poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 

Theo Breuer

Textleben · Lebenstext. Kein Erklärungsversuch

Eine – Gedanken verbindende – Annäherung an Michael Lentz
Textleben
 
Michael Lentz
Textleben

Über Literatur, woraus sie gemacht ist,
was ihr vorausgeht und was aus ihr folgt
Herausgegeben sowie mit Vor- und
Nachwort versehen von Hubert Winkels
576 Seiten
S. Fischer 2011

Das Buch bei Amazon  externer Link


Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? – Nein!
Wir wollen weniger erhoben
und fleißiger gelesen sein.

Gotthold Ephraim Lessing

Sie verstehen Ihre Welt ringsum nicht? Lesen Sie Oskar Pastior. Sie verstehen sich selbst nicht? Lesen Sie Oskar Pastior. Sie verstehen Oskar Pastior nicht? Lesen Sie Oskar Pastior, schreibt Michael Lentz.
Wenn Lesen, wie ich bei Arthur Schopenhauer lese, heißt, mit einem fremden Kopfe statt des eigenen zu denken, so denke ich über weite Strecken des Lebens (das ich nicht nur deshalb nicht als mein Leben bezeichnen oder gar sehen kann) in erster Linie mit fremden Köpfen. Kroklokwafzi? Semememi! / Seiokrontro – prafriplo: / Bifzi, bafzi; hulalemi: / quasti basti bo ...
Die ganze Poetik Mallarmés besteht darin, den Autor zugunsten des Schreibens auszublenden (wodurch, wie wir sehen werden, der Leser wieder seinen Platz erhält)
lautet ein in diesem Augenblick auf­tauchender Gedanke, den Roland Barthes in Das Rauschen der Sprache formuliert.
Am 31. Mai 1933 hält Virginia Woolf im Tagebuch fest: I thought, driving through Richmond last night, something very profound about the synthesis of my being: how only writing composes it: how nothing makes a whole unless I am writing; now I have forgotten what seemed to be so profound.
Ich schreibe diese Wörter, auf und ab, erinnere das in den vorher­gegan­genen Tagen und Nächten Gelesene (von dem manches bereits vergessen ist) und lausche zum wieder­holten Male in den letzten 72 Stunden Dmitri Schosta­kowitschs von Yewgenij Mravinsky dirigierter 5. Sinfonie in der Moskauer Live-Aufnahme vom 18. Novem­ber 1982 sowie dem von Kyrill Kondraschin diri­gierten Violin­konzert Nr. 1 a-moll op. 99 mit Leonid Kogan (1962 eben­falls live in Moskau aufge­nommen), Musik, die seit längerer Zeit schon, geschenkt von einem Menschen, der mir offen­bar sehr, sehr Gutes wollte, auf CD gebrannt, uner­kannt im DVD-Regal stand und beim ersten Hören vor drei Tagen – und das gleich nach den einlei­tenden Klängen – sehr tief in mich hinein­geht und, ohren­kundig und zum Glück, gar nicht mehr herauswill:
Ich lese (denke also mit fremdem Kopf), esse, trinke, erledige kleinere Haus­arbeiten, streiche, einem spon­tanen Ent­schluß folgend, einen Fenster­rahmen im Bad, nehme hier eine kleine Reparatur vor, verlege dort einen Berber von einem Bücherraum in den andern, damit ein neuer Nepalteppich, maschen­tausend­aber­tausendweit, zu ge­wünschter Geltung gelangen kann, und immer ist diese Musik da, ich lege mich, weit nach Mitter­nacht, zur Ruhe (darf ich das noch so formulieren heute, am 26. Oktober 2011?), erlebe die Ruhe unmit­telbar, von einer Sekunde auf die andere, weiterhin die Musik in den Ohren, it's like the bee / a dateless melody, schlafe ein, träume Träume, von denen ich nur die öde Ver­hand­lung in der Bank erinnere, wache am Morgen munter auf und drücke beherzt auf Play. Gestern habe ich die Musik zusätz­lich auf die Festplatte kopiert, so daß ich die Schosta­kowitsch-Sinfonie nun auf beiden Etagen hören kann, ohne die CD umständ­lich aus dem einen Gerät heraus­nehmen, um sie sodann in ein anderes Gerät einlegen zu müssen.

Am Samstag, dem 22. Oktober, als der 1. FC Köln am Nach­mittag bei der Dort­mun­der Borussia so übel mit 0 zu 5 Toren unter die Räder kommt, überreicht der Postbote morgens eine Bücher­sen­dung; ich schäle Textleben vor­sichtig aus der Verpackung, entferne den Schutz­umschlag, und da liegt es in der Hand, das blau gebun­dene, mit Lese­bänd­chen versehene, 576 Seiten um­fas­sende Buch, mit des­sen Lektüre ich Knall auf Fall beginne und das ich in der Nacht von Dienstag auf Mitt­woch (nachdem die Kölner bei der TSG Hoffen­heim, diesmal knapp und offen­bar unnötig, mit 1 zu 2 Toren unterliegen – hätte der junge Christian Clemens die Chance zum 0 zu 2 nutzen können, der FC war ja schon früh durch das, schön herausgespielte, Tor von Mato Jajalo in Führung gegangen, wäre jener Ball also statt an den Pfosten ins Tor hinein­geflogen, ich bin sicher, die Mannen um Lukas Podolski wären als Sieger vom Platz gegangen) zu Ende lese.
Lesen, bis man keinen Satz mehr versteht, das erst ist Lesen, behauptet Elias Canetti, und es ist nicht etwa die um mitter­nächtliche Zeit ohne weiteres zu akzep­tierende Abge­spannt­heit (allein durch die mich manisch machende Musik bin ich auch in jener ja eigentlich dunkelmüden Stunde noch ziemlich hellwach) oder die zwischen­zeitliche Konzen­tration auf Thomas Pynchons Inherent Vice (Out of the permanent smog alert he liked to think of as his memory, something began to emerge –), die mich gegen 1 Uhr etliche Sätze des Nachworts von Hubert Winkels mehrfach lesen läßt, nicht sicher (bin es auch weiterhin nicht), ob ich begreife, was der in Düsseldorf lebende Herausgeber über den in Düren geborenen Michael Lentz und dessen Werk Textleben (ist es ein ›Werk‹?) äußert.

Ich unterbreche den Schreib­vorgang, lausche den fidel sich freifliegenden, in höchste Höhen empor­klimmenden Geigen­tönen, die jäh abbrechen – und obwohl ich die Stelle sicherlich zum zehnten Mal in kurzen Abständen höre, gelingt der Musik die Über­raschung erneut: Wieder höre ich vollkommen verblüfft und schier erschrocken jenen Moment total tönender Stille, Leere –, schon setzen Blas­instru­mente ein, ist die Geige wieder da, und ich sehe durchs Fenster eine blauweiß gekleidete Gestalt die Außentreppe empor­huschen, ich springe, jeweils zwei Stufen nehmend, hoch an die Haustür, nehme, Sekunden später, ein Bücherpäckchen in Empfang, in dem ich zwei Belege der 24. Ausgabe der Literatur­zeit­schrift Matrix (in der die Notizen zu Friederike Mayröckers Werk nach 2000 abgedruckt sind) sowie den 789 Seiten umfassenden Roman Dorfchronik von Johann Lippet vorfinde.
Jetzt mach aber mal nen Punkt, schilt mich der mir stets über die Schulter schauende Kraus, den ich zunächst beschwich­tigen kann: Ist ja gut, ist ja gut – ist es gut?
Textleben ist gut.
Du sollst deinem Neben­men­schen keine Langeweile machen, flüstert mir Ludwig Börne ins Öhrchen. Sehr gut. Güter als gut also.
Ich seh, zufällig, jenen vielleicht acht Jahre jüngeren, schmalen, für sein Alter recht großen Jungen, der mich nicht sieht, ich seh etwas, was du nicht siehst, an der Hand der Mutter auf der Roll­treppe gegenüber, ich fahr rauf, er fährt runter, drei Minuten später ist es umgekehrt, und schon endet der Clip im Dürener Kaufhof (dreizehn, bitte sieben, dreizehn, bitte sieben) des Jahres 1968, als ich zwölf Jahre alt bin (kriege bis heute die Tages­schau-Bilder jener Zeit nicht aus dem Kopf), und der mir warum bloß so bekannt vorkom­mende fremde Junge wohl vier. Bin ich hier und jetzt auf der Holzstraße?
In diesem Moment kommt eine Umfrage des Amazon Verkäufer­service, die ich umgehend lösche: ›löschen‹, was wird nicht alles und umgehend gelöscht beim Lesen. (Zum Glück, zum Unglück.)
Hans Bender, Friederike Mayröcker und Andreas Noga habe ich mit der beständigen Klage im Ohr, man habe so manches gelesene Buch umgehend vergessen. Wem geht es nicht so?
Ich habe vor wenigen Jahren den Lentz-Roman Mutter­sterben gelesen und, bis auf eine vage Vorstel­lung von der Sprache, vergessen, und das Buch Liebeserklärung, über das es in Wikipedia heißt: Susanne Messmer von der taz sprach von einer „bewun­derns­werten Ein­dring­lichkeit“ des Textes. Das Problem, dem Liebes­thema immer noch etwas Neues abzuringen, sei der Motor, der diesen „furiosen Text so beweglich“ mache. Nicole Henne­berg von der Frank­furter Rund­schau verglich den Roman mit Thomas Bernhards Schimpftiraden. Sie konstatiert trotz einiger „Platti­tüden“, die sie auszu­machen meint, eine insge­samt erotische Sprach­kraft, die den Text bis zum Ende trage. Die Neue Zürcher Zeitung nannte das Werk „triumphal“ und „große Literatur“. Für Friedhelm Rathjen von der Zeit kam bei der Lektüre da­gegen „großes Gähnen“ auf, nachdem ihn der Anfang des Buches noch relativ begeistert hatte, habe ich ebenfalls gelesen und weit­gehend ver­gessen. Muß ich mein Lesen ändern? (Ulysses erinnere ich ganz und gar.)
Oder heißt lesen, grundSÄTZLICH, auch vergessen? (Leben heißt ja auch ver­ges­sen.) Rettet Verges­sen Leser, bewahrt sie so davor, daß der Kopf platzt, geistig geköpft zu werden, wie es in Gottfried Kellers Roman Der Grüne Heinrich (in anderem Zusammen­hang) heißt? Wie viele kleine Tode erlebe ich, bevor ich dem großen Tod begegne? Und – was mach ich hier eigentlich: Drei Tage Leben – mit Textleben – texten? Cui bono? (Mihi.) Ich schreibe im Moment nicht. Es ist einfach voll­kommen unmöglich, denn Schreiben treibt mich immer ins Sterben hinein, in diesen perma­nenten Schmerz, schreibt mir eben jemand in einem ausführlichen, auf diffe­renzierte Weise in die Tiefe gehenden, bildhaft fein formu­lierten elek­tro­nischen Brief …

Schlußstück

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

Ich erinnere allerdings – das Gedächtnis ist ein romantisch verklä­render Optimist – ganz klar (klar!) die Aus­einander­setzung mit den beiden Büchern Mutter­sterben und Liebes­erklä­rung, genauso wie ich die Konfron­tation mit den Gedichten in Aller Ding und Offene Unruh vergegen­wärtige: Ich erlebte die vier Bücher als Tours de Force mit kitzliger Unruhe, gereizter Ungeduld, einerseits beja­hend, andererseits vernei­nend, hier zustimmend, dort abwinkend, einmal vor mich hin schimpfend, dann wieder, besonders auf­merkend, lächelnd („usw.“).

Zwischendurch lese ich die Mail meines Sohnes Andreas: Die Gäste des „Heimspiels“ auf der Zülpi­cher Straße inklusive Bernd und mir waren mal wieder fassungslos ob dieser unnöti­gen Nieder­lage. Die ersten 35/40 Minuten eine richtig starke Leistung, der Ball lief sicher durch die eigenen Reihen – Hoffen­heim völlig ideenlos. Also macht man vor und nach der Pause einfach wieder zwei Geschenke. Wieder eine Ein­nahme­quelle futsch. Bitter!!! – und denke an Sándor Márai: Denn nicht nur du schreibst das Buch; gleich­zeitig schreibt das Buch auch dich. Es ist ein ewiger Leihprozeß, vergiß das nicht, und freue mich, daß mir das nächtliche Fuß­ball­spiel in diesem Augen­blick, zum Glück, zum Glück, schon wieder ziemlich einerlei ist, ich kann eh nichts machen, seit Jahren kann ich eh nichts machen gegen diese beinahe immer­währende Talfahrt eines Fußball­klubs, von dem Toni Schu­machers Mutter einst meinte, das sei ein feiner Club.

Im ersten Textleben-Kapitel Vom Ich und zurück. Poetologien lese ich, beispiels­weise, tempe­ramentvolle Selbst-/Auskünfte eines wissen­schaft­lich-lyrisch bzw. poetisch-analy­tisch sowie kri­tisch-selbst­kritisch den­kenden, (gern salopp) formu­lierenden, schrei­benden, sich auf hoch­artifi­zielle und emotions­gela­dene Art und Weise er/finden­den Autors, der fortlaufend, tempo­reich Kreuz- und Quer­verbin­dungen erzeugt, Begriffe hinter­fragt, Alphabet · Avantgarde · Barock · Experiment · Expres­sionismus · konkrete Poesie · Laut­poesie · Moderne · Romantik · Tradition · Wort „usw.“ im Zusammen­hang mit gegen­wärtiger Gedicht­produktion ins Spiel bringt u.a.m.
Wiederholt in den Textfluß eingestreut: Lentz-Schlenzer, die, kurz und herzlos, sitzen – zack: Nennen wir noch, jenseits der Ismen, Rolf Dieter Brinkmann. Kaum ist der Satz gelesen, lodert hinter dem Namen die blaue Flamme auf, die Geist und Seele seit Jahrzehnten befeuert. Und drum sehe ich es, in diesem Augenblick des Lesens, wie jedes Mal, wieder: Das · ist · ein anderes Blau.
Lentzscher Imperativ: Wer Dichter sein will (und nicht etwa Spitzen­klöppler, denke ich hinzu) und sich nicht mit Gedichten von Charles Baudelaire · Gunnar Ekelöf · Stefan George · Robinson Jeffers · Sergej Jessenin · Philip Larkin · Wladimir Majakowski · Cesare Pavese · Sylvia Plath · Ezra Pound · Reinhard Priessnitz · Arthur Rimbaud befaßt hat (die Auf­zählung suggeriert, natur­gemäß, das Mayröcker­sche „usw.“), der kriegt vom Spielleiter, nein, da kennt der Wilde keine Milde, nicht die gelbe, nein, … (ohne Gnade. Schade!) die rote Karte vor staunende Augen gehalten: Der Dichter muss sich ganz auskennen, […] wer bei August Stramm glaubt, sich verhört zu haben, ist für die Poesie verloren […] und wer nie seinen Jesse Thoor mit Tränen las, […] hat keine Ahnung, wie schwer das auf­scheinend Einfache ist …
Lentz, dynamisch-sanguini­scher poeta doctus, homo ludens et musicus, läßt mich im Anschluß an ins Detail von Rhetorik, Linguistik, Inter­textua­lität „usw.“ gehenden Werk­besich­ti­gungen teilhaben, die mir die beWUNDErte Wortkunst von Carlfriedrich Claus · Uwe Dick · Bodo Hell · Friederike Mayröcker · Oskar Pastior (inkl. Herta Müllers Atem­schaukel) · Josef Anton Riedl · Gerhard Rühm · Valerie Scherstjanoi fabel- und wesen­haft vor meine nach immer mehr gierenden Augen führen, während im nachfolgenden Kapitel Andere: Reverenzen erwiesen werden – und wieder flackern Flämmchen beim Lesen allein schon von Namen: Hartmut Geerken (in Michael Lentz' ureigener – faksimi­lierter – Hand­schrift – ›Hand­schrift‹: ein Stichwort, mit dem ich das nächste Faß aufmache, ohne nun weiter daraus zu zapfen) · Thomas Kling (who the fuck is eigent­lich dieser kling, fragt ein Leser am 15. Oktober 2011 in der Lyrikzeitung, in Textleben gibt Lentz vielseitig Antwort – u.a. mit dem Gedichtzitat Über das Bildfinden II: aber die sprache, / aber die sprache, / aber die sprache: / dies ständige, ständige, / vollständige fragment) · Thomas Mann · Helga M. Novak · Joachim Ringelnatz · Robert Walser.
Im Kapitel Alte: Größe trifft der Leser auf umfängliche Essays zu Gottfried Benn (ein irdisches Vergnügen in B.) sowie Rainer Maria Rilke und hier auf die hohlen Nüsse, notabene weit weg von den knackigen Aus­sagen über zeitgenössische Lyriker (wohin sie der FAZ-Mitarbeiter in der Textleben-Besprechung verlegt), von denen mir Ich finde Stolter­foht ganz ausge­zeichnet besonders im Gedächtnis haften bleibt:

Es gehört unter anderem zum guten Ton – der nicht immer der beste sein muss –, Rilkes Texten Kitsch vorzuwerfen. Aber abge­sehen davon, daß der Ruf, ›kitschig‹ zu sein‹, nicht der schlech­teste sein muß und manche Autoren im Unter­schied zu Rilke so ent­täu­schend hohle Nüsse sind, dass sie keinerlei Vorwürfe produ­zieren, kontert Rilke den Vorwurf selbst: indem er gelesen wird. Lesend lernt man einen Dichter kennen, der wie kein anderer unter­schiedliche stilis­tische und rheto­rische Register zu ziehen wusste, dabei mit seiner Dich­tung immer erst unter­wegs war zu einer ›anderen‹ Sprache, zu einer utopi­schen Auf­habung der Differenz von Ding und Wort.


Die zwischen 2001 und 2011 an verschie­denen Orten publi­zierten Texte hat Hubert Winkels als in sich geschlos­sen wir­kendes, offenes, lebendiges Buch (in dem der Tod permanent anklopft) zu einer geballten Textladung kombiniert, die für den aufblickenden Leser zum Feuerwerk wird – Textleben entflammt, begeistert, ist berauschendes, launiges Lese­abenteuer, bei dem ich den technisch ver­sierten, Doppel­pässe mit sich selbst spielenden Teufels­kerl Lentz – nach der Mittel-Zweck-Devise wat mutt, dat mutt – auch als Kämpfertyp erlebe, der auf gut deutsch klarlegt, wo Barde Bartholomäus den musischen Most holt.
Mit den Essays IntermedialitätenSamuel Becketts Fern­seh­spiele und Experi­mentelle Schriftfilme – wird etwas abge­schlossen, das nicht abzu­schließen ist, ist doch der schrei­bende Mensch, in diesem Falle: M. Lentz (so lang ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein, schreibt Jean Paul), immer unterwegs, immer unterwegs, immer unterwegs ins




o     Textleben. (Über Literatur, woraus sie gemacht ist, was ihr vorausgeht und was aus ihr folgt)
Theo Breuer    04.11.2011    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Theo Breuer
Lyrik
Gespräch
Porträt