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Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein
Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner lite­rarischer Gedenks­teine in Form eines Gedichtes jüngst ver­stor­bener Dichter, über­wiegend fremd­sprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Aus­gangs­punkt sind unter ande­rem aktuelle Todes­mel­dungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

Liste der Stelen   ↓

 

Elke Erb
(Scherbach 1938 – Berlin 2024)


Fluch ruhig, die Wolken ziehn

Jeder Fluch, denke! war ein Punkt, wo Enttäuschung traf.

Er erwidert also, fleißiger Betrieb!
und Selbstverteidigung!

Schon allein deshalb ist er nicht schlechthin zu verurteilen.

Im Hintergrund sammelt sich bei dir auf der Festplatte,
Taubheit genannt, eine dauernde Gereiztheit an.

Genervter Betrieb   Dominanzanspruch   Alleinherrschaft
usw.

Gut, daß mal wer oder was   verschwindet
hinter der Tür

Schwätzer nennen es   „Schweigen“

Im Vordergrund nicht, im Mittelgrund nicht,
im Hintergrund sammelt es sich.

Im Hintertreffen. Verärgert.

21.7.08

Aus: Meins, herausgegeben von Christian Filips. roughbook 006, Wuischke, Berlin und Holderbank SO, Juni 2010

 

»Jedes Gedicht war für Erb bis zum Schluß ein neues Abenteuer, ein neues Rätsel auch, das es zu ergründen galt. So haben ihre Gedicte einerseits eine essayistisch-philosophische Seite, andererseits sind sie aber höchst konkret, nehmen in der Regel von Alltagsbeobachtungen ihren Ausgangspunkt, von Stadtszenen, Straßenbahnszenen, eingefangenen O-Tönen.«
Tobias Lehmkuhl

 

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und zog 1949 nach Halle zu ihrem Vater, der als Germanist an der dortigen Universität lehrte. Sie studierte unter anderem Germanistik, Slawistik und Geschichte und absolvierte das Lehrerexamen. Als Schriftstellerin wirkte sie in Berlin und schrieb Lyrik, die großen poetischen Eigensinn bewies und mit der sie literarische Debatten anstieß. Auch als Übersetzerin aus dem Russischen machte sie sich einen Namen. Von 1967 bis 1978 war sie mit Adolf Endler verheiratet. Für ihren Band Kastanienallee erhielt sie 1988 den Peter-Huchel-Preis. 2020 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Ihre Gedichtbände erschienen überwiegend in unabhängigen Verlagen, insbesondere bei Urs Engeler. Elke Erb starb mit 85 Jahren am 22. Januar 2024 in Berlin.