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Gerhard Zwerenz
Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte

Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | Folge 61

Dies ist eine sächsische Autobiographie als Fragment in 99 Fragmenten. Schon 1813 wollten die Sachsen mit Napoleon Europa schaffen. Heute blicken wir staunend nach China. Die Philosophen nennen das coincidentia oppositorum, d.h. Einheit der Widersprüche. So läßt sich's fast heldenhaft in Fragmenten leben.

61

Denkfabrik am Pleißenstrand

In der Neuen Zürcher Zeitung vom 28.10.04 besprach der Publizist Karl Corino Band 1 der Geschichte der deutschen Exil­literatur von Hans Albert Walter. Der Rezensent macht die von Hitler vertriebenen Autoren ebenso verant­wortlich für das Dritte Reich wie die, »welche im Lande bleiben konnten oder wollten.« Ob dieses schnöde Urteil von Walter oder Corino bzw. von beiden zu ver­ant­worten ist, stehe dahin. Anders im Fall des Ernst Bloch, der in seiner Exilzeit während des Ersten Welt­krieges laut Corino »in Bern insgeheim Lohn­schreiber der Franzosen war«. Auf meinen Bloch-Artikel im Neuen Deutsch­land vom 2./3. Juli 05 hin wiederholte Dr. Corino per Leser­brief vom 25. Juli seine Vorwürfe, denn Bloch sei im Schweizer Exil 1917/18 für seine Mitarbeit bei der Freien Zeitung, einem »Propa­ganda­blatt der Entente« so honoriert worden »wie das bei geheim­dienstlichen Aktivitäten üblich ist.« Corino zitiert dazu Alfred Webers Verdikt gegen Bloch als »Vater­lands­verräter«. Da Ingrid Zwerenz und ich in unserem Buch Sklavensprache und Revolte diese Vor­kommnisse ausführlich darstellen, sei hier nur kurz geantwortet: Wir halten alle Aktionen gegen das kaiserliche Deutschland wie das nachfolgende Hitler-Deutsch­land für absolut gerechtfertigt. Bloch schrieb für die deutsche Niederlage im Ersten Welt­krieg und wurde damit zum Vorläufer der Exilanten und Anti­faschisten, die für den Sieg über Hitlers Drittes Reich im Zweiten Weltkrieg eintraten. Blochs Anti­kriegs-Publizistik aus den Jahren 1917/18 wurde von seinem Buch Geist der Utopie (1918) begleitet, das die politische Aufforderung »Kampf, nicht Krieg« zum philosophischen Projekt ver­voll­ständigte. Im Zweiten Weltkrieg mündeten diese Wider­ständig­keiten in seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung, das im US-Exil geschrieben, danach in der DDR gedruckt werden konnte. Wer mit dem Begriff des Lohn­schreibers hausieren geht, fügt sich in nationale Fronten ein, wo es üblich ist, von Obrig­keiten gelöhnt zu werden, zu deren Charakter das Urteil der Geschichte feststeht. Für die Nationale sind Heine wie Bloch Vaterlandsverräter, diese Art Vaterland aber konnte man nur verraten oder vater­ländisch dumpf und gehorsam mit­marschieren. Oder wie Alfred Dregger noch den letzten Ostkriegern Ehren­haftigkeit zuschreiben statt ihre histo­ri­sche Blindheit zu bedauern.
Ingrid und ich besichtigten vor einigen Jahren das ehemalige Blochsche Direktorenzimmer im vormaligen Philosophischen Institut zu Leipzig am Peterssteinweg, wo wir beide studiert hatten. Verfaulte Dielen, Mäusefraß und herausgerissene Installationen bezeugten jene Haltung, die Hegel dem geistigen Tierreich zurechnete. Nun ja, die Leipziger hatten auch ihren Johann Sebastian Bach lange Zeit dem schmählichsten Vergessen anheimgegeben, bevor sie begriffen, dass man sich in seinem Glanze sonnen kann. Bloch ist inzwischen in seine Geburtsstadt Ludwigshafen heimgeholt worden, wo Kapital offenbar nicht so neudeutsch dumpf und bar jeder Tradition dahin­vegetiert wie in den zurückeroberten Ländereien. Bloch, ein exilierter Jude wie Marx selbst, dazu Marxist, teilt das Schicksal aller revolutionären Juden als doppelt und dreifach Ausgestoßene.
So ist es auf Seite 298 unseres Buches Sklavensprache und Revolte zu lesen. Unser alter Freund, der kurz vor der Wende noch rechtzeitig emeritierte Historiker Prof. Werner Berthold, wollte den Philosophen wieder mit Leipzig verbinden und scheute keine Mühe, um zu erreichen, dass an Blochs Wohnhaus in der Wilhelm-Wild-Straße eine Gedenktafel angebracht wird. Ich war bereit, ein paar Worte zu sagen, wenn diese Tafel denn installiert würde und Blochs Sohn Jan Robert dazu spräche. Der Vorsatz galt bis zum verregneten Morgen des 6. Juni 2005. An diesem Tag fanden im Eingang zum Peterssteinweg 10 für eine Dokumentation Dreharbeiten statt, Ingrid und ich sprachen kurze Erinnerungssätze an die Zeit der fünfziger Jahre. In der unteren Etage, wo damals die Historiker domizilierten, befindet sich jetzt die Mensa. Wir stiegen ins nächste Stockwerk, ich verwies auf die einst benachbarten Theologen und ihren Professor Emil Fuchs, dann suchten wir den Zugang zum früheren Philosophischen Institut, standen jedoch vor verschlossenen und streng gesicherten Türen. Besucher werden schriftlich auf den Eingang von der anderen Straße her verwiesen. Unsere Seminar­stuben, das Sekretariat, Blochs Direktoren­zimmer, der kleine Ecksaal, wo er Vorlesungen hielt bis des Andrangs wegen in die alte Uni-Ruine und den Hörsaal 40 ausgewichen werden musste – all das ist heute unzugänglich für uns.
Ich stelle mir für diesen Ort eine längst fällige Gedenktafel vor: »Hinter diesen verschlossenen Türen gab es einst das Philosophische Institut der damaligen Karl-Marx-Universität mit dem Direktor Prof. Dr. Ernst Bloch – eine Denk­fabrik, an die nichts mehr gemahnen soll«.
An diesem 6. Juni 2005 wurde mir einsichtig, irgendwelche Inschriften auf Bronze oder Edelstahl würden nichts nützen. Was benötigt wird, ist die Neugründung einer Leipziger Denkfabrik, in der Freiheit, Zukunft, Ge­schichts­bewuss­tsein, Gedächtnis, Phantasie und Rationalität Platz finden, allen Desinteressen, Verschweige-Maßnahmen und Druck­wellen zum Trotz.
Kaffeebaum, früher Coffebaum, die Gast­stätte, in der Goethe, Robert Schumann, Richard Wagner einst sumpften und Bloch 1954 über Kierkegaard nachsann – ich weiß noch an welchem Tisch.
In seiner ersten Leipziger Kierkegaard-Vorlesung vom 13.4.1954 sicherte Ernst Bloch sich ab, indem er eigene Ungewissheiten vortrug und mit geradezu schauspielerischem Raffinement materialistische Hilfestellung erbat. Kurz danach saßen wir im Lokal Kaffeebaum – ich weiß noch, an welchem Tisch – in kleiner Runde und ich sprach den Professor darauf an. Er reagierte leicht verlegen ausweichend: Es sei so legitim wie der Aufhellung dienlich, wenn wir überlegten, ob dieser Kierkegaard, ein besonderer Herr K. bitteschön, marxistisch akzeptabel sei oder nicht. Falls aber doch, dann …
Zum Vergleich brachte mir Ingrid ihre späteren Bloch-Nachschriften über Kierkegaard vom 22.10.1956. Was sie vor langem notierte, hatte sie in den PC übertragen. »Sören Kierkegaard«, stand da, »1813-55 Kopenhagen, 1. dänischer Denker von Rang, Sonderling, ohne besondere Resonanz. Titel aus dem Leben geschöpft. Ein gutes Buch erzählt vom Leser, geht auf Dich und Dich in Form von Kenntnissen, die nicht persönlich bleiben sollen.
Entweder-oder. Der Begriff der Angst. Anschließende unwissenschaftliche Nachschrift. II Bände: Der Augenblick. Philosophischer Brocken. Tagebuch des Verführers – zur Selbstprüfung anempfohlen. Seltsam auch der Inhalt. Sein Auftrag, den er nicht kannte, ist kleinbürgerlich. Verzehrte väterliches Erbteil, als es zu Ende war, starb er. Es finden sich schwer pathologische Züge. Ausweichen vor der Verwirklichung, Brautzeit mit der Regina Olsen – meine Braut mit ihrem Mann (E.T.A. Hoffmann) Ibsen Komödie der Liebe. Sehr tiefgreifende Impotenzphilosophie, geht auch in seine Moral, sucht Lampenlicht des Privaten. Öffentliche Angelegenheiten uninteressant. Angelegenheit des man, nicht des mein. Wurzel: einsame Seele und ihr Gott. Kleinrentnerhaftes sehr deutlich. Will sich rein halten, wird schuldig. Zerrissenheit muss überprüft werden. Bei Kierkegaard stoßen zusammen Privates und Unendliches, so entsteht Stil, einer der wichtigsten Schreiber. Hoher beißender Galgenhumor. Verkoppelt mit Ewigkeit. Worüber ich jeden antreffe, darüber werde ich jeden richten. Augenblick – Unendliches und Endliches schneiden sich in ihm. Sich in Existenz verstehen bedeutet, das Denken hört nicht auf, aber statt des objektiven Denkers entsteht subjektiver Denker – nicht erkenntnistheoretisch gemeint. Alles auf sich bezogen, in sich vernünftiger Grund. Paradox des Daseins bringt er in sich zum unberuhigten Bewusstsein. Dialektik des Prozesses. Paradox ist unauflösbar. Endlicher freut sich, wenn Unendlichkeit ihm entgegengeht. Stoff der Opferung. Isaak Abraham erfuhr Tiefe des beseligenden Bewusstseins, vor Gott Unrecht zu haben. Dauernde Gewissensüberlastung, ungeheurer Ernst. Sehr lutherisch-protestantisch. Matthäuspassion. Wer ist's, der meinen Herren peinigt. Pause, ich bin's, ich sollte büßen. – (Bloch gibt eine Leseprobe aus dem Kierke­gaard-Band II.)
Hegelsches System, wie wenn einer in Dänemark eine Fußreise machen will nach Jütland und bekommt nur eine Weltkarte, auf der Dänemark so groß ist wie die Unruhe in einer Damenuhr.«
Ernst Bloch fühlte sich in Leipzig dem Dänen besonders verbunden in Vitalität, widerspenstigem Elan und den Reflexionen über Erotik, bei der es Bloch allerdings, anders als Kierkegaard, nicht an Praxis mangelte. Ich nahm mir damals vor, das Karl-May-Land Sachsen Richtung Ernst-Bloch-Land voran­zutreiben. Bloch mochte May. Ich mochte May und Bloch. Also galt es, die individuelle Revolte zur humoristischen Revolution an beiden Ufern der Pleiße reifen zu lassen. Zu fragen ist, wie Bloch als gleichsam wiedergeborener Existentialist Kierkegaard in der pseudomarxistischen DDR-Diktatur des Proletariats, alias Politbüro, sich zwölf Jahre lang halten konnte. Ich selbst als verkappter Trotzkist unter Hitler, Stalin, Ulbricht, später Adenauer und anschließenden Obrigkeiten schaffte das mit Hilfe meiner realen wie taktischen Harmlosigkeit als Humorist unter Assistenz von Gert Gablenz sowie weiteren Pseudonymen, die zu enthüllen ich mich hütete. Sein outing muss jeder selbst betreiben, das ist wie bei den Schwulen, nur riskanter. Jedes Pseudonym besitzt ein Menschenrecht auf Anonymität. Was aber ist mit Blochs Verhältnis zu Kierkegaard? Im Werk ist einige Male von ihm die Rede, ohne jene Bedenken aus dem Jahr 1954, die er offenbar schon 1956 wegließ, wie Ingrids Nachschrift nahelegt. Nun spielte der dänische Denker bei den Linksintellektuellen in Weimarer Zeiten eine bedeutende Rolle. Durfte er in Leipzig zumindest in Andeutungen den dekadenten Provokateur spielen? Bloch schien das anzunehmen, erhielt jedoch 1957 die Quittung für derlei gewagte Experimente: Von der Universität verwiesen.
Kierkegaard zählte zum theoretischen Inventar einer Linken um Brecht, Walter Benjamin, Bloch, Günther Anders und Hannah Arendt. Sie versuchten Anfang der dreißiger Jahre Heideggers Philosophie und der anwachsenden Hitler-Bewegung ihr »eingreifendes Denken« entgegenzusetzen. Das scheiterte ebenso wie Blochs späterer Versuch in der DDR. Am 19. Dezember 1956 ließ das Politbüro durch Blochs Gegenspieler Prof. R.O. Gropp via Neues Deutschland den Bannspruch gegen Bloch verkünden. Überschrift: »Idealistische Verirrungen unter antidogmatischem Vorzeichen« – im Rundumschlag ging es gegen Anthropologie inklusive Ontologie, die radikal als idealistischer Irrweg verdammt wurden. Damit war der Linksphilosoph von der Uni verwiesen und die DDR-Philosophie bei Strafandrohung auf den Parteikurs eingegrenzt. Die in Leipzig beabsichtigte Denkfabrik scheiterte bereits in den Anfängen. Eingreifendes Denken durfte nicht stattfinden. Es war ganz so wie heutzutage, da aus fauler Angst nicht gedacht wird.
Aus dem Internet – comfactory – schneit uns ein Anti-Joschka-Text ins Haus: »Natürlich führt in der Bundesrepublik kein Journalist seine Leser und schon gar kein Politiker seine Wähler hinters Licht. Im strahlenden Scheinwerferlicht unserer Massenmedien verkündete hier das ehemalige legendäre Frankfurter Putztruppen-Mitglied, der spätere Auschwitz-Verhinderer, der Hufeisen-Stratege und Fötengrill-Experte, der damalige bundes­republika­nische Außen­minister Joschka Fischer, den denkwürdigen Satz: ›Krieg ist die realpolitische, pazifistische Konsequenz.‹«
Der bitterböse Text berührt mich, er ist so scharf wie treffend. Und trotzdem ungerecht. Wer da gerecht sein wollte, müsste sehr genau sein. Was Fischer nicht entlastete, doch erklärlicher werden ließe. Widerstrebend gestehe ich mir eine ähnliche Gefühlslage ein, geht es um Blochs Gegenspieler Prof. R.O. Gropp. Er war unser Feind, kein Gegner, das wäre nicht exakt genug ausgedrückt. Zugleich war ich dem Mann nahe aus mehreren Gründen. Einer davon ist nachzulesen in Sklavensprache und Revolte auf Seite 67: » … Gropp, Professor für Historischen Materialismus am Bloch-Institut, vormals Zwangs-SS-Einheit Dirlewanger, schwor sich auf Parteilinie ein, niemals mehr in Verdacht geraten, so verteidigte er eisern Marx und Stalin gegen Bloch …« Dirlewangers Strafeinheit zu entkommen macht nicht frei, aber zornwütig autark. Dann die Entscheidung im Lungensanatorium, mir gelang es, vor der schwerwiegenden letzten Operation gerade noch vom Tisch zu springen. Gropp sägten sie mehrere Rippen heraus. Lebenslang von Atemnot geplagt, trug er einen ledernen Stützpanzer, der die fehlenden Knochen ersetzen sollte. Mir fiel schwer, sein Feind zu sein. Wenn wir die Treppen zum Philosophischen Institut hochstiegen, langsam, auf jeder Stufe pausierend, erlitten wir verfeindete Solidarität. Am Ende war da nur noch Feindschaft.
Aus anderen Gründen und mit anderen Wirkungen widerrief Joschka Fischer die einstige Nähe. Karriere ist Negativauslese. Was aber bleibt von uns? Ich erlaube mir die Antwort als Selbstzitat aus Sklavensprache und Revolte: Das kulturelle Erbe der Arbeiterbewegung mitsamt ihren politischen Traditionen verlottert. Unser DDR-Kulturerbe ist mit dem Staat abgeschafft worden, postmoderne Hampel­männer mit austauschbaren Gehirnen suchen den Verlust vergessen zu machen. Konterrevolutionäre Sklavensprache dröhnt aus den Medien. Aufgepeppte Heilige werden von Fans belagert, bis sie ihr durch Gebrauch signiertes Toiletten­papier verstreuen, das die Anhänger­trupps sich daheim übers Bett kleben. So macht mancher noch aus Scheiße Goldene Schallplatten.
Genug davon. Wer zu tief bohrt, kommt auf der anderen Erdseite als sein eigener Antipode heraus.
Was also, fragten wir, sind Blochianer? Sie entziehen sich dem Ausbruch der Vulkane, die statt kochender Lava ausgekochte Gangster hervorschleudern. Da ist kein Mitmachen, Mitlaufen, Mitsingen, kein Vertuschen, Vertauschen, Verdummen, da sind wir Ungläubigen jenem polnischen Papst nahe, der zum Krieg Nein sagte und dabei blieb. Die Kirchen und Parteien leiden am Mitgliederschwund. Blochianer brauchen weder Kirchen noch Parteien, können aber drin sein, wenn's beliebt. Wenn jeder Politiker sich als Sonne ausgibt und Planeten um sich sammelt, ist es Zeit, als Komet oder Sternschnuppe zu überraschen. War Hitler der Bauchredner des deutschen Volkes, bieten die Anhänger des Philosophen dagegen ihr Prinzip Bloch an. Nicht zum Nachahmen, aber zum Nachdenken, Nachfühlen und zum überleben. Bloch wurde bisher nur zum Teil entschlüsselt. Die machthabende Elite verträgt keine plurale Klarheit. Es gibt keine Gemeinsamkeit zwischen unserem Projekt Bloch und dem Krieg. Es sei denn zur revolutionären Abwehr.
Im Rückblick auf Blochs Haltung zu Kierkegaard sind zwei Lehren zu empfehlen: 1. Dekonstruktion, die Bloch lange vor den Sartre-Nachfolgern lehrte. 2. Liebe zum Gelingen, damit die Dekonstruktion nicht alleine bleibt.
Sklavensprache XI

Denker benötigen wir nicht, sagten sie,
das besorgen unsere Hausangestellten, und
sie drückten dem Denker einen Pinsel in
die Hand und stellten ihn aufs Gerüst.

Nun streiche fleißig an, sagten sie, und
mache dich nützlich, du Glied am Körper
des souveränen Volkes. Gehorsam begann
der Denker sich einzuüben in Nützlichkeit.

Als sie kontrollierten, am Abend, hoben sie
an ihn zu beschimpfen. Statt eines neuen
einheitlichen Anstrichs hatte der

Denker Gestalten geschaffen, Bildnisse
entworfen. Wegen erwiesener Unfähigkeit
verdammten sie ihn zum ständigen Nichtstun.
Vor seiner Hütte steht ein Posten unter Gewehr.

Jede Idee sei zu arretieren, jeder
Gedanke zu erschießen, lautet sein
Befehl. Der Denker im Lehnstuhl im
Innern der Hütte lächelt. Geschmeichelt.

Das nächste Kapitel erscheint am Montag, den 22. Dezember 2008.

Gerhard Zwerenz   15.12.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Gerhard Zwerenz
Serie
  1. Wie kommt die Pleiße nach Leipzig?
  2. Wird Sachsen bald chinesisch?
  3. Blick zurück und nach vorn
  4. Die große Sachsen-Koalition
  5. Von Milbradt zu Ernst Jünger
  6. Ein Rat von Wolfgang Neuss und aus Amerika
  7. Reise nach dem verlorenen Ich
  8. Mit Rasputin auf das Fest der Sinne
  9. Van der Lubbe und die Folgen
  10. Unser Schulfreund Karl May
  11. Hannah Arendt und die Obersturmbannführer
  12. Die Westflucht ostwärts
  13. Der Sänger, der nicht mehr singt
  14. Ich kenne nur
    Karl May und Hegel
  15. Mein Leben als Prophet
  16. Frühe Liebe mit Trauerflor
  17. Der Schatten Leo Bauers
  18. Von Unselds Gegner zu Holtzbrincks Bodyguard
  19. Karl May Petrus Enzensberger Walter Janka
  20. Aus dem Notizbuch eines Ungläubigen
  21. Tanz in die zweifache Existenz
  22. General Hammersteins Schweigen
  23. Die Pleiße war mein Mississippi
  24. Im Osten verzwergt und verhunzt?
  25. Uwe Johnson geheimdienstlich
  26. Was fürchtete Uwe Johnson
  27. Frühling Zoo Buchmesse
  28. Die goldenen Leipziger Jahre
  29. Das Poeten-Projekt
  30. Der Sachsenschlag und die Folgen
  31. Blick zurück auf Wohlgesinnte
  32. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (I)
  33. Sächsische Totenfeier für Fassbinder (II)
  34. Brief mit Vorspann an Erich Loest
  35. Briefwechsel mit der Welt der Literatur
  36. Die offene Wunde der Welt der Literatur
  37. Leipzig – wir kommen
  38. Terror im Systemvergleich
  39. Rachegesang und Kafkas Prophetismus
  40. Die Nostalgie der 70er Jahre
  41. Pauliner Kirche und letzte Helden
  42. Das Kickers-Abenteuer
  43. Unser Feind, die Druckwelle
  44. Samisdat in postkulturellen Zeiten
  45. So trat ich meinen Liebesdienst an …
  46. Mein Ausstieg in den Himmel
  47. Schraubenzieher im Feuchtgebiet
  48. Der Fall Filip Müller
  49. Contra und pro Genossen
  50. Wie ich dem Politbüro die Todesstrafe verdarb
  51. Frankfurter Polzei-buchmesse 1968
  52. Die Kunst, weder Kain noch Abel zu sein
  53. Als Atheist in Fulda
  54. Parade der Wiedergänger
  55. Poetik – Ästhetik und des Kaisers Nacktarsch
  56. Zwischen Arthur Koestler und den Beatles
  57. Fragen an einen Totalitarismusforscher
  58. Meine fünf Lektionen
  59. Playmobilmachung von Harald Schmidt
  60. Freundliche Auskunft an Hauptpastor Goetze
  61. Denkfabrik am Pleißenstrand
  62. Rendezvous beim Kriegsjuristen
  63. Marx, Murx, Selbstmord (der Identität)
  64. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (I. Teil)
  65. Vom Aufsteiger zum Aussteiger? (II. Teil)
  66. Der Bunker ...
  67. Helmut auf allen Kanälen
  68. Leipzig anno 1956 und Berlin 2008
  69. Mit Konterrevolutionären und Trotzkisten auf dem Dritten Weg
  70. Die Sächsischen Freiheiten
  71. Zwischen Genossen und Werwölfen
  72. Zur Geschichte meiner Gedichte
  73. Poetenladen: 1 Gedicht aus 16 Gedichten
  74. Der Dritte Weg als Ausweg
  75. Unendliche Wende
  76. Drei Liebesgrüße für Marcel
  77. Wir lagen vor Monte Cassino
  78. Die zweifache Lust
  79. Hacks Haffner Ulbricht Tillich
  80. Mein Leben als Doppelagent
  81. Der Stolz, ein Ostdeutscher zu sein
  82. Vom Langen Marsch zum 3. Weg
  83. Die Differenz zwischen links und rechts
  84. Wo liegt Bad Gablenz?
  85. Quartier zwischen Helmut Schmidt und Walter Ulbricht
  86. Der 3. Weg eines Auslandssachsen
  87. Kriegsverrat, Friedensverrat und Friedenslethargie
  88. Am Anfang war das Gedicht
  89. Vom Buch ins Netz und zur Hölle?
  90. Epilog zum Welt-Ende oder DDR plus
  91. Im Hotel Folterhochschule
  92. Brief an Ernst Bloch im Himmel
  93. Kurze Erinnerung ans Bonner Glashaus
  94. Fritz Behrens und die trotzkistische Alternative
  95. 94/95 Doppelserie
  96. FAUST 3 – Franz Kafka vor Auerbachs Keller
  97. Rainer Werner Fassbinder ...
  98. Zähne zusammen­beißen ...
  99. Das Unvergessene im Blick
    1. Nachwort
Nachworte
  1. Nachwort
    siehe Folge 99
  2. Auf den Spuren des
    Günter Wallraff
  3. Online-Abenteuer mit Buch und Netz
  4. Rückschau und Vorschau aufs linke Leipzig
  5. Die Leipziger Denkschule
  6. Idylle mit Wutanfall
  7. Die digitalisierte Freiheit der Elite
  8. Der Krieg als Badekur?
  9. Wolfgang Neuss über Kurt Tucholsky
  10. Alter Sack antwortet jungem Sack
  11. Vor uns diverse Endkämpfe
  12. Verteidigung eines Gedichts gegen die Gladiatoren
  13. Parademarsch der Lemminge und Blochs Abwicklung
  14. Kampf der Deserteure
  15. Fritz Bauers unerwartete Rückkehr
  16. Der Trotz- und Hoffnungs-Pazifismus
  17. Als Fassbinder in die Oper gehen wollte
  18. Was zum Teufel sind Blochianer?
  19. Affentanz um die 11. Feuerbach-These
  20. Geschichten vom Geist als Stimmvieh
  21. Von Frankfurt übern Taunus ins Erzgebirge
  22. Trotz – Trotzalledem – Trotzki
  23. Der 3. Weg ist kein Mittelweg
  24. Matroschka –
    Die Mama in der Mama
  25. Goethe bei Anna Amalia und Herr Matussek im Krieg
  26. Der Aufgang des Abendlandes aus Auerbachs Keller
  27. Jan Robert Bloch –
    der Sohn, der aus der Kälte kam
  28. Das Buch, der Tod und der Widerspruch
  29. Pastor Gauck oder die Revanche für Stalingrad
  30. Bloch und Nietzsche werden gegauckt ...
  31. Hölle angebohrt. Teufel raus?
  32. Zwischen Heym + Gauck
  33. Von Marx über Bloch zu Prof. Dr. Holz
  34. Kafkas Welttheater in Auerbachs Keller
  35. Die Philosophenschlacht von Leipzig
  36. Dekonstruktion oder Das Ende der Ver­spä­tung ist das Ende
  37. Goethes Stuhl – ein Roman aus Saxanien
  38. Meine Weltbühne im poetenladen
  39. Von Blochs Trotz zu Sartres Ekel
  40. Die Internationale der Postmarxisten
  41. Dies hier war Deutschland
  42. Kopfsprünge von Land zu Land und Stadt zu Stadt
  43. Einiges Land oder wem die Rache gehört
  44. Schach statt Mühle oder Ernst Jünger spielen
  45. Macht ist ein Kriegszustand
  46. Dekonstruktion als Kriminalgeschichte I
  47. Damals, als ich als Boccaccio ging …
  48. Ein Traum von Aufklärung und Masturbation
  49. Auf der Suche nach der verschwundenen Republik
  50. Leipzig am Meer 2013
  51. Scheintote, Untote und Überlebende
  52. Die DDR musste nicht untergehen (1)
  53. Die DDR musste nicht untergehen (2)
  54. Ein Orden fürs Morden
  55. Welche Revolution darfs denn sein?
  56. Deutschland zwischen Apartheid und Nostalgie
  57. Nietzsche dekonstruierte Gott, Bloch den Genossen Stalin
  58. Ernst Jünger, der Feind und das Gelächter
  59. Von Renegaten, Trotzkisten und anderen Klassikern
  60. Die heimatlose Linke (I)
    Bloch-Oper für zwei u. mehr Stimmen
  61. Die heimatlose Linke (II)
    Ein Zwischenruf
  62. Die heimatlose Linke (III)
    Wer ist Opfer, wer Täter ...
  63. Die heimatlose Linke (IV)
    In der permanenten Revolte
  64. Wir gründen den Club der
    heimatlosen Linken
  65. Pekings große gegen Berlins kleine Mauer
  66. Links im Land der SS-Ober­sturm­bann­führer
  67. Zweifel an Horns Ende – SOKO Leipzig übernimmt?
  68. Leipzig. Kopfbahnhof
  69. Ordentlicher Dialog im Chaos
  70. Büchner und Nietzsche und wir
  71. Mit Brecht in Karthago ...
  72. Endspiel mit Luther & Biermann & Margot
  73. Die Suche nach dem anderen Marx
  74. Wer ermordete Luxemburg und Liebknecht und wer Trotzki?
  75. Vom Krieg unserer (eurer) Väter
  76. Wohin mit den späten Wellen der Nazi-Wahrheit?
  77. Der Feind ist in den Sachsengau eingedrungen
  78. Die Heldensöhne der Urkatastrophe
  79. Die Autobiographie zwischen
    Schein und Sein
  80. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
  81. Atlantis sendet online
  82. Zur Philosophie des Krieges
  83. Deutsche, wollt ihr ewig sterben?
  84. Der Prominentenstadl in der Krise
  85. Der Blick von unten nach oben
  86. Auf der Suche nach einer moralischen Existenz
  87. Vom Krieg gegen die Pazifisten
  88. Keine Lust aufs Rentnerdasein
  89. Von der Beschneidung bis zur
    begeh­baren Prostata
  90. Friede den Landesverrätern
    Augstein und Harich
  91. Klarstellung 1 – Der Konflikt um
    Marx und Bloch
  92. Bloch & die 56er-Opposition zwischen Philo­sophie und Verbrechen
  93. Der Kampf ums Buch
  94. Und trotzdem: Ex oriente lux
  95. Der Soldat: Held – Mörder – Heiliger – Deserteur?
  96. Der liebe Tod – Was können wir wissen?
  97. Lacht euren Herren ins Gesicht ...
  98. Die Blochianer kommen in Tanzschritten
  99. Von den Geheimlehren der Blochianer
Aufsatz