Ulrich Koch
Alter Friseursalon
Ohne Termin geht gar nichts. Die Wanduhr
steht seit Jahren und tritt den Kaffee fest,
der farblos ist vom Warten.
Unsere Nachbarinnen sitzen unter den Hauben;
grauhaarig, eingefallen: im Orbit vergessene Astronauten.
Mit Lichtgeschwindigkeit gehen ihre leeren Blicke
in die Kindheit zurück, wo nichts mehr ist –
von den Wänden lächeln die Bilder vergangener Moden,
während auf dem Tresen die Illustrierten verstauben.
Zuletzt wird gesprayt – Frisuren, steif wie Zuckerwatte,
werden mittags aus der Tür getragen: Süßigkeiten
für die Krankheiten, die kommen.
Ulrich Koch 13.12.2006 Druckansicht 
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Lyrik
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