POETENLADEN - neue Literatur im Netz - Home
 
 
 
 
 
 
 
wie aschenputtel

die assecoires sind es, die sie bei sich führen, wie erweiterungen ihres organs, wenn sie es freigeben, ist es reichhaltig und verschieden, wie das, was sie bei sich tragen. auch die haare sind es, die sich in einer duftwolke aufhalten, gekämmt sind sie, halten, sehen fest aus und füllig. dazu lächelnde augen, auch kontrollblicke auf die organe der anderen.
    die finger-, french- und fussnägel, in schuhen, die spitz zulaufen auf winzigen absätzen, wie die schuhe von aschenputtel, zerbrechlich, keine chance zu entkommen also, und das alles nur wegen des organs, das nach innen führt und verschlossen ist, wenn sie so schön gerichtet sind. dann das handtäschchen mit dem long lash mascara und lidstriche zum nachziehen und für die brüste durchsichtige träger, die klein oder gross sind oder mittel sind aus dehnbarem material, darunter schultern, ebenmässig wie perlmutt. der lippenstift ist glossig mit glitteranteil und daran klebt nicht mal ein einziger salatblattrest, der saftig war und auch dem organ viel versprach.
    sie können so essen, weil sie es gekonnt aufgreifen mit den geschönten zähnen, die natürlich weiss sind und darunter eine rosa zunge, vielleicht steckt eine kleine glänzende kugel darin, in der man sich verfängt, wenn es so weit ist und das organ seine zustimmung erteilt. dann teilen sie kurzweilig ihre oberschenkel, ein wechsel. jetzt das linke bein oben, das rechte unten, dabei sieht man auch das andere handgelenk, das ein kettchen schmückt. auch einen swarovskygruss der nabelgegend, kleine gürtelerhebung, mit bauchhaut, braungemalt. mit der anderen hand wird streifgezogen durch die haare, dann lippen befeuchtet, unbewusst, weil sie sich gegenseitig zuhören und worte verlieren, die wie plötzlich aus den mündern fallen, hauptsächlich über organe wird gesprochen, natürlich verschlüsselt, weil es unter verschluss liegt, das um was es geht. beim aufstehen strecken sie ihren geraden rücken und der grosse pomuskel sitzt perfekt, sogar im stand. dann gehen sie mit zartem schwung, in ihren melodien einige schritte und die assecoires gehen mit. das täschchen, die träger, der lippgloss. die duftwolke bleibt für kurze zeit stehen, selbst wenn sie weitergegangen sind, fast lautlos, schwebend, wie aschenputtel, sag ich doch, wie aschenputtel.

Sandra Fritz         Print

sandra fritz
Lyrik
Prosa