
Münchner Reden zur Poesie
Herausgegeben von Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon
Publikationen im Lyrik Kabinett München
Redaktion im poetenladen: Walter Fabian Schmid

Einleitung
Es ist an der Zeit, der Lyrik ihren Platz in der Gesellschaft zurückzugeben. Was läge da näher, als der schon immer auf Hilfe angewiesenen Dichtung aufzuhelfen und sie in die Gesellschaft hineinzutragen? Damit ist nicht etwa gemeint, dass Buchhändler zu Briefträgern werden, es würde schon reichen, wenn sie Gedichtbände ins Sortiment aufnähmen, nein, damit sind all die Veranstalter gemeint, dank deren Dichter und Gedichte erlebt werden können, dank deren der Dichtung ein Raum gegeben wird, sich vorzustellen.
Dass Lyrik großenteils eine Vortragskunst ist, hat man in den letzten Jahren glücklicherweise (wieder) erkannt. Man hat es erkannt in Hildesheim (Prosanova), in Wien (Europäisches Festival der Poesie), in Leukerbad und im alteingesessenen Erlangen (Poetenfest) und in den quirligen Städten Berlin und Leipzig sowieso. Nur leider sind all die Festivals nicht lang von Dauer und die Lyrik samt Liebhaber werden von Ort zu Ort gehetzt. Dieser Fluktuation entgegen hat die Poesie, und nur die Poesie, in einem schicken Glashaus eines Hinterhofs der Münchner Amalienstraße das ganze Jahr über einen festen Wohnsitz. Und das nicht nur in Form des Bestandes der deutschlandweit größten Lyrikbibliothek, sondern auch in (be)ständigen Veranstaltungen, die dank findiger Vermittlung die Lyrik im Diskurs halten.
Für den Lyrikdiskurs selbst ist es unverzichtbar, dass man Dichtern Raum gibt, ihre Schreibauffassung darzulegen, dass sie Raum bekommen, Stellungen zu beziehen, denen man wohlwollend zustimmen kann, über die man kühl diskutieren oder hitzig streiten kann. Zweimal im Jahr wird hierfür in der Reihe „Münchner Reden zur Poesie“ ein Dichter eingeladen, um in einem kurzen und knackigen Vortrag seine Poetik vorzustellen; zweimal im Jahr „bietet die Stiftung Lyrik Kabinett seit 2005 ein Forum für die historischen, ästhetischen, theoretischen und poetologischen Positionsbestimmungen der Poeten.“ Dank den Herausgebern der Reihe, Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon, erscheinen die Reden zudem in feiner Buchgestalt.
In Form von Audiomitschnitten und einer kommentierenden Einführung werden an dieser Stelle zunächst die bisherigen Reden von Uljana Wolf, Friedhelm Kemp, Marcel Beyer, Ernst Osterkamp, Anja Utler, Christoph Meckel, Lucian Hölscher und Heinrich Detering präsentiert.
Im Namen des poetenladens danke ich Ursula Haeusgen und Dr. Pia-Elisabeth Leuschner für die herzliche Zusammenarbeit.
Walter Fabian Schmid
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26.11.2009