Ines Oppitz – Lyrik

dachmusik

blechgesänge
über dem exil
anderer dächer

weil heimat
im kopf
sitzt

dazwischen ein
uhrenhaus
und efeugeflochtenes lockenband
über
der stirn

das leben
von morgen
um die ecke
gebogen

vor dem tunnel
ein gestrichener
traum

wie es ist

zwischen kotflügel und
rad das ende
der spieluhr

erst in der
ferne erholt sich
die straße vom
schmerz

kein hirt ist
der mond
er hütet und er
verdirbt nicht

keine schuld hängt
an ihm

die freundin in
fremden schuhen um
die schultern durchlöchertes
licht

ein balkon an
die salzluft gelehnt vor
dem zimmer der
fische

hammer und
zange im kopf aus
der mitte gebrochen das
bild

bonjour

der besen
auf dem haken
im flur

stromschnellen durchs
haus als fiele
dein lächeln
ein
das immerwährende
licht

und

ein schuß verrutscht
in den prismen der
luft

bei offenem feuer
rundet sich eine
schulter
hantiert tag für tag
eine beschreibung

fraglich

wohne hier
ein webstuhl
drei äpfel hinter
der tür

über die kante
gezogen
himmel hölle und
haus
knopf und
nadel im
ohr

huflattich halb
unterm
schnee

lippenweit
zirrusgirlanden


immer / heute

nur katzensilber
und
haut durch
gitterstäbe gesiebt
wie regen

laufgeschwindigkeit
überschlägt jedes
geländer schösse
voll luft trügen
halt erstickter
asphalt der himmel
darüber

und die blinde
waage der tag
sinkt zu spät
um ein wort
ungerührt
in den
abspann


dezembermorgen

inseln
die aufblauen
ins stromnetz
der bäume

tellerhut
einer säule
über den farbtrieben
der stadt

angststarr
später
die luft

schwarze diamanten
im schnee
die abgedunkelten seelen
der rabenkrähen *

am scheitel
der ufer
verspiegeltes strandgut
aus
verschwommenen
stunden

für Sarah Kirsch
* aus Das simple Leben von Sarah Kirsch

salzburg

eilige blindenschrift
stadt
vorbei an den
straßen

während jenseits
der häuser
der schnee
blockt wörter
sich bauschen
als wären sie
wirklich
zu leben

winzige treibeisriffe
im teich –
nach innen geschliffene
stille –

singen weiß
einen langsamen
regenbogen zur
nacht
den der kauz
in seine ohrfittiche
flicht

salzburg II

drapiert
die wasserhaut
über münzkonfetti
und schlamm

zarte vampirgestänge
die der frost
ins gebälk
hängt

zittrig und krumm
schwenkt
der zug einen
fernen
schrei

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