Verirrter Wanderer
Vereinzelt Schneeflocken Anfang Dezember obwohl
laut Kalender noch Herbst
Ungewöhnlicher Herbsttag also hienieden
sich fügen wider Natur und Augenschein
Durch Nebelstreifen gebrochenes Licht
liegt auf verworfenem Acker lautlos
die Saatkrähe
Die Tage gehen dahin im Gleichschritt
wie leicht und schön sich das spricht
Heh! Schwarzamsel lärmende schrecke mich nicht!
Wohin soll's gehen, führt die Reise?
Nimm mich doch mit zurück das Stück!
Wir sind wett
Zaunkönig ich Schneekönig er das war die Frage
anno Schnee mitten im Sommer der Streit
mit dem Nachbarjungen über ein und denselben Vogel
weiß ich heute späte Erkenntnis da lahnen
die Buchstaben weg aus den Wörtern
im Schneemond Vogel federlos auf Baum astlos
Lakunen im Text in der Lake Schmieralien es hat
eine Lichtigkeit (kein Lambdazismus Verzeihung Herr Jandl)
es hat gewetterleuchtet und ich habe geschneeballt
Eingeständnis wie von Sünde begangen haben mit Absicht
Gedichte unter die Leute im Schneeballsystem es lebe
Wie zum Trost
Geflochtenes graue schwarze Wand
die Wörter aus dem Schacht winden
sacht hat angeklopft die Sehnsucht
Gegenstand des Gedichts Plage und Qual
allemal Scham im Spiel Kummer
die Nummer zu groß zuschanden geritten Pegasus
muß mit dem Denkzettel leben für heute
Horcher an der Wand hört die eigene Schand
Unproduktive Tätigkeiten seien
für die Volkswirtschaft sinnvoll
lese ich sogar gewinnbringend
deshalb das Schreiben von Gedichten
rede ich mir ein auch weiterhin muß sein
Traumabfolgen
geschwind noch genommen den Wind
hangen an langen Stangen die Fahnen
rot der Tod wehte mich an
kamen die Hunde rissen die Wunde
stand die Meute Vorderläufe im Fleisch
mit Gier benetzt die Muffel
flohen die Sonnen hinter den Wolken geronnen
verschämtes Licht angesichts der Schlachtung
unter dem Himmel weit und breit
ließ ein Rabe sich nieder in weißem Gefieder
äugte das Auge sich aus daraus wuchs
Reiter mit flammendem Schwert
jagte Walküre vorbei auf dem Genick
des Geripps mit schäumendem Hodensack
trieb rittig mit den Schenkeln es an
böte der Mond mir Bleibe
irgendwann als sein Mann kehrte ich ein
© Johann Lippet Poetenladen