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Sissy de Leu

fleisch

nachmittags spiel ich vorm haus
im violett geblümten kleid
das kurz ist so kurz ich bin
gewachsen seit meinem geburtstag
im februar die polierten steine sind
unter den schenkeln juliwarm

in zwei wochen fängt die
schule an das haar meiner barbie
ist verfilzt weil hickes & ich
es mit spülmittel waschen
in der gedellten aluminiumschüssel
in der sonst das geschirr abtropft

durchs geschnörkelte treppengeländer
kann ich den abdecker vorfahren sehen
in dem riesigen stinkenden lkw
der die farben getrockneten blutes hat
als der fahrer aussteigt sucht sein
massiges bein wasser erde wurzeln
es vibriert: hungrig & hart

er kommt aus dem stall zieht
an einem strick der mit kälberbeinen
verschlungen ist ein neu geborenes
tier der faltige hals ohne
willen & kraft schlägt der kopf
gegen die laibung rumpelt offenen auges
über vernarbtes metall

hier räkeln sich zerschmetterte leiber
vielfach verbogene katzenkörper
starr & struppig das fell von blut
die astdünnen beine des haflingerfohlens
fliegenschwarz ragt ein knochen heraus
von der ladefläche fallen säfte
auf den schattenreichen hof

rinnen in kleinen bächen an der warmen
treppe vorbei zum gulli in den
ich am samstag den straßendreck fege
zum süßen aasaroma mengt sich diesel
als der laster hustend zurücksetzt
tropft es vom kalten kopf der barbie
venenwarm in mein offenes fleisch

(für m.)

 

Sissy de Leu   26.05.2007   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

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Lyrik