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Michael Basse

Gallische feldwespen

Ich sah sie sterben am nachmittag
kleine tapfere gallierinnen
waren lautlos und friedlich
hab sie erst gar nicht bemerkt
suchten sich die wärmste stelle
im hohlen balkongestänge
später hab ich sie gezählt
gab ihnen namen von eins bis zwanzig
hab mich richtig in sie verliebt
in ihre langen grazilen beine
ihre schlanken hinterleiber
ihre orangenen fühler
kleine tapfere gallierinnen
hielten mir alles vom leib
fliegen stechmücken moskitos
unersättliche killerwespen
drehten in letzter sekunde ab
als wären die blumenkästen tabu
tapfere kleine gallierinnen
mümmeln sich immer enger zusammen
zu siebt zu acht stirbt es sich leichter
der herbststurm fegt durch die ritzen
stündlich nimmt er eine mit
die andern schmiegen sich ans gestänge
werden die nacht nicht überstehn
aber den whiskytod lehnen sie ab
götterblut lehnen sie ab
zuckerwasser ahornsirup
blütenhonig fehlanzeige
tough bis zuletzt keinen deal
tapfere kleine gallierinnen
ich sah die versteinerten flügel im wind
ich sah erzitternde körper
sah wie die hand nach ihnen griff
ich mach euch ein zeichen an meine tür
hier könnt ihr wohnen.

Aus: Prachtmenschen, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008

Michael Basse  03.12.2008    Druckansicht  Zur Druckansicht - Schwarzweiß-Ansicht    Seite empfehlen  Diese Seite weiterempfehlen
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Lyrik