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Francisca Ricinski
Wandlung eines Körpergedichts

für Fulvia

du sollst die knittrigen Wangen meines Gedichts
so lange auf den Lindenholzbrett ausrollen, bis es fein
und glatt wird wie ein hausgemachter Nudelteig,
dir ein Wunderland daraus formen und alles inzwischen
Verlorene oder noch nie Gehabte. Zum Beispiel ein
sprechendes Pferd als Ratgeber, eine Mutter, die mit
einem alten Motorrad durch die Welt saust, Felder wo
riesige Geldkürbisse wachsen oder ein Karussell als Wohnsitz.
Und wenn der Teig reicht, modelliere dir auch den schon
lange nicht mehr geflogenen Drachen.

Die Kniepaugen aber, befürchte ich, werden sich weder
ausrollen noch plätten lassen. Aber mach dir ein Kino
daraus, mit einer Panoramaleinwand für alle Stumm- und
Gruselfilme und die täglichen Tragikomödien, die auf der
Netzhaut gedreht wurden. Nur Stühle und einen Klimper-
Kasten müsstest du selber besorgen. Dem Herbstwind die
Säckchen aus dem Keller mit poetischen Krakeleien aufs
Geratewohl überlassen, er kennt sich mit Blättern schon aus.

Es wäre noch die Stirn unter dem Dunstschleier da. Und
die immer noch winselnde Brust des Gedichts. Die beiden
viel zu zerlumpt und eingestülpt, um etwas Großes aus ihnen
zu machen. Aber für ein paar Elfen, die du so magst, reicht es
allemal.

 

Francisca Ricinski   09.01.2009     Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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