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Robert Prosser

Nacht/Morgen und wo

bist du
in jeder Finsternis dasselbe Gefühl wie jenes,
wenn man nicht rum sitzen und schon gar nicht schlafen kann,

weil man viel zu gierig auf die Nacht ist
unzählige Male gebrochen im Kaleidoskop zu
Schweiß Zweifel Fragen
ein Adieu
          Blues vom Unterwegssein
so viele Nächte sind Zuhörer
und Bewahrer von Geheimnissen
tief versteckt im Zwielicht
das Warten unter Straßenlaternen und
Grabungsstätten nach lasziver Ausschweifung
werden Risiken im Kartenspiel mit dir als Einsatz –

Ja, mon chérie,
über Mauersteine weiß
gehen bedächtig Füße
zum Tribut an Frida Kahlos Anfang
Zeit für Teil II
mal Grenzenausloten durch
Schrift Bilder
behutsam schleichend hängt
von der Decke eine Fledermaus
gefiedert in leeren Weinflaschen

Fernweh fällt als Breakbeat
aber niemand besitzt Regenschirme und
Augen senden Röntgenstrahlen sensorisch
in die zweite Wirklichkeit hinter Kopfweh
sitzen Ungeborene an Nähmaschinen
auf Tischen platziert Dessous
für Lautreamont's Eroberungen

warten auf dich damit sich's auch wirklich lohnt,

weil die Nacht ein Hafen ist,
an welchen Stimmen andocken am Körper
hallen Laute entlang entfachen
ein Sprachgewirr an Landungsdecks
beginnen damit Geheimnisse betrunken
in die engen Gassen zu eilen,

die sich weit verzweigen zum Schutzschild in der
Dunkelheit deren Adern sind und
glücklich niemals gelüftet werden in Spelunken
mehr Alkohol und mehr billige Liebe
mehr als auf all dem melodiösen Heulen
jemals zum finden wäre
auf der Fahrt verloren über Ozeane die
ruhelos zwischen Tag und Nacht nicht dämmern
aber stürmisch Schiffe peitschen
die Wellen branden um das Zimmer
mitsamt dem Rettungshafen
im Zentrum
liegen unzählige gekenterte Schicksale
als Schmuck für Tiefseekraken,
die den Morgen verlachen,
der über dem Hafen hereinbricht und auslöscht
die Erinnerung an Mysterien

feierten in finsteren Straßen Orgien
in Bergwerke gehauene Leben klingen
aus Tunneln einsam Mundharmonikamelodien
und Elegien für Vamps, Seher und Sänger.

Blinde Prophezeiungen verstecken dich
hinter Masken aus Sonnenlicht und in
Augenhöhlen Spatzen

flattern oft am Anfang des Morgens verhängnisvoll
und blinzelnd die Blicke des Fährtenlesers
im Licht enthüllen sich Spuren hinterlassen
von Mitternachtsarmadas Stunden zuvor
im Unbekannten sangen sie Laute, die Hunger
hervorrufen und fremde Wörter den Weg zurück
entschlüsseln an Stränden die Choreografie zu finden
den Stillstand der Gier.

 

Robert Prosser   07.06.2007   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht

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Lyrik