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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 70

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

70

Die Sächsischen Freiheiten

Ludwig Baumann
Ludwig Baumann  © privat

Zum Tode verurteilter Wehr­machts­deserteur, Gründer der Bundes­ver­einigung für die Opfer der NS-Militär­justiz, Trä­ger des Aachener Friedens­preises  

Als ich 7 Jahre alt war, lehrte der Lehrer in der Schule: Kauft nicht bei Juden. Als ich 19 Jahre alt war, verließ ich Wehrmacht und Reich. Den 23jährigen suchten die Sowjet­russen an­zu­werben, auf dass er Karriere mache. Mit 27 Jahren sah ich meine Irr­tümer ein und studierte sie, d.h. Philosophie. Dem Zuchthaus Bautzen entzog ich mich durch Flucht in den Westen. 32 Jahre schrieb ich an gegen Nazismus, Militarismus, Stalinismus. Die Ver­einigung wollte ich ebenso wenig wie die Spaltung. Derlei kommt über uns als Natur­ereignis. Widerstand ist wie gegen den Wind spucken. Falls wir noch Epiker auf­weisen, eröffnen sich ihnen ungeahnte Räume. Der ganze weite Osten wird zum sichtbaren Raum epischer Tragödien. Die Toten stehen auf, mit den Lebenden um gerechte Inter­pretationen zu kämpfen. Ver­ges­sene Millionen­armeen von Tätern und Opfern marschieren aus der Geschichte zurück an die Schwelle zur Gegen­wart. Vergangen­heit emaniert zur Zukunft. Die Post­moderne schließt an die Eiszeit an. Generäle sehe ich bis zur Kennt­lichkeit verwesen, Embryos mumi­fizieren, SS-Offiziere schicken Pakete nach Russland. Tschekisten entdecken die Freuden der Humanität. Endlich fallen Kohl, Honecker und der Schalk Golodkowski am Grabe des Franz Josef Strauß auf die Knie und singen die Inter­nationale mit dem Refrain vom Deutsch­land­lied. Als ich mit 65 in Rente ging, notierte ich: Da möchte nun meine Wenigkeit die nächsten 65 Jahre nichts mehr hören von Politik und ähnlichen Fehl­­investitionen. So nahm sich's einer vor und es nutzte nichts.

Mein Freund Ludwig Baumann, Gründer der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, saß als verurteilter Deserteur monatelang in der Torgauer Todeszelle und berichtet seit Jahren von skandalösen Konflikten in der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, deren Sitzungen er wie auch der Zentral­rat der Juden in Deutschland aus Protest fernbleibt, weil er Nazi-Opfer und Nazi-Täter in diesen Erinnerungsorten bis zur Ununter­scheidbarkeit ver­ein­nahmt sieht.
Philosoph Heidegger

Laut Ernst Nolte vielleicht Faschist, aber keineswegs zu Unrecht?

Büste v. G. Seitz

Regiert im sächsischen Torgau die Dresdner Totalitarismus-Linie? Das Reichs­gericht, 1943 vor den Bomben in Berlin nach Torgau ge­flüch­tet, hauste dort als gesetzlich lizen­sierte Mörder­bande. Dresden will in der Gedenk­stätte nicht die Hinrichter von den Hinge­richteten scheiden. Berät das wirre Hannah-Arendt-Institut oder der Chemnitzer Professor Jesse in dieser Frage die Landes­regierung? Ich muss eher an ein Heidegger-Institut denken. Ernst Nolte, der den Archipel Gulag für ursprüng­licher hält als Auschwitz, schreibt über Heidegger: „Sofern er dem großen Lösungs­versuch (gemeint ist der Kommu­nismus, GZ) Widerstand leistete, war Heidegger – wie zahllose andere – im historischen Recht … er wurde vielleicht zum Faschisten, aber er geriet deshalb keineswegs von vornherein ins historische Unrecht.“
Machen wir uns nichts vor, in diesem Nolte-Satz über Heidegger artikuliert sich die wahre Meinung der nationalen Deutschen. Dagegen votiere ich, indem ich die Pleiße, Sachsen, Ostdeutschland, also die DDR verteidige, wo sie verteidigenswert bleibt, ausgenommen die Verhältnisse, gegen die wir 1956 protestierten, jedoch abgeschlagen worden sind. An linken Neander­talern ist kein Mangel, hoch lebe der Homo sapiens, und dass uns dabei die rechten Neandertaler in die Quere kommen, darf nicht abschrecken.

Der nicht erst von Sebastian Haffner konstatierte Selbstverrat der deutschen Sozialdemokratie begann 1914 mit dem Übergang zur Kriegspartei. 1918 paktierte sie mit der Konterrevolution, statt einen sozialrevolutionären Anfang zu wagen. Als in Sachsen und Thüringen 1923 sozial­revolutiionäre Volks­front­regierungen entstanden, schickte der sozial­demokratische Reichs­präsident Ebert die Reichswehr hin. Thüringen tendierte danach zur Rechten, Sachsen blieb, seine eigene Modernität bewahrend, links aufmüpfig. Stephan Heyms Schwarzenberg-Roman über die Stadt, die 1945 eine Zeitlang unbesetzt war, illustriert exemplarisch einen Freiraum, der von östlichen wie westlichen Besetzern gewährt, sehr schnell abgeschafft worden ist. In der Folge 30 dieser Serie fasste ich die Sächsische Freiheit in ihrer deftigen Pluralität zusammen.
Die Vorgeschichte beginnt bekanntlich mit der Entstehung des Erzgebirges, dem eine marxistische Gottheit Uran beimischte, damit die Bolschewiki später mit der amerikanischen Atombombe gleichziehen konnten. Nicht Adenauer, erst Helmut Kohl durfte mit Gorbatschows Hilfe den Kalten Krieg gewinnen und die Sowjets hintern Ural jagen, wo sie seitdem Jakuten heißen und von Schamanen regiert werden, während die Russen als orthodoxe Christen wieder wie zu des Zaren Zeiten den Feind spielen müssen, dem Europa bis kurz vor Moskau Paroli bietet, damit die Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches ihre ab 1941 zwischen Leningrad (Petersburg) und Stalingrad (Wolgo­grad) verloren gegangenen Ostkrieger endlich ehrenvoll gedenkend einsammeln und würdevoll bestatten können. Die Massengräber der ca. 25 Millionen vernichteten Feinde lassen sich dann ver­land­wirt­schaften, wie es schon ursprünglich vor 1945 geplant war.

Hart aber fair oder unfair? Am 4.2.09 Auftritt Gesine Schwan, sozirötliche Sympathie-Werbetour als versuchte Köhler­verdrängung. Ex-stern-Chef-Schnuppe Michael Jürgs, auf Wandertour zwischen West und Ost, früher in umgekehrter Richtung unterwegs der Schauspieler Jan Josef Liefers, wirksam präsentiert mit einem Rede­ausschnitt bei der fabulösen Alexander­platz-Kundgebung vom November 1989, wo er, heute über sich selbst etwas verblüfft, einen „demokratischen Sozialismus“ gefordert hatte. Gut bei Wort Dietmar Bartsch, LINKEN-Gewinner und als politisches Gegengewicht General a.D. Schönbohm, Innenminister des armen Landes Brandenburg, ohne Beißkorb, zahnloser Kommunisten­fresser, an diesem Abend jedoch relativ sozial­verträglich.
Talk ach Talk – kurz zuvor, am 29.1.09 die Maybritt Illneriade mit einem fast liberalisierten CDU-Jungchen Missfelder, Grünspechtklassiker Ströbele, der im Unterschied zum Mitdiskutanten ZDF-Historikermajestät Guido Knopp nie ne schwarzrotgoldene Fahne in seinem Vorgarten hissen würde, abgesehen davon, dass er keinen Vorgarten hat. Dazu eine wohlgestaltete und recht munter argumentierende Dresdner Linke – Julia Bonk, nicht etwa Bond. Zum Ende hin beklagte die Runde das Los der Wehrmachtsdeserteure, die nicht rehabilitiert seien. Dass die Nazi-Fahnenflüchtigen gegen zähen Widerstand von CDU und SPD doch rehabilitiert worden sind, ging im Talk unter. Nicht rehabilitiert blieb die Gruppe der sogenannten Kriegsverräter, um sie wird jetzt gestritten. Darüber sprach ich bereits am 28.5.1998 im damals noch Bonner Bundestag und schrieb dazu am 2.6.2007 in Ossietzky. Der Spiegel spendete am 26.1.09 der bevorstehenden Berlin-Debatte im Bundestag zwei ganze Seiten. Inzwischen wurde die Debatte zum 13. Mal vertagt. Kriegsverrat soll strafbar bleiben. Helmut Schmidt blieb auch acht Jahre lang wehrmachtstreu. Als Widerstand genügt Stauffenberg. Der kleine Soldat hat wie sein Leutnant zu gehorchen. „Wer desertiert … hat sich nach allen Maßstäben der zivi­lisierten Welt verwerflich verhalten …“ (Norbert Geis, CSU, im Bundestag)

Um thematisch nicht einseitig zu werden, grabe ich im Hausarchiv und ziehe aufs Geratewohl diese Spiegel-Meldung vom 29.9.1975 heraus:
„Autoren: Zwerenz lässt Büchner schimpfen
Die tückische Ermordung unseres Mitbürgers Sokrates in der Ecke hinter der Paulskirche –- so hieß ein lokalkulturkritischer Monolog, den der Schauspieler Volker Spengler mit Beihilfe des Schriftstellers Gerhard Zwerenz und dessen Ehefrau Ingrid verfasst und kürzlich in Frankfurt auf die Bühne gebracht hatte. Die Aufführung machte den Produzenten Mut – sie haben sich nun zu einer Text-und-Theater-Werkstatt-Offenbach (TUTWO) zusammengetan und wollen am 17. Oktober, einen Tag vor der diesjährigen Verleihung des Büchner-Preises, im Offenbacher Stadttheater ihre zweite Produktion präsentieren: eine von Zwerenz geschriebene, wieder als Spengler-Solo vorgetragene Schimpf-Rede Georg Büchners vor der Akademie für Sprache und Dichtung anlässlich seiner Ablehnung als Büchner-Preisträger.“

Von Frankfurt/Main zurück nach Leipzig/Pleiße, wo Walter Ulbricht Bloch einst als Konterrevolutionär aussperren ließ. Dann belehrte er sich an dessen Gedanken, bis ihn Breschnew und Stoph-Honecker absägten, weil er Bloch nachfolgend „bisher Nichtgedachtes“ beachten wollte.
Das bringt uns zum Papst Benedikt, vormals Ratzinger, der als Professor einst aus Tübingen floh, denn „Ernst Bloch lehrte nun in Tübingen und machte Heidegger als kleinen Bourgeois verächtlich.“ So ein entnervter Ratzinger, der in Bloch die „marxistische Versuchung“ der „Theologischen Fakultäten“ nahen sah, weshalb der Kampf für das von „existentialistischer Reduktion“ bedrohte Christentum aufgenommen werden musste.
Ratzinger also verschwand aus Tübingen und Helmut Schmidt wollte immer nach dort, um mit Bloch über die Utopie zu reden. Da er aber die Vision der Reise zum Propheten nicht zu realisieren wagte, ging er lieber zum Arzt und ließ sich einen Herzschrittmacher installieren.

In Berlin soll wegen 1989 ein Freiheitsdenkmal errichtet werden. Dazu ziehen sie, Kaiser Wilhelm sei gelobt, das kostbare Hohenzollernschloss wieder hoch. Nun will Leipzig auch ein Freiheitsdenkmal und hat doch schon den Völkerschlachtkloben. Vielleicht sollten sie Nietzsche darin endbestatten, bevor sie ihn aus seinem Dorfkirchengrab ausbuddeln und in Braunkohle umwandeln.
Chemnitz ist gut dran mit seinem Marx-Nischel. Dresden sollte Karl May, Herbert Wehner, Wladimir Putin und seinen starken August auf die Dimitroffbrücke stellen, doch dort wurde der Name ja ebenso liquidiert wie beim ehemaligen Leipziger Dimitroffplatz.
Wir hingegen und unser Halbdutzend Pseudonyme versuchen uns seit einem Halbjahrhundert ganz und gar ernsthaft in einem Projekt schwarzen Humors.

Der Begriff Bloch-Kreis wurde zur Verteidigung gewählt, weil die Bezeichnung Bloch-Gruppe unter ein Fraktions-Verbot fiel, das Partei und Staat streng eingehalten sehen wollten. Bleiben wir also beim Kreis. Der aber wurde im Osten verfolgt und zerschlagen und im Westen verhindert. So bilden wir einen virtuellen Bloch-Kreis nach dem Motto: Was wäre, wenn die Blochianer so kontinuierlich hätten sich entwickeln und agieren können wie die Schüler und Anhänger Adornos? Wir sammeln stellvertretend Fakten, was das Wirken einer möglichen Gruppe oder Fraktion ahnen lässt, auch wenn es sie nicht geben durfte. Hier aufgeführte Dokumente und Fragmente belegen praktische Versuche der 56er, die zwar besiegt wurden, sich aber nicht geschlagen geben. Eine plurale Revolte ist zu verifizieren, die dem Vergessen überlassen werden soll von denen, die sich jeweils als Sieger der Geschichte wähnen. William S. Burroughs, Idol der amerikanischen Beatniks und Hippies, erfand mit den Cut-Ups eine besondere Collage-Technik, indem er die Erzählzeit durch Schocks der Anarchie ersetzte. Wie moderne Hirnforscher verraten, stellt erst unser Gehirn die Zeitfolge her, also vermag unser Wille sie auch produktiv zu zerstören, was den Zufall zum Regisseur unseres Er-Lebens werden lässt. Die vorliegenden Dokumente wurden im Cut-Ups-Verfahren geheftet, denn der Wahn ist die Kontinuität, die in den Rachefeldzügen herrscht. Man hüte sich, einzelne Details für bare Münze zu nehmen. Das Ganze aber installiert im Reich der Lügen eine Dimension, die sich zwischen Swift, Grimmelshausen, Kafka und Orwell erstreckt. Ein veritabler Roman? Und alles nur, weil Bloch die Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs zum Anlass seines Nachdenkens nahm und der christlichen Völker­schlachtseele den Teufel auszutreiben suchte. So reicht die Wirkung Blochs und der Blochianer durch das 20. Jahrhundert und über die Grenze ins 21. hinein als ein roter Faden, der sich noch dort findet, wo ihn keiner vermuten will - bei den Geheimen Diensten samt ihren publizistischen Wirkungsfeldern und Heimatgemeinden. Unsere Auswahl von Fragmenten belegt die weit­ver­zweigten Folgen des Bloch-Kreises und der 56er Bewegung in Ost und West. Sie erweist, es gibt Links- und Rechts-Blochianer sowie einige wenige Lumpen-Blochianer. Wir können nur Spuren legen. Stellen uns aber unverdrossen vor, so wie unsere subversive Zweiergruppe sich einmischte, könnten ein paar hundert Subversanten das Blochianertum in die Welt tragen als eine erneuerte Freimaurerei mit frischen Ideen und Praktiken. Wir fordern andere auf, unsere Belege und Erfahrungen durch eigene Materialien und Stories zu vervollständigen. Wir wissen, auf dem schmalen Pfad zum „aufrechten Gang“ sind manche Verleugnungen und Verbeugungen nötig, was akzeptabel ist, wird der Umweg nicht zum Endziel entwürdigt.

Ende unserer heiteren Programmerklärung. Viele Wege führen nach Rom. Unser Dritter Weg zwang uns zur Flucht aus Sachsen in die angrenzenden Deutschlande. Insgesamt haben wir Schwein gehabt. Es hätte alles noch viel verrückter kommen können.

Dem Internet ist zu entnehmen: Altkanzler Helmut Schmidt hat Lafontaine mit Hitler verglichen, zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 um 22:42
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat Oskar Lafontaine ungewöhnlich scharf angegriffen. Er verglich das Charisma des Vorsitzenden der Links­partei mit dem von Adolf Hitler. Die Sprüche von „Schmidt-Schnauze“:
Man dürfe nicht vergessen, „dass Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker ausmacht“, sagte Schmidt der Zeitung Bild am Sonntag. Auch „Adolf Nazi“ sei ein charismatischer Redner gewesen. „Oskar Lafontaine ist es auch“, sagte der Alt-Kanzler. Zudem verglich er Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Le Pen. „Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon“, sagte Schmidt dem Blatt.

Zugleich lese ich, die Bundeswehrhochschule Hamburg wurde nach Helmut Schmidt benannt. Und hätte Stalin nicht, wie Ernst Thälmann voraussagte, Hitler das Genick gebrochen, wäre Schmidts Wehrmachts-Karriere weiter erfolgreich verlaufen, an Führertreue fehlte es ihm nicht.
Bild.de meldet sehr früh Tatbestand: „Nach Kundgebung in Dresden Neonazis treten Gewerkschafter den Schädel ein – Brutaler Neonazi-Überfall nach der Friedenskundgebung in Dresden – Neonazis attackieren auf einem Rastplatz in Thüringen Mitglieder des DGB und der Linkspartei …“
Tatbestand Dresden: Vergangenes Wochende zog ein schwarzer Block von 6000 Nazis durch die Stadt. Fast doppelt so viele Menschen protestieren dagegen, zweigeteilt in Bürgerliche und Linke. Das Trauerspiel dreigeteilten Gedenkens gilt den Bombenterrortoten vom Februar 1945.
Tatbestand Wunsiedel Rudolf-Hess-Grab: Die exemplarische Nazipilgerstätte verschob sich wegen Widerstand in Bayern nach Sachsen. In Dresden sorgt die Polizei für Ruhe und Ordnung beim Marsch der braunen Sechstausend. In Thüringen bleibt die Polizei abwesend, wenn sie dringend gebraucht würde.
Tatbestand Akademiker: Dresdner Professor verurteilt Georg-Elser-Attentat auf Hitler. Chemnitzer Professor sieht rechte Gefahr nur von links hoch­gespielt: „Die Erosion der Abgrenzung zwischen demokratisch und extre­mis­tisch geschieht am linken, nicht am rechten Rand.“
Erst marschierten an der Elbe 600 Nazis. Man ignorierte die Bagatelle. Dann marschierten 6000. Es gab geteilte Proteste. Wenn 60.000 marschieren, werden sich gewiss abwiegelnde Professoren finden. Küsst die Faschos, die Tradition ist heilig.
Schöne Soldaten

Über tausend tote Leiber schreitend,
unsre Wehrmacht in den Sieg begleitend
badeten wir in fernen Flüssen.
Schön ist es, wenn Fische küssen.

Durch die Wasser fremder Erdenteile
schwamm ich U-boothaft mit Dieselwelle.
Sandte Grüße mit Torpedobahnen
aus:Vom Meeresgrunde kehrt keiner
mehr nach Haus.

So reihten Sieg an Sieg wir, und
Untergang an Untergang. Bis dass
wir selber jubelnd untertauchten.Die
schönsten Soldaten sind immer die
verbrauchten.

(Die Venusharfe, München 1985)

Das nächste Kapitel erscheint am Montag, den 2. März 2009.

Gerhard Zwerenz   23.02.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz