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Volker Demuth

Lapidarium (IV)

Die Fische tauchen wie Trinkgeld auf. Die Kiesel im Mahlwerk
ihrer selbst, der Fluss, der seine Durchsichtigkeit flößt. Kupferne
Scheiben schimmernd zwischen den Härchen deines Unterarms.
Eigentlich wäre eine solche Präzision, in Motive und Kalk
gebannt, leicht zu ertragen, aber man sollte ihnen nicht zu nahe
kommen. Kaum legt sich ein Ereignis krumm, rastet die Vorsehung
ins nächste Gebrüll. Manchmal sehe ich sie durchs Fernrohr
eines Hohlknochens, eine nachsynchronisierte Szene, mit der
sich das Vergessen davonmacht. Ein Klimpern hinter sich.

Diese ganzen Tage ergeben ein Fischgrätenmuster und eine Ballistik
aus Schlaflosigkeit. Seit der Lehmschrift, ziegelhart gebrannt, ergreift
einen Fetzen Welt, wer sich verschulden kann. Vergleichbar
durchstreifen die Rudel unserer Billigungen das feierliche Kollegium
aus Häusern, Liebesbeweisen, Dryaden, beobachtend wie sie in
ihren Verzweigungen untergehn. Das hier ist so weit entfernt wie von
jeder anderen milden Gegenwart, seit sie nach den Ochsenköpfen
Homers zählte, dem Tausch auf einer skalierten Zeit.
Die Dunkelheit ein Pförtner am Eingang der Erdbienen.

Volker Demuth   29.03.2009     Druckansicht   Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik