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Kathrin Schmidt
blinde bienen


im rücken, im herbst steckt die ahnung, wir könnten
bleifarben bleiben, zweigeteilt himmelsfindling genannt.
versterbezahlen bekümmern uns kaum, wir gehen schlupflungenklamm
ins gehäuse, getöse, machen uns etwas aus derbem schuhlederklang,
verfahrensfehler geben den rahmen, vernageltes holz,
das auf nichts aus ist. ein reh schaut durchs fenster herein.
noch sind wir nicht sichtbar, ein mottenpaar, das kastanien zusetzt.
verlarvte kinderpuppen haben wir eilig verlassen,
man minimiert uns, indem man das laub aufrafft,
das sommers schon fällt. wenn die bienen in ihrer blindheit
am himmel baumeln wie faules gezänk. wenn ein abgehalfterter ärmel
zurückbleibt. steh du ruhig auf, deine stimme ist milchkaffeefarben,
dein singen gelingt nicht. die blinden bienen haben pulver im pelz,
daß es stäubt, daß es juckt. betäubt taumeln sie zwischen den bäumen,
den sträuchern und meinen uns nicht. für den augenblick
laß ich sie fahren, die ahnung im rücken. im herbst.

 

Kathrin Schmidt  01.05.2009   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

Kathrin Schmidt
Lyrik