Sascha Kokot – Archiv
28.02.2008
Sieh zu wie der Wind alles abträgt
die Spuren verwischt
dieses verwüstete Alphabet
in unseren miesen Städten
ziehen schwarze Leiber
über jede freie Fläche
versengen die Menschen
mit faulem Geruch
bis überall nur Geröll bleibt
und das auf jedem Anschlag
und auch du sprichst Tag für Tag
gebärst stündlich tausendfach blöde,
sterben, nur mit Silben, immerfort.
Ewig bist du da im Puls anrauschen
weit draußen die Masten blaugrau
die Silhouetten monoton
dann die Nackten ohne Scham und Scheu
auf dürren Beinen staksen sie
zählen die Möwen die Buhnen die Tide
das auch ja nichts passiert
doch das Wetter wächst immer neu
zeigt uns mit seinem Licht
auch wir leben auf dem Grund.
Schon seit Stunden hängst du über der Stadt
die Dächer kupfern pfeifen leise
all die Fenster singen aus vollem Hals
die Bewohner verletzen sich
verunglücken beim Steckerziehen
sämtliche Sicherungen sind sinnlos geworden
nach und nach trifft jeden der Schlag
hinterlassen nicht viel
nur ein wenig Kehricht
ein zwei Namen die Adresse Worte.
Wer spricht noch?
Und du hast Angst in diesen Straßen
eines Tages waren alle fort
kein Schweigen kein Murmeln
nichts blieb
selbst die Knochen der Häuser
sind nichts unter diesem Licht
einer zerbrochenen Sonne
zum Schluss verschwand der Himmel
und an diesem Tag
stieg der Fährmann ins Wasser.

|
Sascha Kokot
Lyrik
Cowboylyrik
|