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Timothy Steele
Was da kommt

 

Der Sommer endet, und spät am Nachmittag
Trübt sich das Licht nicht mehr – bleibt klar, hart.
Die Bäume ums Haus sind voll von dem Wind

Und der Wind kommt immer von Norden, er peitscht den See
Wie im Wahnsinn auf, Welle um Welle bricht sich
An Felsen in wilden, gischtenden Explosionen,

Welle um Welle krümmt sich weiß und schäumt
Den glatten Strand hinauf. Und nachts, im Bett,
Hör ich den Wellen, den windwunden Bäumen zu,

In solchem Klang des Dunkels ist reine Schönheit,
Die endet nicht, tröstet nicht. Und wo ich liege
Weiß ich, daß nicht nur altert, wer verspürt,

Wie Zeit vergeht, doch auch wer im Wind Geschichten
Von unwiederbringlichen Plänen und Hoffnungen hört,
Von Zärtlichkeit, die schüchtern scheiterte, und Tugend

Die der Schwäche und dem Zufall wich.
Ich schlafe morgens ein, erwache spät,
Lese beim Feuer, schaffe, doch schlägt etwas um,

Wie das Licht sich auch ändert, ich spüre, was kommt,
Gewaltiges Dasein, Zusammenballung von Zeit
Und Einsamkeit, die seit langem sich sammelten,

Die, wie der Wind steil über dem Wasser steigt,
Sich über mir türmen, bis ich sie immer höre,
Stetig und dröhnend, bis ich sie nicht mehr höre.

Übersetzung: Christophe Fricker

Timothy Steele    14.08.2009      Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht     Seite empfehlen  empfehlen
 

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Lyrik