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Sándor Tatár
Als er sich schon am winzigsten Märchen verschluckte

 

Es begann (möglicherweise) so, dass das Mütterchen furchtbar müde wurde;
und es war offensichtlich: seine Zeit hatten die abwechselnd zu sich
genommenen Einbrennsuppen und klaren Brühen bemessen (abgesteckt).
Unter diesen Voraussetzungen konnte dein Besuch kaum zu einer
belebenden Abwechslung werden.

Die Tiere, die hätten sprechen sollen,
kauten gelangweilt an der Nahrung, die sie dem Großen Brehm zufolge
für gewöhnlich fraßen; sie schreckten nicht auf und kamen auch nicht näher:
sie blickten über dich hinweg, stoischen Schankwirten gleich.

Das Wiehern des Zauberpferds wurde breiig, man meinte, es spräche unter
einer dicken Wasserschicht, bis es, und wie erleichternd war das,
ganz auf Worte verzichtete; herzzerreißendes Knirschen:
es tat dies wie jemand, der bis zuletzt seinen Dienst tun will, obwohl sein „beschäftigter“ und
um Ausflüchte nie verlegener Herr die längst fällige Generalüberholung verwehrt.

Der Fluchtweg hatte Schlaglöcher, die kühle Luft fächernden Farne
trieben dir einen bestialischen Gestank entgegen, die einladenden Arme
wurden hinterrücks zu Krakententakeln. Es half nichts,
auch der Eindruck nicht, du bräuchtest bloß nach den Bühnenarbeitern zu rufen,
denn diese hundertmal ein- und ausgepackten Requisiten seien dir
hinlänglich bekannt, wie auch das eigentlich erst vor kurzem aufgetauchte,
aus deinen Poren aufsteigende Gemisch aus Körper- und Pharmageruch.

Das war der Zeitpunkt, als du (sprechen konntest du
nicht mehr, ein zentnerschwerer Steinbrocken im Mund ließ es
nicht zu) zwei Pflöcke in die Erde (oder in das, was man
mal Erde hat nennen können) jagtest : Ein Alptraum ist das
und Es gibt kein zweites Märchen.

Nachdichtung: Ron Winkler. Linearversion von Péter Zalán

Sándor Tatár  14.11.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik