle gekündigt, ein Jugendfreund taucht auf und der Name eines vergessenen Berner Dichters fällt.
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Anke Feuchtenberger – Die Spaziergängerin
Graphic Novel | Reprodukt, September 2012 |
Mario OSterland 30.10.2012 |
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Graphic Essays
Der Flaneur galt und gilt immer noch als eine der Symbolfiguren der klassischen Moderne. Aufreizend langsam bewegte er sich durch die Passagen der modernen Großstädte, las in ihnen wie in einem offenen Buch und ließ alle anderen um sich herum wissen, dass er sich dafür alle Zeit der Welt lassen kann.
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Kathrin Passig, Sascha Lobo – Internet. Segen oder Fluch
Sachbuch | Rowohlt Berlin 2012 |
Andreas Heidtmann 26.10.2012 |
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Viel Wissen, wenig Brillanz
Kathrin Passig und Sascha Lobo schreiben über das Netz
Möchte man sich fundiert über das Internet und dessen Entwicklung informieren, muss man – so überraschend es klingt – zum Buch greifen. Was im Netz selbst über das Medium zu lesen ist, hat in der Regel den Charakter einer News à la Macht-das-Internet-Dumm?, dazu viel Bruchstückhaftes aus Blogs oder schlecht Recherchiertes aus der Tastatur von Hobbyredakteuren. Halbwegs Intelligentes findet man allenfalls als Zitat aus Printmedien, als trauten die Internettheoretiker ihrem eigenen Medium nicht so recht.
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Karen Duve – Grrrimm (Grimm)
Galiani Berlin 2012 |
Peggy Neidel 23.10.2012 |
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Keine Rosen, nur Gestrüpp
Nicht immer märchenhaft: Karen Duve schreibt die Grimms neu
Irgendwie sind alle verdorben. Der Vater der „Froschbraut“ ist ein Gangster, der mit seiner Tochter im Luxushaus lebt und einen autoritären Erziehungsstil pflegt. Der Zwerg ist ein raffgieriger und hinterhältiger Kleinwüchsiger, der in „Zwergenidyll“ seine Körpergröße mit ausgeprägtem Dominanzverhalten kompensiert. Rotkäppchens Familie in „Grrrimm“ ist gewaltbereit und asozial.
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Das halbvolle Glas – Erich Loest Lesebuch
Lesebuch | Plöttner 2012 |
Richard Albrecht 14.10.2012 |
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Halbvoll
Subjektkritische Annäherungen an das Erich-Loest-Lesebuch
Aufs Leipziger Erich-Loest-Lesebuch war ich wochenlang gespannt. Nun liegt's nach Wochen endlich (auch mir hier im deutsch-belgischen Grenzgebiet) vor. Ein (ge)wichtiges Buch auch im dinglichen Sinn. Es liegt gut in der Hand mit seinen 616 Gramm. Und augenfreundlich ist es auch: die Texte entsprechen dem, was etwa dtv als Großdruck bewirbt.
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Dato Barbakadse – Wesentliche Züge
Gedichte | Mischwesen Autorenverlag 2011 |
Matthias Fallenstein 12.10.2012 |
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Gedichtete Metaphysik
Seit mehreren Jahren versucht der georgische Dichter Dato Barbakadse auch im deutschsprachigen Raum Gehör zu finden. Seine Beziehung zur deutschen Sprache und Literatur ist mehrfach geknüpft: er hat an der Westfälischen Universität in Münster studiert, und er hat das Verdienst, eine großange.legte Reihe mit Übersetzungen deutschsprachiger Lyrik ins Georgische geplant und zum Teil schon verwirklicht zu haben ...
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Poesie Agenda 2013
Anthologie/Kalender | orte-Verlag 2013 |
Andreas Noga 10.10.2012 |
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Es geht heiter weiter
Als ich dreizehn war, arbeitete der Schweizer Schriftsteller und Verleger Werner Bucher zusammen mit Jürgen Stelling an der ersten Ausgabe des Lyrik-Taschenkalenders „Poesie Agenda“. Vor wenigen Tagen ist für das Jahr 2013 die inzwischen 30. Ausgabe erschienen. Heute kümmern sich Werner Bucher, Jolanda Fäh und Virgilio Masciadri als hauptverantwortliche Redakteure um die Zusammenstellung des Kalenders, für den sie 180 Gedichte sowie zahlreiche Cartoons, Fotos und Zeitungsschnipsel zusammengetragen haben.
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Constantin Göttfert – Satus Katze
Roman | CH Beck 2012 |
Lorenz Müller 04.10.2012 |
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Unheimliche Katzen in der Kälte
Constantin Göttferts Debütroman
Waren Sie schon einmal in Finnland? Wenn nicht, haben Sie vielleicht ähnlich klischeebehaftete Vorstellungen vom europäischen Norden wie der Rezensent: Ob der vielen Wälder und Seen leben die Menschen dort oben sehr gesund und naturverbunden; sie sammeln Pilze und Beeren, gehen Wandern oder Langlaufen und entspannen sich in der Sauna.
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Sibylle Berg– Vielen Dank für das Leben
Roman | Hanser 2012 |
Dietmar Jacobsen 02.10.2012 |
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Gegen den Menschen ist kein Kraut gewachsen
Mit Vielen Dank für das Leben hat Sibylle Berg wieder einen richtig zornigen Roman geschrieben
Na endlich! Nach dem etwas berguntypischen „Liebesroman“ Der Mann schläft (Hanser 2009) – Dem nur noch ein Happy End gefehlt hätte! – hat sich die 1962 in Weimar geborene Autorin wieder auf ihre Stärken besonnen. Und die liegen weiß Gott nicht darin, eine romantische Zweierbeziehung zu besingen, selbst wenn der männliche Part von einem Schnarchsack gespielt wird, der sich meistens in der Horizontalen aufhält und maskulines Imponiergehabe nicht zu kennen scheint.
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Ragufeng – Schadt, Kathrin / Ingenlath, Christian (Hg.)
Blütenlese aus zwei Jahren pussy-Salon | Anthologie | tauland-Verlag 2012 |
Peter Bernholt 21.09.2012 |
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Katzengarn und Leibspeisen
Seit einiger Zeit schleicht ein Kätzchen durch Berlin Schöneberg und lockt Künstler aus allen Bereichen an. Im pussy-Salon überlassen die Veranstalter Kathrin Schadt und Christian Ingenlath diesen Künstlern die Bühne. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto. Immer mit dabei: Die Katze. Jetzt erscheint im tauland-verlag ihre erste Salon-Anthologie.
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J.M. Coetzee – Die Kindheit Jesu
Roman | S. Fischer 2013 |
Gisela Trahms 15.09.2012 |
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Der Nobelpreisträger liest in Frankfurt
Manche Bücher sind Lebensbegleiter, ihren Autoren möchte man gern begegnen. Das ist nicht bloße Neugier. Für leidenschaftliche Leser bilden jene wenigen Autoren ein Mysterium, an dem sie once in a lifetime teilhaben möchten. Und wenn ein solcher Autor J.M. Coetzee heißt, in Australien lebt, nicht mehr jung ist, die Öffentlichkeit scheut, jedoch tatsächlich nach Frankfurt kommt, kann das für die Leserin nur bedeuten: Karte ergattern, hinfahren.
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Poesiealbum 301 – Elke Erb
Lyrik | Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2012 |
Redaktion 15.08.2012 |
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Vorgestellt
Einen schönen konzisen Überblick über Elke Erbs dichterisches Schaffen bietet das Poesiealbum 301, herausgegeben von Richard Pietraß. Die Spanne reicht von frühen Gedichten wie Ein Lamm weidete und Das Flachland vor Leipzig bis hin zu Ist-Sätze aus dem Jahr 2009.
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Georg Heym – Ich bin von dem grauen Elend zerfressen
Gedichte | Lyrikedition 2012 |
Jan Kuhlbrodt 27.07.2012 |
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Über Georg Heym – Gedichte und Erwiderungen
Wäre man böse, könnte man sagen, dass Georg Heym, wäre er nicht 1912 beim Eislaufen eingebrochen und ertrunken, vielleicht ein paar Jahre später vor Verdun gefallen oder am deutschen Kampfgas erstickt wäre, das der Wind vom Westen zurückgetrieben hatte, den verursachern direkt in die Lunge, aber das ist Spekulation.
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Tobias Falberg – Plastiniertes Gelände
Gedichte | Edition Art Science 2012 |
Armin Steigenberger 24.07.2012 |
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Kassandrarufe aus der Matrix
Mit Tobias Falberg ist ein Autor am Start, der längst mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Umso mehr erstaunt es, dass erst jetzt sein erster Gedichtband erschienen ist, der das Beste seiner Dichtungen aus den letzten eineinhalb Jahrzehnten versammelt – in einer gelungenen Mischung mit Frottagen von Hans-Peter Stark. Ein fulminantes Debüt, erschienen in der kleinen Wiener Edition Art Science.
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Alfonz – Der Comicreporter
Comic | Edition Alfons 2012 |
Mario Osterland 15.07.2012 |
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Report aus der Comicwelt
Bekanntlich ist ja die Graphic Novel daran schuld, dass sich immer mehr Literaturleser für die Form des Comics interessieren. Als Vermittlerin zwischen Literatur und Bildgeschichte macht sie auch in Deutschland seit einigen Jahren einen guten Job. Hat man sich jedoch einmal auf den Trip ins Paralleluniversum Comic eingelassen, könnte man dies auch schnell wieder bereuen.
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Tamta Melaschwili – Abzählen
Roman | Unionsverlag 2012 |
Dietmar Jacobsen 12.07.2012 |
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Drei Tage im Krieg
Mit Abzählen ist der georgischen Erzählerin Tamta Melaschwili ein eindrucksvolles Romandebüt gelungen
Drei Tage dehnen sich zur Unendlichkeit – Mittwoch, Donnerstag, Freitag. Drei Tage im Krieg, die scheinbar immer wieder von Neuem beginnen. Erst ganz am Ende von Tamta Melaschwilis Romandebüt Abzählen bricht der Samstag an. Aber er bringt nicht den ersehnten Frieden, sondern die Trauer um ein Mädchen, das den Leser auf den vergangenen 90 Seiten so mutig wie naiv, gewitzt und tollkühn in ihre Welt hineingezogen hat.
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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß |
Mario Osterland 07.07.2012 |
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Ritter und Unholde – Alyosius Bertrands Gaspard de la Nuit
Natürlich ist Jan Kuhlbrodt absolut im Recht, wenn er Aloysius Bertrands Gaspard de la Nuit als unermessliche Entdeckung feiert (poetenladen.de 21.4.2012). Denn der Wert dieser Sammlung von Prosagedichten wurde über 150 Jahre massiv unterschätzt. 1842 und somit ein Jahr nach dem Tod des Autors erstmals erschienen, gilt Bertrands Werk heute als ein Schlüsseltext der Moderne in Frankreich.
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Siehe auch:
Jan Kuhlbrodt: Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand
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Dagmara Kraus | kummerang
Gedichte | kookbooks 2012 |
Gisela Trahms 04.07.2012 |
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nach vielen zunden, vielen abern
Eine Begegnung mit der Lyrikerin Dagmara Kraus und ihrem Debüt kummerang
Wer Kraus' Gedichten zum ersten Mal begegnet, ist geneigt, sie ihres Vokabulars wegen für unübersetzbar zu halten. Das Gedicht „genfer see“ etwa leitet erwartungsgemäß den Blick übers Wasser, über Schiffe und Möwen. Doch nicht von Booten ist die Rede, sondern von „pardune“, „bilge“, „tartane“, „schlenge“ – keine Neologismen, sondern maritimes Fachvokabular, wie die Landratte googelnd entschlüsselt.
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Miron Białoszewski – Wir Seesterne
Gedichte | Reinecke & Voß |
Armin Steigenberger 30.06.2012 |
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Ich kann nicht schreiben
Der engagierte Leipziger Kleinverlag Reinecke & Voß legte jüngst einen zweisprachigen Sammelband mit Gedichten des in Deutschland weitgehend unbekannten Miron Białoszewski vor, in der Übersetzung von Dagmara Kraus.
Als ich las, dass Miron Białoszewski kein polnischer Gegenwartsdichter ist, dessen „jungen“ Tonfall ich zuletzt in der EDIT 57 kennenlernte, war ich nicht wenig überrascht.
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Oleg Jurjew – In zwei Spiegeln
Gedichte | Jung und Jung, 2012 |
Jan Kuhlbrodt 27.06.2012 |
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Gedanken zu Oleg Jurjews In zwei Spiegeln
Er schreibe Gedichte, um zu erfahren, wovon sie handeln, steht auf dem Schutzumschlag. Jurjew ist ein russischer Jude, der seit zwanzig Jahren mit seiner Familie in Frankfurt am Main lebt. Woraus, bitte schön, schöpft der Kerl. Vor der russischen Sprache jedenfalls ist er nicht geflohen. Auch nicht vor der Kultur, und nicht vor ihren plebejischen Ausläufern. Zu gern scheint er mir die russischen Trink- und Ganovenlieder zu singen.
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Max Sessner – Warum gerade heute
Gedichte | Literaturverlag Droschl 2012 |
Frank Schmitter 24.06.2012 |
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Der Sammler der Momente
Der Augsburger Max Sessner ist im Lyrikbetrieb von zurückhaltender Präsenz. Er schwebt nicht auf den Luftkissen von Stipendien, Preisen und Auszeichnungen. Er hat keine wichtigen Fürsprecher und tingelt nicht von Lyrikfestival zu Lyrikfestival. Max Sessner verdient seit vielen Jahren sein Brot als Buchhändler und schreibt Gedichte. Punkt. Nun ist bei Droschl der Band Warum gerade heute erschienen, nach Küchen und Züge (2005) der zweite in dem renommierten österreichischen Literaturverlag.
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Valeri Scherstjanoi – Mein Futurismus
Essays | Matthes & Seitz Berlin 2011 |
Jan Kuhlbrodt 19.06.2012 |
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Ein weiterer Bericht in Sachen Zukunft
Vorab: Ich hatte mir vorgenommen, das Buch innerhalb von zwei, drei Tagen zu lesen, zumal ja die Fußballeuropameisterschaft lief, konnte mich aber, da ich am späten Vormittag angefangen hatte, bis zum Abend nicht von den Texten losreißen und verpasste zwei Spiele. Einzig das umfangreiche und auch äußerst .erhellende Nachwort von Michael Lentz sparte ich mir für den nächsten Tag auf; denn ich war inzwischen einfach zu müde und bedauerte das sehr. Hin und wieder hadere ich damit, ein physisches Wesen zu sein, aber da kann man wohl nichts machen.
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Norbert Lange – Das Schiefe, das Harte und das Gemalene
Gedichte | luxbooks 2012 |
Jan Kuhlbrodt 15.06.2012 |
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Keinen Augenblick zu früh – Der neue Gedichtband von Norbert Lange
Nicht dass die Zeit mir lang geworden wäre, nach dem Debutband Rauhfasern, der seinerzeit in der Lyrikedition 2000 erschienen ist, es gab ja hin und wieder etwas über den Autor zu vermelden. Den sehr schönen Essayband beispielsweise, der bei Reinecke und Voss erschien, und der „Das Geschriebene mit der Schreibhand“ hieß, und die bei Luxbooks erschienenen Übersetzungen von Prufer und vor allem Oppen.
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Dietmar Ebert (Hrsg.) – Studien zu Imre Kertész
Studien | Edition Azur 2010 |
André Schinkel 05.06.2012 |
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Begegnung mit Kertész
Das Grauen fordert zur Dokumentation heraus, es beeinflusst in sarkastischer Weise seit jeher die Werke bedeutender Künstler. Was den Schrecken der Konzentrationslager betrifft – er hat den Anstoß für eine ganze Reihe aufrüttelnder Bücher geliefert.
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George Oppen – Die Rohstoffe
Gedichte | luxbooks |
Jan Kuhlbrodt 02.06.2012 |
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Über George Oppen und den Band die rohstoffe
Wir kommen langsam ans Ende mit der Durchsicht der Schätze des Frühjahrs. Und weiß Gott waren da Schätze darunter. Sie lagen wie Braunkohle kurz unter der Oberfläche und ihre Gruben sind weithin sichtbar für jeden. Im Grunde brauchte man nur zugreifen und hielt ein Buch in der Hand, dessen Lektüre sich lohnte. Es wäre müßig; Namen zu nennen, denn die Liste ist lang. Über viele der Bücher ist bereits geschrieben worden, über viele aber auch nicht. Doch wir werden uns befleißigen, nicht allzu viele und große Lücken zu lassen.
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Jürgen Buchmann – Wird in Afrika Irisch gesprochen?
Reinecke & Voß 2012 |
Dirk Uwe Hansen 25.05.2012 |
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Eine viktorianische Wüsten- und Urwaldposse mit Kanonen und Nilpferd
„Was haben Ketten mit Kelten und Kanonen mit Konjugationen zu tun“, fragt der Erzähler auf Seite 26 von Buchmanns schmalen Büchlein. Um die Frage zu beantworten, muss man seine Wüsten- und Urwaldposse lesen, was schnell erledigt ist; 31 Seiten liest man, selbst wenn man sie – was dringend empfohlen sei – laut liest, recht schnell durch.
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Jason – Ich habe Hitler getötet
Comic | Reprodukt 2012 |
Mario Osterland 18.05.2012 |
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Jason – der Profi
Der Protagonist in Jasons neuem Comic hat einen ziemlich einfachen Job. Er tötet andere – für Geld. Und er tötet alle, die ihm aufgetragen werden. Ausnahmslos. Liebhaber, Liebhaberinnen, Kollegen, Chefs, Väter, Töchter, Adolf Hitler. Er macht kein Geheimnis aus seinem Job, ebenso wenig aus der Tatsache, dass der den Job nicht gern macht. Aber er bringt gutes Geld. 5000 pro Auftrag.
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Alexej Krutschonych – Phonetik des Theaters
Reinecke & Voß 2011 |
Jan Kuhlbrodt 15.05.2012 |
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Endlich
Ein persönlicher Bericht angesichts der Phonetik des Theaters von Alexej Krutschonych herausgegeben von Valeri Scherstjanoi
Es ging ein Gespenst herum in Europa, zumindest hab ich das lange Jahre so empfunden. Es war das Gespenst des Futurismus. Und in meiner Jugend, also die Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hindurch, wollte ich Futurist sein wie in meiner Kindheit Indianer.
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Christine Hoba, Christian Kreis – Dummer August und Kolumbine
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012 |
Jürgen Brôcan 12.05.2012 |
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Spiel der Paare – Christine Hoba und Christian Kreis werfen sich die Bälle zu.
Dummer August und Kolumbine, das sind zwei Gestalten, die ihren Ursprung in der Commedia dell'arte haben. Die Kolumbine war die kokette Partnerin des Harlekin, und auch der Dumme August, heute vor allem als Clownsfigur mit roter Knollennase im Zirkus bekannt, geht auf Figuren jener Commedia ebenso zurück wie auf die buntgekleideten Spaßmacher der römischen Antike und mittelalterliche Hofnarren.
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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012 |
Peggy Neidel 10.04.2012 |
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Philosophischer Fusselsammler
In seinen Theaterstücken befasst sich Wolfram Lotz, letztes Jahr mit dem begehrten Kleist-Förderpreis ausgezeichnet, überwigend mit dem Sinn unseres Daseins und was von diesem übrig bleibt. In seinem kürzlich bei der parasitenpresse erschienenen Bändchen Fusseln geht es ebenfalls um ein großes Thema. Es ist ein Text, der weder Prosa noch Lyrik zuzuordnen ist.
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Weitere Kritik von Mario Osterland 
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Jürgen Buchmann – Memoiren eines Münsterländer Mastschweins
freiraum-verlag 2012 |
Jan Kuhlbrodt 07.05.2012 |
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Schweinesk
Durch die Augen eines sprachmächtigen Schweines kommt die Welt in ihrer sprachlichen Verfasstheit ins Schillern.
Jürgen Buchmann lässt uns an den Lehr- und Wanderjahren eines solchen Tieres, das letztlich das Tierische hin zum Humanen verlassen hat, teilhaben und lässt uns mit jenem jugendlichen Eber eine der letzten Grenzen, die zwischen Tier und Mensch, überwinden. Im Grunde löst er so ein Versprechen der Humanitas und der Aufklärung ein, nach dem letztlich jedes vernunftbegabte Wesen dem Kategorischen Imperativ unterliegt.
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Irena Brežná – Die undankbare Fremde
Roman | Galiani 2012 |
Dietmar Jacobsen 05.05.2012 |
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„Die Wohnung, die Sprache, die Arbeit ...“
Irena Brežná erzählt in ihrem poetischen kleinen Roman Die undankbare Fremde von Weggehen und Ankommen, Heimat und Fremde, Kälte und Geborgenheit
1968 kommt eine vierköpfige slowakische Flüchtlingsfamilie in der Schweiz an. Das gewaltsame Ende des Prager Frühlings hat sie zu Emigranten werden lassen. Nun stehen sie vor einem kompletten Neubeginn, den die Tochter, die Irena Brežná in ihrem kleinen Roman Die undankbare Fremde sprechen lässt, zunächst als einen Akt der Verstümmelung erlebt. Die vertrauten „Flügel und Dächlein“, also jene diakritischen Zeichen, die die Aussprache bzw. Betonung von Buchstaben regeln, werden ihrem Familiennamen weggenommen.
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Synke Köhler – waldoffen
Gedichte | Lyrikedition 2000, München 2011 |
Lars-Arvid Brischke 01.05.2012 |
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Wenn der Wald weg ist, bleibt die Offenheit
Zum Lyrikdebüt waldoffen von Synke Köhler
Waldoffen. Seit wann ist Wald offen? Steht Wald nicht zu Recht für Geschlossenheit? Ziemlich dicht geschlossen sind die Reihen der Bäume in gesunden Wäldern. Wald ist meistens zu dicht, um offen zu sein. Wald ist oft sogar ein ziemliches Dickicht: Der sprichwörtliche Wald, den man vor lauter Bäumen nicht zu sehen bekommt
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Heri Coltello – Einige Abenteuer ...
Roman | Salis Verlag 2012 |
Jan Kuhlbrodt 29.04.2012 |
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Zu Heri Coltello, seiner Prosa und seiner Musik
Es gibt Menschen, denen man erst ein zwei mal begegnet ist, man bezeichnet sie dennoch als Freunde, nicht nur einfach so, man empfindet gewissermaßen schon bei der ersten Begegnung so etwas wie eine tiefe Verbundenheit. Nicht dass man fortan wüsste, wie der andere konkret in bestimmten Situationen handeln würde, aber man weiß, er handelt so, dass man es gut heißen kann, er ergreift eine der Möglichkeiten im Ensemble der Möglichkeiten, die man selber auch ergriffen hätte.
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Susanne Eules – ůbern růckn des atlantiks
Gedichte | FIXPOETRY.Verlag 2012 |
Jürgen Brôcan 26.04.2012 |
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Jenseits des GehEules die LaserS.KA(H)LPelle
Die Befürworter der sprachexperimentellen Dichtung und deren Verächter stehen einander nicht selten unversöhnlich gegenüber. Daß dies nicht notwendig so sein muß, zeigen nun in schönster Weise die Gedichte von Susanne Eules, denn sie sollten diesseits und jenseits des trennenden Grabens gefallen. Eules’ Gedichte sind nämlich allemal ansprechend, weil konkret, bildhaft und inhaltsschwer ...
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Wolfram Lotz – Fusseln
parasitenpresse 2012 |
Mario Osterland 21.04.2012 |
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Zweimal gedachte Gedanken
Besondere Texte benötigen nun mal besondere Verlage und so ist es nur folgerichtig, dass die parasitenpresse als Herausgeber der „Fusseln“ von Wolfram Lotz fungiert. Seit dem Jahr 2000 gibt es den Kölner Kleinstverlag, der Kleinstbücher produziert, die fast immer als 16-seitige Hefte aus recycelten Briefumschlägen daher kommen.
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Ralph Grüneberger – Bunte Pleite
Gedichte | Edition Ornament, quartus-Verlag |
M. Biskupek / P. Gosse 21.04.2012 |
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Matthias Biskupek: Zwischen Nimbschen und Kaditzsch
Gedichte und jener Moment, in dem der Leser auf sie trifft, verquicken sich oft eigenartig. Ich hatte eine Tour durchs Muldetal hinter mir, war von Zwickau gen Wurzen geradelt, hatte Burgen auf Felsen thronen und Dörfer in Täler gepresst gesehen,
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Peter Gosse: Dreizeh
Drei Begriffe sind es, die von altersher die bemerkenswürdige Kunstleistung verstehen helfen: ars – ingenium – doctrina. Diese Dreigestalt, oder Dreifaltigkeit müsse sich im Werk als beherzigt auffinden lassen.
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Aloysius Bertrand – Gaspard de la Nuit
Verlag Reinecke & Voß |
Jan Kuhlbrodt 21.04.2012 |
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Eine Entdeckung: die Prosadichtungen von Aloysius Bertrand
Die Behauptung, der Verlag Reinecke und Voß habe eine Perle der Französischen Literatur für den deutschen Leser geborgen, träfe zu kurz. Hier wird ein zentraler Text zugänglich gemacht, und einer der schönsten, die mir begegnet sind, zumindest wirkt er in der Gestalt, die Buchmann ihm gegeben hat, schier unermesslich (man verzeihe mir die Superlative, aber an dieser Stelle kann ich nicht anders, als staunen, wie ein Schuljunge).
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Hanna Lemke – Geschwisterkinder
Erzählung | Verlag Antje Kunstmann 2012 |
Dietmar Jacobsen 04.04.2012 |
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Milla und Ritschie
In Hanna Lemkes neuer Erzählung Geschwisterkinder geht es um Nähe und Distanz, Einsamkeit und das Gefühl, im falschen Leben gelandet zu sein
Milena, genannt Milla, und Richard, genannt Ritschie, sind Geschwister. Sie jobbt in einem kleinen Spielzeugladen. Er arbeitet in der Bildredaktion einer Zeitung. Beide hatten einst hochfliegende Pläne, aber das Leben hat sie schnell dahingehend belehrt, dass Träume zwar nicht verboten sind, doch gefährlich werden können, wenn man sie mit der Realität verwechselt. Also hat man sich eingerichtet, jeder in seinem Provisorium. Man funktioniert, liebt ohne Herz, sehnt sich, ohne genau zu wissen wonach.
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Kritik 1
Kritiken zu Gedichten, Romanen und Erzählungen
Ich habe ja damals wirklich unmittelbar nach dem Tod Ernst Jandls an diesem Requiem zu schreiben begonnen, ich musste es tun, ich hatte ja sonst nichts mehr, überhaupt nichts mehr, alles war ja verlorengegangen, also fing ich wie verrückt zu schreiben an, das Schreiben als einziges Überlebensmittel
Friederike Mayröcker im poet-Gespräch
Ich sehe mich nicht in erster Linie als Autor oder Schriftsteller. Diese Bezeichnung ist mir fremd. Ich habe etwas geschrieben, und das ist publiziert worden, aber dieses umfassende Gefühl, dass ich Schriftsteller sei, fehlt mir. Wenn man schreibt, dann wird man eben so bezeichnet, doch es bedeutet wenig.
Christoph Wilhelm Aigner im poet-Gespräch
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