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Carl-Christian-Elze

fötotomische ballade


das fault sich schnell im mutterleib & aast dahin, das kalb
verdreht, blockiert. des muttertiers ziegelrote augenschlitze.
ein guter mann pflanzt seine faust ins fleisch, setzt kalt

die säge an & sägt dem milchvieh durch die aufgeschäumte ritze
die leibfrucht klein: ein vorderbein & noch ein bein & noch
– dem guten mann steckt in der hirnhaut eine mörderhitze –

ein letztes bein! in scheiben heckt der rumpf durchs loch!
die färse presst die fehlgeburt, als wär sie nicht in stücken!
der gute mann am kettenglied, zieht – jede schläfe pocht -

den kopf wie einen stöpsel raus: aufgetürmter rücken
die wirbel: messerstecherei, das fleckvieh stöhnt entschimmelt.
in der wanne liegt nun alles, stirn an steiß, die fliegen zücken

das geschlecht: gebrumme. auf den puzzleteilen: gewimmel.
ein lichtstrahl fällt ins zink & wirft sich dort aufs rot & schwarz.
die mutter glotzt, im fleisch verschnürt, in eine pfütze himmel.

der gute mann befiehlt: „das aus dem blick geschafft!“

(aus: gänge, Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2009)

Carl-Christian Elze   02.10.2010     Druckansicht   Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen