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Seyed Ali Salehi
Erster Brief

Hallo,
es geht uns allen gut,
wir haben nichts zu beklagen,
nur dann und wann den Verlust eines fernen Traums,
die Leute nennen es eine grundlose Freude.
Und doch, wenn es noch Leben gäbe,
ginge ich so am Rand des Lebens vorbei, dass
weder die Läufe des einsamen Rehs erzittern
noch dieses unheilbar unstete Herz.

Bevor ich es vergesse, ich sollte dir schreiben,
es war ein Jahr voller Regen im Umland unserer Träume.
Ich weiß, deren Hof ist immer erfüllt vom frischen Wind des
niemals mehr Wiederkehren.
Aber sieh zumindest du,
und wenn es nur manchmal ist, beizeiten,
dass die Spiegelung des Traumlächelns
dem Windröschen nicht gleicht!
Ich sollte dir übrigens sagen:
Ich träumte, ich hätte ein Haus erworben,
ohne Vorhang, fensterlos,
ohne Türen, ohne Wand.
Lach nur …

Ich sag es dir ehrlich:
So fern ist es nicht, ich werde vierzig Jahre alt.
Ich betrachte das Morgen als gutes Omen,
gerade eben fliegt ein Schwarm
schneeweißer Tauben am Himmel unsere Gasse.
Der Wind duftet nach meinen Verwandten.
Erinnerst du dich, dass du weggingst,
um Kunde zu bringen
von der Himmelsruhe?

Nein, liebe Riral, der Brief muss kurz sein,
einfach sein,
ohne ein Wort der Unklarheit,
ohne ein Wort des Spiegels.
Ich schreibe dir noch mal:
Es geht uns allen gut,
doch
glaube es nicht ...

Aus: Seyed Ali Salehi: Geboren in ein verworrenes Lied. Sujet Verlag 2013
Aus dem Persischen übersetzt von Madjid Mohit

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Lyrik