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Münchner Reden zur Poesie
Herausgegeben von Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon
Publikationen im Lyrik Kabinett München
Redaktion im poetenladen: Walter Fabian Schmid

Jan Wagner
Der verschlossene Raum
Walter Fabian Schmid zu Jan Wagners Poesierede
Viele Dichter verschlingen Krimis geradezu en masse. Vielleicht auch nur in der Tradition Benns, der ihnen die Funktion zuschrieb, sie seien „Radiergummis für's Gehirn.“ Jan Wagner jedenfalls entfaltet aus dieser These seine Münchner Rede zur Poesie, gehalten am 28. März 2012 im Lyrik Kabinett.
Auch wenn Wagner das schlecht anhand der Lyrik aufzeigen kann, so führt er doch seine These theoretisch weiter und gelangt zu der Gleichsetzung von Dichter und Detektiv, von Tatort und Gedicht. Denn sowohl der Dichter als auch der Detektiv stehen für Wagner vor der gleichen Situation, sich in einem Raum der Unmöglichkeiten zu bewegen. „Mit dem Unterschied natürlich, dass der Dichter etwas erschafft, während der Detektiv eine vorgefundene Situation entwirrt.“
Nach Wagner erzeugt der Dichter so einen Raum für den Leser, in dem dieser gezwungen ist, die Dinge neu wahrzunehmen und sich auf das Unerwartete einzulassen, das ihm die Normalität entrückt. Über die Poetik Edgar Allan Poes gelangt der Redner immer tiefer in den „Tatort“, der sich als „Locked Room“ herausstellt, der für den Leser bloß nicht enträtselbar sein darf, denn sonst taugt das ganze Gedicht nichts. Vom „Locked Room“ aus ist es natürlich nicht mehr weit zur Hermetik, die dann aber jener Raum ist, „der gemeinhin […] als fast verschlossen bezeichnet wird, in Wahrheit ein offener ist – genauer gesagt, der offenste, der jedenfalls mir bekannt wäre.“ Die unterhaltsame Gestaltung des Endes lässt zumindest darauf deuten, dass dies die Absicht des gesamten Vortrags ist.
Walter Fabian Schmid
Einleitung von Frieder von Ammon:
„Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir, da wir die Münchner Reden zur Poesie
nach einer Pause
von etwas mehr als einem Jahr fortsetzen ...“
Jan Wagner | 1
„Guten Abend, vielen Dank für die Einladung nach München und für die wunderbare Einführung ...“
Jan Wagner | 2
„Denn es kann doch, meine Damen und Herren, kein Zufall sein, dass einer der Begründer der modernen Lyrik ...“
Jan Wagner | 3
„An dieser Stelle soll ein kurzer Exkurs risikiert werden ...“
Jan Wagner | 4
„Zunächst einmal darf man Poe nach wie vor Recht geben ...“
Jan Wagner | 5
„Diese sich bietende Freiheit als Genuss zu empfinden, ist sicherlich auch eine Frage von Geduld und Lernbereitschaft ...“
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Jan Wagner, geboren 1971 in Hamburg, lebt seit 1995 in Berlin. Zuletzt erschienen der Band Australien (Berlin Verlag 2010 ) und die Essays Die Sandale des Propheten (Berlin Verlag 2011) sowie die Übersetzungen zu Simon Armitage Zoom! (Berlin Verlag 2011). Ausgezeichnet wurde Jan Wganer zuletzt mit dem Friedrich- Hölderlin-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis.
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Druckansicht Seite empfehlen 22.06.2012
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