Ulrich Koch
Winter
Morgens stehn alle
vorm Spiegel an, suchen das Ende
der Warteschlange. In jedem Zimmer
hängen Bilder von jedem,
vergilbt hinterm Glas wie Zähne,
die Rahmen wie Schmutz unter Nägeln.
Du wirst dich an alles
gewöhnen. Güterzüge, endlos,
ziehn Baumstämme aus dem schwankenden
Wald. Regen kämmt
dem Himmel die Gedanken
aus: nasse Vögel.
Auf den Fensterbänken
schminken sich die Blumen
ab. In das Hemd,
auf der Leine gefroren,
wächst du hinein, überkopf
mit erhobenen Händen.
Und alle Betten stöhnen.
Ulrich Koch 01.03.2007 Druckansicht 
|
Ulrich Koch
Lyrik
 |