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Francisca Ricinski
For a red rhapsody
Weil über Gärten die Nebel wie schwere Euter schwebten.
Und wegen einer gewissen Unentschlossenheit meines Körpers.
Ich ließ mir Zeit, verspätete mich beim Loslassen.
Als ich ankam, fielen noch Ziegelsteine von der Südwand. Das rote Pulver drang in den Kern des Gehirns ein und schlug auf die Luftröhre. Unbrauchbare Kratzklänge für eine red rhapsody.

Ich hätte gerne gerufen: Weil eure verlorene Tochter zurückgekehrt ist. Um aus einer gewissen Not ihrer Füße, an der Türschwelle zu verweilen. Richtet ihr das Haus wieder auf!
Sie ließen sich Zeit beim Erwachen. Ihr Tiefschlaf regte mich dermaßen auf, dass ich nicht mehr spürte, ob ich noch da war mit ihnen oder schon zu den Nebeln zurück oder noch weiter, auf der roten Sandmatratze des Tuareg in einer älteren Fata Morgana.

Bevor ich wieder aufbrach, haben wir uns im Traum getroffen. Wir waren drei Schlangen ohne Gesicht. Oder drei Efeuranken. Windungen einer seltsamen Dreifaltigkeit. Unser unverputztes Haus war nirgends zu sehen. Wir schienen in einem biblischen Nussbaum zu wohnen. Ich sagte ihnen, dass ich aussteigen will. Vor Traurigkeit drehte sich der Nussbaum mit den Wurzeln zum Himmel. So brachte er sie in den Himmel ohne zu wollen ...

Warum glaube ich, hier rieche es nach gebranntem Lehm? Denn die Splitter der letztgefallenen Ziegel auf die Betonfetzen erkalten genau so leicht wie die Finger. Und wie der Dunst aus dem Mund. Sterben Menschen und Lehm oder Stein doch nicht gleichsam?
Die bisherigen Worte sollen zum roten Staub werden. Mir reicht es ein einziges Wort, das ich ununterbrochen ausspreche. Noch kenn ich das Wort nicht. Aber meine Rettung wird von der Luft zwischen seinen Buchstaben kommen.

 

Francisca Ricinski   09.01.2009     Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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