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Michael Augustin
Reinhold, 49


Es lag /der Bergschnee war geschmolzen/
in der Donau glitzerndes Weiß
leicht zitternd, leicht brausend
das Reinhold zu fassen sich verwehrte
denn Weiß meint Kälte und Wasser gütiges Ende

Es lag /die Kette in Mutters Schlafzimmer gebrochen/
sein Rennrad im Dickicht der Ufer-Lianen
das Reinhold schmelzen sah
zu einem Bild jenes Sommers, den er genoss
vor vierzig Jahren, in schwarzer Liebe
an der Hand des vermeintlichen Vaters

Es lag /Mutters Körper ein letztes Mal warm geworden/
seine Geburtsurkunde in Reinholds Hand
die nun in Richtung Sog ihn ruderte
den sein vermeintlicher Vater ihm gewiesen hatte,
um vermeintlich das Schwimmen ihn zu lehren

Es lag /die Flasche irrlichterte des Inhalts beraubt/
ein Liter vergorener Nadelbaumwipfel
in seinem Magen und Leben
den Reinhold nun spürte in Sicht und Herz
als er sich näherte dem Sog urtümlichen Wassers

Es lag /dem Grabstein in Zagreb entrissen/
ein Medaillon in Reinholds linker Hand
das er in die Kiste seiner rechten legte zur Geburtsurkunde
die er 49 Jahre nach seinem Aufleben der Mutter abgedroschen hatte
kurz vor dem Sog, dem knospenden Sog
Roland Steiner September 2012    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen

 

 
Roland Steiner
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