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Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein
Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner lite­rarischer Gedenks­teine in Form eines Gedichtes jüngst ver­stor­bener Dichter, über­wiegend fremd­sprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Aus­gangs­punkt sind unter ande­rem aktuelle Todes­mel­dungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

Liste der Stelen   ↓

 

Zoraida Burgos i Matheu
(Tortosa 1933 – ebenda 2026)



Es war der längste Tag, nahm kein Ende,
schloß die Süße der Erntezeit in sich ein.
Das bewegliche Weinlaub warf Schatten auf den Verputz.
Über den Leintüchern das Summen von Fliegen,
rastloser Nachmittag. Nachts fühlt der Leib
die scharfe Hitze der Fliesen.
Der Gesang der Kröten leert die Stille,
formt zur Frische das Rauschen des Wassers.
Sterne fallen, simulieren Regen.

Stimmen entfliehen. In alten Verstecken
fädelt sich die Zeit durch ein Nadelöhr.

Aus dem Katalanischen übersetzt von Hans Thill. Aus: Blau. Columna, Barcelona 1993

 

»Bescheiden, wie sie war, hat sie möglicherweise selbst eine größere öffentliche Präsenz abgelehnt. Heute, da die südlichen Regionen eine große intellektuelle Renaissance erleben, kann sie mehr denn je als Kultautorin gelten, als poetisches Vorbild für neue Generationen.«
Maria-Jesùs Borell

 

Zoraida Burgos i Matheu wurde 1933 im katalanischen Tortosa geboren und gehörte zu den prägenden lyrischen Stimmen der Terres de l'Ebre. Die ausge­bildete Biblio­thekarin veröf­fent­lichte seit den frühen 1970er Jahren Gedichtbände von großer sprachlicher Dichte, darunter D'amors, d'enyors i d'altres coses (1971), Blaus (1993) und die Gesamtausgabe ihrer Lyrik Convivència d'aigües. Für ihr Werk erhielt sie 2023 den Creu de Sant Jordi-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen Kataloniens. Zoraida Burgos i Matheu starb im Januar 2026 im Alter von 92 Jahren in Tortosa.