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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 73

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

73

Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten

Gerhard Zwerenz | Gesänge auf dem Markt
poet nr. 6
poetenladen, 2009
poet nr. 6   externer Link
Wie sollte ich dich nicht lieben, so tot wie du bist: Dagmar Nick. Der luftleere Raum war uns zu unpersönlich, wir strebten aus­ein­ander: Thien Tran. Zu Schiff! ruft Charon, ruft Orpheus, ihr Dichter bewegt euch zur Rück­seite der Erde, Gelichter: Michael Buselmeier. Herz geht mir auf Stirn geht mir über Magen beschwert sich … und wo wäre man so gern, jetzt: Nora Eugenie Gomringer. Liebevoll streicht er über die blaue Kachel die den Eingang ins Laby­rinth verriegelt. Ein Tauben­züchter geht durch den Himmel: Thomas Böhme. Geduldet die Not nach ihren Regeln Gegen­wärtig auch die Toten: Rosemarie Zens. Wien hat gicht: die kälte soll helfen, die trambahnen aber gehen aufrecht … infarkt: Crauss. Wir werden lernen, uns zwischen spiegeln zu verstecken. Wenige Schritte trennen uns noch: Alexander Gumz. Schon vor dem Erwachen googeln wir unsere Gesichter: Greta Granderath. Schnell sind die Alpträume in den Gedanken fest arretiert: André Schinkel. Eine solche Montage! Braucht nur wenige Striche: Wasser. Landschaft. Auge: Petra Ganglbauer. Die Lust an Sensationen. Gefühle zu wecken: Markus Breidenich. wie aus Schnüren geknüpft legt sich ein Lied über deine Ohren: Sabina Lorenz. Sie hat einen Spamfilter eingerichtet damit sich ein wohl­bekannter Absender nicht mehr in ihre Verse schmuggelt: Timo Berger. Das kurze Jahr wird von einer Kröte eingeholt die fest dem Wetter glaubt: Christine Langer. Entbunden von der pflicht zur revolution genießen wir den vormittag: Martin Jankowski. in männer ohne wut. Aber: Ich habe Lust, ein Glas mit Gift zu trinken … Sie pumpen es in unser Wasser: Matthew Zapruder
Die Wortangel, im lyrischen Ozean ausgeworfen, zieht exakt den Satz an den Haken, der zu seinem Erfinder will. Duett und Duell als Wortfischer. Jede Generation fängt mit empfindsamen Seelen an und endet unkenntlich allgemein im vorgezogenen Hades der anstehenden Rentenkürzung. Soviel zum ersten Teil Gedichte in poet nr. 6. Wer die Angel im Teil Geschichten auswirft, findet zum Dreigestirn, denn die Klassiker Friedrich Nietzsche, Richard Wagner und Karl May bilden eine sächsische Dreierbande, die unsere 99 Fragmente von Anfang an strukturbildend zusammenhalten. Keinem ist ganz zu trauen, jeder ist genial, also verrückt und zugenäht, alle drei gehören der Welt, mit soviel Pleißenwasser getauft, dass sie lebenslang Wein brauchten, den Durst zu löschen. Nachdem der junge Goethe zum ersten Mal in der Pleiße gebadet hatte, eilte er in Auerbachs Keller und schrieb das schönste Faust-Kapitel, in dem alle so besoffen sind, dass sie unentwegt singen: Politisch Lied – ein garstig Lied. Soweit die Prophetie des Dichters, der in Leipzig Frankfurt überwand, um für Weimar strukturbildend zu werden. Ich aber probe die Wiedergeburt Sachsens und kehre zu poet nr. 6 Abteilung Geschichten zurück: Sie stammen aus Bochum (Jana Scheerer) Hamburg (Nils Mohl) Leipzig (Jayne-Ann Igel) Bern (Christian de Simoni) Steyr (Christina Maria Landerl) Jowa (Ann Cotten) ohne Geburtsort (Jasmin Herold: Weiterlaufen … die Pauke gibt den Takt an …)
Leipzig ist Startplatz wohin? Ich singe die verdrehte, unter­schlagene, viel­verschwie­gene Geschichte der Sachsen, die unter dem DDR-Schutt, der erst danach aufgehäuft wird, das Abenteuer, die gebotene Chance, das gelebte Leben suchen. Die DDR war ein Groß­sachsen. Der Versuch, die geschlagenen Preußen zu rekonstruieren. Es waren zu viele Zwerge dabei. Und ringsum die kanni­balischen schwarzen Zyklopen. Das poetenladen-Gedicht reicht von einer Leipziger Buchmesse zur nächsten. Dazwischen Herbst­buchmesse in Frankfurt, wo am Main die Kalten Kriegs­gewinnler den Lohn einstreichen. Leipzig – das Lesefest der 1000 DichterInnen, in Frankfurt Verträge, Vorschüsse, Honorare, Nachschüsse, nur Unselds Witwe begeht Suhrkamps Fahnenflucht vom eingeschwärzten Kochriesen ins rötlich-rote Berlin und ein Genossen­rest, der die Ränge der Arena füllt, grinst zum letzten Gefecht der Gladiatoren. Letzte Ausfahrt Bockenheim Richtung Friedrich­straße? Was ist Berlin ohne seine 5. Besatzungs­macht? Warum die Flucht von Frankfurt nach Berlin statt nach Leipzig? Was wurde aus den Tausenden junger Köpfe, die einst bei Hans Mayer im Hörsaal 40 der Karl-Marx-Universität Literatur tankten, bis es ihnen aus den Ohren überlief. Zur Messe liest Leipzig sich was vor. Pilot­projekt LESESTART – Leselust statt Lesefrust – wie steht's um die Jugend und unsere lieben Kinder? Mehr Frust als Lust? Zum Beispiel Waltraud Seidel, Germanistin und Literatur­pädagogin aus dem sächsisch-thüringischen Umland, von der Leipziger Uni-Schule geprägt, was waren das für Zeiten, hält auf der Messe ihr Kinderbuchquartett vor die Kamera: Jungen und Mädchen erfassen spielend die Einheit von Buch und Autor. War ihnen Das fliegende Klassen­zimmer oder Das doppelte Lottchen bisher nur als Film aus dem Fernsehen bekannt, zeigt das Quartettspiel mit Autorenfoto und Buchcover die Adaptionsvorlage. Die Umkehrung des Weges, nun vom Film zum Buch ist nicht schwer. Entscheidend ist, dass Interesse für das Buch geweckt wird. Die Titel werden beim Spiel immer wieder erfragt. lch möchte von Erich Kästner Pünktchen und Anton. Titel und Verfasser prägen sich ein. Der Gedanke, das Gedruckte könnte auch lesenswert sein, programmiert den Weg vom Spiel zum Buch.
Waltraud Seidel | Gesänge auf dem Markt
Waltraud Seidel
Geschichtenerzähler von A-Z
Ein kleines Lexikon der Kinderbuch­autoren
Zwar schillert der schier unübersehbare Kin­der­buchmarkt in den leuch­tendsten Farben, die Kinder­hände schnell zum Zugreifen bewe­gen. Vieles davon aber bleibt nach den ersten Blicken ungelesen liegen. Dabei sind es gerade die jüngsten Schul­kinder, die stolz ihre soeben erlernten Lese­fähigkeiten beweisen möchten. Gern helfen Lehrer den lese­interessierten Schülern, deren Eltern oder Großeltern mit Tipps zur Lektüre­auswahl oder zum Buchkauf. Ein passendes Nach­schlage­werk für Grund­schulkinder aber sucht man vergebens.
Dabei gibt es Kinderlexika in Hülle und Fülle. Alles ist zu finden für kleine Techniker, für Fahrzeug- und Flugzeug­begeisterte. Mehr noch für Natur­wissen­schaftler in spe, aber auch für junge Historiker oder Archäologen u.v.m. Bisher hat sich noch kein deutscher Kinderbuchverlag mit einem Nachschlagewerk seiner doch ureigensten Thematik, der Kinderliteratur angenommen. Zudem ist die Zahl der kleinen Leseratten und Bücherwürmer, vielleicht sogar Geschichten­schreiber sicher nicht gering. Also bietet Waltraud Seidel ein handliches Lexikon mit dem Titel GESCHICHTENERZÄHLER VON A – Z an. Die Leseratten im Grundschulalter erhalten Einblick in Leben und Schaffen vorrangig deutschsprachiger Erzähler, angefangen von den Märchen­sammlern und Märchen­schreibern des 18. und 19. Jahrhunderts. Schwerpunkt bilden die deutschen Gegenwartsautoren, aber an den bei unseren Kindern so beliebten Schweden Astrid Lindgren und Sven Nordquist oder gar an J.K. Rowling führt kein Weg vorbei. Die Auswahl der vorgestellten Kinder­buch­autoren stützt sich auf Lesebuch­analysen. Das ermöglicht literarisch interes­sierten Schülern, ihr Wissen selbstständig zu ergänzen. Schließlich ist in den Grundschul-Lehrplänen auch die Arbeit mit Nach­schlage­werken als Ziel formuliert. Pädagogen, denen die literarische Bildung und Erziehung ihrer Schüler am Herzen liegt, werden im Unterricht gern darauf zurückgreifen.
Ein Projekt wie das Kinderbuchlexikon der einstigen KMU-Studentin Walttraud Seidel skizziert die Basis der Leipziger Schule, deren Bildende Kunst in alle Welt ging, während der verbale Überbau, geschaffen durch Philosophie und Literatur, nach 1945 erst gefördert, bald beschädigt worden ist. Stattdessen war Parteipolitikkultur gefordert als wäre sie nicht ein von dumpfer Erhabenheit strotzender Widerspruch in sich. Das führte zum jubilierend-traurigen Ende von 1989. Danach begann die noch dümmere Erhabenheit der Politiker, die den Sachsen beizubringen suchen, dass sie keine oder falls doch nur üble Vergangenheiten aufzuweisen hätten. Da lacht höhnisch der Nietzsche, Karl May taucht im Silbersee nach Gold und Richard Wagner reißt das Bayreuther Festspielhaus mit Pauken und Trompeten ein. Goethe aber lässt sich zum zweiten Male mit Pleißenwasser taufen und unsere tüchtige Literaturpädagogin wird schwerlich einen Verlag für ihr Kinderbuch-Lexikon finden, solange sie nur humanistische Autoren präsentiert, die für kommende Kriege erziehenden Literaten aber, die heute wieder verlangt werden, konsequent aussperrt.
Poet nr. 6, das Magazin des poetenladens enthält auch Edelsteine aus der Ferne. Iain Chrichton Smith mit – Wenn ich die Literatur meines Volkes lese denk ich wir haben keinen Homer – Kunst wird von denen bestimmt, die nicht schöpferisch sind, Religion wird von denen bestimmt, die nicht lieben … Der Poet stammt aus Glasgow, Tod im Jahr 1998. Smith lebt für den Leser pleißenwärts weiter wie Helmut Seidel, der sich energiegeladen telefonisch aus Leipzig bei mir meldete, als ich gerade einen flinken Herzinfarkt zu überwinden suchte, von dem der Onkel Doktor meinte, es sei schon mein zweiter. Geheilt oder nicht, unheilige Wochen später wieder daheim rufe ich in Leipzig an. Helmut Seidel soeben verstorben. Brief vom 10. 8. 2007 aus dem Taunus an die Witwe nach Sachsen: „Liebe Frau Jutta Seidel, als Helmut letztes Mal anrief, laborierte ich an einem Herzinfarkt. Es sah so aus, als werde er hier bald kondolieren. Jetzt sagen wir Ihnen unser Beileid. Was bleibt, stiften die Philosophen.
Gerhard Zwerenz, Ingrid Zwerenz“
Helmut Seidel
 Helmut Seidel
Karlen Vesper über den Verstorbenen: „Der am 21. Juni 1929 in Schlesien geborene Sohn eines Zimmermanns, über 30 Jahre Dozent an der Leipziger Karl-Marx-Universität und seit 1995 Mitglied der Leibnitz-Sozietät e.V., war in den 60er Jahren mit der von ihm aus­gelösten ›Praxis-Diskussion‹ unter Revi­sionis­mus­verdacht geraten. In den 70er Jahren leitete er eine inter­nationale, viel­beachtete Spinoza-Konferenz. In den 90er Jahren hat er mit seinem Wissen wesentlich die Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen be­rei­chert.“ Helmut Seidel: „Uns, die wir nicht leicht­fertig unsere achtungs­werten Jugendträume auf den Müll­haufen der Geschichte werfen wollten, wurde Illusion und Utopie vorgeworfen.“
poet nr. 6 ist ein neues Zeichen kultureller Strukturbildung. Leipzig zentrifugal oder/und zentripetal. Zieht an, stößt ab. Weiß nicht. Die Mischung macht's? Etwa alt und jung. Buselmeier geb. 1938 lebte und stilisierte schon zu Heidelberger APO-Zeiten als wären Georg Lukács und Ernst Bloch noch bei Max Weber am Neckar präsent. Mayröcker (1924) ist Wiener Blut ohne Kaiserwalzer, Dagmar Nick (1926) kommt aus Breslau vorbei, das ist Geschichte, heißt Wrozlaw und wird mit Einsteins Segen so zeitlos wie der Raum raumlos. Nur Erika Steinbach steht als ewiger Raum-und-Zeit-Flüchtling am Main im Wege herum. Mephisto: Wir sehn die kleine, dann die große Welt! Faust: Wohin soll es nun gehn? Mephisto: Wohin es dir gefällt! Erika, zweijährig aus Polen geflohen, singt: Polenland ist abgebrannt. Mephisto: Folg nur dem alten Spruch und meiner Muhme, der berühmten Schlange. Soviel zur architektonischen Reichweite von poet nr.6 – die magische Macht des Wortes erblüht im Auge des Lesers.
Gerhard Zwerenz | Gesänge auf dem Markt
Helmut Seidel
SPINOZA
zur Einführung
Junius 1994

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Es gibt eine Helmut-Seidel-Gemeinde. IN MEMO­RIAM Seidel finden sich Abschiedstexte von Prof. Dr. Hans Berger (Schwielowsee) Prof. Dr. Steffen Dietzsch (Berlin) Dr. Andreas Eichler (Niederfrohna) Prof. Dr. Hans-Martin Gerlach (Leipzig) Hertha und Herbert Grune­wald (Leipzig) Norbert Gustmann (Berlin) Prof. Dr. Sieg­fried Kätzel (Leipzig) Prof. Dr. Klaus Kinner (Leipzig) Prof. Dr. Hermann Klenner (Berlin) Dr. Wilfried Lehrke (Weimar) Prof. Dr. Reinhard Mocek (Halle) Prof. Dr. Manfred Neuhaus (Leipzig) Dr. Monika Runge (Leipzig) Prof. Dr. Martin Schlegel (Leipzig) Christian Schlüter (Frank­furt am Main) Dr. Heinz Sonntag (Magde­burg) Karlen Vesper (Berlin) Heinz Vietze (Potsdam) Prof. Dr. Manfred Walther (Isern­hagen) Prof. Dr. Dieter Wittich (Altlands­berg OT Bruch­mühl) Dr. Evelin Wittich (Berlin)
Das sind lauter Profs und Doktores sowie drei Unbetitelte zumeist aus Sachsen, Schlesien, Berlin, Sudetenland und was sich alles an der KMU zum neuen Anfang traf. Fehlte nur die Poetik der Politbüroklasse.
Helmut Seidel: „Eine Niederlage muss nicht mit einer moralischen Krise verbunden sein. Die unsrige ist es. Ja mir scheint, dass die moralische Krise die schmerzhafteste unter allen anderen ist. Arbeitslosigkeit – ich bin dabei, diese Erfahrung zu machen – ist ein übel Ding. Aber mit gefestigter Moral kann man ihr widerstehen. Ist aber die Moral im Eimer, ist alles im Eimer …
Die Gründe für die moralische Krise Iiegen auf der Hand; Besudelung unserer Ideale, Verball­hornungen der Theorie und eine Praxis, die mit verbreche­rischen Prak­tiken durchzogen war. Die Reinigung unserer Ideale, die Befreiung der marxistischen Theorie von allen Dogmen und ihre Überprüfung anhand gemachter Erfahrungen und die Gestaltung einer Praxis, die auf humanistischen und demokratischen Werten gründet, das scheinen mir die Aufgaben, vor die wir gestellt sind.“
Zur Leipziger Buchmesse 1955 las Ludwig Renn aus seinem Buch Krieg. Mit Siegfried Pfaff, dem späteren DDR-Hörspiel-Experten, saß ich so an- wie aufgeregt im Publikum und erlebte einen zurückhaltend-freundlichen Schrift­steller. Eine Ausgabe seinen Buches Krieg, Frankfurter Sozietäts-Druckerei, 1929, 81. – 100. Tausend befindet sich noch heute in unserer Hausbibliothek. War die Weimarer Republik ein Leseland? Für mich als Schulkind schon. Renns Krieg hatte den Jungen genau lesen gelehrt. Ab 1933 musste ich die Kenntnis dieser linken Bücher verschweigen. Was im Dritten Reich verfemt war, wurde sorgfältig versteckt, die Namen von Renn, Arnold Zweig, Remarque nicht mal geflüstert. Die Erinnerung an die Leipziger Lesung überstand ein halbes Jahrhundert ohne die geringste Trübung. Heute sind Kommunisten wieder in Verruf. Vieth von Golßenau alias Ludwig Renn steht mir aufrecht vor dem Völker­schlacht­denkmal, das hinter ihm kläglich verschwindet. So korrigieren Menschenbilder fatale Architekturen.
Das anderthalb Dutzend akademischer Damen und Herren am Grab ihres Kollegen und Lehrers Seidel ergibt eine Auswahl jener DDR-Intelligenz, die das Land noch heute kennzeichnet – lauter Ostdeutsche. Der westlichen Intelligentsia war der östliche Teil sowieso immer schnuppe. Politisch Lied – ein garstig Lied!
Und noch mal aus poet nr.6: Michael Buselmeier: Laß uns wieder von der Folter Gebrauch machen, Bischof – Schandrad und glühende Stiefel. André Schinkel: Die Bäume im Rosental träufen, der Regen verzieht sich nur langsam und gibt unsern Schutz preis. Wo ist Schutz? - meinem Pseudonym Gert Gablenz geht die Trauer etwas zu weit. Stell dir ein Dutzend Wessi-Philosophen am Grab eines ihrer Professoren vor, sagt Gablenz. Und ich: Zu viele waren auf ihre Weise am Untergang des versuchten Sozialismus beteiligt. Beide Gruppen erleben verblüfft die Weltkrise des totalitären Kriegskapitalismus.
Darauf der ewige Glosseur: Auf zum Dritten Weg …
Anmerkung für Zahlen­mystiker: Diese Folge fußt auf 22 Texten aus poet nr.6 und 23 Stücken aus IN MEMORIAM Helmut Seidel. Die Differenz aus­zugleichen füge ich mich hinzu, auf dass keiner vergessen werde, der den Innenraum trotz Zyklopen­herrschaft bewohnbar zu machen versucht.
Menschliche Kultur

Kultur ist:
Armeen aufstellen zur Verteidigung.
Fremde Ländereien erobern.
Die Männer umbringen.
Die Frauen vergewaltigen.
Die Kinder abstechen.
Frieden schließen.
Siegreich heimkehren.
In den Museen verzückt die
Bilder der alten Meister bewundern.

Und nun das Ganze nochmal von vorn.

(Venusharfe 1985)

Das nächste Kapitel erscheint am Montag, den 30.03.2009.

Gerhard Zwerenz   23.03.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz