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Shakespeare Sonett 66
Übersetzung: U. Erckenbrecht

William Shakespeare: Sonett 66


Des Lebens müde, fliehe ich die Welt:
ich seh' Verdienst entlohnt mit Bettelgroschen,
und nacktes Nichts wie aus dem Ei gepellt,
und reinste Treue im Verrat erloschen,

und goldne Zierde schändlich zugeschustert,
und Mädchentugend hurenhaft verdorben,
und wahres Können achtlos ausgemustert,
und Herrschertum in Weichlichkeit erstorben,

und Kunst gelähmt durch der Behörden Macht,
und abgefeimte Narr'n im Doktorkittel,
und edle Ehrlichkeit brutal verlacht,
und gute Menschen als der Bosheit Büttel.

Des Lebens müde, denk' ich an den Tod,
jedoch wär' dann mein Lieb' allein in Not.
Ulrich Erckenbrecht    27.03.2010    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Ulrich Erckenbrecht
Lyrik

Shakespeare Sonett 66