Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein
Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner literarischer Gedenksteine in Form eines Gedichtes jüngst verstorbener Dichter, überwiegend fremdsprachiger, aber auch deutschsprachiger. Ausgangspunkt sind unter anderem aktuelle Todesmeldungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.
(Hohenkirchen 1944 – Bremerhaven 2025)
Ankommen mit einer Flugmaschine
Für Elke Erb
Der Berg hat einen braunen Rücken
und in der Luft klebt Rost dürr
fallen Äste von den Bäumen
der Sommer rädert grell ins Tal.
So große Steine sacken tief ins Feld
das Korn quillt trittfest über
sieben Hügel nun weniger –
Es reift und Schritte hallen wider.
Der Furchen zog liest Wetteralben
er ist schon in der Hocke teilt
sein Brot und nennt was Atem hat
den Vogelflug mit Augengold
die Ziege hätschelnd. Und Frauen
gibt es ... ein jeder ihrer Schritte
Tönt. So hört ihr keuchen.
Das weite Land hat keine Lampen
die seelenlos, das Volk umsäumen.
Ein Herbergschlüssel taumelt
durchs Gebirge und mittags bellen
bunte Hunde vernarbte Kellertiere
die an Gräbern schnüffeln.
Das Meer frißt alle Wolken leer
und sagt Gardinensprüche auf:
die vielen Menschen wollen Heiterkeit.
Aus: Christoph Buchwald/Ror Wolf: Jahrbuch der Lyrik 97/98.C. H. Beck, München 1997.
»Der Dichter Johann P. Tammen trat oft hinter den Herausgeber und Förderer zurück, dennoch zählt sein Werk zu den Wegmarken des Nature Writing in deutscher Sprache.«
Sylvia Geist
Johann P. Tammen wurde 1944 in Hohenkirchen (Friesland) geboren und studierte Germanistik, Geschichte und Sozialwissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Oldenburg. Nach Tätigkeiten im journalistischen und verlegerischen Umfeld lebte er ab Mitte der 1970er-Jahre als freier Schriftsteller, Lyriker und Herausgeber in Bremerhaven. Bedeutung erlangte er als langjähriger Herausgeber der Literaturzeitschrift die horen. Seine Lyrik ist geprägt von sprachlicher Genauigkeit, Naturbezügen und einer zurückhaltend-konzentrierten Bildlichkeit. Zu seinen wichtigen Publikationen zählt der Auswahlband Stock und Laterne (Wallstein Verlag), der Gedichte aus mehreren Jahrzehnten versammelt; ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Alfred-Kerr-Preis. Johann P. Tammen starb im Dezember 2025 in Bremerhaven im Alter von 81 Jahren.