aufwachraum I
ach wär ich nur im aufwachraum geblieben
traumverloren tropfgebunden unter weißen
laken neben andern die sich auch nicht fanden
eine herde schafe nah am schlaf noch nah an
gott und trost da waren große schwesterntiere
unsre hirten die sich samten beugten über uns –
und stellten wir einander vor das zahlenrätsel
mensch: von eins bis zehn auf einer skala sag
wie groß ist dein schmerz? – und wäre keine
grenze da in sicht die uns erschließen könnte
aus der tiefe wieder aus dem postnarkotischen
geschniefe – blieben wir ganz nah bei diesem
ich von andern schafen kaum zu unterscheiden
die hier weiden neben sich im aufwachraum
aufwachraum II
ach wär ich nie im aufwachraum gewesen
taub gestrandet schwankend in der weißen
barke neben andern barken angebunden –
ja das ist der letzte hafen ist der klamme
schlafkanal mit schwarzen schwestern die
als strafgericht am ufer stehn und dir mit
strengen fingerspritzen drohen: tropf und
teufel meine liebe können sie mich hören
und hören kannst du nichts nur diese stille
in den schleusen sanitäres fegewasser das
dich tropfenweise aus dem schlauch ernährt –
als unter deinem bett das meer mit raschen
schlägen dich zurückraubt in den traum von
stern und knebel fern vom aufwachraum
kreisau, nebelvoliere
streng genommen hast november du
mich an deine weiße nebeldichte brust
was sag ich brust ein klappriger kasten
ein käfig mit garten und diesigem tand
darin ein alter vogel auf der stange sitzt
halb winter halb spitzengewirkter volant
wie nahmst du mich wie kam ich ins tal
wie scheuchst du mich zwischen eichen
dein fiepender atem in der allee flicht
feuchte netze ums geäst zum labyrinth
halbblind bin ich in deinem rippenlicht
und schwindlig geliebter als hättest du
für immer das schimmlige gitter gewebt
um den vogel dein schwebeteilchen herz
an die kreisauer hunde
o der dorfhunde kleingescheckte schar: schummel
schwänze stummelbeine zähe schnauzen am zaun
euch gehört die straße der staub am asphaltsaum
euch die widerhallende nacht im schlafenden tal
jedes echo gehört euch: der zuckende rückstoß
von klang an den hügeln hierarchisches knurren
und bellen in wellen: heraklisch erst dann hünen
haft im abklang fast nur ein hühnchen das weiß:
wer hier nicht laut und geifer gibt den greift sich
die meute in lauffeuer kehlen verliert sich der ort
so mordio etc. vermesst ihr die welt in der senke
beherrscht jeden weg jeden fremden und mich –
euch gehört meine fährte mein tapferes stapfen
euch meine waden dorfauswärts zuletzt
nachtrag an die kreisauer hunde
wer sagt gedichte sind wie diese hunde
im dorfkern vom eignen echo umstellt
vom warten und scharren bei halbmond
vom sturen markieren im sprachrevier
der kennt euch nicht ihr rasenden kläffer
kassandren im lautrausch der wallachei
denn ihr fügt was wort ist und was wade
hinterrücks in tollkühnem biss
zusammen als wär ein bein nur ein blatt
und die ordnung der dinge ein tausch:
in meinem stiefel noch der abdruck
eurer zähne – vom tacker vier zwacken
so lohnt ihr dem vers der euch nachlief
folgt welt wohl der dichtung bei fuß