Gedichte | Geschichten | Gespräche
Literatur und Poltik – aktueller könnte das Thema kaum sein, das poet nr. 9 behandelt. Autoren wie der diesjährige Büchner-Preiträger Reinhard Jirgl, aber auch Schriftsteller aus der jüngeren und mittleren Generation wie Kathrin Röggla oder Michael Wildenhain geben Auskunft.
»Politische Literatur ist zunächst Literatur und muss deren Gesetzmäßigkeiten
gehorchen. Pures Agitprop zum Beispiel ist keine Literatur
und insofern auch keine politische Literatur.«
(Michael Wildenhain im poet-Interview)
Daneben natürlich junge Prosa und Lyrik mit vielen Entdeckungen. Einen spannenden dichterischen Einblick vermittelt die von Jürgen Nendza zusammengestellte Sammlung neuer niederländischer Lyrik.
In Calw konnten Herausgeber und Redaktion den Hesse-Preis entgegennehmen. In seiner Laudatio sprach Michael Braun von den letzten »Abenteurern des Geistes«. In der Tat: Wir leben in einer literarischen Welt, die auf
der einen Seite zunehmend von Konzernen mit Bestsellerliteratur dominiert
wird, auf der anderen Seite eine unendliche Flut an »geistigem
Trash« im Netz produziert. Jenseits dieser Quantitäten jedoch lebt und
gedeiht eine literarische Szene, die so faszinierend ist wie wenig sonst. Es
ist beglückend, daran mitzuwirken.
Hans van de Waarsenburg
Beschreibungen des Sees
Bei der Beschreibung des Sees
Vergisst du die Berge, die Bäume
Und das Wasser. Boote liegen
Umgekippt auf dem Trockenen. Die
Insel ist eine Luftspiegelung.
Bei der Beschreibung des Sees
Lachen Fische ihre Tränen trocken,
Bröckelt Fels wie Roggenbrot
In den Vogelnestern von einst.
Bei der Beschreibung des Sees
Fließen die Farben aus einer Ansichtskarte
Und verwässern in betrübten Gläsern.
Bei der Beschreibung des Sees
Schneit es tagelang.
Hans van de Waarsenburg in poet nr. 9
Aus dem Zyklus: Beschrijvingen van het Meer
Übersetzung des Zyklus: Marinus Pütz
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