Ruth Wiebusch – Lyrik

orion

erste sterne am himmel: eh
die schnellen hunde die füchsin schlagen
jagen sie würgend die möwen
gekreisch und etwas wie blut
das meer schwimmt in blauem eisenhut
im garen licht kommt der hund aufs boot
geruch von nacht stein algen kot
und es verspricht
kühl zu werden über der see

gläsern

die landebahn weißpoliert
aus der empfangshalle
blick in ein aquarium:

winzige vögel schwimmen
wie mücken an der oberfläche
der unterseite des himmels

hochzeitskompott

der raum, dachte ich, ist nur die schleppe des körpers.
entbunden am ende wird der schleier gelöst:
braut, der das haar entfliegt,
welle, teilchen, licht.

wie er sie über die schwelle trägt,
sieht man nicht.

rom

zu viel, um alles anzuschaun, zu viele wege.
mein nymphchen folgt mir, hüpft voraus, bricht den wirrwarr der straßen.
als die sonne verwolkt, entkommt sie im wildwuchs.
im brunnen rauscht was vergessenes:
spiegelbild, spiegel, geliebter.
erst mittags finde ich sie, schlafend am ölbaum, auf ihren lippen glück.
die stadt sieht alt aus und wirft ihr echo zurück.

grasgeruch im treppenhaus

durchs fenster mäht der alte
nachbar den rasen von oben

ein insekt das sich sehr ziel
gerichtet über die augen

blicke dem lattenzaun nähert
bahn für bahn dem abend

hecken

du stellst dich
querstraße
du stellst dich
querstraße
vor mein haus

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