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Swantje Lichtenstein


An den Bergen weichkugelige Wipfel, die Wanzen nagen Schnecken nackt,
auf den Haselnusswegen die Stufen steiniger Wege und steile Gänge,
rennen den Hügel hinauf und ziehen durchs Dorf an der Blumentagseite.
Das Fenster am Berg durchzieht dunkle Wolken, an einzelnen Bäumen
bricht sich der Weg, am Leierbett mit juckenden Decken trägt der Rauch
die Wolkenwege ins Milchbuch ein, zusammen mit dem blauen Glitzern
der zähen Zurückgebliebenen ohne Erben, die auf Dampfbooten jubelnd
ins Wasser gehen. Der Steinstrand mit Wassertreppen unter Brücken liegt
unter den Ufern, den Strassen, vorbei an Ochsenbluttüren, an den Fenstern,
deren Flügel kleine Köpfe halten, geschlossen in der Nacht von einer Frau,
geöffnet am Tage vom Mann, immer schauen sie dabei in die richtige Richtung.
Den Gipfel krönt ein Vipernkopf am Hain mit Gänseblümchen aus Steinen,
aus runden Steinen nah am Rosenpfad und neben Marien,
hier führen die Stufen ins Gras und der Blick geht auf den Po.
Unter dem Tempo läuft es, und sie sitzt auf der Straßensperre und gibt Antworten.
Ihr Leben beginnt an der Spindel mit langen Beinen und kurzen Lügen,
mit kleinen Schritten, begleitet vom Duft des Jasmins, der sich sträubt
vorm Ende seiner Blüte hinüber zum verwesenden Tier.
An Wolken gekettet, an Stränge geknüpft laufen Eidechsen ohne Schwanz
und schlecken an den Stachelbeeren, richten sich nach den Lindenblüten,
entlang der Stromleitungen, die schaukeln im Wind, die rufen die Kinder,
die lassen die Bienen los mit den gelben Säckchen an den Beinen
und meiden den Wind, Drahthaare und läutende Tassen, die erzählen von Explosionen,
geben die Blumen an die Wand, die Genaueres nicht erzählt
von den Farben alter Tage, vom Prinzip der Engel.





  Für Christian Loidl

Werfen die Schalen auf den Boden, sacken den Taumel in die Nuss
an der Pforte steht die Spinne mit dem erhoben Finger und erfragt
mit einer Unterschriftenliste die Namen der Anderen, hält eine Schüssel,
sammelt in Gier und Heuchelei ein, was fehlt. Nachsichtig ist er klein,
die Zeichen zu deuten nicht Mann, nicht Frau, befallen mit Blutschuld und
Wunden klaffen auf ihren Mündern, offen an öden Orten hausen sie und
fragen die Hexe aus Endor und kennen sie nicht, wissen um Seirim und seine
Schwestern sagen die Sprüche nicht, auf den Knien rutschen sie auf die heiligen
Berge, an den letzten Gletschern saugen sie die Kälte ab und stürzen sich in
neue Fluten, Orkane und Seewehen, glauben nicht an Bocksgestalten
sie fürchten den eigenen Feind, ängstigen sich vorm Geist, der im Mund
seine Hausstatt hält und Kiesel türmt auf die Fragen der Welt,
setzen auf den Handel mit Purpurstoffen unter den Sklaven und herrschen
über die Herren, wenn die Sonne sich schwärzt und der Mond errötet,
wenn Gog und Magog an der Türe läuten und die Nackten mit gekrümmten Rücken
und den Häuptern, in Schlamm fallen sie, stecken bleiben sie,
vor den Augen ihrer Kinder lesen sie es, verdattert
Swantje Lichtenstein   06.02.2011    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
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