Ein alter Mann hat von einem Bekannten ein Haus geerbt. Mühsam macht er sich auf zu seiner letzten Reise, den Umzug in die neue Stadt, in eine kleine Wohnung des Hauses, aus der er die Geschehnisse auf der Straße und die anderen Hausbewohner beobachtet. Eines Tages begegnet ihm ein Fremder, der die kleine Welt des alten Mannes zum Einstürzen bringt: Erst kann er ihn keiner seiner Erinnerungen zuordnen, dann hält er ihn für einen RAF-Terroristen und schließlich scheint der Fremde zu einer Personifikation seiner selbst zu werden. Nach und nach verwebt sich das gesamte Leben des alten Mannes mit seiner Kriegsschuld, die er jahrzehntelang verdrängt hat: Das Haus, in dem er wohnt, bekam er von einem Bekannten, der im Krieg mit ihm gekämpft hat. Im Keller, auf der Suche nach dem Fremden, findet er eine alte Kriegsuniform, und auch der Fremde scheint nur ein Fantasiegespinst des Mannes zu sein, das ihn mit seinen Taten als Aufseher in einem Kriegsgefangenenlager konfrontiert.
Inka Parei schreibt in ihrem neuen Roman Was Dunkelheit war eine Geschichte, die im Zwielicht stattfindet – im Zwielicht zwischen Erinnern und Verdrängen, zwischen Träumen und Vergessen. Für Auszüge aus Was Dunkelheit war wurde Inka Parei während der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt 2003 bereits der Ingeborg-
Der alte Mann bleibt im Roman namenlos, genau wie der Fremde, dessen geheimnisvolle Identität der Mann ebenso wie seine Erinnerungen nicht erfassen kann. Das Verschweigen, auch das Verschweigen seiner eigenen Identität vor sich selbst, spielt die zentrale Rolle in Was Dunkelheit war. Die letztendliche Auflösung der Dunkelheit in Licht, der verschwommenen Bilder in eine klare Erinnerung gelingt Parei so elegant und erhellend, dass man das Buch sofort erneut aufschlagen und wiederlesen möchte.
Inka Parei
Was Dunkelheit war
Roman
Frankfurt: Schöffling & Co. 2005
© 2006 Katharina Bendixen Poetenladen