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Norbert Hummelt
deutscher herbst

über dem elbtal hängen schwere wolken. im dunst versunken
steht der lilienstein. wir waren nicht dabei, als hier die flüsse
schwollen, aber die nässe kommt, sie zieht schon in uns ein

u. diese marke an der mauer kündet, wie hoch das wasser stand
am sechzehnten august. du sagst du frierst u. möchtest schon
mal vor zum auto gehen u. ob ich dir die dicken socken bringe

wenn ich noch einmal auf dem zimmer bin. in diesem sommer
sprachen wir darüber, wie dunkel es in deutschen orten sein
kann, ob nun in bacharach, bad sulza oder hier in königstein.

sind dann die tage auch noch trübe, schenkt nur das essen
wohliges gefühl, für kurze zeit. die heizung bullert u. dann
muß man lüften u. aus der stube mit den hirschgeweihen,

dem kachelofen u. der täfelung tönt bis durch die fremden-
zimmerdecke die stimme von herrn zimmermann aus wien.
der kommt schon lange her, er reist allein u. unterhält uns alle.

wir liegen unter schweren federbetten u. wir bitten, daß
diese nacht an uns vorübergeht. ich will die ritze zwischen
uns nicht spüren. dann geht die spülung. es ist erst halb zwei.

Norbert Hummelt  06.06.2008   Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht   Seite empfehlen Diese Seite weiterempfehlen

Norbert Hummelt
Lyrik