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VierMinutenMai

Als habe jemand eine Brausetablette
in den Abend geworfen, so sprudelnd
war die Luft. Angeprickelt vom Wein
trugst du dein Kleid auf wie eine Speise,
aufgetischt zur Herrenvergiftung. Kaum
hatten sie davon gekostet, die Götter
Gatten in ihren verkehrsberuhigten Ehen,
riß es ihre Köpfe herum und ihre Blicke
stürzten wie Lemminge in diesen Ausschnitt
vom Mai. Wie er nachglühte im Leuchten
der Rapsfelder, in deinem Frühsommerkleid
und dem Neid, der dahinter und darüber
herzog mit Trippelschritten. Ein sanfter
Südwestwind faßte alles noch einmal
für uns zusammen: den Raps, dein Kleid,
den Neid. Die reinste Gelbverschwendung.
Hellmuth Opitz    29.08.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik