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Timo Berger
Der Druck der Evolution


Nein, es ist kein konstruierter Zusammenhang zwischen
Maschenweite und Gewicht einer Population Kabeljau
Fische, die mehr Energie in Sex als ins Wachstum
investieren. Am Horizont gigantische Schiffe

schwimmende Fabriken, die Monat um Monat hoch
im Norden kreisen und Bestände heranzüchten
in denen die Tiere genetisch bedingt kleiner und vier Jahre
früher geschlechtsreif. Nur so haben sie eine Chance

durch immer engere Maschen zu schlüpfen, sich vor dem Fang
zu vermehren. 46000 Tonnen die Schwärme der Nordsee
auf einer gedachten Waage, nötig für eine nachhaltige
Befischung dreimal so viel. Doch nicht allein das Gewicht

auch die Körpermaße schwinden. Vor sechzig Jahren
zu Beginn der Industriefischerei fünfundneunzig
heute fünfundsechzig Zentimeter Ein Fangstopp oder
Schutzzonen hier und da drehten die Uhr nur langsam zurück

Ein Pool großer Fische als Puffer an Bord des Trawlers
lebend nach Größer sortiert und wieder ins salzige Wasser
geworfen ist technisch unmöglich. Doch nicht das private Glück
des Speisefischs zählt: mit kleineren Individuen sinken

die Fangmengen, die Futtertröge werden leerer und schwieriger
die Einigung der Minister, wie sie Massen an Hühnern
mit Fischmehl, die Bürger der EU mit Eiern zum Frühstück
oder Eiern für einen österlichen Fruchtbarkeitskult versorgen

Timo Berger  08.07.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

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Lyrik