14. OPEN MIKE
der literaturWERKstatt berlin, November 2006
L u i s e B o e g e, P r e i s t r ä g e r i n
 Samstag Abend, der erste Lesetag liegt hinter den Zuhörern. Zwölf Autoren haben bereits ihre Texte präsentiert. Der Sonntag wird mit einem DLL- Poetenladen-Dreifachschlag beginnen:
Hintereinander lesen Luise Boege, Anja Kampmann und Andreas Stichmann ihre Beiträge. Luise Boege tritt mit dem Text Der Optophonet an und wird damit am Sonntag Nachmittag von der Jury zu einer der drei Preisträgerinnen bestimmt. Mit Lyrik war sie auf der Shortlist zum achten Debütpreis des Poetenladens vertreten.
Katharina Bendixen: Wie geht es dir?
Luise Boege: Gut. Ich bin ganz entspannt, ich bin auch nicht aufgeregt.
K. Bendixen: An welcher Stelle liest du und bist du zufrieden mit deiner Leseposition?
L. Boege: Ich bin morgen um 13 Uhr dran und die Nummer dreizehn, ich bin auch nicht abergläubisch und so weiter. Ich finde das ganz gut, es ist eine gute Zeit, nicht zu früh.
K. Bendixen: Was hast du gedacht, als in deinem Briefkasten der Brief lag, dass du Teilnehmerin beim Open Mike bist?
L. Boege: Ich habe mich gefreut, habe aber auch keine großen Erwartungen. Ich habe nicht so sehr dieses Wettbewerbsgefühl, dieses Jetzt-muss-man-Doch. Ich freue mich, dass ich dabei bin. Ich denke jetzt auch nicht nur: Dabei sein ist alles, aber ich bin in letzter Zeit etwas davon weggekommen, diese Wettbewerbe so wichtig zu finden, weil ich wieder viel schreibe und es gerade für mein Selbstbewusstsein nicht so sehr brauche, deswegen freue mich, bin aber nicht auf einen der drei Plätze angewiesen. Wenn ich nicht gewinne, finde ich das nicht so schlimm. Dann denke ich mir eben, dass ich Sachen schreibe, die nicht zum Open-Mike-Gewinnen geeignet sind.
K. Bendixen: Worum geht es in deinem Text?
L. Boege: Es geht um einen Optophoneten, der ein großer Künstler ist. Raoul Hausman war ein Optophonet, unter anderem, eine Art Universalkünstler, die Kunst muss sich erweitern und so weiter. Das ist aber heutzutage kein Thema mehr, weil es ja den Fernseher gibt. Der Optophonet in der Geschichte will immer den optophonetischen Apparat erfinden. Das soll nur stellvertretend sein für die verstaubten Menschen, eine Ahnung davon, was darin steckt in der Kunst und im Künstlersein. Ich glaube, dass es viele Leute in meiner Generation gibt, die schreiben, aber nicht zu realisieren scheinen, dass wir in einer Welt mit Internet und Fernseher leben. Was aber nicht unbedingt Thema meines Textes ist. Das ist mehr so ein Quatsch-Text. Ich hatte sehr viel Spaß beim Schreiben, deswegen kann ich den auch ganz gut lesen, es ist ein guter Lesetext.
K. Bendixen: Nach welchen Kriterien hast du den Text ausgewählt, den du eingesendet hast und heute lesen wirst? Ist das ein Text, der bereits in einem Seminar abgesegnet wurde?
L. Boege: Den habe ich noch gar nicht vorgestellt. Ich habe ihn auf die Leselänge hin geschrieben, fünfzehn Minuten, eher etwas kürzer, und er steht in einer Reihe mit vier anderen Texten, in denen die Figuren immer wieder auftauchen, in anderer Form allerdings. Deswegen hat er in mein Programm gepasst, und er war der neueste Text, die richtige Länge, den mochte ich gerade. Ich würde nicht sagen, dass es mein bester Text ist, die meisten Sachen sind auch länger.
K. Bendixen: Hast du schon einen Favoriten?
L. Boege: Ich habe nicht alle gehört und bisher noch keinen Text gelesen. Ich mag Anja Kampmann sehr gerne, die Art, wie sie schreibt, und auch Andreas Stichmann. Naja, das sind meine Freunde. Und ansonsten fand ich die Gedichte von Jan Imgrund heute sehr gut, auch wenn ich von vielen Leuten gehört habe, dass sie da gar keinen Zugang gefunden haben. Und natürlich Am Heckerdamm von Martin Lechner, der war toll, sehr beeindruckend. Ich glaube, der kriegt auf jeden Fall einen Platz, davon gehe ich aus.
Luise Boege, geboren 1985 in Würzburg am Main, studiert seit 2004 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie belegte den ersten Platz beim Wettbewerb des Leipziger Hörspielsommers und veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien, so in SIC, Plumbum, Mimima und poet[mag] 11/2006.
|
open-mike 2005 | Ulrike Sandig
Katharina Bendixen 06.11.2006

|
Katharina Bendixen
Prosa
Reportage
Gespräch
14. open mike
|