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Kornelia Koepsell
Wotan in Darmstadt

Anfangs war nur das Nichts, nur die Ginnunga Gap,
so erzählt es das Buch Edda, ein dunkler Spalt,
da heraus kroch das Ymir,
ein archaisches Riesenkind.

Durch die himmlische Kuh wurden die Götter vom
Eis befreit, und der Gott Wotan betrat die Welt,
seine Truppe, die Asen,
schlug als erstes das Ymir tot.

Ich vermute, daß Schuld auch die Göttlichen quält,
denn sie bauten die Welt aus dem gemordeten
Körper, Menschen erwuchsen
aus den Bäumen wie eine Frucht.

Doch die Hölle fuhr auf, Finsternis war ihr Ziel,
die Vernichtung der Welt. Wotan in höchster Not,
gab ein Auge als Opfer,
damit rettete er die Welt.

Darmstadt war nach dem Krieg völlig zerbombt, ich ging
durch Ruinen, am Schloß auf einer Parkbank saß
Wotan, auf seinen Augen
weiße Binden, denn er war blind.

Rechtes Gedankengut breitet sich wieder aus,
sein Prinzip ist der Haß, das Vernichtende,
und der göttliche Ase
hat kein weiteres Auge mehr.
Kornelia Koepsell    17.07.2010    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Kornelia Koepsell
Lyrik