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Mirko Wenig
Nachtspaziergang

Sie hausen in Industriebaracken, klettern über Zäune
und Garagendächer, beißen Ratten tot.
Sie machen Katzen den Fressnapf streitig.

Doch dieser Fuchs, mein eigener
verlauster, war zu alt für Beutezüge. Der Rücken
gekrümmt, das Fell voll Wanzen, so
schlich er nachts an den Abfallbehälter, stieß
ihn um und fraß. Langsam nur
näherte ich mich, wollte ihn
nicht aufschrecken.

Ich sah ihm zu. Der Fuchs fraß, wie
ein Tier frisst, schnell und hastig, ohne
viel Aufhebens. Dann lief er davon
und verschwand in den Büschen.

Nichts weiter
passierte. Ich ging heim. Dass ich mich
durch Steine fraß, an den Zitzen der Nacht
saugte, wäre gelogen. Es regnete nicht. Wolken?
Gab es keine.

 

Mirko Wenig  29.05.2009    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
Mirko Wenig
Lyrik