poetenladen    poet    web

●  Sächsische AutobiographieEine Serie von
Gerhard Zwerenz

●  Lyrik-KonferenzDieter M. Gräf und
Alessandro De Francesco

●  UmkreisungenJan Kuhlbrodt und
Jürgen Brôcan (Hg.)

●  Stelen – lyrische GedenksteineHerausgegeben
von Hans Thill

●  Americana – Lyrik aus den USAHrsg. von Annette Kühn
& Christian Lux

●  ZeitschriftenleseMichael Braun und Michael Buselmeier

●  SitemapÜberblick über
alle Seiten

●  Buchladenpoetenladen Bücher
Magazin poet ordern

●  ForumForum

●  poetenladen et ceteraBeitrag in der Presse (wechselnd)

 

Sylvia Geist
Strahlung Sprache

Über Reisen in die Dichtung und zurück

  Essay    5. Folge


Erhellung durch die Reise von Partikeln, Durch­drin­gung von Mate­rie durch Teilchen, deren Wesen ihr Unter­wegs­sein aus­macht, Materia­lität, die vielleicht haupt­sächlich aus Unter­wegs(ge­wesen)sein be­steht und sich, aus diesem Blick­winkel be­trachtet, als eine Form von Erin­nerungs­ver­mögen mani­festiert: Diese Cha­rakte­ristika von Strah­lung verbinden sich mir zu einem Bild von der dichte­rischen Sprache, das eine An­nähe­rung an ihre Her­künfte und Wirkmächte erlaubt, ohne dabei einen ihrer Pole zu leugnen.
 In loser Folge sollen an dieser Stelle Notizen von Reisen in die Dichtung er­schei­nen. Keine Reise ist ohne Fähr­nisse, ja ein Unter­wegs­sein ohne Fährnisse wäre überhaupt keine Reise, Fahrt und Gefahr haben mehr gemein­sam als den Klang dieser beiden Vokabeln. In der Dich­tung haben die Wörter eine immense Reise hinter sich, das macht sie zu Worten, macht sie strah­lend – und ein Re­flek­tieren, wie Kierke­gaard es formu­lierte, so möglich wie erforderlich: Wie bin ich in dieses und jenes hinein gelangt, und wie gelange ich wieder hinaus, wie endet es?


5.   Im Orbit des Saturn

„The blood jet is poetry / There is no stopping it“, heißt es in Kindness von Sylvia Plath. Ein Strom von Gedichten, wie ein Rauschen aus den Bäumen an der muro della terra, und dann nichts mehr, als wäre sie wirk­lich durch eine Porta morgana gegan­gen.
  „Ich werde nicht mehr schreiben“ lautete die letzte Tage­buch­ein­tragung Cesare Paveses, kurz nach­dem er binnen weni­ger Monate zwei seiner besten Romane ge­schrie­ben hatte.
  Epikur verbannte die Dichtung aus dem glücklichen Garten.
  Es geht nicht darum, dem Lieblings­aber­glauben eines aufge­wärmten Romanti­zismus an die Melan­cholie als Kunst­voraus­setzung auf­zusitzen, noch will ich den Scharr­bil­dern einer Logik folgen, die die Be­zie­hung zwi­schen Kunst und Melan­cho­lie als Beweis für den „Grausamen Gott“ der künst­le­rischen Arbeit auslegt, dem Alfred Alvarez1 seine Studie mit Blick auf Plath widmete. Dort attes­tierte er dem Schaffens­prozess eine immanente Dynamik, nach der „durch den Akt des formalen Ausdrucks dem Künst­ler das eingebrachte Material nur leichter zugänglich“ werde. Erscheint diese Wendung des Bildes der Kunst als Spiegel, die nun den Künstler als Nachahmer seines Werks zeigt, der das „Geschaf­fene auch leben“ wolle, auch bestechend plausi­bel, so grenzt sie doch an die Bezich­tigung, jener wolle im Schat­ten eines grausamen Gottes leben.
  „Das An­ge­blickte blickt mich an, und zwar schon bevor es angeblickt worden ist, es erkennt mich, hat mich erkannt, im Nu“, schreibt Anne Duden2. Der Ange­blick­te befindet sich in der Situa­tion des Aus­geliefert­seins, oder wie Em­manuel Levinas es for­mu­lierte, in der Lage einer Geisel jenes Anderen, das einen anblickt, in einem Ver­hält­nis der Wahr­neh­mung also, dem man sich ja gerade nicht verwei­gern kann, in einer „schwer er­run­genen Indolenz, die erst ermög­licht, daß das Doloröse – und auch das nur unter anderem – zu sich und zu Wort kommt.“ (Bei Levinas ist daher auch nicht vom Autor die Rede, sondern vom Schrei­benden.) Im Moment des Angeb­lickt­wer­dens liegt die Spannung eines Impulses, jene Unwill­kür­lich­keit, die ent­steht, wo man sich etwas Unkal­kulier­barem gegen­über­sieht.
  „Es öffnete sich die Tür und es kam, gut im Saft, an den Seiten üppig ge­rundet, fußlos mit der ganzen Unter­seite sich vor­schiebend der grüne Drache ins Zimmer herein. Formelle Begrü­ßung. Ich bat ihn völlig ein­zutreten. Er bedauerte dies nicht tun zu können, da er zu lang sei. Die Tür mußte also offen­bleiben, was recht pein­lich war. Er lächelte halb ver­legen, halb tückisch und begann: Durch deine Sehn­sucht heran­gezo­gen, schiebe ich mich von weither heran“, liest man in Kafkas Nach­gelassene(n) Schriften. Nicht ums Wollen geht es hier, sondern ums Sehnen. Niemand wählt, wonach er sich sehnt – das macht die Sehnsucht zum troja­nischen Pferd in der Seele, oder physio­logisch ge­sprochen: im Mandel­kern, dem Areal des Gehirns, in dem die Impul­se des Begehrens und der Angst als Nach­barn wohnen und ein­ander befeuern.

Seit Aristoteles galt die Melancholie als Beginn wie auch als Pferdefuß geistiger Arbeit; die Betroffenen hielt man als „Kinder des Saturn“ sowohl für Philosophie und Dichtung deter­miniert, als auch für Irrsinn: „Viele werden aber auch (...) von krank­haften Anfällen der Raserei und der Verzückung ergriffen; so ent­stehen die Sybillen, die Wahrsager und alle Gott­begeis­terten, soweit sie nicht durch Krank­heit, sondern durch ihr physisches Temperament so geworden sind“. Der Krank­heits­begriff war ambivalent: Einerseits wurden Raserei und Verzückung des Melancho­likers als krank­haft betrachtet, anderer­seits jedoch von den durch Krank­heit verur­sachten Zuständen unter­schieden, unter denen Nicht­melancho­liker leiden konnten. Nach Galen physio­logisch zurück­zuführen auf das Ungleichgewicht der vier Säfte zuguns­ten der schwarzen Galle, war Melan­cholie demnach eine Spielart der „heiligen Krankheit“, als die man die Epilepsie deutete, die Krank­heit von Empe­dokles und Sokrates, aber auch die des Herakles, dessen Wunden vor seiner Entrückung auf dem Öta wieder aufbrachen, und von Bellerophon, dem Bezwinger der Chimaira.
  Dieser Auffassung folgte im Mittelalter eine gänzlich negative Bewertung der Melancholie; allenfalls befand man den gemäßigten Me­lancho­liker als qualifiziert für intel­lek­tuelle Betätigung. Die davon abweichende These des Renais­sance­denkers Marcello Ficino blieb weitgehend unbeachtet. Ficino nämlich inter­pretierte die Melan­cholie nicht als Begleit­erschei­nung bestimmter geistiger Veran­lagungen, sondern als Folge der mit ihnen einher­gehenden inneren Aus­einander­setzun­gen, als deren Schatten. Zwar argu­mentierte der Neu­plato­niker noch im Sinne der Tempe­ramenten­lehre, nach der Saturn der Schirmherr der Melan­choliker und die Melan­cholie eine Krankheit dar­stellte, nahm aber eine komplexe Wechsel­wirkung zwischen Tätig­keit und Gestimmt­heit des Menschen an: „Bedenke immer, dass wir schon durch die Nei­gungen und Bestre­bungen unseres Geistes (...) leicht und schnell unter den Ein­fluss der Gestirne geraten können, die diese Neigungen, Bestre­bungen und Beschaffen­heiten bezeichnen; daher geraten wir durch Absonderung von menschlichen Dingen, durch Muße, Einsamkeit, Festigkeit, esote­rische Theorie und Philosophie, durch Aberglauben, Magie, Landbau und Trauer unter den Einfluss des Saturn.“3
  In Zeiten bildgebender Verfahren liest sich Ficinos Vorstellung vom Zu­sammen­wirken von Gestirn und Gehirn wie eine Metapher für Zusammen­hänge, die seit etwa zwei Jahr­zehnten zunehmend unter neuro­bio­logi­schem Vor­zeichen untersucht werden. Manie, Wahn, Psychose werden nicht als die Kehrseite von Phantasie und Schöpfungskraft verstanden, aber in Be­ziehung gesehen. Beide Ver­fassungen werden von denselben Genvarietäten gesteuert, und die für beide typisch er­schei­nenden Modi­fikation­en im Gehirn ins­pirieren zu thera­peu­tischen Ansätzen, die auf den Einfluss gedank­licher Prozesse auf neuronale Strukturen setzen.
  Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts beobachteten Eugen Bleuler und Emil Kraeplin bei Schizo­phrenie­patienten auf­fällige Verän­derungen in Wortwahl und Satzbau, später berichtete u.a. Leo Navratil4 – bei nuan­cier­terer Bewer­tung – über das gleiche Phänomen. Mittlerweile spielen lin­guis­tische und semio­tische Gesichts­punkte eine wichtige Rolle bei der Ent­wicklung geeig­neter Thera­pien, und die Analyse divergenter Sprach­merkmale hat Ein­gang in die Diagnostik gefunden, deren Verfahren sie als Symptome weiter­reichender psychischer Krank­heitsbilder behandeln.
  Wortschöpfungen, Auf­lösung und Neuordnung der Syntax, Asso­ziations­fluss, Chiffren, Meta­mor­phosen, in deren Verlauf Nomina sich in Verben wandeln, Arti­kel in den anderen Fall stürzen, ins Originelle rasende Gedanken­ketten bezie­hungs­weise Begriffs­auf­lösun­gen, das subjektiv empfun­dene Ver­schwinden (oder der Rückzug) des von der Außenwelt wahrge­nom­menen physischen hinter das sprechende, das lyrische Ich oder die Ver­lagerung emotio­nalen Geschehens auf Stell­vertre­ter­gestalten, auf Figuren5 – was sich liest wie ein Katalog poetischer Mittel, erweist sich als Liste von Er­ken­nungs­merk­malen, die heute in füh­renden Kliniken bei der Raster­fahn­dung nach mentalen Störungen ausge­geben werden. Man kann von Glück sagen, dass sich in der Termino­logie wie in der psychia­tri­schen Praxis neben dem Schizo­phrenen der Schizotype eta­bliert hat, der nicht­klinische Fall, der nichts­desto­weniger über ähnliche Erfah­rungen nicht verfügt, vielmehr mit ihnen leben muss wie mit den Sympto­men eines Tropenfiebers, das, einmal virulent gewesen, immer aufs Neue ausbrechen und das Leben aus den Fugen schmelzen kann.
  Was zum persönlichsten Erleben manchen Aberlandreisenden gehört, die Erweiterung des inneren Gesichtsfeldes bis hin zu Gesichten und dem damit einher­gehenden Schrecken – ver­gleichbar mit jenem ange­sichts der Coatlicue –, das blinkt heute, wie Ted Hughes in seinem Aufsatz zu Baskin6 schrieb, auf empfind­lichen Anzeigen als ablesbarer Beweis. Messungen der Hirn­aktivität machen die Kraft der Sprache sichtbar, eine zweite, real empfundene Wirklichkeit hervor­zurufen (und befreien diese para­doxer­weise vom Odeur der Hysterie: Die Wahr­nehmung mag wahn­haft sein, ihre reale Anmutung im Gehirn des Wahr­neh­menden aber ist nun so nachweisbar wie ein Knochenbruch oder ein Infarkt).
  Das neuronale Lexikon speichert die Wörter nicht primär als Laute oder Zeichen­kombi­nationen, sondern als Emp­findungs­bilder, es hinterlegt ihnen die Eigen­schaften, das Wesen der einzelnen Dinge, und was den Gesunden vom Kranken unterscheidet, ist nichts weiter als die dünne Membran des Grades, in dem diese hinterlegten Empfin­dungen sich zum Senso­rium durch­sprechen. Die Kranken spüren gespro­chene Hiebe und hören er­wähnten Lärm, einige berichten sogar, ein Wort werde für sie zur Sache selbst: „Wenn man so will, haben Schi­zo­phrene die engste Beziehung zur Sprache, die man haben kann. Aber das ist kein Segen. Es ist ein Fluch“, schreibt Michael Greenberg7, der die sprach­schöpfe­rischen Ausbrüche seiner erkrankten Tochter Sally zuerst mit Neid, später mit tiefem Mitgefühl für die „ausge­dörrte Einsam­keit“ ihres Zustands beo­bach­tete. Wäre es nicht über­haupt tref­fender, von Ein­samen anstatt von Kranken zu sprechen, von Abgeschie­denen, die im Aber-Verhältnis zu ihrer Umgebung wie in der Fremde leben? Sallys sprach­liche Origi­nalität, ihre poetischen Bilder und Wort­schöp­fungen waren ein Produkt des Zusammen­bruchs jener se­man­tischen Über­ein­künfte, die das Funda­ment von Ver­ständi­gung bilden, oder um mit Kafka zu reden: der Drache hatte sich weiter und weiter ins Zimmer geschoben, und die Tür, anfangs mög­licher­weise in beid­seiti­gem Ein­ver­ständnis offen gelassen, ließ sich beim besten Willen nicht mehr schließen.

Es liegt eine seltsame Widersprüchlichkeit in dieser gesteigerten Sensibilität seitens der Medizin für die Bedeutung der Sprache. Indem man den Blick auf ihre „satur­nische“ Seite lenkt, nimmt man sie als In­di­kator und Therapie­modul mentaler Erkran­kungen ernst, andererseits mündet die Ein­sicht in ihre Möglich­keiten, den Verstand auch zum Wahn­haften hin zu öffnen, in ein harmoni­sie­rendes, „heil­sames“ Angleichen, das auf eine Ein­schrän­kung, eine Aus­dün­nung ihrer Potentiale hinaus­läuft. Umge­kehrt erweckt die Tatsache, dass es eben ihre von der Alltags­kommuni­kation, vom Zweck­dienlichen ab­weichenden Cha­rakte­ristika sind, die sie nun als Steckbrief aus der Psychiatrie verwendbar machen, ein gewisses Miss­trauen. Seit Don Quixote avan­cierte das Thema wiederholt zum lite­ra­rischen Motiv, dennoch scheint der Umstand, dass Sprache in ihren poetischen Formen neben der Chance, dem herbei­gesehnten Drachen zu begegnen, auch das Risiko birgt, die Kontrolle darüber ein­zubüßen, wie weit diese An­nähe­rung gehen soll, für manchen mit dem Ruch eines Liebes­ver­rats behaftet zu sein.
  Noch schwerer wiegt natürlich die Befürchtung, eine Grenze zu verletzen, jenseits der Sprach­betrach­tung und -kritik in Ideologie umschlagen könnten. Ein harmoni­sieren­des, ver­harm­losendes Bild von den Wirk­mächten der dichte­rischen Sprache wäre jedoch nicht weniger ideo­logisch und zöge darüber hinaus den Verzicht auf Qualitäten nach sich, die ohne die Risiken des Sich-Aus­setzens, sogar des Kontroll­ver­lusts – signi­fi­kanter Teil des Angeb­lickt­werdens – nicht zu haben sind. Dich­tung beleuchtet die Dinge und lässt sie lange Schatten werfen. Ihre Erhel­lungen sind nicht ein- und auszu­schalten wie eine Nacht­tisch­lampe. Mir dessen bewusst zu sein, bedeutet weder ein Hem­mnis noch eine Selbst­ver­pflich­tung auf Er­bauungs­lite­ratur, aber es hat mir auch niemand ver­sprochen, ich hätte nichts zu fürchten.
  Die ursprüngliche Bedeutung des italienischen Worts pensiero, „Gedanke“, war Angst. Das lateini­sche Verb pendere, auf das es zu­rück­geht, bedeutet in der Schwebe sein, und in diesem Sinne ver­wendete es Augus­tinus, um den Prozess der Erkennt­nis zu beschrei­ben: „Das Begehren, das der For­schung inne­wohnt (…), bleibt gewis­ser­ma­ßen in der Schwebe (pendet quodammodo) und ruht erst dann, wenn (der Forschende) gefunden hat, was er suchte und sich mit ihm vereint hat.“
  Die Geschichte der deut­schen Worte „Wahn“ und „Sinn“ wiede­rum bewahrt die Bezie­hung zwischen beidem auf. „Wahn“ ist mit dem goti­schen „vans“, leer, ver­wandt, während „Sinn“ auf Gang oder Weg der Gedanken zurückging. Noch reicher ist die indo­germani­sche Wurzel „wen“: Dieses Wort, aus dem sich sowohl Wüste als auch gewinnen herleiten, stand für trachten, wünschen, erhoffen, nach etwas suchen, für ver­langen und be­gehren. Im Alt- und noch im Mittel­hoch­deutschen bedeutete „wan“ da­neben auch Ver­mutung, Meinung und Erwartung – ein Begriff, der Denken und Streben ver­knüpfte, Kogni­tion mit Emotion. Von einem Streben ange­trieben, macht sich jemand auf den Weg der Gedanken, schreibend wird er zum selbst­ver­ges­senen Leser seines inneren Textes, seines verbum interium, das ihm aus dem verbum cordis erwächst, dem frucht­baren Mandel­kern der Sprache, der beides gleicher­maßen birgt, die Kraft zu be­gehren und die Möglich­keit, durch eine Porta morgana zu gehen, hinter der auf einer abschüs­sigen Bahn auch die Wechsel­fälle des Lebens ent­gleiten können; und während – und weil – er nach etwas sucht, etwas erhofft und ersehnt, kann er Freude (englisch „wine“) erfahren und Angst, er kann die Liebe finden (latei­nisch „venus“ und alt­indisch „vanati“) und durch die Wüste kommen, in die er auf seiner Suche geraten ist.


________________________

Literaturhinweise:
1Alfred Alvarez: Der grausame Gott. Eine Studie über den Selbstmord, Hoffmann und
Campe 1999 (Unge­achtet meiner Kritik an der o.g. These Alvarez´ möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich auf seine bedenkenswerten Überlegungen zu den veränderten Kunstbedingungen und die daraus resultierende Zunahme psychischer Erkrankungen von Künstlern im 20. Jh. hinweisen.)

2Anne Duden: Zungengewahrsam. Kleine Schriften zur Poetik und zur Kunst, Kiepenheuer und Witsch 1999

3 vgl. R. Klibansky / E. Panovsky /F. Saxl: Saturn und Melancholie, Suhrkamp 1992

4 Leo Navratil: Schizophrenie und Sprache. Zur Psychologie der Dichtung, dtv 1966
Navratil berichtet über Madame Sechehaye, die in Frankreich ein schizophrenes Mädchen behandelte, indem sie die infantilen Wünsche der Kranken »symbolisch erfüllte«. Da das Kind zu ängstlich war, um eine Liebesbezeugung anzunehmen, brachte ihr die Therapeutin Puppen, denen sie dann gemeinsam die Zuneigung angedeihen ließen, die eigentlich der Patientin galt.

5 Richard Davidson: Warum wir fühlen, was wir fühlen: Wie die Gehirnstruktur unsere Emotionen bestimmt und wie wir darauf Einfluss nehmen können, arkana 2012

6 Ted Hughes: „Der Gehenkte und die Libelle“, in: Wie Dichtung entsteht. Essays. Insel 2001 (vgl. Strahlung Sprache: 2. Plaza de Mayor)

7 Michael Greenberg: Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde. Hoffmann und Campe 2009
Sylvia Geist    06.07.2013    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 

 
Sylvia Geist
Lyrik
  1. Hundskurve
  2. Im Orbit des Saturn
  3. Porta morgana
  4. Ich in Aberland
  5. Plaza de Major
  6. Hölle und Halde