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Tina Gintrowski
LYRIKSTORIES

Freilich

leicht war es leider nicht und bleibt nicht leicht und einige leichenpflaster hab ich mir gewebt der mob mobilisierte mich doch meine meidermächte lichteten das meisterliche dickicht meistens nicht ich schweb auch jetzt noch offen oft mit dem gesicht ganz dicht an leiblichem vorbei leis hoffend dass ein ähnlicher bericht den meineid einmal bricht und mich befreit


Zapfenstreich

die tannen kacken zapfen im galopp ob das die wahrheit ist lachst du ich antworte und ob du sagst aber die wissenschaft ich schreie stopp weil auf almosen von den wichtigwichten hab ich keinen bock das siehst du ein und zeigst mir einen stein und fragst und was ist das ich überlege kurz und sage dann zum spaß das ist ein stein und du fällst darauf rein und sagst ach so und wirkst gar nicht mehr froh nein nein werf ich schnell ein war nur ein witz das ist in wirklichkeit die kleine schwester von nem blitz die donner heißt und die ihr vater manchmal von der wolke schmeißt wenn dann ein wind sie ganz bis auf die erde treibt und sie nicht unterwegs an irgendetwas hängenbleibt sieht sie am ende so aus wie ein kleiner stein als tarnung weißt du weil der rest ist ja geheim oho ah ja verstehe flüsterst du mir zu doch was ist wenn du lügst und all das gar nicht stimmt wieso was soll dann sein entgegne ich was wahr ist oder nicht entscheidest du allein


Stiller

brenn meine steppe ab sofie dass sie endlich zur gültigen wüste wird ein letzter busch der gerad noch stand er stirbt na endlich platz ich pfeife schnell ein trauerlied und tanze dann leichthändig los richtung regionen wo nie wieder was geschieht wo alles in mir schweigt und mich wahr zeigt dort zeichne ich ein kraut das nicht gewachsen ist mit starkem finger in den sand und halte meinen kühlen kopf in einen wind der mich entmannt und nebenbei mein mittlerweile wieder weißes haar zerzaust und meinen unterleib entweht hier ist es schön flüster ich dann dem kraut ins ohr hier ist es nie zu spät hier will ich wohnen und dass das kraut sich daraufhin leicht zu mir neigt und dabei anemonen gleicht ist schon der letzte satz denn nun ist der moment erreicht die nagelneue stille schön zu schonen


Die Energie der Wiesen

rot weiß grün weiß egal ob pommes oder softeis meine eltern sind für eine weile fernverreist das geld das bleibt spendier ich dir für billigbier oder wir kaufen davon milchreis die wiesenenergie schießt gerade mir ins knie so dass ich springen muss egal wir gehen ja eh zu fuß weil eben ohne uns fuhr dort der letzte bus wir meiden pünktlichkeit zu jeder zeit wir schwören darauf sogar beide eide denn wir sind so weit ein fetzen wolke zieht an meinem ohr und selbst das kommt mir komisch vor alles macht heute spaß ich glaub das liegt am gras komm wir klauen noch was


In Tönen

hast du noch muße übrig weiter das zu tun was du bisher zu oft getan hast einen wahn empfängt nur der der nicht allein sich notfalls anfasst eine hand von jemand anderm zieht mich dicht zurück bis letztlich nur ein kleines stück entfernt vom möchtegern ich an den kern komm trommel dort ich fester auf ein fell bewegt sich schneller mein verstand ich bringe dir die schlinge die am baum da hängt einer der trifft und eine wird versenkt shalom sagen so manche gern im bürgerkrieg während ihr bauch weiter breit sieg schreit


Empor

die megalomanie ist groß wie nie ich stand auf dem balkon die sonne schrie mir ins verblichene gesicht selbst ein paar striche wolken dämpften nicht ihr licht sie schrie ich bring es an den tag ich wurde bang verzagt und bat sie bitte lass das sein sie schrie bloß nein und zwar echt recht erbost nun wurde gleichsam ich leicht ärgerlich nahm einen toast den ich mit rübenmus bestrich und hielt ihn dann als spiegel in ihr scheingericht das fand sie zunächst lächerlich doch dann schrie sie aua du arsch das blendet mich das bringt mich um ja eben drum erwiderte angewidert ich doch heul nicht rum ganz so leicht stirbt man nicht


Die Tätigkeit der Lebensherde

hast du gesehen was sehenswert war die lebensherde kochte beinah mein gehirn gar möglicherweise hab ich glück und bleib derart andersbegabt oder werd sogar ein weiteres stück potenter wenn ich meinen kopf noch etwas mehr nach außen rück sag mal vielleicht gibts ja auf einer insel die ich spontan und eben auf den waghals pinsel eine lücke für rabauken und reismeider wie mich nur noch ein kleiner tuschestrich und schon wirds wohnlich hach hier fühl ich das beton ich mich nicht nur allein kann es so sein


Schleiermacher

verschleier meister deinen blick sonst strick ich dir ein augennetz aus haut 40x40 millimeter filmfunktion mit eingebaut dein lebenslauf im rückwärtsgang endlosschleife sterbenslang bis wenn du glück hast einer dran vorbeiflaniert und seitlich in das gitter stiert ja lach ruhig aber so etwas passiert nur viel zu selten

 

Tina Gintrowski       06.06.2007       Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

 
Tina Ilse Maria Gintrowski
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Lyrik