poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und
Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 


Stele [griech.] Pfeiler, Säule als Grab- oder Gedenkstein

Die Stelen sind der Anfang einer Sammlung kleiner literarischer „Gedenksteine“ in Form eines Gedichtes jüngst verstorbener Dichter, überwiegend fremdsprachiger, aber auch deutsch­sprachiger. Ausgangspunkt sind unter anderem aktuelle Todesmeldungen in den poetry news. Idee und Konzept: Hans Thill.

Rachel Wetzsteon
(New York 1967 – New York 2009)
Manhattan Tryptichon

I   Café Pertutti

Ausgerechnet in diesem Augenblick hier zu sein, plötzlich
ist da etwas in den Passanten,
das mich verstört und Sehnsüchte weckt.
Hochsommerabend, pfaufarben treiben

Frauen vorüber; gibt es einen passenderen Gedanken
als Ihnen nachzublicken macht mich glücklich?
Doch glühendes Frühjahr und dichter Herbst umrahmen den Sommer.
Wohin mögen sie laufen in ihren smaragdfarbenden Schals?


II   Skater's Waltz

Dies war die Herausforderung: dem späten grauen
Nachmittag in Port Authority nicht zu unterliegen,
sich aufzulösen in süßlichen Musiken –
solch sorglos lockende Klänge sollten

glücklichere Wege als meine untermalen –
Üppigkeit das Grau durchbohren zu lassen,
mich selbst auf einer Eisbahn zu entdecken
dahin gleitend mit all den anderen Läufern.


III   Grove Street

Im Geäst genoss ich den Wind
und fürchtete die Stürme. Verfließende Tage
sahen, wie ich mich stur durch die Menge kämpfte,
mit breitem Grinsen und leeren Blicken – zwei Seiten

der selben Medaille, so oder so war ich martini-trocken,
unverwundbar, Flecken an Hälsen bemerkte ich eher
als Augen, ihre Dolche und ihre Blicke.
Und dann weinte ein Baum! Die Blütenblätter zu meinen Füßen …



Aus: Sakura Park (2006), übersetzt von Stefanie Golisch

»Wir bewunderten ihre Gedichte schon seit Jahren: sie war erst 42, aber bereits einer der besten Dichter ihrer Generation, ein Naturtalent für Form, das sich auszeichnete durch robuste urbane Romantik und eine reizvolle Kombi­nation aus Melancholie und Witz.«
Adam Kirsch

Rachel Wetzsteon wurde am 25. November 1967 in N.Y. geboren und starb ebendort am 24./25. Dezember 2009 mit 42 Jahren.

Rachel Wetzsteon lebte in Manhattan und unterrichtete an der William Pater­son Universität. Ihre Gedichte erschienen unter anderem in The New Yorker, The Paris Review, The New Republic und The Nation. Der letzte ihrer drei Gedichtbände war Sakura Park (Persea Books, 2006). Sie nahm sich in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2009 das Leben.

 

Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen      08.02.2010

 

 
 

STELEN

    Rachel Wetzsteon
  1   Inger Christensen
  2   John Updike
  3   Abdelkébir Khatibi
  4   Petre Stoica
5   Alexej Parschtschikow
6   Elfriede Gerstl
7   Craig Arnold
8   Idea Vilariño
9   Nazar Hončar
10   Kamala Das (Surayya)
11   Adolf Endler
12   Constantin Bănescu
13   Raymond Federman
14   Dilip Chitre
15   Rachel Wetzsteon
16   Gisela Kraft
17   P. K. Page
18   Abraham Sutzkever
19   Lucille Clifton
20   Jelena Schwarz
21   Wladimir Klimow
22   Erika Burkart
23   Edoardo Sanguineti
24   Pete Morgan
25   Bengt Emil Johnson
26   Vesna Parun
27   Walter Helmut Fritz
28   Bella Achmadulina
29   Alexander Mironow
30   Peter Paul Zahl
31   Edouard Glissant
32   John Haines
33   Hamid Skif
34   Thor Vilhjálmsson
35   Jordi-Pere Cerdà
36   Magang-Ma-Mbuju Wisi
37   Andrea Zanzotto
38   Fuad Rifka
39   Wisława Szymborska