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Michael Basse

Partisanengefühle

In blauen salons beim zweiten rioja dritten schnaps je nachdem was vorrang hat (blood art cross scar hiphop etc.) häufen sich wieder frontberichte (lever dood as slaav companeiros) vom leben hinter feindlichen linien (ein bildnis der wildnis weiter nichts) wer tauscht mit wem wer teilt nach belieben ohne vertrag lizenz zum töten bewegung im frontabschnitt nur mit losung es war fünf uhr als die sonne schrie und gegenlosung wo ist mein mond in freudlosen vorstädten ausgeleuchtet bis in den morgen man muß sie schon lieben die hochsitze schießstände sicherheitsgräben es lieben vor läufen zu patrouillieren (zielt gut ihr hunde & trefft wenn ihr könnt) vor jedem streifzug der blick vom gebirg' auf umzäuntes gelände ruhig souverän ohne plötzliche hast der augenblick angespannter ruhe wie füchse schakale ihn lieben nicht wissend was sie unten erwartet morgen übermorgen (nicht heute) ein glühen glimmen über allem (ein bildnis der wildnis weiter nichts) welcher fußabdruck passt zu dir welches lied wer springt zu früh aus der spur ins freie verfolgt von hungrigen augenpaaren die nicht stillhalten können wollen bei ihrer abrichtung zurichtung blendung (ein bildnis der wildnis weiter nichts) es gibt noch bewegung hinter den linien jenseits der aufmarschplätze alleen man muß sie nur lieben die hochsitze schießstände sicherheitsgräben ohne atempause dazwischen ohne erinnrung an berge wälder (ein bildnis der wildnis weiter nichts) verfügbare masken du kennst sie benutzt sie jäger gejagter seit menschengedenken (der barbarossaerlass kennt kein drittes) immer noch besser gejagt als gar nicht in mutters sprache vaters geschlecht & kein pardon für füchse schakale frontberichter mondanbeter (ein bildnis der wildnis weiter nichts) welcher fußabdruck passt zu dir welches lied wer springt zu früh aus der spur ins freie hinter die linien hinter die linien ohne erinnrung an berge wälder (ein bildnis der wildnis weiter nichts) ein echo ein nachklang aus alten zeiten –

wer erschoß salvatore giuliano und wer federico garcia lorca (die wunden brannten wie sonnen am nachmittag um fünf uhr) wo ist mein silbermond meine möndin und wo mein gedicht mein schmutziges messer (ein bildnis der wildnis weiter nichts)

Aus: Partisanengefühle, München (P. Kirchheim Verlag) 2004

Michael Basse  03.12.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik