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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | 8. Nachwort

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

8. Nachwort

Der Krieg als Badekur?  (Hindenburg)

 
Mein Bericht aus dem Landesinneren – City Strecke Siedlung (S. Fischer, 1972) enthält viele Bilder von Fiebigs Foto-Safari durchs damalige wilde von Revoluz­­zern bevölkerte Frankfurt, inklusive ordnungspolitischer Betreuung ... “



Gerhard Zwerenz
Bericht aus dem Landesinneren
City – Strecke –Siedlung
S. Fischer (1972)
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Der Entzug des Titels, als Degradierung von Bad Gablenz zum bloßen Ort ohne Bad, was nicht heißen sollte, es werde in Gablenz nicht gebadet, wogegen schon die prächtigen beiden Dorfteiche sprächen, an deren Ufern ich meine frühe Kindheit verbrachte, diese im Nachwort 6 unter dem Titel „Idylle mit Wutanfall“ ausgesprochene Abwertung setzte eine Anzahl Mails in Bewegung, die bei uns im Taunus eintrudelten:
Hallo Ihr Tauniden,
mir brummt der Schädel noch etwas, habe den Poetenladen besucht und soviel gelesen über Bad Gablenz, Militärvereine (und sowas gibt's tatsächlich wieder, irre!), Wallraf, die FAZ und den Lügen-Fest, den Lesungsbericht, das Interview (hatte die Margot wirklich was mit Biermann?), war auch wieder in Auerbachs Keller in der Mädler-Passage (0h Gott, einstens von Schneider so schön renoviert) und dann die vielen vielen Fotos von Euch, grad' schön wars! Ja, ich kann nicht immer alles so behalten aber habe ja die Gelegenheit, immer wieder mal reinzulesen. In der Tat, das Online-Buch ist eigentlich ideal, so direkt und aktuell, das Tagesgeschehen kann sofort verarbeitet und verbunden werden mit Vergangenem, so könnt Ihr weiterschreiben ohne Ende. (Marjolie Funke, Amsterdam)
Gerecht finde ich das nicht dem Gablenz das „Bad“ abzusprechen, das Du ihm zuerkanntest in der Freude über sein frisches Grün vor und um eine idyllische Teichlandschaft. Würden alle einst so geadelten Orte aufgrund ihrer unrühmlichen Vergangenheit derart abgestraft, Deutschland, wo blieben deine Bäder?!!!
Zugegeben, beeindruckend geschrieben hat er, der Crimmitschauer, der nun in der westlich gelegenen Fremde den künstlerischen Unruhestand verbringt. Auch dass er im Poetenladen blättert, macht ihn sympathisch. Aber wer schickte Dir das vermaledeite Militärvereinsfoto? Wie Dich das umgestimmt hat, will mir nicht in meinen Kopf. („Sturkopf“ – wie ihn mein Vater bevorzugt nannte) Wir sahen und empfanden die Gablenzer Parkidylle als den friedvollen Ort Deiner Kindheit, durch den es sich erholsam spazieren lässt. Quasi BAD-gerecht!
(Waltraud und Heinz Seidel aus Tegkwitz unweit der Pleiße)
Lieber Gerhard Zwerenz.
Lassen Sie bitte Ihr Bad Gablenz am Leben. Diese fischelanden Sachsen machen doch seit dem ersten Tag der Möglichkeiten ihre Häuser und Garten schön, damit Besucher Freude an diesem kleinen Dorf haben sollen, in dem alle Schattierungen menschlicher Schwächen und Stärken versammelt waren und sind. Die freuen sich doch jedes Mal, wenn sie sich treffen können und noch gesund sind und einen gefunden haben, der sie aufwertet. Halten Sie es in diesem Fall mit den Osterreichern, „sans mer fesch un vergessen mers“. Hinter jeder Unmenschlichkeit, verbirgt sich die Seele eines geschändeten Kindes, das mit dem Glanz der Neugier in den Augen, Vertrauen suchte und bitter enttäuscht wurde.
Herzliche Grüße auch an Ihre Frau vom unverschämten Dieter Schwager

 GABLENZ: Bad oder nicht Bad, das ist hier die Frage.

Die Frage ist natürlich, ob ich meinen Wutanfall zurücknehme, bereue oder verstärke. Ließe sich nicht auch wollüstig von Bad Crimmitschau (Sahnbad) oder Bad Leipzig (Bad Tiefensee) sprechen, wo Napoleon in der Elster, Goethe, Nietzsche und Richard Wagner tatsächlich im Flüsschen aus dem Erz­­gebirge / Vogtland plantschten? Als Sachsen einst mit Belgien um den industriel­­len konti­­nental-euro­­päischen Spitzen­­platz rang, war ein Bad in der Pleiße selbstm­­örderisch. Wenn Sachsens Weiber ihre ungetreuen Manns­­bilder in die Pleiße stießen, wurden sie wegen Giftmord verurteilt und ebenfalls im Fluss versenkt. Anders heutzutage. Seit dem stillgelegten sächsi­­schen Uran­­abbau gilt Pleißen­­wasser als radium­­haltig, therapeutisch bewährt, le­­bens­­ver­­längernd, wirtschafts­­förder­­lich. Indessen kommt in Leipzig immer weniger Wasser an, weil die Ameri­­kaner hinter Ponitz der Pleiße Wasser abgraben, zwischen Werdau und Crimmitschau aber sieben emsige Chinesen die Pleiße auf Flaschen abfüllen. Argwöh­­nische Landes­­politiker befürchten schon Wasser­­kriege ums Pleißenland. Auch heißt es, der legendäre Sachsen­­sumpf sei Folge illegalen Abzapfens, mit dessen Hilfe die Wasser von Elster, Pleiße, Mulde, Chemnitz, Zschopau schon in der Zwickauer Gegend Richtung Elbe abgeleitet würden, damit Dresden wieder flüssig werde, statt aufs unbe­­rechen­­bare Hoch­­wasser angewiesen zu sein.
Mephisto betrieb für Nietzsche das fällige Provo­­kations­­gewerbe, ganz so als hätten schon Ende des neunzehnten Jahr­­hunderts die heutigen Fern­­seh­­spaß­­kotz­­brocken Konjunktur gehabt. Wir kehren damit zur Kafka-Tür in Auerbachs Keller zurück. Laut Türwächter herrscht dahinter Helligkeit. Fragt sich, ist das Durchblick oder Blendung. Ist's Eingang zum Spiegel­­saal, zum Röntgenraum, zur astro­­nomischen Kuppel mit Fernrohr ins Weltall oder in die Anatomie zum Pathologen mit den scharfen Messerchen, um die Leich' zu erforschen? Ist's Analyse des bloßen Skeletts mit Seelen­­striptease? Was bist du – was bin ich? Tat twam asi, du nacktes Arschloch – merk dir: Duck dich so lange, bis du andere sich ducken lassen kannst. Diese Seelen­­park­­plätze, schau um dich, diese Seelen­­parkplätze grenzen an die majestätisch modernis­­tischen Hoch­­häuser für Blasen­­kranke: Wenn Blasen platzen gesunden Millionäre zu Milliardären. Wer will noch Millionär werden, wenn's um Billionen geht. Wer schafft die erste Billiarde. Unendlicher Aufstieg von einer Blase zur nächsten. Gregor Gysi bei Madame Maisch­­berger zu Prof. Sinn: Sie bliesen die Blasen bis zum Platzen auf! Antwort des Professors: Da hieß ich noch Unsinn. Die Vorsilbe hab ich getilgt. So lässt in der Werte­­gemein­­schaft die eine Blase der anderen die Luft raus oder sie platzen gemeinsam. Jetzt aber bricht in den obersten Bankhoch­­haus-Etagen der Kommunismus aus. Jeder nach seinen Bedürfnissen. Die sind global und astro­­nomisch. In den unteren Stockwerken schuften die kleinen Millionäre, bedroht vom Arbeits­­platz­­verlust, auf der Mindest­­lohn­­ebene dahin, bis sie mit 67 mit ihren paar abge­­zweigten Goldbarren in ihren Villen verdarben müssen – Lesefehler, muss heißen verderben. Und das alles hinter Kafkas Tür in Auerbachs Keller.
Am Abend des 10. Dezember im ZDF bei Maybrit Illner illustre Gäste: Theoderich von und zu Guttenberg schützt seine weichen Korrekturen mit neuen Papiersäbelhieben. Jürgen Todenhöfer hält tapfer die Pazifistenfront gegen einen Tarzan-Typ, den Bodybuilder und Schauspieler Ralf Müller, der in den USA Schwarzenegger ablösen wollte und nun den ständigen KdF-Trup­­pen­­betreuer in Afghanistan gibt. Unser alter Freund SPD-Egon Bahr plauderte aus dem Willy-Brandt-Zigaret­­ten­­etui, warnt gemeinsam mit CDU-Toden­­höfer vor einem Ende wie im Vietnam­­krieg und wird vom deutsch­­britischen Kriegs­­lohn­­schreiber Alan Posener, der unter völligem Gehirn­­funktions­­verzicht zu feixen versteht, mit der christlichen Parole gekontert: „Es muss in Afghanistan gesiegt werden!“ Nun ja, der Schreib­­tisch­­held war als junger Mann maois­­tischer KPD-Kader. Da muss Buße sein statt Muse. Ungeklärt blieb, ob Frau Illner sich im Kriegs­­geschrei an ihre friedliche Aus­­bildungs­­stätte im Roten Kloster Leipzigs zurückerinnert. Damals flüchteten die sowjetischen Freunde aus Afghanistan ohne die DDR-Volksarmee zur Hilfe zu rufen, während unsere ameri­­kanischen Freunde heute ums Verrecken nicht auf deutsche Bundes­­wehr­­kameraden verzichten mögen.
Der Friedens­­nobel­­preis­­träger Obama ruft zum Kampf. Nobel erfand das zugehörige Dynamit. Die Deutschen führten schon zwei Weltkriege und verloren sie. Die Amerikaner schlichen sich siegreich fort aus Vietnam. Im Irak sind sie noch beim Rückzug und in Afghanistan werden sie ebenso gewinnen wie vordem die Engländer und Russen, da wollen wenigstens die deutschen Helden mal wieder dabei sein, wenn's schiefgeht wie einst von Moskau bis Leningrad und Stalingrad. Gelernt ist gelernt. Alle singen: Uns ist ganz kanni­­balisch wohl, Als wie fünfhundert Säuen! (Goethe Faust)
Der letzte DDR-Vertei­­digungs­­minister und General Heinz Kessler hält den 20. Moskauer Parteitag von 1956 mit Chruschtschows Rede gegen Stalin für einen revisionis­­tischen Anfang der Niederlage. Kessler war im Juli 1941 von der Wehrmacht zur Roten Armee desertiert. Leider folgten ihm die deutschen Soldaten nicht. Wenn die Deutschen einig sind, ziehen sie keck in den Krieg. So brachten sie bis 1945 fünfund­­zwanzig Millionen Russen den Tod.
Kesslers Ein­­schätzung Chruschtschows ist verständlich, aber verkehrt. 1993 verurteilte ihn das Berliner Landgericht, bestätigt vom BGH, zu sieben­­einhalb Jahren Haft wegen seiner „unmittelbaren Täterschaft“ als DDR-General. Warum erhielten die Wehr­­machts­­generäle für ihren Angriff von 1941 keine Strafe wegen „unmit­­telbarer Täterschaft“? Die Geschichte ist ungerecht. Die Herren siegten 1941, wurden 1945 besiegt und siegten 1993 mit Urteilen wie dem gegen Kessler, der sich 1941 als Wehr­­machts­­soldat gut und tapfer entschieden hatte. Als DDR-Minister und General handelte er auf sowjetische Weisungen hin richtig, im Weltmaßstab jedoch falsch. In seiner Ein­­schätzung erkennt er die strate­­gischen Fehler von KPdSU und SED auch heute noch nicht. Moralisch-ethisch aber steht er haushoch über den befehls­­habenden Generälen, die 1939 und 1941 in den Vernichtungs­­krieg ostwärts zogen.
Am Ende des 7. Nachworts wurde versprochen, den Kriegsbefürwortern von Cora Stephan bis Henryk M. Broder noch einige Sätze zu widmen. Bei Broder genügt der Verweis auf unsere Folge 24. Zu Frau Stephan gibt's ein Zitat aus Links und lahm, Carlsen Verlag Hamburg 1994: „In diesem Kapitel gingen wir vom Phänomen jener Linken aus, die sich von Pazifisten zu Bellizisten wandelten; natürlich wollen sie immer nur Hilfsbedürftigen helfen. Tatsächlich gaben die Frei­­willigen ein Beispiel, die im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco zur Waffe griffen. Ich vermag nur zu achten, wer nicht andere in den Krieg entsendet, sondern selbst in den Kampf zieht. Das gilt, wegen der gleichen Berechtigung, auch für Frauen, und so sehe ich nicht ohne Wohlwollen, wenn auch nicht ganz frei von Schadenfreude (ganz klein wenig nur), den Tag kommen, an dem die Rekruten Biermann, Enzensberger, Broder, angeführt von Hauptmann Cora Stephan, zu Nahkämpfen auf den Balkan, nach Afrika oder Indien abfliegen, um die inzwischen aufgeriebenen Kriegs­­frei­­willi­­gen­­kompanien des Majors Cohn-Bendit auf­­zufrischen.“
Diese Sätze entstammen dem Kapitel Die zweimalige Einmaligkeit, wo allerlei Gestalten benannt werden, die aus lauter Freiheits- und Friedensliebe für jeden Krieg votieren, der ihnen nützt, bis es tatsächlich kracht und sie wieder auf Lessings Ringparabel und Tucholskys Antimilitarismus zurückgreifen. Die neuen Kriege begannen bald nach dem Mauerfall, als eine Friedens­­dividende versprochen wurde, die Waffenproduktion sich vervielfachte und die alten Krieger- und Militär­­vereine frisch erblühten. Nachschub kam aus bis dahin grünen, gar linken, wo nicht maoistischen Gefilden, was die Militarismus­­fratze zur Soldatinnen­­pose der Bomberpilotin stilisierte. Vernichtung wird wieder zur modischen Vokabel, Einsatz das Unwort des Jahres. Den Nobelfriedenspreis gibt's für Eskalationen. Man wird doch noch ein wenig bomben dürfen. Die Nobel­­literaturpreis­­trä­­gerin ist auch wie Peter Struck für den schönen Krieg am fernen Hindukusch. Demnächst wird wohl Carl von Ossietzky der Friedens­­nobelpreis aberkannt. Wir sind wieder normal.
Was ist bloß mit der FAZ los? In letzter Zeit setzt es dort vernünftige, mitunter sogar vorzügliche Artikel. Buch­­besprechungen ohne Russen­­hass. Wirtschafts­­analysen mit hierorts bisher verfemten Einsichten. Bald bleibt ein DDR-Politiker unbeschimpft, bald gibt's einen sakralen Text über Trotzki. Am 11.12.09 eine ganze Seite von Franz Walter: „Die Not der SPD begann viel früher“. Wieviel früher? Der Politik­­wissen­­schaftler ist an der Göttinger Uni Doktor und Professor gar und hat trotzdem Wichtiges zu sagen. Wollte die SPD ihm folgen, bliebe ihr nur Auf­­lösung mit Übertritt zur Linken, die bisher zumindest noch ungescheut gegen den anlau­­fenden 3. Weltkrieg votiert. Aber: „Wer Afghanistan nicht den Taliban überlassen will, muss eine Antwort auf sie geben.“ (Cora Stephan) Das hörten wir schon beim Viet­­namkrieg. Die Antwort bestand im US-Abzug. Und die großmächtige UdSSR verdrückte sich dann aus Afghanistan, wohin die Amerikaner sie gelockt hatten. Dafür lockten die Russen bald die Amis nach Afghanistan und die Deutschen folgen ihnen beflissen in den Schlamas­­sel.
Das antike Rom hielt sich für Gefahren­­situationen seine kapito­­linischen Gänse. Unsere eleganten Gänse und ihre ton­­an­­gebenden Gänseriche schnat­­tern falschen Alarm. Die christliche Zeitgeist-Moderne steckt voller Über­­raschungen. Der eine Minister tritt zurück. Der zweite schmeißt andere raus und schrumpft auf halbe Größe ein. Wer weiß, was der christlichen Kanzlerin bevorsteht. Vielleicht tritt Gott bald zurück. Dass ich Bad Gablenz den Bad-Titel streiche, liegt nicht allein am wiederauferstandenen Militärverein. Steht eine Bank heute vor der Pleite, gründet sie eine Bad Bank, in der sie ihren Giftmüll lagert. Das will ich meinem Geburtsort nicht antun. Fröhliche Weih­­nachten also. Fröhliche Weihnachten? In Folge 91 erinnerten wir an die am 13. 8. 09 von der FAZ gemeldeten 136 Mauertoten der Jahre 1961 – 1989. Laut „Recherchen eines vom Bund geförderten Forschungs­­projekts können 125 Opfer an der Berliner Mauer nachge­­wiesen werden.“ So der aktuelle Stand. Wir schrieben:„So etwas und noch mehr erledigte Hitlers Deutschland in einer einzigen Nacht. Das ist die Differenz zwischen der 1. und 2. Diktatur. Von der Verursachung der 2. durch die 1. abgesehen.„Tatsächlich wurden in der Nacht vom 7. zum 8. September 1943 in Plötzensee im Namen des deutschen Volkes 185 Antifaschisten hingerichtet. Die „bis zu 140“ neuen Toten des durch einen Bundes­­wehr-Oberst befohlenen Bomben­­angriffs von Kundus liegen etwa in der Mitte von 185 und 125 Opfern. Die Täter scheint die göttliche Unschuld von Vater­­lands­­verteidigern zu verbinden. Also doch: Fröhliche Weihnachten.
Am 11. Dezember 09 meldete Neues Deutschland den Tod von Eberhard Fiebig: „Eisenmann … letzter Künstler des Eisen­­zeit­­alters … monu­­mentale Stahl­­skulpturen … Groß­­plastiken … schwerste Stahl­­skulp­­turen Euro­­pas … Tor des irdi­­schen Friedens vor der Universität Kassels.“ Gerade war Alfred Hrdlicka übern Jordan gegangen. In Frankfurt hatte ich ihn zur Wehr­­macht­­aus­­stellung als „Stein­­fresser“ begrüßt, dabei Fiebig zum „Stahl­­fresser“ ernannt, um mich selbst als bloßen Wort­­fresser anzuschließen – Hrdlicka also von hinnen und gleich darauf Fiebig? Potz­­blitz, am 14. Dezember widerruft das gespenstisch bewusst­­seins­­erwei­­ternde ND Fiebigs Tod. Ein trium­­phales Dementi. Mein Bericht aus dem Landes­­in­­neren – City Strecke Siedlung (S. Fischer, 1972) enthält viele Bilder von Fiebigs Foto-Safari durchs damalige wilde von Revoluz­­zern bevölkerte Frankfurt, inklusive ord­­nungs­­politi­­scher Betreuung – ein Polizist hob Fiebig für­­sorglich den Helm vom Kopf, der zweite zog ihm den Knüppel übern Schädel. Aben­­teuer eines Kamera­­profis, der dann zur Kunst aus Aluminium und Stahl flüchtete. Das Leben in der Freiheit härtet die Herzen. Irgend­­wo schrieb ich darüber und finde jetzt noch im Haus­­archiv an die hundert Fiebig-Straßen­­kampf­­fotos.
Gerhard Zwerenz
Der Mann,
der seinen Bruder rächte
Roman
Pabel-Moewig Verlag, 1984
 
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Ach ja, mein Bändchen von anno­­dazumal sagte voraus, was kommen musste, wurde zum Buch des Monats gewählt und was es an gele­­gent­­lichen Kuss­­händ­­chen gibt. Heute ist es, sehe ich beim Nach­­blät­­tern, ein Schatz­­käst­­lein der 70er Jahre und Fund­­büro für frühe Analysen. Da ich dann lange Zeit Fiebig weder traf noch mit ihm redete, beschrieb ich ihn in einem Roman, in den viele seiner Er­­zäh­­lungen ein­­gingen, Titel: Der Mann, der seinen Bruder rächte. Das Buch, eine TB-Origi­­nal­­aus­­gabe, ist ein anti­­nazis­­tischer Künstler­­roman ohne jedes Antifa-Kli­­schee. Das glaubte ich dem Eisen­­fres­­ser schuldig zu sein. Zwei Kino­­produ­­zenten wollten einen Film draus­­machen. Ein bra­­chialer Künstler­­krimi und auch noch gegen alte wie neue Braune? Sowas mit­­ten im satu­­rierten west­­deut­­schen Vater­­land? Die Pläne platzten, was mich fast gar nicht wunderte. Da Eberhard Fiebig zum Glück nichts weniger als tot ist, sei der frühe Kampf­­genosse gegrüßt mit dem Abdruck der letzten Roman­­seite – reale Fiktion und irre Realität wie seine über­­lebens­­langen Stahl­­konstrukte:

Ein weiteres Nachwort ist für Montag, den 04.01.2010, geplant.

Fotos zur Lesung mit Gerhard Zwerenz aus der Sächsischen Autobiographie am 19.11.2009 im Haus des Buches, Leipzig   externer Link

Lesungs-Bericht bei Schattenblick  externer Link

Interview mit Ingrid und Gerhard Zwerenz
bei Schattenblick  externer Link

Gerhard Zwerenz   21.12.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz