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Christian Teissl
Nach vielen Jahren
in einem Herbst den
ein grauer Himmel unter Verschluss hält
begegnen wir uns wieder
in einer anderen Stadt
tauschen Blicke und Worte aus

Nur ein paar Schritte lang
durchqueren wir miteinander
einen längst verloren geglaubten
September in dem ich mich
an einer Wolke verletzte
beim Versuch sie an eine
meiner vier Wände zu hängen
während du mit geschlossenen Augen
einen weißen Fluss hinaufschwammst
von seiner Mündung
zu seinen zwei Quellen

Damals regnete es
noch Papierdrachen auf uns herab
Damals standen noch alle
Bahnhöfe mitten im Frühling
Damals hatten wir Ahnungen
von uns selbst und nichts weiter
begegneten ihnen sonntags
im Dickicht der Auwälder
die längst aus unserer Nähe
verschwunden sind

Damals besiedelten wir
Nacht für Nacht einen Kontinent
der bei Tageslicht unauffindbar blieb
und sahen die Zeit auf unseren Uhren
aufblühn in Blüte stehen
und wieder verwelken

 

Christian Teissl  11.04.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

Christian Teissl
Lyrik