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Hartwig Mauritz
 

stimmen betreten fremde körper. siebenuhr
nachrichten. von gestirnen weggerückt die zeit
sitzt nun im ohr. schnee fällt ins rauschen
großer flocken. die antenne siebt schweigen
aus den geräuschen. wellen setzen stimmen ab
es schuf der raum sich ein feld in großmutters
küche. unter mäusen auf der telefonleitung
der langsam zernagende ton. es raschelt falten
in die decke, ein knistern. auf dem tisch steht
geronnene milch, im schrank tilsiter. der hintergrund
angefüllt mit kratzen, scharren. drahtlos läuft die
stimme, atmet worte über die schwelle des tons
großmutters tuch wischt staub aus der röhre. gespannt
auf die sprache betrachten wir das gerät, bröckeln
kekse, essen plätzchen. die hand am drehknopf
dann großmutters letzte stille. wir montieren
teleskopantennen an den stammbaum, horchen
zur nächsten generation hin. das wasser hängt sich
unter die wolken, ein band grieselnden graus. im
trümmerfeld der sprache jetzt großmutters stimme
auf kurzwelle. bis wohin dürfen wir fliehen

Hartwig Mauritz      14.01.2007      Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

Hartwig Mauritz
Lyrik