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Kornelia Koepsell
Gymnastik mit Gottfried Benn

Wie ernst Gottfried Benn über Dichtung spricht,
denk ich, wie still im Stuhl sitzend –
während ich abwechselnd
das rechte und das linke Bein nach oben strecke.

So viel Mühe macht es mir,
die Knie durchgestreckt zu lassen,
daß ich vor allem auf den Klang seiner Worte achte,
auf ihre Müdigkeit.

Mich schreckt nicht, daß man Ratten beim Öffnen einer Leiche
finden könnte.
In meinem Sessel, täglich, täglich,
sitzt eine Sozialhilfeempfängerin,

die Fettpolster versteckt
im grünen Pulli, in der karierten Hose. Aber ich,
ohne ein Messer zu brauchen,
sehe die Ratten.

Sie sind im lebenden Menschen
gräßlich genug.
Heute, in diesen Zeiten, beschleunigt sich an den Worten
das Ungehörte, und Benn

konnte noch stillhalten in seinem Körper.
Ich betreibe Fitness schon seit Jahren,
die Seelen verhallen
in unerhörter Bangigkeit.
Kornelia Koepsell    27.04.2012    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Kornelia Koepsell
Lyrik