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Clemens Umbricht
Variationen über das Glücksspiel

1
Würfel oder Karten? Oder ist die Zeit schon um?
Die Frage verhallt. Nirgendwo Chips.
Der Spieltisch ist leer wie ein Mysterium.

Der Jackpot ist eine alte Rechenmaschine
in einem verlassenen Fabrikareal,
zu oft geknackt, um noch zu locken.

Aus den entfernten Ecken belauern sich
Gewinn und Verlust und bewerfen einander
mit brennenden Streichhölzern.

Ungebrochen der Glaube an den Zufall.
Selbst Optimisten geben zu: Rechnerisch ist die Welt
so unwahrscheinlich wie ich oder du.

Den ganzen Tag klingelt der Spielautomat.
Auch er lebt über seine Verhältnisse –
ein übernächtigtes, fehlerhaftes Fabrikat.

Die Glückszahl lautet immer noch sieben.
Aber sie ist müde geworden und liegt daneben.
Die Würfel: kleine mehlweisse Häufchen,

die sich nur regen, um zu zerfallen,
wie Mäusekot – oder wie rostige Stempeluhren,
an denen noch der Geist der Arbeit klebt

wie ein ungültiges Los. Der Industriestaub,
der aus allen Wolken fällt, das sind wir,
mit roten Augen, wie Lemuren.

Aus: Clemens Umbricht. LyrikHeft 13. Sonnenberg-Presse< 2012/p>

Clemens Umbricht   28.12.2012    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
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Lyrik